Metal Gear trifft Nackte Kanone: Unmetal ist eine zur Abwechslung gelungene Spiele-Parodie

Mit Humor in Spielen ist es so eine Sache: Oft bemüht, vielfach daneben - es richtig zu machen, ist knifflig. Unmetal ist eines von der guten Sorte.

Humor in Games ist eine knifflige Angelegenheit! Schon in Filmen und Serien ist selbst das lustigste Skript nur so gut wie das Timing und die Darbietung der Schauspieler - und in Videospielen ist das Timing oft genug dem Gameplay untergeordnet. Dazu kommt, dass ausgereifte, auf den Punkt sitzende Dialogbücher in Spielen nicht die höchste Priorität haben und dass das sogenannte "Punch-up" - eine Überarbeitung des Skripts von etwaigen externen Autoren - eher selten betrieben wird.

Unmetal von Fran Games, das endlich auch auf anderen Plattformen als der Switch erhältlich ist, macht jetzt vieles richtig, indem es den absurden Blödsinn-Humor von Zucker-Abrahams-Filmen der Marke Nackte Kanone oder Hot Shots mit den Mitteln eines Spieles wiedergibt. Sprich: Oft genug passieren überraschende Dinge, die man so nicht auf dem Zettel hatte und die in ihrer bisweilen peinlich fehlplatzierten Art auf dem falschen Fuß erwischen. Ich musste lachen. Mehrmals. Dieser Mix aus Point-and-Klick-artiger Inventar-Kombiniererei und dem seichten Stealth der MSX-Metal-Gears läuft einfach herrlich neben der Spur.

unmetal_1
Timed eure Attacke genau. Steht ihr beim Nieser der Wache in Hörreichweite, muss Jesse einfach 'Gesundheit' sagen und verrät seine Position. Humor als Gameplay-Element. Fein!

Ich muss sagen, dass ich nicht sicher bin, ob wirklich alles davon so beabsichtigt war. Schaut und hört man vornehmlich muttersprachlich englische Produktionen, merkt man dem Skript und dem betont trashigen Voice Acting an, dass es nicht aus den USA oder Großbritannien kommt. Etwas an der Wortwahl und der Tonalität der Sprecher wirkt hier und da ein bisschen aus dem Tritt und nicht jeder Wortwitz zündet. Manches Mal funktioniert es aber umso besser. Ich wusste zum Beispiel direkt nach der ersten Szene, dass ich mögen würde, wie dieses Spiel tickt.

Ein ganz normaler, unbescholtener Zivilist - in Stirnband und Camo-Kleidung

Beispiel? Nun, Jesse Fox wird als ganz normaler Zivilist (!) für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat (!!) von einem Militärregime eingeknastet. Die Geschichte seines Ausbruchs erzählt er in Rückblenden dem US-Militär, das ihn verhört, nachdem er mit einem russischen Kampfhubschrauber in Amerika abgestürzt ist. Auf die Frage, ob Jesse ein russischer Spion sei (wegen des Hind-D Helis zum Beispiel), entgegnet ein hörbar ehrlich von der Frage irritierter Jesse, dass er privat auch einen Toyota fahre und ob er deshalb gleich Japaner sei. Ich mag diese Art von zur Schau getragener Blödheit einfach wahnsinnig gern, obwohl es natürlich nicht die hohe Kunst des feinen Humors ist. Wiederum: Viel geht auch daneben, die Abwesenheit einer Humorreaktion merkt man dann immer ziemlich deutlich, aber man kann es diesem Spiel eigentlich nicht übelnehmen, wenn man dann doch immer wieder kurz lachen muss.

Sei es nur, weil ihr was Dämliches ausprobiert habt und der Verhörleiter eure spielerische Metal-Gear-Rückblende unterbricht, um mal nachzuhaken, was das eigentlich sollte. Oder weil ihr beim zwanghaften Looten überwältigter Gegner einem einäugigen Opfer schonmal die Augenklappe (zur Entrüstung des Ermittlers) abnehmt und anschließend auch noch das Glasauge (!?), wie auch immer das möglich ist. Oder weil ihr euch an eine verschnupfte Wache heranschleicht und aufpassen müsst, ihr beim Nieser nicht zu nahe zu kommen, weil Jesse sonst noch vor dem Takedown "Gesundheit!" sagt und dadurch entdeckt wird (und Gegner zu erledigen, die euch entdeckt haben, wirft keine Erfahrungspunkte ab!). Oder sei es die kleine Tatsache, dass jede der Wachen "Mike" zu heißen scheint. Das lässt sich durchaus auch Jesses unzuverlässiger Erzählung zuschreiben. In der Praxis drückt sich sein löchriges Gedächtnis oft in verschiedenen Antwortmöglichkeiten im Verhör aus, die dann Einfluss auf den Spielablauf der Rückblende haben.

unmetal_2
Ein paar Gags könnten auch von Kojima selbst kommen. Wie auch die Gestaltung diverser visueller Elemente hier.

Das kommt recht häufig zum Tragen. Waren es eine oder zwei Wachen im nächsten Raum? Eure Entscheidung. Schläft der Gefängniswärter, als ihr den Zellentrakt betretet oder entdeckt er euch sofort? Solche Dinge. Wie immer gilt: Nicht alles ist lustig, manches irritiert, aber die guten Gags und die Menge an Überraschungen halten das Spiel durchweg auf der sympathischen, neugierig machenden Seite. Es hilft, dass das Stealth Spaß macht und die Pixelart mit netten, lustigen Details nicht geizt. Etwa, wenn ihr über betäubte Wachen drüberlauft und diese unter Schmerzen zucken.

Lost in Translation

Dennoch eine kleine Warnung: Wie auch bei den genannten Beispielen vom Film ist dieses Spiel hin und wieder auch auf kränkende Art unsensibel. Ein Scherz, der sich aus einer Multiple-Choice-Wahl ergab, über Leute in Kinderwunschbehandlung fand ich so unlustig, dass mir kurz die Lust verging, diesen Artikel weiterzuschreiben. Und an einer Stelle wollte mir nicht in den Kopf, worin der Witz liegt, den Spielcharakter einfach nur ein Arschloch sein zu lassen - vielleicht war da etwas vom spanischen Witz "lost in translation"?

Aber es stimmt schon: Solche Sachen gehen unter im steten Strom an nicht gerade dummen Meta-Jokes, cleveren Brüchen mit videospielerischer Erwartungshaltung und der guten Laune, die ein hübsch gepixeltes und nett animiertes Retro-Stealth-Spiel mit leichten Rätseln nun mal macht. Mit Blick zurück auf Leslie Nielsens Katalog ist da aus heutiger Sicht auch nicht mehr alles lustig, manches sogar nicht nur ein bisschen problematisch, trotzdem haben diese Filme einen Platz im Kind-gebliebenen Teil unserer Herzen.

unmetal_3
Sind wir nicht alle ein bisschen Mike? Die zwei diskutieren gerade, ob einer von ihnen die Münze aufheben soll, die ich gerade in ihren Sichtbereich warf.

Ich bin noch längst nicht durch und nicht sicher, wie lange Unmetal für mich funktioniert. Für den Moment ist mir das bisher Gesehene aber den Hinweis auf dieses kleine Stück überwiegend gelungener Spiele-Comedy für Switch, PS4, Xbox One und PC durchaus wert. Es ist kein neues Undertale, das zusammen mit Portal 2 wirklich die absolute Krone in Sachen Humor in Games darstellt, aber es ist gut genug, dass man mal ein Auge drauf wirft - und wenn's nur die von Topper Harleys Vater sind.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (14)

Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (14)

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading