Persona 4 Golden PC Test - Das beste Persona gibt es am PC!

Stelle dich deinen Dämonen.

Persona 4 Golden PC Test. Die Ankunft von Persona 4 The Golden auf dem PC kam durchaus überraschend. Was natürlich nicht bedeutet, dass wir es nicht mit Kusshand nähmen. Auch wenn Persona 5 (Test) der hübschere, auffälligere Titel ist und vor Style nur so strotzt, ist der vierte Teil für mich immer noch das beste Spiel dieser Reihe.

Was genau dieses Spiel für mich - ich spielte es erstmals 2012 zum Vita-Release - zu so etwas Besonderem macht, lest ihr in ausführlicherer Form im alten Persona 4 Golden Test, an meiner Meinung zum Spiel an sich hat sich nichts geändert. Was noch fehlt, wäre die exakte Abgrenzung zum fünften Teil, auf den Spieler anderer Plattformen als der PS4 leider weiter warten müssen.

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Ein guter Schuss Lebenssimulation ist dabei, denn ihr könnt nicht jederzeit in die unheimliche TV-Welt einsteigen. Auch zur Schule geht ihr - einschließlich Tests und Verabredungen für den Nachmittag.

Persona 5 ist ein fantastisches JRPG, mit eimerweise Stil und einem motivierenden, stark auf Affinitäten und Schwächen setzenden Kampfsystem und gut geschriebenen Charakteren und Quests. Aber es leidet auch unter einem Pacing, das nach dem eröffnenden Akt durch einiges an (gar nicht so kleinem) Kleinklein mäandert und daran, dass sich die Geschichte erst sehr spät zu einem einheitlichen Bild zusammenfügt. Persona 4 bewohnt dagegen vom Fleck weg ein spannendes, bedrohliches Mysterium, an dessen Entschlüsselung man sich gerne macht. Auch nimmt der Visual-Novel-Teil keinen ganz so großen Raum ein, weshalb sich Persona 4 für mich einfach ausgewogener anfühlt.

Und dann sind da die Charaktere. Auch Persona 5 hat eine fabelhaft-farbenfrohe Auswahl an Charakteren zu bieten, die allesamt interessante Züge und Probleme haben. Die Handlung ist mit viel Einfühlungsvermögen in das Seelenleben unterschiedlichster Teenager geschrieben und fasziniert vor allem deshalb. Aber an Chie, Yosuke, Kanji und Chie - eine der zehn besten Figuren in einem JRPG! - kommt einfach nichts vorbei, so lebhaft und sympathisch sind sie allesamt und so spürbar sind ihre Freundschaft und Konflikte.

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Die Charakterchemie ist einfach toll.

Das knüpfen von Social Links, das Kampfsystem, das Erlernen der Schwächen von Freund und Feind, das Spiel mit der Party-Komposition und das meistern und Fusionieren der Personas, das alles ergibt ein in jeder seiner vielen Facetten spannendes und auch im Westen gut funktionierendes Stück Rollenspiel mit Schwung und Charme.

Auf dem PC verliert das Spiel natürlich einen Teil der gewinnenden Mobilität, der es auf PS Vita monatelang zu einem meiner ständigen Begleiter machte. Bei allem, was hier so zu tun und zu machen ist, und bei allem Slice-of-Life-Reiz, den der virtuelle Lauf der Tage, Wochen, Monate im Spiel ausübt, ist es natürlich von Vorteil, dieses Spiel einfach jederzeit mal eben aus dem Ranzen zu kramen, und ein bisschen weiterzumachen. Gut, es läuft auch auf alten Laptops wie meinem X240er Thinkpad annehmbar und ist daher zumindest nicht an meinen heimischen Spielerechner gebunden.

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In Persona 4 geht ihr einer mysteriösen Reihe Todesfälle nach.

Bei dem Formfaktor fällt aber nun mal das "eben mit Chie eine Schale Ramen essen" schon ein wenig weg, wenn man gewissermaßen Rechnerzeit dafür freiräumen muss. Dann wiederum: Wer P4 zuerst auf der PS2 spielte und auch Persona 5 gerne am Fernseher spielte, kennt es auch nicht anders. Dafür, dass das Spiel so gut zur Vita passte, kann die PC-Version ja nichts.

Der Port an sich ist gut gelungen, allerdings wurde auch kein wahnsinniger Aufwand betrieben. Ihr könnt das Vita-Spiel - das deutlich besser aussah als die PS2-Version - jetzt in jeder möglichen Auflösung (nur nicht in 21:9) und in 144 Bildern pro Sekunde spielen, wenn ihr mögt. Das Spiel wirkt wunderbar scharf, auch wenn man seine Herkunft natürlich sofort sieht. Die Figurenmodelle und ihre Kleidung wirken hier und da etwas kantig, durch den hübsch reduzierten Stil bleibt Persona 4 aber auch 2020 noch ein ansehnliches Spiel. Immer dran denken: 2008 war wirklich eine andere Zeit. Ein Wermutstropfen wären wohl die Videosequenzen, die in höheren Auflösungen durch Artefaktbildung auffallen. Die Musik klingt allerdings fantastisch wie eh und je. Hier sind einige Ohrwürmer dabei, die euch so schnell nicht wieder in Ruhe lassen.

Für diese Sorte Port wählten Sega und Atlus mit nicht ganz 20 Euro einen ordentlichen Preis. Dafür bekommt man einen Meilenstein des JRPGs, der selbst einige Menschen, die dem Genre ansonsten abgeneigt gegenüberstehen, für sich einnehmen konnte und kann. Persona 4 Golden perfektionierte die Formel der Reihe und hängte sie an ein unheimliches Mystery-Drama um innere Dämonen und geheime Ängste und Hoffnungen junger Menschen, das sich perfekt vom Lebensalltag der sympathischen Kids umrahmen lässt, die den Geschehnissen auf den Grund gehen wollen. Echte Gefühle, echte Leichen und ein entrückt-unheimlicher Vibe, der über allem schwebt, ergaben für mich damals wie heute eines der besten JRPGs, das ich je gespielt habe.

Heute sicher nicht mehr essenziell, dafür liegt auf jedermann Stapel einfach zu viel rum. Aber eine Bildungslücke, die zu schließen sich lohnt.

Entwickler/Publisher: Atlus/Sega - Erscheint für: PC - Preis: ca. 20 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Englisch/Japanisch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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