Trackmania macht sich fit für die Gegenwart, ohne seine Wurzeln zu vergessen

Mit Vollgas in die E-Sport-Zukunft.

Trackmania ist zurück! Okay, war es denn weg? In den letzten drei Jahren war es nach der Veröffentlichung von Trackmania 2: Lagoon weitestgehend still darum. Das ist jetzt vorbei. Wobei das neue Trackmania nicht so neu ist, wie es den Anschein hat. Es ist ein Reboot der Reihe und zugleich ein Remake von Trackmania Nations aus dem Jahr 2006. Somit erfindet sich die Reihe neu und bleibt gleichzeitig ihren Wurzeln treu.

In dem Fall bedeutet dies, dass auch das neue Trackmania die Stärken der Reihe verkörpert. Es ist ein geradliniges Rennspiel, wenn ihr es mit anderen Rennspiel-Größen des Genres vergleicht. Keine gefühlt tausend Sachen zum Freischalten, nicht mehr als ein Auto und das pure Streben nach der Bestzeit als motivierender Faktor steht hier im Mittelpunkt. Der Versuch ging schief? Okay, ein Tastendruck und noch ein Versuch. Und noch einer. Und noch einer ...

Das gilt unter anderem für die Sommer-Kampagne an Rennen, die ich in der Vorschau-Version des Titels anspielte. Es sind vorgefertigte Strecken von Nadeo, die euch vor unterschiedliche Herausforderungen stellen und es je nach Kurs in sich haben. Erwartet hier keine klassischen Rundkurse, wie ihr sie aus anderen Rennspielen kennt, es sind Trackmania-typisch aus verschiedenen Elementen zusammengewürfelte Strecken. Untergründe wechseln sich ab, ihr habt Hindernisse auf der Strecke, springt durch die Luft, rast in hohem Tempo vertikal die Wände nach oben. Und es ist leicht, dabei Fehler zu machen.

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Je nach Kurs habt ihr wechselnde Untergründe.

Die Kunst in Trackmania ist, die Strecken zu perfektionieren. Hier und da noch Zehntelsekunden herauszukitzeln, nach unzähligen Versuchen - und Flüchen - die Bestzeit des Konkurrenten zu knacken. Das vermochte Trackmania immer gut zu vermitteln und das ist hier nicht anders. Und das gilt für euch alleine ebenso wie für den Wettkampf mit anderen Spielern. Trackmania Nations war seinerzeit ein auf E-Sport ausgerichtetes Spiel und beim Remake verhält es sich nicht anders. Jeder tritt hier gegen jeden an und Nadeo hat große Pläne, möchte Ligen und Wettbewerbe ausrichten, erstellte die dafür nötigen Werkzeuge zur Verwaltung und zum Zuschauen, um zwei davon zu nennen. Ihr gründet auch Clubs und versammelt euch dort mit Gleichgesinnten. E-Sport ist heutzutage ein immer größerer Faktor und das neue Trackmania scheint bereit dafür.

Wie gewohnt sammelt ihr Medaillen für jede einzelne Strecke und das Spiel liefert euch die zugehörigen Bestenlisten der Spieler gleich mit. Wie ihr es von Trackmania kennt, geht das bis ins Detail, denn jeder Spieler wählt sein Land, ein Bundesland und eine spezifische Region aus, findet so andere Hobby-Rennfahrer aus der Nähe. Neu ist, dass Checkpoints jetzt euren jeweils besten Geist speichern, sofern ein Respawn nötig ist. Im Grunde ist es auch nett, dass das Spiel bei einem Respawn an einem Checkpoint die Geschwindigkeit und Ausrichtung kurz vor Erreichen des Zwischenziels aufgreift, ihr müsst somit nicht zuerst anfahren und Tempo aufnehmen. Aber: Wenn euch unmittelbar nach dem Checkpoint ein Unglück passierte, lässt sich so unter Umständen mit einem Respawn nicht mehr viel daran ändern, da ihr immer in die gleiche Situation geratet, auf dem Dach landet oder von der Strecke fliegt - was es auch ist. Was zum Glück eher unregelmäßig passiert, im Großen und Ganzen ist es eine sinnvolle Ergänzung.

Nicht weniger wichtig war in der Geschichte von Trackmania das Erstellen, die kreative Seite. Natürlich gibt es hier erneut einen Streckeneditor, mit dem ihr eure Ideen in die Tat umsetzt - vom simplen Rundkurs bis hin zum hochkomplexen Konstrukt. Die Solo-Kampagne zeigt hier im Ansatz, was dabei möglich ist, wie sich Dinge gemeinsam verwenden und miteinander kombinieren lassen. Es sind die gleichen Werkzeuge, die die Entwickler nutzen, ein stetiger Fluss an neuen Kreationen ist somit garantiert.

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Bildschirme sorgen für ein anderes Panorama.

Als Schauplatz dient erneut ein großes Stadion und eine Inspiration für dessen Gestaltung sind die Olympischen Spiele. Ihr seht zum Beispiel verschiedene Flaggen und Bildschirme rund um das Stadion verteilt und habt so das Gefühl, an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Darüber hinaus bietet das Stadion mehr Anpassungsmöglichkeiten, erlaubt größere Strecken und gibt euch so mehr Spielraum. Und wie ihr eure Kreationen gestaltet, bleibt allein euch überlassen. Konzentriert euch auf einen einzelnen Streckenstil - zum Beispiel eisglatte Streckenelemente, in denen ihr euch eher wie in einer Bobbahn fühlt - oder kombiniert alles zu einem bunten Mischmasch, der ein ständiges Anpassen von den Fahrern erfordert. Das ist es, was den Reiz dieser Community-Kreationen ausmacht. Ihr wisst nie, was euch auf dem nächsten Kurs erwartet, welche innovativen, verrückten Ideen ein anderer Spieler hatte. Setzt dann noch ein paar dekorative Elemente wie große Bildschirme oder Bäume auf die Strecke und verpasst ihr so ein wenig mehr Lebendigkeit.

Eine Reihe von Veränderungen - und damit einhergehende Änderungen an der Benutzeroberfläche - gibt es ebenso beim Wagen. Jeder steuert hier weiterhin das gleiche Vehikel, was Chancengleichheit für alle bedeutet. Wer in der Bestenliste vorne landet, darüber entscheidet hier alleine der Skill der Spieler. Der Wagen fällt dabei detailliert aus, Nadeo hat in dem Fahrzeug die HUD-Elemente integriert. Auf der Rückseite des Autos seht ihr euren Fahrernamen und eure Position, unter dem Heckspoiler befindet sich die Geschwindigkeitsanzeige. Zudem gibt es diverse bewegliche Elemente, die zum Beispiel auf hohes Tempo, starkes Abbremsen, Sprünge oder Überschläge reagieren. Es sind die kleinen Details, die ein stimmiges Gesamtbild erzeugen.

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An solchen Hindernissen vorbeizukommen, ist nicht immer einfach.

Überhaupt ist Trackmania hübsch anzuschauen. Nicht Next-Gen-würdig umwerfend, aber ordentlich aufgehübscht und zweckmäßig in dem Sinne, dass es euch nicht vom eigentlichen Fahren mit irgendwelchem Bling-Bling oder sonstigen Effekten ablenkt. Zugleich betont Nadeo, dass Trackmania "kein Zeitlimit" hat. Das bedeutet, ihr bekommt regelmäßig Content geliefert, allein durch den enthaltenen Editor. Vierteljährlich wechseln die offiziellen Kampagnen, es gibt eine Strecke des Tages und im Arcade-Bereich hebt das Spiel stündlich andere Kreationen hervor. Für den lokalen Multiplayer-Part habt ihr indes einen Hotseat- und Splitscreen-Modus, wenn ihr gemeinsam mit anderen fahren möchtet. Und für die Zukunft sind weitere Features geplant. Wie viel ihr davon zu sehen bekommt, hängt davon ab, ob ihr kostenlos spielt oder bereit seid, ein wenig Geld zu investieren.

Was soll ich groß sagen? Es ist ein neues Trackmania und es fühlt sich nach Trackmania an. Dieses Gefühl von "nur noch ein Rennen" und "diesmal knack ich die Bestzeit" vermag das Spiel ebenso gut zu vermitteln wie seine Vorgänger, Nadeo hat es ordentlich aufgehübscht und das Remake von Trackmania Nations für den modernen E-Sport-Markt fit gemacht. Es ist bereits in der Vorschau-Version ein Spiel mit einer einladenden Lernkurve - jeder findet innerhalb kurzer Zeit hinein, um es zu meistern, muss man sich aber ganz schön darin verbeißen. Das Spiel liefert allen nötigen Ansporn, euch zu verbessern. Das macht Trackmania aus und das gelingt dem neuesten Ableger genauso motivierend wie den Vorgängern. Die Zeichen für ein langlebiges Spiel mit kompetitiver Zukunft stehen gut.

Entwickler/Publisher: Nadeo/Ubisoft - Erscheint für: PC - Erscheint am: 1. Juli - Gespielte Version: PC

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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