Castlevania Advance Collection ist das schönste Dreierpack Metroidvania, das ihr für Geld kaufen könnt

Drei Castlevanias, die ein Genre mit etablierten, schaute sich Alex dieser Tage an. Die Erinnerung trügt nicht: Die Advance-Teile sind Meisterwerke.

Nur Tage, nachdem ich auf Apple Arcade das fluffige "Castlevania für zwischendurch" Grimoire of Souls entdeckte und mir wieder schlagartig bewusstwurde, wie sehr mir diese Reihe fehlt, bringt Konami auch schon die Castlevania Advance Collection heraus. Das kam beinahe wie bestellt. Ich hatte seinerzeit das erste GBA Castlevania, Circle of the Moon, als Launch-Titel für Nintendos Gameboy Nachfolger gekauft und hatte nur gute Erinnerungen daran.

Und es wurde nur noch besser, als mit Harmony of Dissonance und Aria of Sorrow Koji Igarashi selbst das Ruder übernahm. Gleichzeitig war so langsam mal eine Auffrischung fällig. Nicht nur, weil mir die Spiele nicht mehr so wahnsinnig präsent waren - Circle of the Moon ist immerhin 20 Jahre alt -, sondern auch, weil sich in Sachen Metroidvania vor allem in den letzten fünf, sechs Jahren eine Menge getan hat. Und was soll ich sagen? Ich wollte eigentlich nur mal kurz reinschauen, aber daraus wurde nichts. Denn diese drei Spiele sind schlichtweg das schönste Metroidvania-Dreierpack, das man für Geld kaufen kann - bis dann irgendwann unweigerlich die DS-Collection rauskommt, aber selbst dann wird es ein enger Fight!

Auch auf dem großen Bildschirm nicht weniger spaßig!

Ich habe mich dabei ertappt, wie ich nach drei Stunden den ersten Titel der GBA-Trilogie nur beiseitelegte, weil ich direkt den nächsten ausprobieren wollte. Mit Harmony of Dissonance lief es dann fast exakt genauso: Erst nach gut zweieinhalb Stunden ging ich ins Bett, um morgens nach einer weiteren halben Stunde widerwillig, aber mit irrsinniger Lust auf Aria of Sorrow beim dritten GBA-Spiel weiterzumachen. Auch das fesselte mich wieder vom Fleck stundenlang fesselte. Es ist einfach unfassbar schwierig, diese nahezu perfekt durchkomponierten Spiele beiseitezulegen, so befriedigend, die endlosen Respawns grotesker Pixelfeinde aus dem Weg zu räumen.

Aber vielleicht von Anfang an: Für 19,99 Euro erhaltet ihr die originalgetreu durchemulierten Originale plus Castlevania Dracula X, hierzulande besser bekannt als Vampire's Kiss oder nachgereichter SNES-Abklatsch von Rondo of Blood. Alle vier Spiele darf man in der japanischen, US-amerikanischen und europäischen Version (mit nicht-kompatiblen Spielständen) erleben. Wer mag, spielt die Musik mit einem integrierten Player oder schaut zeitgenössische Artworks in der Galerie an. Die Grafik lässt sich Pixelperfekt anzeigen oder stretchen, wenn man nicht ganz bei Trost ist, der standardmäßige Zoom macht trotz der niedrigen Auflösung aber auch auf meinem 4K-Fernseher eine sehr gute Figur, die ich bevorzuge.

Ihr dürft die Tasten neu belegen - was bei Angriff auf "B" beziehungsweise Kreistaste in meinem Fall auch dringend nötig war - in einer für jedes Spiel individuellen Enyzklopädie Dinge nachschlagen, zwischen zwei Soundqualitäten umschalten (lasst es!), eigene Save States anlegen, eure Replays speichern und natürlich zurückspulen. Standardprogramm, aber durchaus umfassend und gut implementiert. Ich bin eigentlich extrem zufrieden mit diesem Paket, das für nicht ganz 20 Euro locker 35 bis 40 Stunden fesselt.

Besser wird Metroidvania nicht mehr

Natürlich gibt es Unterschiede. Circle of the Moon ist nicht so hübsch wie die anderen beiden, der Sound in Harmony of Dissonance klingt nicht so besonders. Aber jedes der drei GBA-Spiele verfolgt die alte "Symphony of the Knight"-Schule des großen, frei erkundbaren Schlosses, das mit dem erweiterten Repertoire der unentwegt in ihren Charakterwerten aufsteigenden Helden neue Seiten, Wege und Geheimnisse von sich zeigt. Im Grunde sind es die wahrhaftigsten Fortsetzungen des PSone-Klassikers um Alucard, die wir bis heute bekommen haben - und ja, da schließe ich die drei DS-Teile von Dawn of Sorrow bis Order of Ecclesia mit ein.

Vielleicht schneiden die, im Vakuum bewertet, ein wenig besser ab, sehr gut möglich. Aber ich erinnere mich dunkel an Touch-Gimmicks, die es nicht gebraucht hätte und dass ich irgendwann beim fünften Spiel in fünf Jahren - Portrait of Ruin - irgendwann eine Pause nötig hatte. Gleichwohl ist es lange genug her, dass ich mich sehr darauf freue, sie vielleicht auch irgendwann neu aufgelegt zu sehen. So oder so: Für mich waren die Advance-Teile damals wahnsinnig frisch. Sie dürften viele Designer modernen Metroidvanias nachhaltig geprägt haben.

Interessant ist auch, wie gut sich die drei Teile hintereinander wegspielen lassen, ohne dass es irgendwie alt würde: Jedes macht eigene Schleifchen an die bekannten RPG-Systeme, sei es nun das Karten-basierte Magiesystem DSS aus Circle oder der Seelenklau aus Aria of Sorrow. Harmony of Dissonance ist unterm Strich vielleicht eine Idee zu einfach, ein Selbstläufer fast, aber insgesamt ein wunderschön gemachtes und nicht zu knapp mit direkten Referenzen an SotN sparendes Kleinod, das schön vor sich hinfließt.

Wie passt Dracula X da rein - und muss es das überhaupt?

Und dann ist da Dracula X, das ich immerhin als interessante Fußnote verbuchen würde. Es ist ein sehr klassisches Castlevania, viel von links nach rechts ausgerichtet, ohne die Action-Adventure-, RPG- und Erkundungselemente der späteren Spiele. Langsames Lauftempo, geriatrisches Treppensteigen, aber hübsche Pixelart. Es ist sozusagen das Evil Dead 2 von Rondo of Blood, ein Mix aus Fortsetzung und Remake, der erst nachträglich im Westen erschien und weithin als minderwertig angesehen wird. Es ist irrsinnig schwer, mit der Tendenz zu unfair würde ich nach einer Stunde und zweieinhalb Levels sagen, dank Rückspulfunktion entzahnt man aber auch haarigere Sequenzen und sieht recht bald das Ende. Lohnt sich durchaus, auch wenn vermutlich die Entstehungsgeschichte dahinter interessanter ist als das Spiel selbst.

Aber hey, das ist irrsinnig viel extrem gutes Castlevania für nur 20 Euro. Mir ist es zwar in drei Tagen zwei Mal abgestürzt, aber dank der unkomplizierten Save States und der nicht gerade langen Ladezeiten waren das nur kurze Irritationen. Die Castlevania Advance Collection ist ein schön geschnürtes Paket und die beste Gelegenheit eine Bildungslücke zu füllen - oder sich diese junggebliebenen Klassiker wieder in lebhafte Erinnerung zu rufen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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