The Outer Worlds (Nintendo Switch) - Test: Sie waren stets bemüht...

Aber am Ende ist es doch nur eine Switch.

Und noch eine Switch-Umsetzung, diesmal allerdings im Gegensatz zu BioShock, X-COM und Borderlands nicht eine von einem zig Jahre alten Titel, sondern ein Beinahe-Triple-A-Rollenspiel, das kaum sechs Monate alt ist und moderne Technologien zum Ende einer Konsolen-Generation nutzt. Gut, nicht so, wie ein The Last of Us 2 das in Kürze tun wird, aber The Outer Worlds ist jetzt alles andere als ein hässliches oder technisch rückständiges Spiel. Und dass die Switch am Ende halt doch ein Gerät ist, das technisch mehr mit der 360/PS3-Generation zu tun hat, gelegentliche Wunder hin oder her, wird hier einmal mehr deutlich. Die Erkenntnis dessen? Ein gutes Spiel auf der PS4 oder Xbox kann wahrscheinlich auch ein gutes Spiel auf der Xbox 360 oder PS3 sein. Oder eben der Switch. Aber es sieht nicht aus wie das Original.

Dass das keine Katastrophe sein muss, zeigte zuletzt der Witcher. Dort gab man sich alle Mühe die offensichtlichen Schwächen in der Leistung der Hardware visuell so zu kompensieren, dass das generelle Gefühl für die Spielwelt erhalten blieb. Ohne Frage, je besser die Technik, desto schöner der Witcher, aber Charme und Stimmung der Welt bleiben auf allen Plattformen weitestgehend erhalten. Auch The Outer Worlds musste Opfer bringen und ich denke, dass diese hier deutlich schlechter gewählt wurden - oder hart gesagt, nicht die gleiche technische Expertise genutzt werden konnte, um ein ebenbürtiges Erlebnis zu erreichen.

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Es ist ein karger Planet, aber nicht so karg. Und nein, die Stadt verschwimmt nicht in der Ferne, ich stehe praktisch vor dem Tor - oder zumindest der kurzen Brücke, die zu dem Tor führt.

Bevor ich loslege allerdings erst mal ein großes Lob: Man kann die Schriftgröße einstellen. Danke. Nachdem ich bei BioShock Infinite gedockt werden musste, um zu lesen, was in dem krümeligen Rest steht, der nicht in dem zu 60 Prozent schwarzen Bildbereich vor sich litt, ist in The Outer Worlds trotz Massen an Text fast alles wirklich gut auch im Handheld Mode erkennbar, vor allem die Gespräche. Kudos.

Weniger Kudos gibt es für den Rest der Technik. Vor allem gibt es erst einmal einen drastischen Unterschied zwischen dem gedockten und dem Handheld-Modus. Während der Witcher im Dock eher leidet und die drastischen Unterschiede zu den anderen Versionen klar zu Tage treten, zeigt er sich auf dem kleinen Screen von seiner besten Seite. The Outer Worlds kommt an seinen besten Tagen - oder vielmehr Versionen - nicht an die atemberaubende Schönheit eines Witcher heran, aber ist ein klar gezeichnetes Panorama, das von seinen vielen Details lebt und die meisten finden sich gedockt wieder. Nicht so klar gezeichnet, womit einiges von dem überzeichneten SciFi-70s-Buch-Cover-Flair verloren geht, aber immer noch ganz okay. Im Handheld-Modus dagegen... Was haltet ihr davon mal ein Spiel zu spielen, das eigentlich fast immer so aussieht, als wären nicht alle Texturen geladen worden - sogar noch dann, wenn die, die da sind, nach zwei Sekunden endlich mal aufpoppen? Was vielleicht auch der Fall ist, aber natürlich gewollt, um zumindest die meiste Zeit die 30 Frames so stabil am Laufen zu halten, wie sie es hier und da auch brav tun. Wenn ihr jedoch zum Beispiel in Städte kommt, detaillierte, komplexe Umgebungen mit NPCs, dann habt ihr teils heftige Drops bis runter auf 20 und vor allem merkliche Framepacing-Probleme, diese ekligen, kleinen Millisekunden-Ruckler.

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Praktisch alle Schrift ist auch im Handheld-Modus ohne Mühe lesbar.

Am Ende ist das hier, wie eine billige, alte DVD - oder im Falle eines alten Sacks wie mir eine Laserdisc - zu gucken. Wenn der Film gut ist, dann fällt einem nach 20 Minuten gar nicht mehr groß auf, dass die Auflösung aus einer anderen Zeit stammt. Hier habt ihr den gleichen Effekt. Für die erste Stunde spielte ich The Outer Worlds im Handheld-Modus mit spitzen Fingern, aber dann merkte ich es irgendwann gar nicht mehr groß, sofern mich das Bild teilweise nicht mit einem Holzhammer daran erinnerte - was es oft genug gerne tat. Trotzdem, das Spiel ist einfach zu unterhaltsam, die Dialoge zu nett, die Spielwelt zu einladend und die Ladezeiten kurz genug. The Outer Worlds mag kein Statement sein, dass verlustfreie Umsetzungen möglich sind, aber es ist immer noch ein verdammt gutes Rollenspiel.

Aber trotzdem, immer wieder stolpert ihr über Dinge, die einfach von der Auflösung so weit reduziert wurden, dass es einen gewissen Einfluss auf das Spiel hat. Es ist nicht essenziell, dass ich jedes Schild in der Spielwelt lesen kann, aber deren mitunter auch mal etwas zu gewollt cleveres Design machte viel von der Atmosphäre der verschrobenen Gesellschaften in diesem Universum aus. Sie einfach nur als unlesbaren Farbfleck zu sehen, kostet wertvolle Stimmungspunkte.

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Nun, nicht alle Schrift. Hier zumindest kann man sie noch entziffern, wenn man nah genug heran geht, nicht alle Schrift-Texturen hatten dieses Glück.

Kommen wir zu einem kurioseren Problem: Ich habe die Umsetzung etwa sechs Stunden gespielt. Während es am Anfang noch alles ziemlich gut läuft - im Rahmen des Gegebenen zumindest - scheint es mit der Zeit immer schlimmer statt besser zu werden. Die Ruckler häufen sich, Texturen laden noch langsamer, das Spiel verhält sich wie ein Langstreckenläufer, dem langsam, aber sicher die Puste ausgeht. Es wurde nie unspielbar, oder auch nur so schlimm, dass ich das Spiel weglegen würde, wäre das meine einzige Version, aber schon sehr merklich. Hätte ich nicht Digital Foundry hier an der Seite, hätte ich es vielleicht sogar als Einbildung abgetan. Interessanterweise, nachdem ich das Spiel komplett deinstallierte und neu runterlud, lief wieder alles deutlich besser. Patch bitte.

Und sonst so? Wie schon gesagt, die Schrift ist ausgezeichnet lesbar, wenn sie nicht als Textur dargestellt wird, das Spiel selbst hinter den grafischen Problemen ist nach wie vor exzellent und auch die Steuerung wurde solide umgesetzt. Es wird wohl nie wirklich Spaß machen, einen Shooter mit den Joy-Con zu spielen, aber man gab sich zumindest Mühe, die Eigenheiten zu berücksichtigen und so lässt es sich wirklich recht solide Ballern, was ja einen guten Teil des Kampfsystems in The Outer Worlds ausmacht. An all dem gibt es wenig bis gar nichts auszusetzen.

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Trotz allem: Es bleibt ein wundervolles Universum voller Leute, die man auch in reduzierter Optik gerne kennenlernt.

Hier geht es zum ursprünglichen Test von The Outer Worlds für Xbox, PS4 und PC.

The Outer Worlds lebt ebenso sehr von seiner Story wie von seinen Spielsystemen und der eigenwilligen Welt. Es gelang, die ersten beiden Aspekte praktisch verlustfrei umzusetzen - okay, Ballern mit immer stabiler Framerate ist besser als mit gelegentlich stabiler, aber dann wieder ist das kein Doom und so halten sich die Verluste in Grenzen. Die Spielwelt jedoch leidet massiv darunter, dass die Detailliebe der Original-Versionen oft unter einer Menge langsam ladenden Texturmatsches verborgen bleibt oder gleich ganz aus der Landschaft entfernt wurde. Viel von der Vegetation fehlt einfach, was die Stimmung in den Landschaften verändert und die Welten karger wirken lässt, als es der Fall sein sollte. Dazu kommt der eigenwillige Bug, dass dem Spiel irgendwann scheinbar die Puste ausgeht und nur eine Neuinstallation hilft.

Ist The Outer Worlds gut genug, dass ich es noch empfehlen kann, auch in dieser mit Abstand schlechtesten Version? Ja, aber gerade so. Wer nur die Switch-Version spielt, der weiß eben nicht, was hätte sein sollen. Dann sieht man ein etwas hässliches Spiel, das trotz allem lange Zeit viel Spaß macht, gute Ideen im Gameplay gut umsetzte und eine Bereicherung für die Rollenspielwelt ist. Aber am Ende ist es trotzdem die letzte Version, die ihr von The Outer Worlds ins Auge fassen solltet und das nur dann, wenn ihr es wirklich nicht auf einer anderen Plattform spielen könnt oder wollt.

Hier (Teil 1 - The Outer Worlds: Ein wilder Mix aus Fallout, Firefly und Futurama) und hier (Teil 2 - The Outer Worlds: Die Schwierigkeiten einer Switch-Portierung des Sci-Fi-RPGs ) findet ihr ein zweiteiliges Interview mit den Entwicklern zur Switch-Version und The Outer Worlds im Allgemeinen

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Martin Woger

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