gamesweekdigital: Dev Booster - das sind die Finalisten

Das neue Wettbewerbsformat pustet frischen Wind in die Indie-Landschaft

Wenn die Coronakrise ein Gutes hatte, dann dass sie in vielen Lebensbereichen kreative Lösungen und ein Neudenken alter Strukturen zur Folge hatte. Besonders in der von Messen und Events getriebenen Spieleindustrie zeigt sich das. Der Schritt ins Digitale ist eine dieser kreativen Lösungen, doch dabei beließ es gamesweekberlin, unter deren Schirmherrschaft unter anderem die altehrwürdige Branchenveranstaltung Quo Vadis, das lebhafte Indie-Schaulaufen A Maze. / Berlin und das Gamefest abgehalten werden, nicht.

Mit gamesweekdigital: Dev Booster wagten sie eine einfallsreiche Aktion, um mehr als 30 talentierten Indie-Entwicklern mit einem "Online Pitching Contest" eine Plattform mit größtmöglicher Breitenwirkung anzubieten. Qualifizieren konnte sich, wessen Spiel sich binnen der ersten drei Verkaufswochen am Markt befand, als Early Access frei erhältlich war, auf einem Online Store vorbestellbar war oder einer Wunschliste hinzugefügt werden konnte. Ebenfalls zulässig waren Projekte mit abonnierbaren Crowdfunding-Seiten beziehungsweise laufenden Schwarmfinanzierungskampagnen.

32 Studios stellten branchenerfahrenen Juroren in mehreren Runden ihre Werke vor und wurden von Mentoren von Firmen wie Rockfish, EA DICE, Microsoft oder Kickstarter unter die Fittiche genommen und mit wertvollem Feedback versorgt - man kennt den Gedanken aus diversen Casting-Shows. Gestern lief der letzte Pitch der acht Finalisten und morgen - Freitag um 16:00 Uhr - geht es im Livestream auf dem Twitch-Kanal der gamesweekberlin schließlich um die Wurst, wenn sich in einem "verspielten und interaktiven" Finale der Gewinner herauskristallisiert. Eine spannende Geschichte und Grund genug für uns, einmal einen Blick auf die Jury und - selbstverständlich - auch die Spiele der acht Finalisten zu werfen.

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Die Jury

Mit dem feinen Kamm über die Pitches gingen ein paar Leute mit umfassender Erfahrung in der Spieleindustrie. Da wären etwa Nico Baletta, der seine Laufbahn als Redakteur bei PC Games MMORE begann und mittlerweile Head of Program bei der devcom ist, Christian Fonnesbech, CEO der skandinavischen Markenentwicklungsagentur Leverage, und Dawid Hallmann, Head of Digital Publishing bei Webedia Gaming (unter anderem Gamestar und GamePro). Michael Schade ist Chef und Mitgründer von Rockfish (Everspace) und bringt damit direkte Entwicklungskompetenzen in seine Jurorenpflichten ein, was ebenfalls für Philomena Schwab von Straw Fawn Studio (Nimbatus - The Space Drone Constructor) gilt.

Diese Leute kennen sich aus und haben folgende acht Beiträge bis zum morgigen Finale durchgewunken.

Die Games

Cave Digger (Mekiwi)

Cave Digger ist die Desktop-PC-Variante eines Spiels, das auf PlayStation VR und Steam VR schon eine Weile zu haben ist (unten seht ihr den VR-Trailer). Der zentrale Loop ist allerdings packend genug, um dieses zugängliche und offenherzige Schatzgräbern auch für Spieler interessant zu machen, die gerne ganz klassisch an PC und Monitor buddeln. Also geht es in dieser humorvollen Sci-Fi-Western-Welt untertage, um mit zahlreichen unterschiedlichen Werkzeugen nach Reliquien, Edelsteinen oder anderen Rohstoffen zu suchen.

Die Tools, die zu eurer Verfügung stehen, sehen aus, als machte ihr Einsatz Spaß. Mit der Kettensäge einen ganzen Quader aus einer Felswand herauszuschneiden, das hat schon was. Ein stilvoll in Szene gesetzter Scanner hilft bei der Suche nach den Kostbarkeiten und wer auf Öl stößt, bohrt einfach die Ader an und hält ein Fläschchen drunter, bis es voll ist. Am Ende wird natürlich alles verscherbelt, um das Arsenal an Helferlein auszurüsten und offenbar gibt es auch eine Handlung, die zu neun unterschiedlichen Enden führen kann.

Einfach, aber - zumindest damals in VR - durchaus packend. In dieser charakterstarken Unterwelt könnte tatsächlich eine nette Suchtspirale entstehen. Die Mittel dazu hätte Cave Digger allemal.

Wer mag, setzt es hier auf seine Steam-Wunschliste

Dawnblade (MonsterScope Studios)

Auch wenn der Name des Studios monströse Ambitionen verspricht, schwingt bei solchen vollmundigen Worten dann doch immer ein wenig Skepsis und vielleicht sogar Einschüchterung mit: Zu oft sprengen Vision und Umfang den Rahmen dessen, was ein kleines Team am Ende umsetzen kann. Die MonsterScope Studios aus Melbourne sind schließlich nur zu fünft, haben mit ihrem Action-RPG für Android-Geräte trotzdem einen guten Early-Access-Start im Play Store hingelegt.

Als Bezahlmodell fungiert wie auf der Plattform üblich "Free to play". Rein optisch ist dem Spiel das aber nicht anzusehen. Stilistisch marodiert man ein wenig zwischen Torchlight, WOW und Final Fantasy 14 hin und her, was in der Mischung nichts Schlechtes sein muss. Visuell in jedem Fall ein Hingucker, der mit dutzenden Dungeons und mehr als 10.000 individualisierbaren Ausrüstungskombinationen lockt. Pets gibt es natürlich ebenso wie ein "tiefgreifendes Inventar- und Skillsystem".

Zu haben ist Dawnblade im Google Play Store

First Class Trouble (Invisible Walls ApS)

Nicht, dass ich was zu sagen hätte, aber dieses Spiel "über Vertrauen und Täuschung" ist mein Favorit. Ich bin natürlich nicht ganz objektiv. Als jemand, der damals mit Freunden zusammen diverse Runden Mafia (auch als "Werwölfe" oder "Mörderspiel" bekannt) live und im Internet ausgerichtet hat, muss First Class Trouble von den Dänen bei Invisible Walls auf mich einfach eine besondere Anziehungskraft ausüben.

Worum es geht? Auf einem Weltraum-Luxusliner dreht die KI durch und beschließt, ihre gediegenen Gäste umzubringen. Erfüllungsgehilfen sind robotische "Personoids", die sich unter die Leute mischen. Daraus entspinnt sich ein asymmetrisches Multiplayer-Spiel über Kommunikation (beziehungsweise deren Zusammenbruch) und Manipulation, das in seinen Gameplay-Trailern nach viel, viel Spaß mit (anti)sozialer Ader aussieht. Auch optisch macht First Class Trouble durchaus einen stilvollen, runden Eindruck, während man nicht nur versucht, am Leben zu bleiben (beziehungsweise so tut, während man heimlich den Tod der anderen plant), sondern auch das Schiff am Laufen halten muss, zum Beispiel wenn auf einmal der Sauerstoff-Level sinkt. Top Material!

Habt ihr Lust, First Class Trouble auf die Steam-Wunschliste zu setzen? Oder Lieber gleich ausprobieren? Auf dem Discord-Server des Spiels bekommt man kostenlose Alpha-Zugänge.

Grid Fight (Playtra Games)

Grid Fight von den Londonern bei Playtra Games ist eine attraktive Mischung aus Action-, Taktik- und Rhythmusspiel mit nettem Comic-Appeal und guter Musik. Ihr bewegt euch von Screen zu Screen durch die Welt, jeder Bildschirm ist in einzelne Felder unterteilt - denkt an Cadence of Hyrule oder eben Crypt of the Necrodancer -, auf denen ihr hin und her hüpft, um den Attacken der auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls umherspringenden Gegner auszuweichen.

Die Angriffe sind meist "Area of Effect" und verwandeln mehrere Felder zugleich in No-Go-Zonen. Wann die Angriffe zünden, seht ihr anhand einer an Guitar Hero erinnernden Linie, die die Einschläge der einzelnen Schadensimpulse vorab telegrafiert. Ihr müsst also die Feuerschemata verinnerlichen und immer die Übersicht über die Feinde behalten, denn selbst angreifen könnt ihr natürlich nur, wenn ihr stillsteht. Ich habe bei der Demo durchaus Spaß gehabt und viel mit dem Kopf genickt.

Ein wenig Komplexität kommt durch den Wechsel der Spielfigur zustande. In der Demo tauscht ihr die Charaktere durch Druck der vorderen Schultertasten aus und müsst euch dann natürlich an die neue Spielgeschwindigkeit und die neuen Angriffe gewöhnen. Zwischen den Kämpfen gibt es nett geschrieben Dialoge, die Lust darauf machen, diese Welt weiter kennenzulernen. Probiert gerne die Demo aus:

Grid Fight Demo im Browser spielen oder herunterladen

Gatewalkers (A2 Softworks)

Was auf den ersten Blick ein wenig gewöhnlich wirkt - "das nächste ARPG im Feld der Teilnehmer?" -, setzt sich recht schnell und deutlich als durchaus spannender Mix aus Rollenspiel und Survival-Titel vom Rest des Feldes ab. Bis zu vier Spieler schlagen sich zugleich durch die prozedural generierten Welten und trotzen mithilfe der Erträge ihrer Schlachten dann den Naturgewalten, die das Überleben in den jeweiligen Umgebungen zur Hölle machen. Viel Crafting kommt also ebenfalls dazu. Ich mag den Gedanken, die beiden Spieleschulen zu vermengen.

Die Prämisse der Geschichte ist ebenfalls: Die Gatewalker springen von einer Welt zur anderen, weil ihre eigene im Untergang begriffen ist und sie nach einer Lösung für das Problem suchen. Ich bin nicht sicher, wie ambitioniert das erzählerisch wird, aber Fish-out-of-water-Themen sind in meinen Augen immer interessant. Der Early Access dazu startet nach Angaben des polnischen Entwicklers A23 Softworks im vierten Quartal 2020 auf Steam, bis dahin setzt ihr es vielleicht auf die Wunschliste (Link unten), um den Titel im Auge zu behalten.

Gatewalkers auf die Steam-Wunschliste setzen

Speed Limit (Gamechuck)

Als "John-Wick-Pendlersimulator" oder "90s Actionfilm - das Spiel" beschreiben die Kroaten von Gamechuck ihren Arcade-Titel Speed Limit. Der mit netter Pixel-Art bebilderte Ballerspaß, bei dem ein wehrhafter Pendler in der Bahn von Angreifern angegangen wird, soll zu keiner Sekunde den Fuß vom Gaspedal nehmen, was sich spielerisch darin ausdrückt, dass alle zwei Stages das Spielprinzip komplett gewechselt wird.

Aus einem seitwärts scrollenden Ballerspiel wird plötzlich ein Action-Fahrspiel von oben, dann ein 3D-Sprites-skalierender Motorrad-Raser oder eine Afterburner-artige Flugzeugschießerei. Alles ohne Unterbrechungen wie Ladezeiten oder Level-Übergänge. Begreift es als eine Tour durch eine Auswahl alter Spielhallenautomaten, wie Designer Jan Juracic es zusammenfasst. Schwer ist es noch dazu. Sieht nach Spaß aus. Schaut euch vielleicht mal die Steam-Demo an.

Speed Limit auf die Wunschliste setzen oder Demo herunterladen.

The Red Solstice 2 - Survivors (Ironward)

Das einzige Sequel im Bunde der Finalisten. Auch die Entwickler von Ironward stammen aus Kroatien und wollen mit dem zweiten Teil ihrer erfolgreichen Kombination aus Koop, Action und Strategie die Formel weiter verfeinern. Auf der Metaebene winken tiefe Strategieelemente, während in den einzelnen Missionen auf den teilweise recht großen Karten nach Art actionreicher Echtzeitstrategie bis zu acht Spieler gemeinsam gegen ekelige Aliens antreten dürfen.

Optisch ist das Gezeigte schon ziemlich klasse, was anhand eines Vorgängers, das sich durchaus gut verkaufte, nicht weiter verwunderlich ist. Dennoch gute Leistung an dieser Stelle. "Aliens in Korridoren zu bekämpfen, wurde noch nie richtig gut umgesetzt. Wir wollen das korrigieren", sagen die Entwickler. Meinen Segen haben sie. Vor allem, wenn es so komplex geschieht wie hier. Der XCOM-Fan in mir freut sich auch über die Möglichkeit, außer Gefecht gesetzte Aliens für eine Obduktion mit in die Basis zu nehmen. Spielerisch mit reichlich Köpfchen ausgestattet und allgemein sehr routiniert. So schön kann Indie sein.

The Red Solstice 2 - Survivors

Unbound - Worlds Apart (Alien Pixel Studios)

Noch ein Spiel von der Sorte, die ihr direkt selbst ausprobieren könnt. Den Prolog von Unbound gibt es nämlich auf Steam zum kostenlosen Download (Link siehe unten). Die Alien Pixel Studios aus Rumänien schaffen einen pittoresken Metroidvania-Plattformer, der euch mit Portalen zwischen verschiedenen Versionen der Welt hin und her springen lässt. Hört man nicht zum ersten Mal, sieht hier aber aus, als wäre es clever umgesetzt.

Ein bisschen Ori, ein wenig Hollow Knight, gefällt hier der Ideenreichtum, auf welche Arten sich die zahlreichen Probleme lösen lassen, direkt. Schöne Idee, solide und offenkundig mit viel Herzblut umgesetzt. Auf Kickstarter kamen im letzten Jahr über 40.000 Euro zusammen. Gut investiertes Geld, wie es scheint - und wie die Kritiken zur Demo auf Steam zu belegen scheinen. Werft am besten selbst einen Blick drauf, unter folgender Adresse.

Unbound: Worlds Apart Prolog auf Steam herunterladen

Also, morgen Nachmittag schon was vor?

Gute Spieleauswahl, sympathische Teams, ein interessantes Wettbewerbsformat und sicherlich auch viele daran geknüpfte Hoffnungen - Dev Booster ist ein schönes neues Event-Format, auf dessen Resultat ich am morgigen Freitag, ab 16:00 Uhr sehr gespannt bin. Und von dem ich hoffe, dass es in Zukunft vielleicht nicht länger ausschließlich digital stattfindet. Schaut morgen am besten mal selbst vorbei.

Welchem Titel drückt ihr die Daumen, welches würdet ihr gerne mal ausprobieren? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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