BioShock: Collection - Test (Switch): Zeitloser Untergang

Rapture sehen und (einmal mehr) sterben.

Wie zeitlos diese Klassiker sind, müssen sie noch zeigen, aber 13 Jahre haben sie schon mal gehalten, wie diese gelungene Umsetzung zeigt.

Ist BioShock wirklich schon 13 Jahre her? Unvorstellbar. Vielleicht ergeben manche Remakes einfach mehr Sinn als andere. Wer sich jetzt gerade mal an das "ab 18" hält, war damals fünf Jahre alt. Kein Alter, um düstere Sozialexperimente unter dem Meer zu erkunden. Und was man noch leicht vergisst, mit all den Spielen, die in der Zeit erschienen, die früher ganze Epochen von kommenden und gehenden Konsolen umfasst hätte, ist, wie gut BioShock war und erstaunlicherweise immer noch ist. Sicher, remastert hilft, aber ich habe spaßeshalber mal das Original eingeworfen und das sieht nicht soo viel anders aus. Das beweist, wie weit diese Spiele technisch waren und wie sie sich ein atemberaubendes Design zueigen und zunutze machten, um Videospiel-Äonen zu überdauern. Vom 8-Bit Mario Bros. (ohne Super!) bis hin zu Mario 64 waren es auch 13 Jahre. Man kann wohl sagen, dass mit BioShock damals eines für die relative Ewigkeit gelungen ist.

Spielt es sich auch noch so gut? Meine Frage wäre eher: tat es das jemals? Hier gehen die Meinungen leicht auseinander. Genug Leute sehen bei dem gelungenen System-Shock-Gameplay-Design gern über die Tatsache hinweg, dass sich BioShock als Shooter nicht wirklich gut anfühlt. Tue ich auch, zumal es eben mehr als ein reiner Shooter ist, mit all den Fertigkeiten und Umgebungsinteraktionen, die Teil des Programms sind und oft wichtiger als das reine Ballern. Aber wenn es sich schon in dem noch mal älteren Half-Life 2 besser anfühlt, jemanden mit einem Brecheisen eins drüberzuziehen als hier mit dem Schraubenschlüssel, dann weiß man, warum es von BioShocks erster Waffe nicht so viele T-Shirts und Memes gibt. Aber das sind nur Details am Rande einer bis heute außergewöhnlichen und nach wie vor ungebremst erlebenswerten Vision, was Spiel- und Welt-Design leisten können.

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Von Rapture...

Wenn man dann dem zweiten Teil etwas ankreiden kann, dann wohl, dass er dem ersten nicht so viel hinzuzufügen hatte. Die Möglichkeit, Superkräfte und Waffen gleichzeitig zu benutzen war sicher willkommen, aber den Schock, das erste Mal die Unterwasserwelt von Rapture zu sehen, kann man halt nur einmal haben. Trotzdem und auch dank der gefühlvolleren Story, die sich mehr mit den Hintergründen der Spielwelt auseinandersetzt, ist es eine manchmal etwas unterschätzte, aber sehr würdige Ergänzung.

Und dann ist da BioShock Infinite... Wow. Viel mehr blieb einem damals beim ersten Spielen nicht zu sagen. Wie beim ersten Besuch in Rapture wird man von den Eindrücken praktisch erschlagen, kann sich ganz dem Entwurf der Absurdität einer fliegenden Welt lange vor dem Satelittenzeitalter hingeben und die erstaunlich blutige Abwicklung dieser Himmelschlösser genießen. Und dann ist da die Story... BioShock war im Grunde nicht viel mehr als weiter gedachtes 20.000 Meilen unter dem Meer. Infinite dagegen wirft einen ganz heftigen Klumpen Religiosität in einen paranoiden Moral-Mixer, der daneben noch was mit Paralleluniversen treibt. Hier gibt es genug Hinweise auf... Dinge, die selbst dem Foucaultschen Pendel ein anerkennendes Nicken abringen würden. Es kann erschlagend sein, aber es macht Spaß, diese im Geiste hin- und herzuschubsen, als wäre dies die Summe aller Nolan-Filme. Ich selbst bin bis heute nicht davon überzeugt, aber wie sehr es mich jetzt wieder bei einem weiteren Anspielen in seinen Bann zog, spricht Bände.

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...bis Columbia bleibt es bis heute eine atemberaubende Reise.

Was mich weniger in den Bann zog, war das selbst im Vergleich zum sammellastigen BioShock noch mal aufgebohrte Looten. Wer auch immer auf die Idee kam, dass man jede Leiche noch mal anklicken muss, um drei Münzen und zwei Schuss aufzulesen, die man auch dringend braucht, scheint das Projekt gehasst zu haben und das war nun seine Rache an BioShock Infinite. Doom zeigte lange davor, wie man das besser löst: einfach drüber rennen. Es geht alles, man gewöhnt sich dran, aber in einem sonst so eleganten Spiel wundert man sich schon, wo diese Entscheidung herkam.

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Technisch ist die Switch-Version mit durchgehenden 30 Frames tadellos, aber auf dem kleinen Kärtchen befinden sich kaum mehr als Demos. Der Rest muss geladen werden.

Kommen wir zur Switch-Umsetzung. Dass diese technisch möglich ist, erstaunt nach Doom, Witcher und Co. sicher niemanden mehr. Trotzdem, es ist jedes Mal irgendwie cool, ein Spiel wie Infinite auf dem kleinen Screen in der Hand zu halten. Vor allem, wenn dieses dann mit felsenfesten 30 Frames läuft und scheinbar nichts von den Details eingebüßt hat. Es sind einfach zeitlos schöne Spiele, die tadellos den Sprung auf die kleine Plattform überstanden haben. Keine große Überraschung mehr an diesem Punkt.

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Das hätte man besser machen können. Winzige Schrift, aber viel ungenutzter Platz drum herum sind nicht gut für die Augen.

Leider hätte man einige Sachen ein wenig anpassen können. Vor allem ist da das alte Problem der Lesbarkeit. Es gab eigentlich schon bei den großen Versionen von Infinite wenig Gründe, warum die Menüs zum Hochrüsten und Leveln nur gefühlte 20 Prozent des Screens in der Mitte nutzten und der Rest schwarz blieb. Das sich diese 20 Prozent ungefähr nun auf wenigen Quadratzentimetern tummeln, macht die Sache nicht besser. Man muss schon ein wenig mit den Augen kneifen - oder sich die Dioptrien für später ruinieren - , um genau sagen zu können was da steht. Es ist hier einfach besonders ärgerlich, weil so viel schwarze, ungenutzte Fläche drum herum frei bleibt.

Das kleine Modul selbst ist dabei weniger ein Spielmodul im eigentlichen Sinne und mehr eine Starthilfe. Ihr habt von allen drei Spielen die ersten zwei Kapitel auf der Cartridge, der Rest muss heruntergeladen werden. Der Gedanke dahinter ist klar, ihr könnt direkt anfangen zu spielen, während im Hintergrund der Rest gezogen wird, aber ehrlich gesagt: Dann kann man es auch gleich lassen. Entweder wenigstens eines der Spiele komplett oder ein größerer Chip zu einem dann etwas höheren Preis wären meine Vorschläge dazu. Das tut der Qualität der Spiele keinen Abbruch, hinterlässt aber einen schalen Nachgeschmack, wenn man das Modul im Regal sieht.

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BioShock, immer wieder wahrlich erhebend.

So etwas sollte aber niemanden von dieser Collection abhalten. Sei es, um noch einmal durch Rapture und Columbia zu streifen oder um diese aus einem Sumpf oft austauschbarer Spielwelten herausragenden Kreationen zum ersten Mal zu erkunden. Spielerisch gibt es an jedem der drei Spiele hier und da zu kritteln, aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was auf der Habenseite verbucht wird. Alle drei Titel haben eine nach Gaming-Vorstellungen endlose Zeit fast spurlos überbrückt und sich einmal mehr als die Ausnahmespiele bewiesen, die sie sind. Es gibt denkbar wenige Titel, denen dieses Kunststück gelang.

Hier findet ihr die Tests zu den einzelnen Spielen, die natürlich mehr ins Detail gehen, aber auch als eigener Retro-Flashback ganz interessant sind: BioShock (2007), BioShock 2 (2010), BioShock Infinite (2013), BioShock Collection (PS4, Xbox One, PC - 2016)

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Martin Woger

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