Tencent-Aktie erholt sich langsam von medialem Seitenhieb aus China

Nachdem chinesische Medien Videospiele als elektronische Droge bezeichneten, fiel Tencents Aktie um fast 11 Prozent.

Nicht nur Elon Musk schafft es im Alleingang, Aktienkurse einstürzen zu lassen. Auch die chinesischen Medien haben bewiesen, wie viel Einfluss sie auf den Wirtschaftsmarkt haben können. Innerhalb von nur 24 Stunden sind die Aktien der chinesischen Tech-Giganten Tencent und NetEase gefallen, erholten sich aber schon wieder von dem kurzen Schock.

Die Geschichte nahm ihren Anfang damit, dass die staatliche Zeitung Economic Information Daily am Dienstag einen Artikel über die Spielsucht von Kindern veröffentlichte. Darin bezeichnete das chinesische Blatt Videospiele als "elektronische Droge" und "geistiges Opium". Im Artikel hieß es: "Keine Industrie oder Sportart sollte gedeihen, indem sie eine ganze Generation ausrottet" und betitelte Tencent direkt als einen Verursacher des Problems.

Wie Bloomberg berichtet, reagierte Tencent auf seine fallende Aktie, indem sie den Zugang zu ihren Spielen für Minderjährige einschränkten. Besonders das bei Jugendlichen beliebte Honor of Kings stand dabei im Fokus.

Chinas wertvollstes Unternehmen verlor durch diese Aktion 10,8 Prozent seines Marktwertes - also etwa 50 Milliarden Euro. Am selben Tag erholte sich die Aktie jedoch auf einen Verlust von nur noch 6 Prozent.

Auch wenn sich einige Pädagogen und Eltern vielleicht über diesen Schritt freuen, so sind Tencent und NetEase wichtige Zugpferde der chinesischen Wirtschaft. Durch das gestrige Zurückrudern der chinesischen Medien konnte der Aktienrutsch von Tencent ein wenig abgebremst werden.

Sie schwächten die Kritik in ihren Artikeln ab, People's Daily schrieb zum Beispiel, dass Regierung, Schulen, Familien und die Gesellschaft zusammenarbeiten müssen, um Kinder besser vor übermäßigem Spielen zu schützen - das klingt doch deutlich netter, als Videospiele mit Drogen gleichzusetzen und Verbote zu fordern. Economic Information Daily entschied sich dazu, den kritischen Artikel von ihrer Website zu entfernen und einige Stunden später mit einer sanfteren Rhetorik wieder hochzuladen.

Auf WeChat, ein Nachrichtendienst, der zufällig auch zu Tencent gehört, sagte Hu Xijin, Herausgeber der staatlich kontrollierten Global Times, dass der Artikel von Economic Information Daily die Situation einfach "überinterpretiert" hätte.

Durch all diese kleinen Rettungsmaßnahmen konnte Tencent nochmal 2,4 Prozent seines Aktienkurses zurückerlangen.

Dabei hatte sich Tencent berichten zufolge doch gerade erst den King's-Bounty-Entwickler 1C Entertainment angelacht. Der russische Entwickler mit Sitz in Polen soll laut dem polnischen Amt für Wettbewerb und Verbraucherschutz (UOKiK) von Tencents Tochtergesellschaft Proxima Beta Europe übernommen werden (danke, gameworldobserver). Ein offizielles Statement zu dieser möglichen Akquisition gibt es noch nicht.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (0)

Über den Autor:

Melanie Weißmann

Melanie Weißmann

News-Redakteurin  |  Melancholia_Mel

Melanie ist meist online am PC zu finden. Neben Multiplayern und Meer mag sie Alliterationen und dumme Wortspiele. Gelegentliches Lego-Bauen hilft ihr beim Abschalten.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (0)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading