Microsoft Flight Simulator: Im Gespräch mit Jörg Neumann übers Fliegen und das DACH-Update

Der Microsoft Flight Simulator bekommt das Update für Deutschland, bringt neue Flugzeuge mit und warum man erst mal mit einer Cessna und nicht einem Jet startet.

Der Flight Simulator ist derzeit die Tech-Demo schlechthin. Sicher, es gibt andere Spiele, die im Detail mehr zu bieten haben, kein Wunder. Aber zu starten und zu wissen, dass da die ganze Welt wartet... Die ganze Welt. Nicht eine Stadt, ein Land, der komplette Planet wartet nur darauf, von euch erkundet zu werden. Und im Grunde sieht es es überall, wo ihr hinfliegt ziemlich genau so aus, wie das in der Realität der Fall ist. Nun, weitestgehend. Damit man diesem Ideal besonders nahe kommt, wird das Kartenmaterial ständig geupdatet und manche Länder und Orte bekommen dabei besondere Aufmerksamkeit. Teile Englands, New York, Mount Fuji oder Mount Everest erfuhren schon diese Aufmerksamkeit, jetzt ist also Deutschland dran.

Wie man die ganze Welt nach und nach baut.

"In den World Updates geht es darum die speziellen Regionen der Welt zu verbessern", so Jörg Neumann, der Verantwortliche für den Flight Simulator. "Wir suchen nach neuen Satellitenaufnahmen, nach neuen Aerials und Height Fields. Das haben wir auch für die DACH-Region getan und die Auflösung hier ist sehr gut. Dann werden 3D-Städte neugestaltet, wobei es da drauf ankommt, welche zur Verfügung stehen. Vor allem aber versuchen wir auch die Region mit den schönsten Sehenswürdigkeiten zu feiern. Wir suchen uns in jeder Region so um die 100 davon heraus und natürlich gibt es auch neue Flughäfen. In diesem speziellen Update haben wir Stuttgart, Lübeck, Klagenfurt und St. Gallen."

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Was leider nicht so aussieht, wie es aussieht, das ist zu meinem eigenen Unmut Berlin. Die Updates solcher Landschaften werden auf zwei Weisen aktualisiert: "Das erste nennen wir Procedural Generation. Hier analysieren wir Satellitendaten und Luftaufnahmen. Hier sehen wir wo zum Beispiel Dächer sind und Algorithmen produzieren dann das Haus in 3D. Das ist dann nie genau das Haus, aber es ist ähnlich. Das andere ist Photogrammetry, im Grunde ein 3D-Bild der Stadt, das ist aber sehr von der Datenlage abhängig. Wir haben zum Beispiel einen neuen Scan von Berlin aus 2020, aber diese Daten zu einem bestimmten Datum fertigzustellen und komplett zu nutzen, ist fast unmöglich. Berlin ist also noch nicht neu in dem Update, im Gegensatz zu Frankfurt zum Beispiel. Aber Berlin kommt, nur später und dann wird es das Berlin aus dem Jahr 2020 sein."

Neu dazu kommen auch "Missionen", wie ihr sie schon aus dem Hauptprogramm kennt, die im Grund als eine Art Touristenführer dienen und euch über die schönsten Ecken führen sollen. Das ist der Nachteil, wenn man die ganze Welt hat. Sie ist verdammt groß und da verpasst man auch schon mal was. Das sollen die Discovery-Flüge ein wenig verhindern. Wer Herausforderungen sucht, der wird auch neue Lande-Herausforderungen bekommen, um zeigen zu können, dass man das Flugzeug beherrscht.

Lokale Legenden und berühmte Flieger im Microsoft Flight Simulator.

Seit der Zeit, in der drei Polygone herumstanden und so taten als wären sie eine Stadt hat sich aber nicht nur in der Welt des Flight Simulators viel getan, auch die Flugzeuge wurden immer detaillierter und nun werden sie auch regionaler. Jörg Neumann: "Wir wollen auch das Flugwesen des Landes zeigen und führen nun eine neue Serie ein, die Local Legends. Wir werden zumindest versuchen diese immer zusammen mit einem World Update herauszubringen. Im Falle von Deutschland haben wir uns die Junkers JU-52 ausgesucht, die alte "Tante JU". Wir haben dafür mit Bernd Junkers zusammengearbeitet, dem Großenkel des Konstrukteurs, aber auch mit Piloten, die die JU wirklich flogen." Es wird aber nicht bei der JU bleiben. "Ich habe mich in letzter Zeit viel mit der Vergangenheit des Fliegens beschäftigt und wir können all die alten Flugzeuge bauen. Ich denke, es ist auch richtig eine Art digitales Museum zu bauen. Ich rede aktuell mit 40 Museen und ich höre überall, dass es schwierig ist und dass die Flugzeuge langsam, aber sicher auseinanderfallen."

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Diese Local Legends werden nicht gratis mit dem Update kommen, sondern werden euch was kosten, aber auf der einen Seite, will man es so günstig wie möglich halten. Und auf der anderen Seite waren die Entwickler lange Zeit mit Scannern im Flugzeug zugange und bilden das komplette Flugzeug innen wie außen auf einen Millimeter genau ab. Diese Modelle und Scans bekommt dann nicht nur ihr im Spiel zu sehen, sie gehen dann auch zurück an die Museen, die sie dann für ihre Arbeit nutzen.

Die Frage nach den Flugverhalten ist natürlich schwierig, denn einige dieser Flugzeuge werden nie wieder real starten. "Im Falle der Junkers haben wir einen Lufthansa-Piloten getroffen, der die JU-52 geflogen ist und uns gute Hinweise geben konnte. Es geht dabei neben dem Fliegen selbst auch um das Cockpit. Die Junkers gab es von den 30ern bis in die 50er. Über die 20 Jahre hat sich das Cockpit und das Flugzeug drastisch verändert. Nach und nach kamen zum Beispiel immer mehr Instrumente dazu." Um das abzubilden, werdet ihr dann auch verschiedene JU-52-Modelle fliegen können, vom Ursprungsmodell in den 30ern bis zu einem, das noch in den 70ern und 80ern weiter umgebaut wurde. Sogar an exotische Extras wie Schwimmer und Skis wurde gedacht und ihr werdet sie dann ausprobieren können. Und weil es die Vergangenheit war: Es wird auch das Raucherabteil der JU geben.

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Schwierig wird es dann bei Flugzeugen, die es gar nicht mehr gibt: "Wir arbeiten an einem Flugzeug, da gab es nur drei von und die sind alle abgestürzt. Es gibt auch niemanden mehr, der es mal flog. Hier helfen uns dann Archiv-Aufnahmen, oft auch direkt von den Herstellern und daraus müssen wir dann ableiten, wie sich das Flugzeug verhalten hat." Neben den Local Legends denkt man auch über eine andere Reihe nach. Während sich erstere um die im Land berühmten Flieger kommen, sollen die "Famous Flyers" - das ist noch ein nicht finaler Arbeitstitel der Reihe - die sich dann möglicherweise Dinge wie die experimentelle X-Reihe der Air Force angucken könnte. Oder eben andere Berühmtheiten wie das größte Flugzeug, das, das am höchsten flog und solche Dinge. Das lässt viel Spielraum bis hin zur Spruce Goose...

Hubschrauber und Jets im Flight Simulator

Neben der Vergangenheit wird sich das World Update auch um die Zukunft des Fliegens kümmern und dafür arbeitete man mit dem Hersteller der Volocopter zusammen. Das sind im Grunde eine Art Hubschrauber mit einem futuristischen Multi-Rotor-Look, die eines Tages als Flugtaxis dienen sollen. Das wirft natürlich die Frage nach Hubschraubern auf. "Die Leute haben uns gesagt, dass sie Hubschrauber wollen, wir haben gesagt, dass wir Hubschrauber bringen werden, aber das wird wohl nicht vor Ende 2022 passieren. Diese Volocopter sind aber der erste Schritt in diese Richtung."

Auch die aktuelle Auswahl, die sehr auf Propeller fokussiert ist, wird sich langsam wandeln. Da kommt natürlich Top Gun Ende des Jahres mit der F-18. Aber es ging bei der ersten Auswahl für Jörg Neumann und sein Team auch um den Einstieg ins Fliegen: "Man muss eine Brücke für Leute bauen, die sich nicht so mit der Fliegerei auskennen. Man beginnt da mit der Cessna über die Turboprops bevor es zu den großen Jets geht. Man sieht es auch bei den Spielern. Die Core-Sim-Fans können mit einem Airbus umgehen, andere haben eher Respekt davor. Wir werden jetzt das Angebot erweitern, aber wir wollten vorsichtiger anfangen. Es geht uns darum, dass die Leute sich auch ein wenig in die Fliegerei verlieben und wenn man da nicht ein wenig achtsam herangeht, dann verschreckt man sie auch leicht wieder."

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Über die Xbox zurück in den Himmel.

Die Xbox-Version ist dabei natürlich sehr hilfreich, denn bisher gab es noch nie einen Microsoft Flight Simulator für eine Konsole und der Einstieg fällt hier natürlich leichter. Das sorgte dann auch für das Feedback, das man haben wollte. "Ich bekam viele E-Mails von Leuten, die sagten, dass das ihr erster Flugsimulator überhaupt ist, dass sie mit der Familie zusammensitzen und den Planeten erkunden. Viele Leute haben sich nie in Richtung Fliegen bewegt, es ist vielleicht zu abstrakt und wirkt in der realen Welt zu teuer und zu fern als Hobby. Auf den Konsolen sehen die Leute nun, dass sie nicht viel Technik brauchen und die Grundfreude am Fliegen kommt durch."

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Es freut das Team auch, dass vor allem wieder viele Kinder auf diese Weise in Kontakt mit der Fliegerei kommen, denn für eine ganze Weile schien das Genre selbst im weitesten Mainstream-Sinne abgeschrieben und außerhalb einer ganz harten Core-Gruppe praktisch nicht existent. Das war nicht immer so, sei es im realen Leben wie auch am Spiele-Markt, wo bis in die 90er noch alles simuliert wurde, was abheben konnte. "Ich denke, es gibt da ein Äquivalent mit der Raumfahrt. In den 50er und 60ern war es das Ding, dann verblasste es über die Zeit langsam, während es jetzt mit Sachen wie Space X zurückkommt. Die Welt hat wieder Interesse am Weltraum. Diese Wellen sieht man auch bei der Fliegerei. Im Zweiten Weltkrieg kam eine ganze Generation zurück, die dann das Fliegen im zivilen Leben weiterführte, aber im Lauf der Zeit und über die Generationen ließ es nach, real wie im Spiel. Und jetzt entdecken sie langsam wieder, dass man die Welt digital erforschen kann, dass sie von oben wunderschön aussieht. Das liegt hier auch daran, dass die Welt im Simulator endlich so aussieht, wie sie aussieht. Vorher war es zu abstrakt."

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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