Dirt 5 - Wenn mit dem Einbruch der Nacht das Chaos seinen Lauf nimmt

Von schwierigen Wetterbedingungen und ambitionierten Plänen.

Im Grunde sieht das hier ja ganz idyllisch aus. Henningsvaer ist ein kleines norwegisches Fischerdorf, das auf zwei kleinen, vorgelagerten Inseln vor der Lofoten-Insel Austvågøya liegt. Wenn euch euer Lebensweg einmal nach Norwegen führte, wisst ihr, wie schön es dort ist. Und Henningsvaer ist Austragungsort eines Rennens in Dirt 5. Es ist mein zweiter Anlauf auf dieser Strecke und diesmal ist der abendliche Himmel in ein stimmungsvolles Orange getaucht. Es herrscht leichter Schneefall, Konfetti regnet vom Himmel. Perfekt zur Entspannung, wenn da nicht der Countdown wäre, der den bevorstehenden Start signalisiert.

Dann geht es los und es fällt mir schwer, den Blick nicht über die Landschaft schweifen zu lassen. Nicht, dass ich dazu noch viel Zeit gehabt hätte. Schnell zeigt sich hier das Wettersystem in Dirt 5 von seiner eindrucksvollen Seite. Kaum ist die erste Runde absolviert, verschwindet die Sonne unter dem Horizont und die Dunkelheit bricht herein. Mit ihr steigert sich langsam das Schneetreiben, das immer mehr die Sicht behindert. Im Scheinwerferlicht der Rallyewagen lässt sich zum Teil kaum noch die Straße ausmachen - und dann bricht noch ein Gewitter herein. Blitze erhellen die Nacht, das Donnern rumpelt im Hintergrund und die Sicht ist nach wie vor schlecht. Es sind extreme Bedingungen, die das Fahren deutlich erschweren, zugleich aber aufregend gestalten. Sicherte ich mir im vorherigen Versuch bei Sonnenschein noch Platz eins, lande ich unter diesen delikaten Voraussetzungen auf Rang fünf.

Es zeigt, wie unterschiedlich Rennen infolge eines Wetterumschwungs verlaufen. Und das ist hier, ausgehend von den vier Rennen mit unterschiedlichen Bedingungen, die in der Preview-Version spielbar waren, fantastisch umgesetzt. Für alle Strecken im Spiel gibt es unterschiedliche Jahreszeiten und Wetterbedingungen, bestätigt Lead Designer Michael Moreton. Und Development Director Robert Karp ergänzt: "An allen Schauplätzen stehen alle Jahreszeiten zur Verfügung. Nur bei einigen Strecken, zum Beispiel beim East River in New York, haben wir eine zugefrorene Variante im Winter, aber kein Rennen im Sommer. Für alle gibt es indes wechselnde Tageszeiten und Wetterbedingungen."

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Ihr fahrt in diversen Disziplinen gegen die Konkurrenz.

"Es funktioniert ähnlich wie im echten Leben", fügt er später während einer Frage-und-Antwort-Runde hinzu. "Vor ein paar Minuten regnete es hier stark, jetzt hat es ein wenig aufgehört. Die Wasserpfützen auf der Strecke vergrößern sich, wenn es stark regnet und abhängig davon, wie groß sie zu beginn sind. Sind sie zu Anfang klein und es schüttet wie aus Eimern, dann wachsen sie. Und wenn dann die Sonne rauskommt, trocknet es, die Pfützen schrumpfen und verschwinden letzten Endes. Das Gleiche gilt für den Schnee."

"Es hängt zudem vom Schauplatz ab", führt Karp weiter aus. "Nehmen wir Arizona als Beispiel. Zur kältesten Zeit im Winter hast du hier unter Umständen eine dünne Schneedecke, was nicht häufig passiert. Es kommt im Spiel vor, weil es in der Realität passiert. In Norwegen hast du indes diesen echt dicken Schnee und das Fahren auf der Strecke fühlt sich ganz anders an. Und wir haben verschiedene Wolken ... blauer Himmel, leichte Bewölkung, dichtere Wolken bis hin zu richtig großen und dunklen Wolken wie bei einem Sturm."

Wie gesagt hinterließ das System bei mir in dieser frühen Fassung einen bleibenden Eindruck. Ein und dasselbe Rennen unterscheidet sich je nach Witterung deutlich. Insgesamt hat Codemasters mit Dirt 5 eine Menge vor. Zehn neue Schauplätze gibt es, die sich in unterschiedliche Streckentypen und -varianten (vorwärts und rückwärts zum Beispiel) aufteilen. Es verschlägt euch unter anderem nach Norwegen, China, Brasilien und in die USA, jede der bis dato vier Strecken, die beim Anspielen verfügbar waren, sieht malerisch aus und ist detailliert gestaltet, von den Zuschauern über die Gebäude bis hin zu den Facetten der umliegenden Landschaft.

Der Karrieremodus des Spiels, von dem hier noch nichts spielbar war, teilt sich in fünf verschiedene Kapitel mit über 130 Events auf. Und es gibt wie erwähnt diverse Fahrzeugkategorien und Renntypen. Ihr habt die ganz klassischen Rallyewagen, es geht über die 80er und 90er bis in die Moderne, kleine und schnelle Buggys erwarten euch ebenso wie die neuen Sprintfahrzeuge und andere bekannte Klassen. Ihr sucht euch Codemasters zufolge dabei die Events aus und schaltet durch Erfolge Marken frei, die ein Hauptevent freischalten, das ihr zum Weiterkommen benötigt. Wie die Entwickler betonen, ist es ihnen wichtig, euch die Wahl zu lassen, wie ihr das Spiel fortsetzt. Eine spätere Rückkehr ist möglich, um zuvor nicht absolvierte - egal aus welchem Grund - Rennen nachzuholen.

Weiterhin legt das Studio großen Wert auf Individualisierung. In der Karriere habt ihr dazu zum Beispiel Fortschrittssysteme wie die Reputation, die ihr durch Sponsoren erhaltet. Somit erhaltet ihr zugleich Geld, mit dem ihr neue Anpassungsmöglichkeiten und Fahrzeuge freischaltet. Letztere lassen sich in puncto Design und Lackierung für den Single- und Multiplayer-Part per Editor anpassen. Ihr habt ihr eine breite Auswahl an Texturen, Mustern, Farben und skaliert beziehungsweise rotiert diese nach Belieben. Einzelne Sponsoren sind ebenso vorhanden, wenn ihr euren Wagen damit verzieren möchtet. Eigene Elemente lassen sich indes nicht importieren. Es gilt, mit dem Vorhandenen kreativ zu sein.

Um euch zum Beispiel mit Freunden zu messen, erstellt ihr im Arcade-Modus eigene Events. Entscheidet euch für einen Schauplatz mitsamt Strecke, wählt die Fahrzeugklasse und verschiedene weitere Variablen wie Wetter, Gegnerzahl, KI-Stärke und so weiter. Das Spiel lässt euch überdies festlegen, wie schnell der Tag verläuft. Das geht so weit, dass eine Minute im Spiel zwei Stunden in der Realität entspricht - analog dazu zieht die Sonne in Dirt 5 schnell den Äther entlang.

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Hier rast ihr durch Brasilien.

Hier kommt dann der Splitscreen-Modus zum Zuge. Der unterstützt nicht mehr als Offline-Rennen, aber nicht allein den Arcade-Modus, die Karriere ebenso! Ihr absolviert die Karriere-Events gemeinsam mit bis zu drei Freunden und lasst euch gegebenenfalls helfen. Als ein mögliches Szenario beschreibt Codemasters einen Spieler oder eine Spielerin mit Schwächen bei Drifts. Hier hilft ein anderer Teilnehmer aus. Unter den Freunden zählt am Ende die höchste erzielte Position für die Karriere von Spieler eins.

Crossplay unterstützt Dirt 5 ebenso, wenngleich nicht in vollem Umfang. "Zum Launch haben wir Cross-Gen-Play", erläutert Karp. "Leute auf Xbox One und Xbox Series X spielen miteinander, ebenso auf PS4 und PS5. Echtes Cross-Plattform-Gameplay ist zum Start nicht vorgesehen. Für die Zeit nach der Veröffentlichung haben wir bei Dirt 5 einiges geplant. Es sind kostenpflichtige DLCs sowie eine Menge kostenfreie Inhalte angedacht, darunter neue Strecken. Weiterhin möchten wir ein paar Features ergänzen. Hier und jetzt gehen wir diesbezüglich nicht ins Detail, zugleich schließen wir nichts aus. Wir möchten dabei auf die Community eingehen - Dinge, die sich die Leute wünschen, wenn sie es spielen."

Was PlayStation 5 und Xbox Series X anbelangt, arbeitet Codemasters Karp zufolge eng mit Microsoft und Sony zusammen, um so viel es geht aus der neuen Hardware herauszuholen. "Es gibt im Spiel eine Option für 120fps", erzählt er. "Wir haben bis jetzt nicht bestätigt, dass es 4K mit 120fps gibt - es sind aber definitiv 4K und 60fps."

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Die bisher gezeigten Strecken sind schön abwechslungsreich.

"Das Team ist echt begeistert, wenn neue Hardware ins Büro kommt oder wenn es ein neues Feature gibt, womit sie arbeiten können", fügt Karp hinzu. "Es war toll, es im Rahmen des Inside-Xbox-Events anzukündigen. Jeder liebte es und wir waren froh darüber, wie es ablief und wie die Reaktionen ausfielen. Als wir mit der Entwicklung von Dirt 5 begannen, hatten wir noch keine Ahnung, wie die Next-Gen-Hardware aussieht und wozu sie in der Lage ist. Das hat sich mit der Zeit entwickelt und je mehr wir über die neue Hardware erfuhren, desto mehr konnten wir diese Dinge implementieren, die auf beiden Systemen möglich sind. Hier kommen zwei fantastische Geräte auf uns zu."

Zum einen ermöglichen die neuen Geräte natürlich höhere Auflösungen und Framerates, zum anderen ergeben sich zum Beispiel durch die schnellen SSDs Vorteile. "Ich bin ein großer Fan der schnellen Ladezeiten, die beide Systeme bieten", erörtert er. "Es eliminiert im Grunde die Ladezeiten und das ist toll, weil du so viel schneller am Steuer sitzt, ohne lange zu warten. Und beim DualSense der PS5 hast du das haptische Feedback an den Triggern, was vor allem bei Spielen wie unserem aufgrund der Vielzahl an Geländearten und Fahrzeugklassen interessante Auswirkungen hat."

"3D Audio ist ebenso interessant, ich denke es ist eine tolle Sache für verschiedene Genres", zeigt sich Karp überzeugt. "Bei Rennspielen funktioniert es sehr gut, aber online in First-Person-Shootern bekommst du ein echtes Gespür dafür, wenn sich einer versucht, an dich heranzuschleichen. Und Smart Delivery ist eine fantastische Sache. Es verdeutlicht, wie wichtig dem Unternehmen seine Spieler sind - und für Codemasters ist das ebenso wertvoll. Du kaufst Dirt 5 auf Xbox One oder Xbox Series X und erhältst die jeweils andere Version dazu. Welche Hardware du am Ende auch nutzt, du spielst immer die jeweils beste Version."

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Das Wetter und eure Anpassungsfähigkeit spielen eine wichtige Rolle.

Unterschiede zwischen den Current- und Next-Gen-Geräten zeigen sich in neuen Features und Möglichkeiten wie dem erwähnten 3D Audio, den adaptiven Triggern und dem 120fps-Modus. Inhaltlich gibt's natürlich keine Unterschiede: "Das war erforderlich, damit Xbox-One-Spieler in der Lage sind, mit Xbox-Series-X-Nutzern online zu spielen. Und von einem visuellen Standpunkt aus betrachtet wirst du einige schöne Verbesserungen sehen."

Besitzer eines VR-Headsets gehen indes zunächst einmal leer aus, wie Karp mitteilt: "Derzeit gibt es keine Pläne zur Unterstützung von VR. Wie ich zuvor sagte, haben wir für die Zeit nach dem Launch einiges geplant. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Pläne dafür, aber ich sage nicht, dass es niemals kommt. Wenn wir überzeugt sind, dass die Nachfrage danach groß genug ist und sich damit was Gutes oder Cleveres anstellen lässt, ist es eine Potenzialität."

Dirt 5 ist ein ambitioniertes Projekt, was in dem begrenzten Umfang der Preview-Version an jeder Ecke durchscheint. Klar, es sind noch mehr als drei Monate bis zur Veröffentlichung und vieles ist noch nicht fertig und das Spiel ist nicht optimiert, Spaß macht's aber trotz allem. Alleine die Wetterbedingungen, die ich bisher sah, machen Lust auf mehr und bescheren dem Spiel ein zusätzliches Level an Vielfältigkeit und Unberechenbarkeit. Wenn das Wetter schnell umschlägt, verlangt Dirt 5 von euch eine ebenso flotte Anpassung an diese neuen Verhältnisse. Das sorgt für zusätzliche Spannung und mehr Nervenkitzel, unter Umständen ist es ein echter Game Changer für den Rennverlauf. Wenn nichts mehr schief geht und die Karriere motiviert, ist Codemasters auf dem besten Weg, im Oktober ein großes Rennspiel abzuliefern.

Entwickler/Publisher: Codemasters/Koch Media - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, PS5, Xbox Series X, Stadia - Preis: zirka 60 bis 70 Euro - Erscheint am: 9. Oktober - Gespielte Version: PC

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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