Nintendo Switch OLED Test - So gut sind der neue Bildschirm und das neue Dock

Die Nintendo Switch OLED tritt mit einem neuen Bildschirm und einem überarbeiteten Dock an. Reicht das, damit sich der Wechsel lohnt?

Da ist sie nun, die "neue" Switch. Ja, mittlerweile dürfte auch der letzte mitbekommen haben, dass dies ein Remaster und kein Remake des beliebten Handheld-Konsolen-Zwitters ist. Sie hat nicht mal wirklich einen neuen Namen. Immerhin steht "OLED Modell" klein unten auf der etwas neu gestalteten Packung.

Was also ist neu? Machen wir den Schnelldurchlauf. Allem voran natürlich der 7" OLED Screen, der den 6,2" LED ersetzt. Dann wäre da der neue, breite und relativ stufenlos einstellbare Ständer auf der Rückseite, der beim alten Modell einen etwas wackeligen Eindruck machte, wenn man ihn nur schräg anguckte. Intern sind jetzt nicht mehr 32 GB, sondern 64 GB verbaut. Bluetooth wird unterstützt. Das Dock wirkt nun nicht mehr wie in letzter Sekunde beim günstigsten Anbieter in Auftrag gegeben, sondern machte einen etwas wertigeren und mit einem Hauch von Design versehenen Eindruck. Am Dock findet ihr einen LAN-Port, den es vorher nicht gab. Und dann ist da noch... Nein, das war es. Ach so, der Preis dürfte so bei 350 Euro für die neue Nintendo Switch OLED liegen und die alte wird sich wohl bei knapp unter 300 einpendeln.

Fangen wir beim Screen der Switch OLED an und dem Grund, dass es für mich kein zurück mehr gibt. Nein, 7" sind nicht der Quantensprung im vergleich zum alten 6,2"er. Aber man merkt es schon deutlich. Das OLED ist jetzt nicht ein AMOLED, aber es sieht um Welten farbkräftiger aus als das altertümliche LCD zuvor. Die Helligkeit war vorher im Dunkeln okay, in der Sonne selbst im Schatten nur gerade so noch nutzbar. Jetzt muss man schon in der prallen Sonne stehen, um die Switch nicht mehr sinnvoll nutzen zu können. Im Dunkeln muss ich nun sogar runterregeln. Die Auflösung blieb gleich, aber das war bei dahinter gleicher Hardware auch nicht anders zu erwarten.

1
Kräftigere Farben, deutlich heller...
2
...etwas größer: Auf Bildern lässt sich nicht leicht zeigen wie viel besser der neue Screen ist, aber es ist schon deutlich. (Mit bunten Joy-Con: alte Switch, mit weißen die neue OLED Switch.)

All das macht sich in jedem Spiel positiv bemerkbar. Die knalligen Indies haben mehr Farben, Retro-Games wirken satter und neue Spiele sowieso. Metroid lachte mich ja förmlich an jetzt. Einige Games werden jetzt sogar spielbar. Metro, eine an sich hervorragende Umsetzung war auf dem alten Screen bestenfalls in völliger Dunkelheit spielbar, jetzt ist es kein Problem mehr. Also ja, der 7" mag jetzt nicht die Welt generell bewegen, aber die Switch-Ecke davon darf schon ein wenig enthusiastisch sein. Auch, weil die Konsole nicht größer wurde, sondern nur ein guter Teil des zuvor dicken schwarzen Rahmens verschwand. Auch das Gewicht blieb, die Switch liegt also genauso gut oder schlecht wie zuvor in der Hand. Was davon, das wisst nur ihr selbst, ich denke, dass der Handheldmodus vorher griffig genug für Stunden am Stück war und daran hat sich rein gar nichts geändert. Gut so. Aus meiner Sicht.

Wer dann gerne mit Freunden den kleinen Screen hinstellt und die Joy Cons in die Hand nimmt, den wird der neue Ständer auf der Rückseite freuen. Er geht hinten nun über die komplette Breite und von fast hochkant aufgestellt bis hin zu nur ein wenig angewinkelt liegen geht alles. Meine einzige Sorge wäre, dass der Widerstand irgendwann ausleiern könnte. Geräte dieser Art haben eine Neigung dazu, das sagen 30+ Jahre Erfahrung damit. Die Frage ist nur wann und der hier fühlt sich solide genug an, um nicht gleich Sorgenfalten aufzuwerfen.

Das Upgrade von 32 auf 64 GB in der OLED Switch? Dringend nötig. Aber zeitgemäßer wären wohl 128 gewesen. Selbst preiswerte Handys haben mittlerweile 128. Klar, am Ende komplett egal. 256 GB mit einem Mario-Stern drauf kosten 40 Euro, Sparfüchse finden sicher auch was für 30. Aber trotzdem, ein wenig mehr intern wäre nett gewesen. Zumindest passen jetzt die NBA-Games überhaupt auf die Konsole. Okay, ein NBA-Game. Falls es jemanden interessiert.

3
Abgerundete Ecken...

Das alte Dock war aus meiner Sicht okay. Es erfüllte seinen Zweck, stand irgendwo rum, war nie schick und fasste sich noch mal deutlich billiger an als es aussah. Das neue Dock der Nintendo Switch OLED hätte sich zwar im Fuß ruhig ein wenig Metall als Gewicht gönnen dürfen, aber sonst verfolgt es halbwegs erfolgreich das belanglose Apple-Klon-Design, das derzeit halt in ist. Ein wenig abgerundet und minimalistisch, könnte alles sein. Innen gibt es immer noch keine weiche Polsterung auf der Screen-Seite, was ich etwas befremdlich finde. Nicht, dass ich wirklich Sorgen habe, dass die Plastikschienen der Konsole was antun, dafür ist genug Spielraum da, dass man nicht quetschen müsste. Aber trotzdem, so richtig sicher fühle ich mich dabei immer noch nicht. Ist rein emotional, aber das gehört ja auch dazu. Dafür fasst sie leichter die Kontaktpunkte und ich hatte kein einziges Mal das Problem, dass die Switch nicht sofort richtig saß.

4
...hinten etwas anders gestaltet...

Der LAN-Port ist sicher ein netter Bonus und wer sein Haus verkabelt hat, wird das zu schätzen wissen. Meine Einschätzung der Lage ist, dass es funktioniert und dass ich es nicht brauche. Es ist ein LAN-Port, was soll ich sagen, die Dinger sind seit den 90ern Standard, dann verschwanden sie wieder, jetzt sind sie wieder Standard. Wenn man keinen E-Sport-PC betreibt, reicht die Erkenntnis, dass da einer ist. Der Rest wird schon passen. Allerdings solltet ihr wissen, dass für den LAN-Port der hintere USB-Port geopfert wurde. Die beiden an der Seite sind noch da, aber es sind jetzt nur noch zwei statt drei USB-Ports. Das dürfte eine ausgesuchte Minderheit interessieren, aber die dann wohl umso mehr. Ich habe keine ans echte Leben angelehnte Vorstellung wer das sein könnte.

5
... und nun ein USB weniger, dafür ein LAN mehr.

Bleibt noch die Farbe Weiß, die jetzt neu ist und sicher in ein stylisches Wohnzimmer passt. Nicht meins, aber gut. Das Weiß am Dock kommt den Bildern schon ziemlich nah, es ist wirklich reinweiß und passt sicher neben alles, was sonst angesagt ist. Das Weiß der Joy-Con dagegen ist etwas dunkler und matter, was zwar nicht so schick ist, aber darauf ausgelegt, dass es zumindest diesen Farbton möglichst lange behält, ohne schmuddelig zu wirken. 30 Stunden haben sie das schon überstanden, scheint okay. Sonst sind es halt die gleichen Joy-Con wie immer. Ich komme mittlerweile ausgezeichnet mit ihnen klar, wer sie vorher nicht mochte, der wird keine neuen Gefühle dafür entwickeln.

6
Steht jetzt stabil mit der breiten Klappe aufrecht...

Zu guter Letzt: Yay, Bluetooth. Klar, für die Switch ist das ein Quantensprung in Sachen Sound, egal ob es um ein Headset oder einen BT-Lautsprecher geht. Ist super, dass es jetzt da ist. Nur hätte es halt eigentlich nie fehlen sollen. Die Switch erschien 2017, zu sagen, dass BT da schon etabliert war ist ungefähr so zielführend, wie dass Tastentelefone in den 90ern verbreitet waren. Natürlich, es war überall! Nur die Switch eierte noch mit Wählscheibe rum (die jüngeren Leser dürfen gerne bei Altavista gucken, was eine Wählscheibe ist). Also super, die Switch ist da angekommen, wo alle technischen Geräte mit einer Audio-Ausgabe als Minimum sein sollten. Alle Switches übrigens, da dies über ein generelles Update kommt. Sonst bleibt alles beim Alten. Der in die Jahre gekommene Tegra macht sein Ding, der neue Speicher ist nicht schneller, die Ladezeiten die alten. Nein, es gibt kein 4K oder sonst etwas der zuvor spekulierten großen Sachen (abgesehen von OLED natürlich). Die Nintendo Switch bleibt eine Switch. Spiele, die vorher gut liefen, tun das nach wie vor. Spiele, die die Grenzen austesteten, stoßen an die gleichen Grenzen. Die Revolution muss warten, die Switch OLED ist eine entspannte Evolution.

7
...oder liegt ganz entspannt in der Sonne.

Vielleicht etwas zu entspannt? Ich gebe zu, ich bin sehr glücklich, dass Nintendo mir eine OLED Switch schickte. Ich liebe die neue Switch. Ich liebte aber auch die alte. Kann ich die alte Switch jetzt noch lieben, wo die neue da ist? Da wird es langsam komplizierter. Wenn man erst mal von den süßen OLED-Früchten genascht hat, will man nicht mehr zurück. Die satten Farben, mit denen einen Mario, Link und Samus entgegenspringen, haben es schon in sich und der knappe Zoll mehr ist schon sehr willkommen. Nein, hergeben möchte ich sie nicht mehr.

8
Auch wenn man es nur erahnen kann: Bei direkter Sonne ist die OLED gerade noch spielbar, auf der alten Version sieht man nichts mehr.

Aber da meine eigene alte Switch gerade mal ein halbes Jahr oder etwas mehr auf dem Buckel hat - frisch vor der Ankündigung der OLED ausgetauscht -, hätte ich nicht das Geld auf den Tisch gelegt. 350 Euro sind nicht wenig und so gut der Screen auch ist, er allein würde sich selbst für mich nicht lohnen. Und ich spiele praktisch nur Handheld-Modus. Wer hauptsächlich Dock spielt, der braucht das Upgrade sicher nicht. So wichtig kann der LAN-Port nicht sein. Und wenn doch, das Dock verkauft Nintendo in Kürze auch einzeln. Sicher hoffnungslos überteuert, aber immerhin. Bleibt noch die Frage beim Neukauf, wenn auf jeden Fall eine Switch gekauft werden muss und da ist die Antwort klar: OLED und nichts anderes. Das wäre ganz drastisch am falschen Ende gespart, wenn man jetzt die 50 Euro mehr nicht in die OLED-Version investiert. Diesen Aufpreis ist der Screen alle mal wert. Selbst wenn die alte Konsole auf 250 oder 200 fallen sollte - was sicher nicht so schnell passiert - würde ich immer noch zu OLED greifen.

9
Kein zurück, wenn man sie einmal hat. Aber ob die OLED Switch gleich braucht, das sollte man sich schon in Ruhe überlegen.

Nintendos Spiele leben oft von ihren Farben und diese so kräftig aufpoppen zu sehen, da geht einem das Herz auf. Das macht mich schon glücklich und insoweit darf das alte Modell jetzt gern aussterben, die Evolution hat hier zugeschlagen. Aber über Nacht muss es eben auch nicht passieren, wenn man die eigene gut eingespielte Switch noch ein wenig runterrocken möchte.

Die OLED Switch gibt es bei Amazon.de in Weiß und Bunt oder bei MyToys, wo sie angeblich nicht ausverkauft ist.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (6)

Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (6)

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading