Razer Hammerhead TWS 2. Generation Test - Mein In-Ear-Heureka!

Die 4. Wireless-Hammerhead überzeugen mit Kraft und Features - ein paar Kleinigkeiten machen es dennoch zum schwächsten der bisher getesteten Geräte

Abzüge wegen der seltsamen Materialwahl und des Mikros! Davon abgesehen leistungsstarke, langlebige Stöpsel mit gutem Feature-Umfang.

Ich kann es nicht anders sagen: Nachdem ich von den normalen Hammerhead mittlerweile in diesem Haushalt zwei Paar habe und mit der Passform der laut Straßenpreis fast drei Mal so teuren Pro-Version nicht so hundertprozentig warm wurde, hatte es die neue Ausführung erstmal schwer bei mir: Das Nachfolgemodell kommt nun nämlich auch mit dessen In-Ear-Formfaktor daher, anstatt in dem losen, aber sicher in der Ohrmuschel liegenden Design der ersten Version.

Ich persönlich konnte In-Ear noch nie so richtig leiden, was vor allem an meinem Individualproblem liegt, dass solche Stöpsel vor allem aus meinem linken Ohr bisher grundsätzlich herausrutschten. Das sorgte dafür, dass sich die eigentlich exzellenten Hammerhead Pro bei mir im Tagesgebrauch nicht so richtig durchsetzen konnten. Trotzdem ist jetzt was Interessantes passiert: Die neuen Hammerhead V2 passten auf einmal und blieben dann auch, wo sie hingehörten. Ich trage sie sogar stundenlang, ohne, dass sie mir Probleme machen würden. Die alten fand ich noch eine Idee komfortabler, die Isolation der neuen Ausgabe ist aber ein nicht wegzudiskutierender Vorteil.

Es ist nicht alles Klavier, was glänzt - Haptik und Akku

Die andere Sache, die mir auf den ersten Blick negativ aufstieß und sich auch bis jetzt, drei bis vier Wochen später, nicht so in Wohlgefallen aufgelöst hat, wie der Punkt oben, ist die Materialwahl: Die Dinger kommen in Klavierlack-Optik daher, die zwar - durchaus überraschend - wirklich gut und wertig aussieht und sich so anfühlt, sich aber dafür schon beim ersten Herausnehmen mächtig sträubten und gleich herunterfielen. Wie, als würde man versuchen, einen Regenwurm aus einem Eimer Nacktschnecken zu retten (fragt nicht, warum ich das weiß). Nur, dass der Regenwurm keine Kratzer bekommt:

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Sieht wegen der Reflexionen etwas schlimmer aus, als es ist. Unschön ist es trotzdem. Auch, weil Klavierlack nur so lange gut aussieht, wie man ihn nicht anfasst. Bei Stöpseln ausgeschlossen.

Kurzum: Viel zu glatt, wer hätte das geahnt? Es hat ein wenig gedauert, bis ich wusste, wie ich sie am besten zu packen bekomme, zumal die In-Ears recht tief in dem neuerdings dem Pro-Modell nachempfundenen, größeren Case stecken. Hat man den Dreh raus, geht es schon (schrieb er gestern, nur damit sie ihm heute früh schon wieder entgleiten sollten und jetzt gleich zwei unschöne Schrammen haben), aber optimal ist es nicht, vor allem mit sehr trockenen Fingern wird es etwas fummelig und ich muss sie im Grunde fast täglich polieren, weil sie ordentlich Fett anziehen und dann irgendwie nicht mehr lecker aussehen. Das wäre alles vermeidbar gewesen, schmälert aber letzten Endes nicht, dass ich die Hammerhead V2 mittlerweile ganz gerne benutze. Denn davon abgesehen kann sich die Liste an Neuerungen sehen lassen.

Fangen wir mal vorne an: Wieder mit dabei ist der Gaming-Mode mit ordentlichen 60ms Latenz, den man zum Spielen in Ermangelung von aptX Low Latency (schade!) auch dringend zuschalten sollte und der dann gute Arbeit macht. Neu ist die deutlich erhöhte Akku-Lebensdauer. Statt nur vier Stunden pro Ladung (aus dem Etui kamen noch mal 12 hinzu) sollen es im Normalbetrieb sechseinhalb werden, die man mittels Case noch um 26 Stunden verlängert. Das ist schon gesalzen und hat sich im Test auch bestätigt. Vor allem verfügen die Hammerhead V2 auch über eine clevere Auto-Aus-Funktion, die automatisch erkennt, ob ihr noch etwas hört und dann nach einem eingestellten Zeitintervall abschaltet. Vorbei die Zeit, in der sich die Stöpsel im Leerlauf ... nun ja, leerlaufen, zum Beispiel, wenn man mit Podcast im Ohr eingeschlafen ist...

RGB, Noise-Cancelling und Bedienung

Ebenfalls neu ist die RGB-Beleuchtung, die das Razer-Logo auf der Seite der Stöpsel in jeder Farbe des Regenbogens erstrahlen lassen. Meiner Meinung nach dürfte Razer die drei verschränkten Schlangen gerne mal neu designen, das sieht schon arg nach 2010 aus und passt nicht mehr so recht zum mittlerweile ziemlich gediegenen Design der Produkte. So oder so: RGB war das war das erste, was ich abgeschaltet habe, zumal es auch auf die Batterieleistung drückt und ich ohnehin nicht mehr auffallen möchte als irgend nötig. Klarer Fall von "wer's mag!"

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Spritzwasserfest sollen sie sein. Die Vorgänger waren mir in die Toilette gefallen und funktionierten anschließend immer noch. Mit diesen würde ich das wegen der ANC-Mikros aber nicht unbedingt ausprobieren.

Zweifellos eine praktische Neuerung ist das ordentliche Noise Cancelling, das zwar anders als bei den Pro "nur" über Feedforward läuft, aber sich immer noch gut schlägt. Erst letzten Samstag war ich sehr dankbar für die Funktion, als die WG im Nachbarhaus es mal wieder zu bunt trieb. Mit der Geräuschunterdrückung eines guten Over-Ear-Kopfhörers (oder der Pro!) kann das natürlich nicht mithalten, aber es funktioniert gut genug, um niedrige und mittlere gleichmäßige Frequenzen spürbar zu minimieren. Passend dazu gibt es natürlich einen Quick-Attention-Modus, mit dem man seinen Podcast auch dann noch weiterhören kann, wenn man eigentlich was anderes machen sollte - auf Kinder aufpassen oder so. Der Modus schleift nämlich Umgebungsgeräusche und Kinderkrakelen klar und deutlich durch, einem entgeht eigentlich nichts. Zugleich kommt dadurch aber natürlich ein leichtes Rauschen hinzu. Das lässt sich nicht vermeiden.

Auch das Noise Cancelling schalte ich zu Gunsten der Akkulaufzeit und eines unverfälschten Klanges in der Regel ab, sofern ich nicht gerade im Zug sitze (oder eine Horde Anfang Zwanziger nachts um 03:27 Uhr "Jein" von Fettes Brot entdeckt). Habe ich schon immer gemacht. Mit RBG-Licht und ANC beziffert Razer die Batterielaufzeit übrigens immer noch auf vier Stunden, also genau so lang wie beim Vorgängermodell ohne diese Features. Ärgerlich ist eigentlich nur, dass man Noise-Cancelling- und Ambient-Modus zwar mit einer praktischen Geste hin- und herschalten darf, um beides abzuschalten aber die kostenlose App aufrufen muss. Die ist mit ihrem flexiblen Equalizer zwar eine sehr lohnende Installation. Die Hammerhead Pro schalteten mit derselben Geste aber nicht nur durch die beiden Modi, sondern auch durch einen dritten - nämlich "ANC off". Ich gehe davon aus, dass das mit einem Firmware-Update behoben beziehungsweise nachgereicht wird. Ansonsten ist die Bedienung aber durch gut funktionierende, eingängige Gesten gelöst.

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Ganz erhellend. Seht ihr aber nicht, stecken ja im Ohr.

Das wichtigste: Der Klang

Jetzt also zum wichtigsten Teil: Dem Klang. In dieser Preisklasse von etwa 130 Euro, die erfahrungsgemäß recht schnell purzeln, liegen die Hammerhead v2 im erwartbaren, guten Mittelfeld. Audiophil wird es allein schon wegen der Codecs nicht - erneut nur AAC und SBC -, aber das erwartet man vermutlich auch nicht. Gleichzeitig muss man zugeben, es sind schon Stöpsel, die ich nicht unbedingt als Allrounder in Sachen Musik bezeichnen würde. Ich mag durchaus, dass die Hammerhead v2 eine gewisse Wärme versprühen. Der Bass drückt angenehm kräftig, wenn man elektronische Klänge liebt. Auch Perkussives und erdige Streicher beispielsweise im fabelhaften Ashen-Soundtrack bespielen die Hammerhead v2 recht dankbar. Hier beeindrucken sie auch mit den Sphärenklängen, die beeindruckende Soundscapes auf die Bühne stellen.

Für Organischeres ist der Bass aber ansonsten tendenziell etwas zu dominant. Warme Singer-Songwriter-Gitarren können schonmal zu sehr in den Vordergrund schwappen und ab und an lassen die Hammerhead trotz eines eigentlich angenehmen Klangprofils und genereller Sauberkeit mit respektabler Pegelfestigkeit ein wenig Klarheit vermissen. Im hohen Bereich fällt der Sound öfter ein bisschen mit der Tür ins Haus, zum Beispiel bei Songs mit hohen Gitarren und hellem Frauengesang, wie wenn Phoebe Bridgers Friday I'm in Love covert und man das etwas lauter hören möchte. Zum Glück lässt der Equalizer in der App da etwas Spielraum zu, den man beim Wechsel zwischen Genres durchaus nutzen sollte. Die Hammerhead Pro sind da mit ihrem THX-Soundprofil insgesamt deutlich souveräner, kosten aber auch fast die Hälfte mehr.

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Das Case ist ganz ordentlich verarbeitet. Wirklich biegen würde ich am Deckel nicht. Aber wo mir das Tic-tac-förmige alte Hammerhead-Etui oft runterfiel, um die Stöpsel in der Gegend zu verteilen, passiert das mit dem neuen nicht - dafür entgleitem einem halt oft die Hörer selbst.

Dann wiederum ist der Vergleich mit dem Vorgängermodell vermutlich der erhellendere: Die alten Hammerhead True Wireless können trotz größerer Treiber (13mm statt 10mm im Nachfolger) nicht annähernd den gleichen Druck erzeugen. Insofern: Ich würde die Hammerhead v2 nicht zu meinem primären Musik-Headset machen. Aber sie sind für das Geld, das sie kosten, gut genug und machen beim Spielen mit resolutem Kraftaufwand das meiste richtig.

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Der einzige echte Haken ist die Telefonie-Qualität, die stark schwankt und ich bin nicht einmal sicher, warum. Schon das Aufnehmen von Whatsapp-Sprachnachrichten, ist im Grunde verschenkte Liebesmüh, wenn man nicht stehenbleibt und drumherum komplette Ruhe herrscht. Ist schwer zu beschreiben, aber es klingt nicht nur nicht gut, sondern ist auch nicht gut verständlich. Telefonieren geht damit einigermaßen, aber gut ist das nicht. Weit entfernt davon. Ich musste sie oft ablegen und in das Etui zurückstecken, wenn ich telefonieren oder Sprachnachrichten verschicken wollte. Das ist ärgerlich und alles andere als praktisch.

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Gut gemachte Treiber, die sogar ein bisschen Stage hinstellen. In den Höhen gibt es aber leichte Schwächen. Wer Elektronisches und Hip-Hop mag, hat mit diesen hier gut Lachen.

Razer Hammerhead v2 Test - Fazit

Und das ist wohl auch das Zünglein an der Waage, den Hammerhead v2 zum Vollpreis von fast 140 Euro noch die uneingeschränkte Empfehlung zu verwehren. Das hier sind gute Stöpsel und bei mir persönlich fiel das Urteil durchaus knapp aus, denn eigentlich benutze ich sie gern. Wer nach einem mobilen, langlebigen Noise Cancelling Stöpsel sucht, die Klavierlack-Probleme und Mikroqualität verschmerzen kann und musikalisch keinen Tausendsassa braucht, bekommt durchaus runde Stöpsel mit guter Bedienbarkeit und Verarbeitung sowie und kräftigem Klang und denkt sich unser silbernes Emblem über diesen Test. Alle anderen schauen sich nach Alternativen um, von denen es reichlich gibt (vielleicht gleich zu den Hammerhead Pro greifen?) oder warten auf einen Sale, durch den die Schwächen wieder dem Preis entsprechen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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