Ubisoft: Es gab "beträchtliche Fortschritte" seit den Belästigungsvorwürfen letztes Jahr

Mögliche Widersprüche zwischen dem CEO und Firmen-Insidern.

  • Laut Yves Guillemot gab es Verbesserungen in der toxischen Ubisoft-Struktur
  • Neues Personal, Schulungen und Verbesserungen der Richtlinien wurden vorgenommen
  • Die Aussagen stehen teils im Gegensatz zu Insider-Informationen

Ubisoft-CEO Yves Guillemot hat ein umfassendes Statement zu den Firmenentwicklungen seit den Belästigungsvorwürfen 2020 veröffentlicht. Im Blog-Beitrag mit dem überschwänglichen Titel "Ein Jahr der Veränderung bei Ubisoft" stellt er Fortschritte innerhalb der Arbeitsstrukturen vor.

Zuletzt hieß es von Insidern bei Ubisoft, dass sich seit den schweren Vorwürfe bezüglich toxischer Strukturen und sexueller Belästigung an zahlreichen Führungspersonen im letzten Jahr angeblich noch nicht viel verbessert habe. Das sieht Guillemot offenbar anders und stellt in einem Statement die Fortschritte vor, die das Unternehmen seit letztem Jahr gemacht habe.

"Im vergangenen Juni mussten wir feststellen, dass nicht alle Teammitglieder den sicheren und inklusiven Arbeitsplatz erleben, den wir uns für Ubisoft immer gewünscht haben", eröffnet der CEO sein Statement.

"Nach den Vorwürfen des Fehlverhaltens haben wir mehrere Kanäle eingerichtet, über die Teammitglieder unangemessenes Verhalten melden können, darunter eine Plattform, die Anonymität garantiert", erklärt Guillemot die ersten Maßnahmen seit 2020. Weiter heißt es: "Alle Meldungen werden von einem unabhängigen externen Partner entgegengenommen und behandelt, um Unparteilichkeit zu gewährleisten." Dieser Ansatz klingt erst einmal sinnvoll, steht allerdings etwas im Kontrast zu den kürzlichen Insider-Berichten.

Darin hieß es, dass Vorwürfe oftmals nicht richtig nachverfolgt würden, um Täter oder Täterinnen zu decken - und zwar zum Teil von denselben Leuten im Personalwesen, die bereits vor den Zwischenfällen letzten Sommer im Amt waren. Welche der beiden Ansätze also in der Realität eher vorkommt, ist von außen schwer zu beurteilen.

Auch nennt Guillemot Schulungen für das Personal als Maßnahme: "Schulungen, disziplinarische Sanktionen und Entlassungen", genauer gesagt. Weiter heißt es "Unsere Teams weltweit haben bereits an den ersten Anti-Belästigungs-Schulungen teilgenommen. Darüber hinaus setzen wir weitere verpflichtende Trainingsmodule speziell zu den Themen Anti-Belästigung und Anti-Diskriminierung ein."

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Die Berichte von CEO und Ubisoft-Insidern widersprechen sich.

In den Insider-Berichten hieß, dass bisher nur wenige Stunden Training für viele der Angestellten angesetzt wurden, vielleicht sollen aber noch mehr folgen? Auch bezüglich der Entlassungen hieß es von Insider-Seite, dass einige der Beschuldigten, so zum Beispiel Hugues Ricour, nicht gefeuert worden waren, sondern vielmehr in anderer Position noch immer in der Firma tätig seien.

Des Weiteren gab es wohl Umfragen und eine Evaluation der Firmenrichtlinien: "Als Ergebnis haben wir unsere Richtlinien zur Nicht-Diskriminierung und zur Bekämpfung von Belästigung verstärkt. Außerdem haben wir neue HR-Prozesse geschaffen und unseren internen Kodex für faires Verhalten vollständig aktualisiert", sagt der CEO. Dabei handelt es sich um einen guten Ansatz.

Auch die Insider-Quellen bestätigten, dass Belästigung in den Richtlinien bald als "nicht verhandelbares Verbot" eingetragen werden soll. Gut, das klingt nun eher nach Bürokratie als nach großer Veränderung und nach einer Selbstverständlichkeit für das Firmenmiteinander. Auch die Anforderungen an Führungskräfte wurden allerdings verstärkt, heißt es.

Des Weiteren beschreibt der CEO die Personalveränderungen bei Ubisoft, die für mehr Diversität sorgen sollen. Dabei spricht er zum Beispiel Raashi Sikka als neue VP of Global Diversity & Inclusion an. Außerdem kamen unter anderem Anika Grant als Chief People Officer, Belén Essioux-Trujillo in den Ubisoft-Verwaltungsrat und Bio Jade Adam Granger als Vice President der Editorial-Abteilung hinzu.

Wie Insider laut der französischen Zeitschrift Le Télégramme behaupteten, habe man allerdings gezielte Maßnahmen für einen größeren Frauenanteil in der Firma bisher nicht in Angriff genommen - die einzelnen Neubesetzungen sind aber zumindest schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Es ist durchaus möglich, dass Guillemot mit seinem Statement eben auf die Behauptungen, Ubisofts Strukturen hätten sich seit letztem Jahr kaum verbessert, reagieren und diese in ein besseres Licht zu rücken möchte.

Da stellt sich allerdings die Frage, welche Seite man glaubhafter findet: die einer Führungsperson oder die der Angestellten, die direkt von den Strukturen betroffen sind. Auch die Andeutung, erst letzten Sommer bemerkt zu haben, dass er Probleme innerhalb der Arbeitsstrukturen gibt, wirkt bei so vielen Vorwürfen eher blauäugig.

Dennoch betont der CEO: "Es wurden beträchtliche Fortschritte gemacht und wir werden weiterhin hart arbeiten mit dem Ziel, ein vorbildlicher Arbeitsplatz in der Tech-Branche zu werden". Und weiter heißt es von Yves Guillemot: "Das Management - mich eingeschlossen - hat die Verantwortung, als Vorbild zu agieren."

Ein guter Ansatz, der sich hoffentlich auch durchsetzen wird. Es klang vonseiten der Angestellten aber eher so, als wäre es bis dahin noch ein längerer Weg.

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Über den Autor:

Judith Carl

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News-Redakteurin  |  TJudl

Adventure-Freak und Fan von guten Geschichten. Begeisterte Sängerin. Mag Rollenspiel, Podcasts und Trashfilme.

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