Xenoblade Chronicles Definitive Edition - Test: Das titanische RPG jetzt auch auf der Switch

Endlich wieder zuhause! 

Test Update zur Definitive Edition für Nintendo Switch vom 28. Mai 2020.

Da ist es nun, das erste und beste Spiel der Xenoblade-Reihe in einer opulenten Neuauflage für die Nintendo Switch. Unseren ursprünglichen Test der Wii-Version lest ihr für eine eingehende Analyse der inneren Werte ein Stück weiter unten. Hier soll es in erster Linie um das Update gehen, das der Titel für die Version für Nintendos Handheld-Konsolen-Hybriden bekam. So viel vorweg: Xenoblade Chronicles wird auch in seiner Neuauflage für viele eines der stärksten und frischesten JRPGs der letzten zwei bis drei Hardware-Generationen bleiben.

Das liegt in erster Linie an der Welt, auf der der Titel spielt: Bionis und Mechonis sind die jeweilige Heimat zweier verfeindeter Völker. Diese Feindschaft ist ihnen gewissermaßen in die Wiege gelegt, liegen diese beiden Länder doch auf auf den Überresten zweier im Kampf miteinander gefallener Titanen. Das Spiel nutzt das für eine recht klassisch gestrickte, aber auf gute Art gefühlige Rachegeschichte, die sympathische Figuren im unerklärlich dicken Cockney-Akzent durch ebenso unwahrscheinliche wie fantasievolle Panoramen schickt.

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Hach, wie gerne streift man hier umher. Heute wie 2011, nur ein bisschen schöner.

Vor allem, was in der vorderen Hälfte auf Bionis geschieht, zieht einem regelmäßig die Schuhe aus. Auch heute noch, zehn Jahre nach dem ursprünglichen Japan-Release des Titels. Aber auch die spielerische Seite hatte alle Aufmerksamkeit verdient. XC wandelte auf einem ähnlichen Weg wie das zwölfte Final Fantasy und implementiert MMO-Elemente in den Echtzeit-Kampf: Durch Positionierung, Chain-Attacken und diverse Charakterrollen stecken hier viel Dynamik und taktisches Potenzial drin, das auszukosten sehr motiviert.

Was die Technik angeht, analysiert Digital Foundry weitaus tiefschürfender, als wir es jemals könnten (seht dazu das Video unter diesem Abschnitt), aber mein persönlicher Ersteindruck war fantastisch: Vor allem die Charaktere sind nun deutlich plastischer und zeitgemäßer, so gut wie alle Texturen sind feiner gezeichnet und im Effektgewitter blickt man besser durch. Auch die Polygonmodelle sind nun deutlich abgerundeter. Das Spiel wirkt direkt zeitgemäß. Hier und da fallen aber auch einige seltsame Defizite auf. So bewegen sich etwa die Zweige und Äste von Bäumen nicht im Wind. Und auch die Auflösung skaliert sichtbar aggressiv, was für ein weichgezeichnetes Erscheinungsbild sorgt. Mit der Zeit bestätigte sich der überschwängliche erste Eindruck also nicht, trotzdem ist das Spiel an und für sich optisch an genügend wichtigen Stellen verbessert, um nicht wie aus der Zeit gefallen zu wirken. Auch heute muss es sich kaum vor der Konkurrenz verstecken.

Wer das Original schon zu Ende gebracht hat, freut sich unterdessen über den neuen Epilog Future Connected, der netterweise direkt vom Hauptmenü aus anwählbar ist. Gut 15 Stunden entführt diese Zusatzepisode Melia und Shulk auf die Schulter des Bionis. Sogar spielerisch gibt es hier angesichts der Handlung ein paar Änderungen, die dafür sorgen, dass Veteranen nicht im Autopilot hier durchbolzen. Shulk kann zum Beispiel nicht mehr Gegneraktionen vorhersehen. Und wenn ihr Nopon-Allergiker seid ... dann hat euch vermutlich schon das Hauptspiel nicht abgeholt. Aber zugegeben, Future Connected ist diesbezüglich schon hart an der Grenze des Zuckerschocks. Trotzdem ist der Epilog die Reise wert, denn das neue Gebiet macht was her und überhaupt: Eine Rückkehr auf diese Welt und zu ihren Figuren tut einfach gut.

Ist die Frage, ob ihr dafür Vollpreis bezahlen wollt? Fans haben zweifelsohne immer noch das Original zuhause und für etwa 15 Stunden Future Connected und die sichtbaren, aber nicht vollumfänglich überzeugenden Änderungen ist das Preisschild vielleicht ein wenig hochgehängt. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein Spitzen-RPG, das auf jeder Konsole ziemlich nah dran am Kronjuwel sitzt, sodass ich fast sagen würde, dass Neulinge für das Geld beinahe den besseren Deal erhalten. Und die sollten auch weiter unten den Rest des ursprünglichen Tests lesen, um sich ein umfassenderes Bild von den Qualitäten des Spiels zu verschaffen.

Xenoblade Chronicles Definitive Edition erscheint am 29. Mai 2020 und kostet 59,99 Euro

Ursprünglicher Test der Wii-Version, 17. August 2011 (Thomas Nickel)

Nein, leicht hatten es die Fans japanischer Rollenspiele in dieser Generation zumindest auf Heimkonsole nun wirklich nicht. Während sich auf DS und PSP die erstklassigen Abenteuer nur so die klinke in die Hand gaben, war auf den Heimkonsolen Schmalhans Küchenmeister. Was gab es da schon großartig? Tales of Vesperia. Blue Dragon. Lost Odyssey. Und natürlich das in vielen Kreisen heftig umstrittene Final Fantasy XIII. Den Rest können wir eigentlich guten Gewissens als B-Ware abtun. Das definitive JRPG dieser Generation, das sind uns die Entwickler nach wie vor schuldig. Doch mit Xenoblade Chronicles kommen Tetsuya Takahashi und sein Team Monolith Software diesem Ideal ganz schön nahe!

Selten war eine Rollenspiel-Welt so faszinierend wie die von Xenoblade-Held Shulk und seinen Mitstreitern. Diese Welt, das sind die im ewigen Zweikampf erstarrten Körper der Titanen Bionis und Mechonis. Während sich auf Bionis eine menschliche Zivilisation entwickelte, entstanden auf Mechonis mechanische Kreaturen, die nun eine Invasion auf Bionis starten und dessen menschlichen Bewohnern eigentlich gnadenlos überlegen sind.

Nur das geheimnisvolle Schwert Monado kann es mit den Angreifern aufnehmen. Und dieses Schwert soll schon alsbald Shulk führen, obwohl der als Bastler und Tüftler doch viel mehr an der Erforschung der mächtigen Waffe als am Kampf interessiert ist...

Sagen wir es doch kurz und für die Konkurrenz schmerzhaft heraus: Xenoblade macht nahezu alles richtig. Die Welt ist nicht nur spannend und originell, sie ist auch riesig groß, verzweigt, voller Geheimnisse und bietet Aussichten, die euch manchmal schlichtweg die Sprache verschlagen. Die Handlung ist spannend und ansprechend geschrieben, aber nie übermäßig dominant - ihr verfolgt die Abenteuer von Held Shulk und seinen Mitstreitern, ohne endlose Zwischensequenzen über euch ergehen lassen zu müssen oder anhand der Dümmlichkeit der Dialoge den unbedingten Wunsch nach Suizid verspürt.

Insbesondere das Kampfsystem ist durchdacht, elegant und angenehm komplex. Xenoblade Chronicles verzichtet komplett auf Zufallskämpfe und einen separaten Kampfbildschirm. Monster laufen genau wie ihr ganz in den ausladenden Szenarien umher und bevor ihr euch in den Kampf wagt, dürft ihr erst einmal den Level eurer Widersacher checken. Viele mächtige Kreaturen sind gerne ach mal friedlich und lassen euch in Ruhe, wenn ihr sie nicht gezielt provoziert. Der eigentliche Schlagabtausch läuft rundenbasiert ab. Euer Held greift automatisch in regelmäßigen Abständen an, ihr könnt aber jederzeit den Befehl zu einem effektiven Spezialangriff geben, während eure Kumpane selbsttätig agieren.

Komplex werden die Kämpfe durch das Kombo-System, bei dem ihr lange Angriffsketten ausführt, und durch die Positionierung eurer Figur: Manch eine Attacke ist nur von der Seite oder von hinten wirklich effektiv. Natürlich entscheidet auch die Wahl eurer Waffen oder Rüstungen über Sieg oder Niederlage und praktischerweise beeinflusst eure Ausrüstung nicht nur eure Werte, sondern auch gleich noch das Aussehen eurer Helden - so mögen wir das!

Das ist aber nicht der einzige, sonst nur aus westlichen Rollenspielen bekannte Luxus! Xenoblade Chronicles geht noch ein paar Schritte weiter. Ein übersichtliches Questlog? Kein Problem! Jederzeit freies Speichern? Aber immer doch! Praktische Instant-Reisen in bereits besuchte Gebiete? Na klar! Freies verändern der Tageszeit? Warum nicht? Ihr könnt sogar eine übersichtliche Grafik aufrufen in der euch die Beziehungen der Helden und der NPCs zueinander angezeigt werden! Diese Kleinigkeiten sind es dann auch, die Xenoblade Chronicles vom richtig guten Rollenspiel zum herausragenden Top-Titel erheben.

Dabei steuert sich Xenoblade Chronicles absolut eingängig und durchdacht, einen Classic Controller solltet ihr aber doch besser am Start haben. Der GameCube-Controller wird leider nicht unterstützt und mit der Wiimote-Nunchuk-Kombo ist die Kamera-Kontrolle nicht immer ganz optimal. Gut, dass Nintendo für gerade einmal 10 Euro mehr eine hübsche Special Edition anbietet, der ein rotes Exemplar des Controllers heiligt.

Ach ja, und dann ist da natürlich noch die Grafik. Kurz gesagt: Xenoblade Chronicles sieht fantastisch aus. Klar, dass Spiel läuft lediglich in einer Maximalauflösung von 480p und wer genau hinschaut, der erkennt, dass die Figuren zugunsten der Umgebung etwas einfacher modelliert sind und auch manches Bodendetail der enormen Weitsicht geopfert wurde, aber der Gesamteindruck ist nahezu überwältigend.

Die Architektur der Landschaft ist herrlich anzusehen und manch ein Ausblick lädt richtiggehend zum Verweilen und Staunen ein. Xenoblade Chronicles zeigt eindrucksvoll, dass gute Art-Direction weit mehr wert ist als 1080p, Bump-Mip-Mäp-Möp-Mapping und all der andere grafische Firlefanz, mit dem manch ein HD-Titel von der Stange versucht, seine eigentliche Ideenlosigkeit zu kaschieren.

Es ist für diese Generation fast schon ein wenig beschämend, dass ausgerechnet vielleicht ein Wii-Rollenspiel als der wohl ausgeklügeltste und spielerisch progressivste Genrevertreter in Erinnerung bleiben wird. Klar - die eingangs genannten Titel sind richtig gut, sind aber inhaltlich wie spielerisch doch noch fest in der letzten Generation verwurzelt. Mit seinen gigantischen Szenarien, den dynamischen Kämpfen und der durchdachten Mischung aus asiatischem Einfallsreichtum mit westlichem Spielkomfort setzt Xenoblade für diese Generation einen Maßstab an dem die Konkurrenz erst einmal zu knabbern haben wird.

Witzigerweise ist es wohl gerade der Verzicht auf aufwendige HD-Grafik, der Xenoblade Chronicles erlaubt, den Spieler durch diese riesige und verzweigte Welt zu schicken. Wenn weniger Budget in die Grafik fließen muss, dann sind eben mehr Ressourcen für andere, wichtigere Faktoren wie Art-Design und Spielbarkeit frei! Aber das soll natürlich nicht heißen, dass Xenoblade nicht gut aussieht, ganz im Gegenteil! Entwickler Monolith zaubert herrliche Szenarien auf den Bildschirm, die euch bald vergessen lassen, dass ihr es hier mit einer Wii zu tun habt.

Daher spreche ich euch für Xenoblade Chronicles hier eine unbedingte Kaufempfehlung aus. Mir ist auf Heimkonsole seit Jahren kein so durchdachtes Japano-Rollenspiel mehr untergekommen. Während die amerikanischen Spieler hier wohl aller Wahrscheinlichkeit nach leer ausgehen werden, können wir Europäer uns wirklich glücklich schätzen, dass Nintendo of Europe diese Perle mit deutschen Texten und sehr ordentlichen britischen oder wahlweise japanischen Synchronsprechern hierzulande veröffentlicht. Lasst euch diesen Kracher nicht entgehen!

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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