Wenn Star Wars vorbei ist, fängt Hardspace: Shipbreaker erst an

Weltraumschrottplatz Simulator 2020.

Im Steam Early Access gibt es neuerdings ein Spiel, das sich mit der interessanten Frage befasst: Was passiert mit all den am Fließband produzierten Raumschiffen, die in Sci-Fi-Universen wie Star Wars oder Wing Commander irgendwann mal zum alten Eisen gehören (sofern sie in den Schlachten nicht vorher schon in den unwahrscheinlichsten Vakuum-Feuerbällen aufgegangen sind)? Die Antwort ist zugleich allzu weltlich und doch faszinierend: Schrottplatz, ausschlachten.

Richtig, das hier ist der Weltraumschrottplatz Simulator 2020 und wenn sich das trocken anhört - das ist es keineswegs. Es geht schon mit der humorigen Einführung los, denn ihr startet bei eurem Arbeitgeber, der Megacorp Lynx, mit einer Milliarde Credits an Schulden, die ihr fortan mit jedem Schiff, das ihr in seine Einzelteile zerlegt, Stück um Stück abarbeitet. Selbst euer Arbeitsmaterial bekommt ihr nicht gestellt, ihr verdient es euch nach und nach, rüstet auf und werdet immer kompetenter, bis ihr euch nicht mehr darüber ärgert, dass ihr selbst Sauerstoff und Jetpack-Treibstoff kaufen oder in den Schiffswracks erbeuten müsst.

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Schönheiten sind sie nicht, diese Schiffe. Zumindest nicht bisher. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn wir je dorthin kommen, wird von der Sportwagenästhetik gängiger Sci-Fi-Filme auch nicht viel übrig sein.

Vorneweg muss ich sagen, dass die Raumschiffe, durch die man sich bisher lasert, ein wenig langweilig aussehen. Wer hier eine Enterprise C oder einen Sternenzerstörer erwartet, den holt der allzu realistische, rechtwinklige Look der momentan recht übersichtlichen Raumer auf den Boden allzu nüchterner Tatsachen zurück. Aber im Grunde macht das nichts, denn der Lesbarkeit dieser Schiffe und ihrer kostbaren Einzelteile kommt das sehr zu Gute.

Überhaupt sind das Gefühl von Schwerelosigkeit und der Bewegung im luftleeren Raum zusammen mit den interessanten Werkzeugen, die ihr einsetzt, der Star der Show. Wenn ihr hoch im Orbit über der Erde in eurer Schrottverarbeitungsstation eurem Tagwerk nachgeht, bis euer Vorarbeiter das Ende der Schicht durchfunkt, hat das eine gewisse abgeschlagene Space-Romantik, die Freunde von Hard-Sci-Fi und den Befürwortern der aktuellen Berufssimulatorenwelle gleichermaßen gefällt.

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Erst den Druckausgleich schaffen, bevor man im Weltraum Teile aus einer übergroßen Blechbüchse herauslasert.

Erstere werden zu schätzen wissen, dass der Weltraum auch für die mehr oder weniger normale, hochverschuldete Arbeiterklasse ein sehr tödlicher Ort. Wer schon mal versehentlich eine Mackerel mit seinem Scherenlaser punktierte und von der Dekompression tonnenschwere Metallteile an den berstenden Raumfahrerhelm gedonnert bekam oder zu lange mit der Entsorgung eines ausgeworfenen Reaktorkerns wartete, weiß das - und fürchtet sich schon mal vorgreifend vor dem ersten Ausflug in den Permadeath-Modus für die ganz Harten.

Hier steckt einiges an Spieltiefe drin, weil die Systeme einfach wunderbar durchdacht sind: Scannt nach strukturell wichtigen Punkten, um zu wissen, wo ihr tragende Teile abtrennen könnt, zieht mit einem Energielasso Teile durch den Raum oder euch an sie heran, nutzt Laser-Tether um sie zur Entsorgungsstation, oder zur Bergungspalette zu befördern und habt dabei immer die nur leicht gebeugten Gesetzmäßigkeiten des Weltraums im Hinterkopf. Nach etwas Übung bewegt man sich mit hoher Eleganz durch seine Umgebung, nutzt das Lasso und die Trägheit aus, um gewissermaßen durch seine Arbeitsumgebung zu fliegen, und krallt euch mit linker und rechter Hand (liegen auf separaten Tasten) an eurem Ziel fest.

Und so wird man mit der Zeit ein immer effektiverer, aber auch waghalsigerer Weltraum-Verschrotter. In diesem Design liegt eine große Eleganz, die der von Snowrunner (Test) - ein anderer Focus-Home-Entertainment-Titel, der vor ausgefallener Kulisse und mit Köpfchen und Skill einforderndem Ablauf gewissermaßen ein Loblied auf die Arbeiterklasse singt - ganz und gar nicht unähnlich ist. Hardspace: Shipbreaker macht schon im Early Access auf Steam alles Wichtige richtig und somit eine ganze Menge Spaß, die man in der Form nirgends anders bekommt. Das ist eine Menge wert. Und hey, hiernach bin ich sicher, dass Homeworld 3, das Hardspace-Entwickler Blackbird Interactive aktuell für Gearbox entwickelt, in den besten Händen ist.

Entwickler/Publisher: Blackbird Interactive/Focus Erscheint für: PC, PS4 Xbox One- Geplante Veröffentlichung: Early Access auf Steam erhältlich - Angespielt auf Plattform: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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