Tag ohne Twitch: Wenig Solidarität beim Protest gegen anhaltende Hass-Attacken

#ADayOffTwitch ist eine Kampagne von Streamern, die gemeinsam mit der gesamten Twitch-Community auf die Missstände der Plattform aufmerksam machen wollen.

Beim Frühstück, während der Arbeit, als Abendprogramm: Twitch begleitet viele Gamer und Nicht-Gamer durch den Alltag. Leider geht es dort nicht immer freundlich zu. Streamer und Streamerinnen werden aufgrund ihrer Sexualität, ihrer Hautfarbe oder anderen Merkmalen und Verhaltensweisen beschimpft und belästigt.

Was ist die "Tag ohne Twitch"-Kampagne?

Um dem entgegenzuwirken, haben drei Streamer die Kampagne #ADayOffTwitch ins Leben gerufen. Content-Creator sollen heute, am 1. September 2021, ihre Arbeit niederlegen und Zuschauer die Plattform ruhen lassen, um Twitch unter Druck zu setzen etwas gegen die vielen Hassübergriffe zu tun. Der Verzicht auf Twitch soll 24 Stunden andauern.

RekItRaven, die zusammen mit LuciaEverblack und ShineyPen zum heutigen Boykott aufruft, wurde Anfang August selbst Opfer eines sogenannten Hass-Raids, bei dem die Nutzer den Kanal wegen ihrer dunklen Hautfarbe mit rassistischen Beleidigungen überfluteten.

Das sagt Twitch dazu

Twitch selbst hat bereits auf die Streikankündigung reagiert und erklärte auf Twitter, dass man bereits versuche, die Hassattacken zu stoppen, es sei eben nicht so einfach, eine Lösung dafür zu finden.

"Niemand sollte böswilligen und hasserfüllten Angriffen ausgesetzt sein, die darauf basieren, wer er ist oder wofür er steht", schrieb das Unternehmen. "Das ist nicht die Community, die wir auf Twitch haben wollen, und wir möchten, dass ihr wisst, dass wir hart daran arbeiten, Twitch zu einem sichereren Ort für Kreative zu machen."

"Hass-Spam-Attacken sind das Ergebnis von hochmotivierten, böswilligen Akteuren, und es gibt keine einfache Lösung. Eure Berichte haben uns dabei geholfen, Maßnahmen zu ergreifen - wir haben unsere Filter für verbotene Wörter auf der gesamten Website ständig aktualisiert, um Variationen von hasserfüllten Beleidigungen zu verhindern, und Bots entfernt, wenn sie identifiziert wurden", so Twitch weiter.

"Wir arbeiten seit Monaten an der Erkennung von Bannumgehungen auf Kanalebene und an Verbesserungen für Konten, um dieses Fehlverhalten zu bekämpfen", erklärt Twitch. "Diese Änderungen sind vielleicht nicht sichtbar, aber wir nehmen sie täglich vor".

Damit diese Akteure nicht bereits vor der Implementierung neuer Lösungen einen Weg finden, diese zu umgehen, gibt Twitch keine Details hierzu bekannt. Twitch ruft alle Nutzer der Plattform dazu auf, weiterhin alle Angriffe zu melden.

Solidarität geht anders

An vielen Nutzern scheint die Kampagne einfach vorbeizugehen. Heute, am Tag des Boykotts, waren um 11:00 Uhr immer noch 54.162 Channel aktiv und etwa 1,62 Millionen Zuschauer online.

Gestern um dieselbe Uhrzeit sehen wir ähnliche Zahlen auf dem Twitch-Tracker. Mit 1,88 Millionen Zuschauern gab es ein wenig mehr Bewegung, dafür waren nur 53.797 Kanäle live. Das könnte auch einfach eine normale Schwankung sein. Aber der Tag ist ja noch jung. Vielleicht sieht es gegen Abend etwas anders aus...

Möglicherweise haben die Nutzer einfach nichts von der Aktion mitbekommen, vielleicht können sie aber auch einfach nicht auf die Plattform verzichten. Für Zuschauer bedeutet sie Unterhaltung und sozialen Kontakt und für die Streamer sind sie ein Hobby oder sogar eine Einnahmequelle. Ein ganzer Tag ohne Online-Präsenz und Gehalt kann schon ziemlich wehtun.

Auch wenn jeder selbst entscheiden kann, ob er bei der Aktion teilnimmt und ein Zeichen gegen Hass auf Twitch setzen möchte - solidarisch ist das nicht. Aktuell lässt sich nicht einmal ein wirklicher Rückgang an aktiven Streamern und Zuschauern feststellen.

Statt Twitch unter Druck zu setzen und zum schnelleren Handeln zu bewegen, zeigt die Aktion bisher nur, dass vielmehr die Nutzer von der Plattform abhängig sind. Oder wie seht ihr das?

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Über den Autor:

Melanie Weißmann

Melanie Weißmann

News-Redakteurin  |  Melancholia_Mel

Melanie ist meist online am PC zu finden. Neben Multiplayern und Meer mag sie Alliterationen und dumme Wortspiele. Gelegentliches Lego-Bauen hilft ihr beim Abschalten.

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