Der Multiplayer von Last of Us 2 kann nicht früh genug kommen!

Eine Erinnerung daran, warum The Last of Us 2 noch nicht ganz komplett ist.

Mir ist schon klar, was ich im Test von The Last of Us 2 geschrieben habe. "Stopfmast der Gewalt", "Naughty Dog ist mit dem Thema durch" und so. Es stimmt, dass dieses Spiel seine Narben an mir geschlagen hat und ich bin nichtmal sicher, wann ich die die Kraft aufbringe, diese faszinierende Tortur noch einmal hinter mich zu bringen. Und doch freue ich mich schon darauf, diese Welt und ihre Mechanismen in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft auf eine andere Art zu erleben: Im Multiplayer-Modus.

Ohne den Ballast der Rahmenhandlung um Vergeltung und wie sehr man sich damit zum Bösewicht in jemand anderes Geschichte macht, wirkt selbst derbe Videospielgewalt eher kathartisch, wie schlichtes, positives Feedback auf einen gelungenen Angriff, das niemals Leid simuliert und auf das in der Regel ein Respawn folgt. Ein stetes, schmerzloses Weitermachen, bei dem nur das Ego einen Knacks bekommt - und vielleicht der Controller, wenn man eine gewonnen geglaubte Partie wegen eigener Unfähigkeit oder Dummheit mit dem Messer im Hals aus der Hand gibt.

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Und gleich wieder bis zum Respawn in Überzahl sein! Factions ist ein irre spannender Multiplayer.

Nein, im Multiplayer hat die Kamera keinen Grund, auf offene Adern und gesprengte Köpfe draufzuhalten, diese Gewalt treiben keine finsteren Emotionen an. Nur der Wille, sich mit anderen zu messen (nicht "messern") und es in den systemischen Abläufen des Spiels zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen. Dass Naughty Dog also zum Multiplayer zurückkehrt - auch wenn noch nicht klar ist, wann und in welcher Form genau - ist für mich auch nach dem auf positive Art zweifelhaften Genuss dieser Meditation über die Natur der Gewalt kein Widerspruch.

Im PlayStation Store bekommt ihr The Last of Us 2 als Standard Edition (69,99 Euro) und Digital Deluxe Edition (79,99 Euro).

Deshalb an dieser Stelle die Erinnerung daran, wie gut der "Factions"-Multiplayer des ersten Teils doch war: Vier gegen vier Spieler mit begrenztem Pool an Leben bekriegen sich in einer Mischung aus Stealth, Schießerei, Nahkampf und flinkem Crafting in postapokalyptischen Arenen, um durch Triumphe Ressourcen für das Metagame nach Hause zu tragen. Im Grunde simulierte das Spiel nur eine Art Überlebenden-Lager, füllte es mit Figuren - deren Namen es zum Teil aus der Facebook-Freundesliste lieh - und ließ sie je nach Versorgungsstand leben oder sterben. Das Spiel zwischen den eigentlichen Matches war eine nette Idee, aber tatsächlich liebte ich besonders die Spannung, die in den Kämpfen entbrannte.

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Und dann in der Grafik!

Ich schätze TLOUs Mischung aus laut und leise ohnehin schon sehr, aber Factions hat das gewissermaßen auf die Spitze getrieben. Tatsächlich ist es für mich einer der besten Entwürfe, Stealth in einer Mehrspieler-Umgebung zu lösen. Die Gefahr, jeden Moment von einem Leisetreter von hinten gepackt zu werden, war so real und präsent, dass man regelmäßig sein eigenes Herz bis zum Hals schlagen hörte. Auch den schnellen Tod durch einen gezielten Kopfschuss musste man zu jederzeit fürchten, denn in diesen verwinkelten Umgebungen die Übersicht über die Feindbewegungen zu behalten, war alles andere als einfach.

Jeder Kill war wichtig, denn er schwächte den Gegner unmittelbar und langfristig, die blitzschnell entstehenden Überzahlsituationen auszunutzen und in weitere Punktevorteile umzumünzen, das fühlte sich einfach wunderbar dynamisch an. Wie schon im Hauptspiel wechseln die Rollen von Jäger und Gejagtem fast Schleudertrauma-artig, nur dass im Mehrspielermodus mehr auf dem Spiel steht.

Niemand weiß bisher, wie die Pläne für den TLOU2-Multiplayer aussehen. Nur, dass einer kommt, das ist klar. Angesichts der Tatsache, dass Factions im Remaster des ersten Teils immer noch aktiv gespielt wird, dürfte zumindest der Spielmodus als gesetzt gelten. Mich würde es jedenfalls wundern, wenn das Resultat auf Basis des Zweiten großartig anders aussähe. Bleibt noch die Frage der Darreichungsform: Eigenständiges Spiel oder kostenloses Update für das Sequel - "Free to play" wäre auch eine Option, um das Spiel einer möglichst breiten Masse zu eröffnen und dieses Publikum hätte es definitiv verdient.

So oder so - und unabhängig davon, ob euch die durchaus kontrovers diskutierbare Geschichte von Teil zwei nun gefällt oder nicht, solltet ihr definitiv ein Auge auf das werfen, was auch immer da kommen mag. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten.

Tipps zu Last of Us 2 findet ihr in unserer The Last of Us 2 Komplettlösung.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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