Mit Ayrton Senna den Horizont jagen - viel schneller wird 2021 kein Racer mehr

Der neue Horizon Chase Turbo DLC feiert die F1-Legende. Alex hat sich mal hinter die frische Cockpitperspektive geklemmt.

Horizon Chase Turbo ist ein Spiel, das man allein für die Barry-Leitch-Musik schon gerne anwirft. Über diese Pisten einen peitscht treibende Elektro-Dideldadeldudelei, wie man sie nur für Videospiele schreiben kann, und die für die Dauer des Rennens besser klingt, als alles, was man sonst jemals durch die Ohren bekam.

Das Spiel dahinter skaliert altmodisch wie ein 16-Bit-Racer Gebäude, Gegner und Streckenteile, als wäre es wieder 1992 und auf dem Amiga liefe Lotus Espirt Turbo Challenge und verzichtet darauf euch allzu viel Finesse abzufordern. Was diese Sorte Rennspiel aber schon immer konnte - und worauf der neue 5,99-Euro-DLC Senna Forever insbesondere setzt -, das ist schieres Tempo.

Wie die Strecken unter euch wegrollen, sich in Kurven, Schikanen und an Hängen mit viel schleudertraumatischer Vehemenz unter euren Reifen winden und ihr fast wie in einem Reaktionsspiel die Bahnen nachfährt - das hat eine hypnotische Wirkung, die den Blick in die Ferne zieht. Immer dem wunderbar weich in seiner Farbe verlaufenden Horizont entgegen. Daher wohl auch der Name. Senna Forever potenziert dieses Gefühl, das nicht unbedingt viel mit Auto-, wohl aber mit Rennenfahren zu tun hat, nun auf zweierlei Art.

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Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich sieht das einfach nach guter Laune aus.

Zum einen sind die Formel-1-Boliden einfach schneller als die Wagen aus der normalen Kampagne, zum anderen spielt ihr optional aus der Cockpit-Perspektive und damit näher über dem Asphalt. Das beschleunigt den Geschwindigkeitseindruck subjektiv noch einmal erheblich. Das Resultat hat in den härtesten S-Kurven-Marathons schon ein bisschen Blaue-Flecken-Potenzial und wirkt beinahe ungesund schnell.

Aber das ist eben das Ding: nur "beinahe". Ich persönlich bevorzuge zwar weiterhin die Außenperspektive, wenn ich die fünf Rennserien lange Karriere auf 15 neuen Strecken oder den Weltmeisterschaftsmodus in drei Kategorien angehe. Aber das Gefühl, ein vor fast 30 Jahren verloren gegangenes Rennspiel neu zu entdecken, schlägt auch bei Senna Forever wieder direkt durch.

Wie gesagt, Autofahren oder die Simulation dessen ist das hier sicher nicht, aber es versprüht trotzdem den Geist eines guten Wettkampfs, wenn man häufig auf der letzten Runde die entscheidenden Hundertstel - und die waren es in meinem Fall oft - herausfährt. Da ist sicher auch viel Gummiband dabei, das in erster Linie die Fahrer vor euch ein wenig ausbremst. Aber in dieser Art Spiel ist das ein fest eingebauter Teil der Herausforderung.

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Zu viert noch besser.

So kommt es auch, dass sich die Rennen im DLC nicht wahnsinnig unterschiedlich fahren. Das Vorrücken von Platz 20 auf die Pole Position ist im Grunde immer gesetzt. Egal, für welche der drei neuen Rennstrategien ihr euch entscheidet, ob ihr nun die Reifen mit besserem Handling nehmt, die bessere Aerodynamik für mehr Tempo oder mehr Treibstoff - meist fahrt ihr Vollgas, geht nur selten vom Gas (meistens, wenn ihr in einer Kurve innen an jemandem vorbeiziehen wollt) und fragt euch ansonsten eigentlich nur, wie viel schneller es noch ginge. Vermutlich nicht viel. Spaß macht es trotz der allgemeinen Simplizität dennoch nicht zu knapp, sich im vielleicht schnellsten Racer 2021 sowohl spielerisch als auch thematisch in die 90er zurückzufahren und nebenbei ein klitzekleines Bisschen über Ayrton Senna zu lernen. Für nicht ganz 6 Euro ist das mehr als fair.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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