Harvest Moon ist nicht Harvest Moon, Story of Seasons ist Harvest Moon.

Und wer ist eigentlich Amccus wirklich?

Manchmal muss ein Mann einfach die Furche beackern. Das ist halt so, das liegt in der Natur der Sache und deshalb braucht ein Mann manchmal einen Farming-Simulator. Das oder man geht auf den Bauernhof, aber nur weil man natürliche Bedürfnisse hat, muss man ja nicht gleich die Stadt verlassen. Also, auf zum neuen Harvest Moon. Ups, halt, ich meine natürlich Story of Seasons.

Die Geschichte hinter dieser unschuldigen Namensverwechslung ist ein wenig komplizierter. Harvest Moon gibt es seit 1996, es erschien auf dem Super Nintendo und ist im Grunde der Vorläufer für alles, was an Farm-Sims folgen sollte. Was erstaunlich wenig war. Bis zum Super-Erfolg von Stardew Valley vor ein paar Jahren hatte aus unserer westlichen Sicht Natsume das Genre praktisch für sich - aber eigentlich Marvelous und so gab es Ärger auf dem Hof. Die Geschichte um Story of Seasons und Harvest Moon ist dabei so verwirrend, dass ich sie in Vorbereitung für den Test zu Story of Seasons: Friends of Mineral Town mal kurz aufschreibe. Vor allem für mich, um das nachzuvollziehen.

Harvest_Moon_PAL_Cover
Damit fing alles an - technisch gesehen mit der Super Famicom Version, aber das irgendwie 80s-Trash-Slasher-Movie-artige PAL-Cover ist einfach zu schön.

Also, erst gab es 1996 Harvest Moon, entwickelt von Amccus für den japanischen Publisher Pack-In-Video. Beide Firmen gibt es schon lange nicht mehr, Amccus stammte wohl aus der Unterabteilung Sumer Project von Hudson und lieferte gerade mal zwei Games ab, ein unbekanntes Anime-RPG nur für Japan und Harvest Moon. Pack-In-Video ist dagegen relevanter. 1996 endete deren Lauf von über 10 Jahren als sehr japanischer Publisher in einem Merger mit Victor Entertainment. Die neue Firma hieß dann Victor Interactive Software. Diese Firma wiederum existierte bis 2003, dann gab es den nächsten Merger mit Marvelous Entertainment, einem Nerd-Gemischtwarenladen mit einer Reihe von Anime- und Games-Firmen und -Lizenzen, die außerhalb von Japan vergleichsweise wenig Relevanz haben. Zu Marvelous gehört auch Xseed Games, die 2004 von Ex-Square-Enix-Mitarbeitern gegründete Publishing-Firma in Kalifornien, die dann zuerst von AQ Interactive als Muttergesellschaft übernommen wurde, die wiederum 2011 auch von Marvelous übernommen wurden. Damit ist die Verbindung Pack-In-Video und dem ersten Harvest Moon hin zu Xseed und Marvelous relativ lückenlos.

Wo kommt jetzt also Natsume dazu? Natsume Co. Ltd. wurde als Publisher 1987 gegründet, der 1988 Natsume Inc. gründete, um seine Titel auch in den USA zu vertreiben. Eines dieser Spiele war das 1996er Harvest Moon und auch jedes Harvest Moon im Anschluss. Schließlich hatte man sich bei Natsume den englischen Namen für den japanischen Titel Bokujō Monogatari ausgedacht und rechtlich gesichert. Natsume machte ab Mitte der 90er eine Reihe von Splits und Firmenteilungen durch, von denen man für dieses Thema hier eigentlich nur wissen muss, dass es am Ende eine Firma namens Natsume Inc. gab, der weiterhin der Name Harvest Moon gehörte, was sie zu einem prädestinierten Publisher für den konstanten Output von mehr Spielen der Reihe aus Japan machte.

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Marvelous wollte irgendwann die Dinge selbst erledigen.

Die Harvest-Moon-Titel kamen von natürlich immer noch von Marvelous aus Japan, aber dort ärgerte man sich anscheinend, dass man eine Erfolgsserie hatte, die gut in den USA und dem Rest der Welt läuft, aber in einem der wichtigsten Märkte überhaupt an einen Fremd-Publisher gebunden ist. Nicht nur das, Marvelous hat mit Xseed schließlich einen eigenen westlichen Publisher, der all die Harvest-Moon-Jahre hindurch leer ausging.

Damit wird es Zeit, dieser Geschichte der Firmenteilungen den Split der Serie Harvest Moon hinzuzufügen: Natsume Inc. dachte gar nicht daran, den beliebten Namen herauszurücken, als Marvelous den eigenen West-Publisher Xseed einsetzen wollte. Und ein Blick auf das restliche Portfolio von Natsume Inc. macht auch schnell klar, warum. Damit musste sich Marvelous also für das nächste Harvest Moon einen neuen westlichen Namen ausdenken und so kam es dann 2014 zu Story of Seasons auf dem 3DS, dem dann ein weiterer 3DS-Titel folgte und 2019 auf der Switch der Crossover mit dem erfolgreichen Manga/Anime Doraemon - der im September übrigens auch für die PS4 erscheint. Schließlich ist dann da natürlich noch das in ein paar Tagen kommende Story of Seasons: Friends of Mineral Town, das ein Remake des 2003er Game Boy Advance Spiels ist, das den fast gleichen Namen hatte. Damals hieß es eben noch Harvest Moon statt Story of Seasons.

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2003 war es noch Harvest Moon: Friends of Mineral Town...

Die Relevanz des Ganzen ist simpel: Es gelang Natsume leider nicht, seit 2014 an die Qualität der Original-Serie anzuknüpfen, um es vorsichtig zu sagen, und einen würdigen Farm-Life-Sim-Wettlauf zu starten. Harvest Moon: Lost Valley (2014), Skytree Village (2016), Light of Hope (2017) bis Mad Dash (2019) reichen von ganz okay, halbwegs, vielleicht - Skytree - bis hin zu digitalem Müll: Mad Dash. Story of Seasons Spiele dagegen, kommend von den üblichen Entwicklern, waren gute bis sehr gute Spiele. Keine, die das Genre umkrempelten und die ein klein wenig was von Stardew Valley lernen können, aber die bis heute vor allem mit einem zu kämpfen haben: Harvest Moon ist den Leuten nach 20 Jahren ein Begriff, Story of Seasons nicht ganz so sehr. Ich hatte keine Ahnung und brauchte eine Weile, um das hier aufzudröseln. Welche Chance hat also der übliche Kunde, der eigentlich nur eine nette Farm-Life-Sim haben möchte und dann bei Mad Dash endete, weil der Name Harvest Moon ein Begriff ist?

Daher: Harvest Moon ist nicht Harvest Moon, aber Story of Seasons ist Harvest Moon. Eigentlich. Gewöhnt euch an den Namen, Natsume hat sonst nichts, sie werden Harvest Moon nicht rausrücken.

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... jetzt wird es ein Story of Seasons: Friends of Mineral Town.

Und jetzt mache ich mich daran, herauszufinden, wer Amccus war, woher sie kamen und wohin sie gingen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Entwickler aus dem Nichts aufpoppt, eine ein Vierteljahrhundert überdauernde Serie begründet und noch im gleichen Jahr wieder verschwindet. Magisch aufpoppende Straßenhändler mit Wunderlampen sind weniger verdächtig als das... Mehr zum neuen alten Story of Seasons dann in Kürze.

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Martin Woger

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