Alle Tomb Raider: Vom schlechtesten bis zum besten Auftritt Lara Crofts

Zum 25. Geburtstag gehen wir alle Tomb Raider durch: Vom Tiefpunkt der Reihe bis zu den größten Erfolgen sind hier alle Games und was die auszeichnete (oder eben auch nicht).

Tomb Raider wird 25, das muss man ja feiern. Und wie das im Leben so ist, hatte Lara Crofts bisheriges Leben Tiefpunkte und Höhenflüge. Kein Grund also, wie Alex nur in nostalgischen Kindheitserinnerungen zu schwelgen , sondern man muss ja auch mal den Dreck, die Fehlplanungen und die sonnigen Tage mit leichten Wolken neben die Kaiserwetter-Zeit stellen. Hier also alle Tomb Raider - nur Hauptspiele, keine obskuren Ports wie Nokia N-Gage-Versionen - angefangen vom Tiefpunkt bis zum höchsten Höhenflug. Meine Liste. Wenn ihr das anders seht...Nun, dafür haben wir ja Kommentare und das Internet, um sich über die völlig falsche Reihenfolge der subjektiven Liste einer Einzelperson auszulassen und ihn einen ahnungslosen Deppen zu nennen. Eine Kunst, die 1996, als Lara ihren Auftritt hatte, ebenfalls gerade erst begann, sich zu etablieren. Wie auch unsere Heldin hier. Also, viel Spaß mit 25 Jahren an Tomb Raider und Lara Croft, angefangen mit einem Jahr, das das Geburtstagskind sicher gern vergessen würde...

Tomb Raider: Angel of Darkness (2003)

Welches das beste Tomb Raider ist, das kann man diskutieren, aber das Schlechteste? Keine Frage, der Tiefpunkt ist Angel of Darkness, das in einigen Versionen kaum spielbar war und selbst komplett gepatcht immer noch ein schlechtes Spiel blieb. Ein Unfertiges noch dazu, denn es gibt zig Abschnitte, bei denen man sich fragt, ob hier nicht was passieren sollte. Nun, sollte es, aber dann ging das Geld aus und es blieben die (gerade so spielbaren) Fragmente eines fast schon verfluchten Spiels.

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Wenn ein Reboot gegen die Wand durchstartet.

Tomb Raider Chronicles (2000)

Der Anfang vom ersten Ende: Niemand im Team hatte Lust auf Chronicles und das merkt man dem Spiel an. Chronicles ist nicht komplett, nur weitestgehend ideenlos. Es kombiniert alle Elemente in einem Spiel, aber relativ strikt getrennt, sodass ihr in einem der vier Abschnitte erkundet, in einem ballert und in einem anderen ohne Waffen auskommt. Der Designer nannte Chronicles 2016 "a load of old shit". Nun, das mag sein, aber zumindest ist es kein Angel of Darkness.

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Chronicles? Eher Unfall im Fetisch-Club.

Tomb Raider: The Prophecy (2002)

Tomb Raider kam einige Male auf die frühen Gameboys, ein paar Mal sehr erfolgreich, dieses Mal aber eher mäßig. Die isometrische Perspektive auf der winzigen Auflösung des Gameboy Advance schluckt viele Details, auch wenn der Look auf den ersten Blick was hat. Das täuscht dann aber nur ein paar Minuten darüber hinweg, dass außer langweiligem Kampf und noch langweiligen Pseudo-Puzzles wenig geboten wurde.

Shadow of the Tomb Raider (2018)

Das kann man jetzt kontrovers sehen, denn der dritte Teil des aktuellen Reboots ist für sich genommen ein völlig solides Spiel. Gut gemacht, schön anzuschauen, erprobte und solide Spielsysteme. Einige der Passagen sind sogar geradezu spektakulär. Was ist also das Problem, dass es so weit unten in der Liste herumgurkt? Nun, die beiden Vorgänger waren inspirierter, spektakulärer und vor allem zu ihrer Zeit frischer. Shadow of the Tomb Raider fühlte sich einfach müde an und das ist ein Problem, das die Serie nur zu gut kennt.

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Das beste 'schlechte' Spiel der Reihe (das wirklich nicht schlecht ist).

Tomb Raider 3 (1998)

Man kann sich streiten, ob hier Last Revelation oder das dritte Tomb Raider stehen sollten. Ich entschied mich für diese Reihenfolge, aber beide Spiele sind qualitativ nah beieinander, wobei Teil 3 mit der Einführung von rudimentärem Stealth ein paar mehr Ideen einbringt. Aber ausgedehnte Unterwasser-Level in frühen 3D-Games waren und sind die Hölle und Teil drei liebt sie. Also mochte ich das nächste ein wenig mehr...

Tomb Raider: The Last Revelation (1999)

Dass dem ursprünglichen Team die Ideen ausgingen, war hier spätestens klar. Jedes Jahr ein Tomb Raider, parallel entwickelt, das kann nur so lange gutgehen. Bis Revelation hielt es noch und die Aussicht Lara in einer Nacht und Nebel Aktion umzubringen, schien das Team noch einmal zu inspirieren. Wohlgemerkt nicht im Spiel, Laras Ende wurde im realen Leben im Geheimen geplant und erst in größerer Runde präsentiert als es für Änderungen zu spät war. Ansonsten ist Revelation das Tomb Raider der ersten Runde, das dem ersten Teil spielerisch am nächsten kommt. Macht Sinn. Neue Idee hatte man nicht, also warum nicht so enden, wie man anfing.

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Eigentlich sollte Revelation Laras Ende werden. Zum Glück wurde es das nicht. Auch wenn erst mal mit Angel und Chronicles Leid auf dem Programm stand.

Tomb Raider: Curse of the Sword (2001)

Während die Hauptreihe auf den großen Konsolen langsam dem Untergang geweiht schien, legte das zweite Gameboy Color Spiel eine weitere Runde richtige nette Plattform-Action hin. Ein spaßiger kleiner Puzzle-Hüpfer, den Nintendo eines Tages gern mal in seine Retro-Auswahl packen darf. Nichts Weltveränderndes, aber jede Menge 8-Bit Spaß.

Tomb Raider: Guardian of Light (2010)

Auf dem Gameboy Advance lief das mit der Iso-Sicht nur so halb gut, aber Temple of Osiris überraschte mit einem validen Koop-Modus, guter Steuerung und ein paar richtig fiesen Puzzle-Fallen. Als Serien-Spin-Off überraschte das Timing etwas, ziemlich direkt nach dem jüngeren Reboot mit einem zweiten Konzept aufzuwarten, das Tomb Raider neu definiert, aber hey, wenn es so nett funktioniert wie das hier, dann gern. Schade, dass bisher kein Nachfolger mit ähnlichem Konzept kam.

Tomb Raider: Temple of Osiris (2014)

Wenn es bei Guardian of Light so gut klappte, warum nicht noch eine Runde Iso-Koop-Action? Fragte man sich wohl und machte es dann einfach. Die indirekte Fortsetzung von Laras Koop-Abenteuern steht der ersten Runde nicht nur nichts nach, sondern verfeinert das Konzept noch ein wenig und ist wohl die beste Lara-Multiplayer-Action, die ihr aktuell bekommen könnt.

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Nicht direkt der Spirit des Originals, aber in beiden Fällen sehr gelungene Koop-Puzzle-Action.

Tomb Raider: Underworld (2008)

Die Fortsetzung zum "vergessenen" Reboot schlug sich 2008 sehr wacker und fühlte sich mehr wie eine gute James-Bond-Folge an: Viele interessante Locations, gute Action und eine Handlung... Okay, keine Ahnung, was die Handlung war, es gab wahrscheinlich eine, siehe erneut James Bond. Aber was hervorstach, war das nicht-lineare Puzzle-Design, das meist ganz gut funktionierte und euch viele Freiheiten ließ, wie ihr ein Hindernis umgeht. Das ist auch der Grund, dass einige Lara-Fans mit der jüngeren Fortsetzung nicht zufrieden waren und lieber weiter diese Richtung erkundet hätten. Es hatte nicht sein sollen, aber Underworld ist ein ausgezeichneter Blick in eine Lara-Zukunft, die hätte sein können.

Tomb Raider 2 (1997)

Die direkte Fortsetzung zum größten Hit des Jahres ist immer ein kritischer Punkt für eine angehende Serie, vor allem, wenn diese nur ein Jahr später erscheint. Aber die Engine war da, niemand erwartete gewaltige technische Sprünge und das Team hatte einen gewaltigen Haufen an Ideen und kleinen Ergänzungen, die man nicht mehr im ersten Teil unterbringen konnte. Also fühlte sich Tomb Raider 2 erstaunlicherweise trotz gerade mal acht Monaten primärer Entwicklungszeit - die wohl im Dauer-Crunch verliefen - frisch und vor allem hochwertig genug an. Der zweite Teil ist der Moment, in dem Möchtegern-Serien alles auf dem Spiel steht und Tomb Raider bewältigte ihn mit Bravour.

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Make or Break: Die erste Fortsetzung kann eine Serie etablieren oder beenden. Lara nahm die Hürde mit Bravour.

Tomb Raider: Legend (2006)

Ich nenne es das "vergessene Reboot", das heute im Schatten des 2013er-Neuanfangs ins Hintertreffen geriet. Laras neuer, alter Look stand ihr besser als je zuvor, es gab eine neue Generation an Konsolen in HD, die sie gut aussehen lassen und wichtige Leute des alten Teams waren an Bord, um dafür zu sorgen, dass dies ein echtes Tomb Raider wird. Alles an Legend fühlte sich frisch und doch vertraut an und ehrlich gesagt einfach "richtig". Nicht nur eine Aufrappeln nach dem desaströsen Angel of Darkness, sondern eine Auferstehung wie Phönix aus der Asche.

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Legend und das folgende Underworld waren ein ausgezeichneter Reboot, der sich aber weniger verfing als er es verdient gehabt hätte.

Tomb Raider Gameboy Color (2000)

Sicher, man kann gerne sagen, dass Spiele wie Shadow of the Tomb Raider oder Legend ja wohl die besseren Games als dieser 8-Bit-Hüpfer sind und hätte wohl auch recht damit. Aber das Tomb Raider auf dem Gameboy Color war ein frischer, unerwarteter kleiner Spin-off, der mehr an Prince of Persia erinnerte. Das aber auf die beste Art, also alles bestens im Mini-Lara-Land. Da kann das Coverbild noch so schlecht sein.

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Lara mag ein wenig hüftsteif auf dem Gameboy Color wirken, aber die Prince-of-Persia-Variante von Tomb Raider überzeugte mehr als es Chronicles im selben Jahr tat.

Rise of the Tomb Raider (2015)

Die Fortsetzung der aktuellen Trilogie ist wahrscheinlich das beste der drei. Es hat die aufregendsten Orte, verfeinerte seine Mechaniken, bietet spektakuläre Szenen. Es fühlte sich an, als sei es das Beste und auch alles, was man mit der neuen Engine machen kann. Wie Shadows Einfallslosigkeit zeigen sollte, stimmte das auch, aber rein systemisch ist dies ein fast perfektes Spiel. Den Streit, ob die Action-orientierte junge Lara der alten Puzzle-Kletter-Lara das Wasser reichen kann, den darf man gern bis ans Ende der Tage führen. Aber das ist meine Liste und ich denke, dass sich das nächste Tomb Raider, das ja 2022 kommen soll, einiges einfallen lassen muss, um diese Qualität zu erreichen.

Tomb Raider: Anniversary (2007)

Darf ich ein Remake so hoch platzieren? Klar darf ich das. Ich dürfte hier sogar Angel of Darkness hinsetzen, wenn ich nicht ganz richtig im Kopf wäre. Aber Anniversary hat wirklich alles Grund, so weit oben zu stehen. Es war eine hingebungsvolle Liebeserklärung an das Original, bereitete dies dort exakt auf, wo es möglich und verbesserte manches, wo es nötig war. Rein von der Handhabung ist man damit näher an dem Zeitgenossen Legend als dem 1995er Original, aber das sehe ich komplett als Bonus, denn damit wurde es aus heutiger Sicht um ein Vielfaches spielbarer. Anniversary ist wohl der beste Weg, das Original zu erleben, ohne in ganz fieses Früh-3D abzutauchen, das man nur erfassen kann, wenn man damals dabei war. Und selbst dann ist das nicht mehr mit Spielspaß gleichzusetzen.

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Idealfall eines Remakes. Das einzige Tomb-Raider-Raider-Remake bisher übrigens, im Gegensatz zu den drei Reboots.

Tomb Raider (2013)

Tomb Raider hat sich drei Mal neu erfunden. Angel of Darkness ist das einmalige Einhorn-Reboot, wenn das Einhorn ein lepröses, dauer-kotzendes Monster ist, das die ganze Zeit "kill me" röchelt. Legend fuhr dann etwas besser - tausendfünhundertziebzehn Mal besser, um genau zu sein - und zeigte ein neue, alte Puzzle-Erkundungs-Lara, mit der man sich leicht erneut anfreunden konnte. Die 2013er Lara machte einem das nicht ganz so einfach und stellt die Frage, was Tomb Raider für euch bedeutet. Wenn es das gleichzeitig nervenkitzelige und tiefenentspannte Erkunden alter Ruinen ist, dann nein, davon gab es in diesem Reboot nicht viel zu entdecken. Nicht, dass es an den Orten dafür mangeln würde, die Insel, auf dies es Lara verschlägt, hat davon mehr als genug zu bieten und sie sind hinreißend inszeniert.

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Ja, Lara hinterlässt mehr Leichen und Trümmer als Nathan Drake und das will was heißen. Aber es war ein großartiges Abenteuer.

Es ist die starke Action-Betonung wie der weniger Comic-hafte Anstrich von Lara, die jetzt mehr einem grunzenden, mordlüsternden 80s-Action-Charakter ähnelt, der vielen sauer aufstieß. Muss mich und all die anderen Fans des Reboots nicht so sehr kümmern, wir erfreuen uns daran, wie gut die Action läuft, wie grandios das Spiel selbst heute noch aussieht und dass es eines der besten Action-Adventures insgesamt ist, das man spielen kann. Der Nachfolger Rise mag qualitativ etwas besser sein, der Frische-Bonus setzt dieses für mich an die Spitze der aktuellen Tomb Raider.

Tomb Raider (1995)

Platz 1 geht an das Spiel, mit dem alles anfing. Aber nicht nur deshalb oder vielmehr überhaupt nicht deshalb. Das erste Tomb Raider stammt aus einer Zeit als 3D ein noch immer recht frisches Konzept in der Spieleentwicklung war und den meisten Entwicklern fiel wenig mehr dazu ein - noch weniger als heute - als euch immer einen Gegner vor die Nase zu setzen und drauf ballern zu lassen. Andere 3D-Games 1996? Duke Nukem, Quake, Descent 2, Shadows of the Empire. Wenn nicht als Comic-Figur gehüpft wurde (Mario 64), dann wurde geballert.

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So kann es aussehen, wenn die Spielewelt sich einmal einen Schritt nach vorn macht. Ja, ja, ich weiß. Aber glaubt es uns, damals war das der heißeste Shit evar. Wir hatten halt nichts und das mussten wir uns noch teilen...

Tomb Raider setzte euch vor eine coole Ruine und sagte "guck doch mal, was Du findest". Und das taten wir dann, nur um uns in einem Labyrinth aus unmöglichen Sprüngen, absurden Fallen und vor allem atmosphärischer Dichte, die man nicht mal mehr schneiden konnte, zu verlieren. Ein brillanter Soundtrack, der bis heute zum Besten zählt, was man einem Spiel antun kann, untermalte eure fast Gegner-freien Abenteuer. Ehrlich gesagt, Kämpfe im ersten Teil fühlen sich fast alle so an, als sollten sie ursprünglich gar nicht da sein. Das methodische Springen führte das Konzept von Prince of Persia in die dritte Dimension, noch Jahre bevor diese Reihe es probieren sollte. Tomb Raider, damals, 1996 auf dem Saturn - Day-One-Käufer hier -, war ein transformatives Spiel. So wie Super Mario Bros., King's Quest, Ultima Underworld oder Doom war es ein relevanter Teil der Evolution von Videospielen. Eines der Spiele, bei denen man sofort beim Spielen weiß, dass sie wichtig sind und man auch in langer Zeit noch von ihnen sprechen wird.

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Auf über 1200 Cover muss man es also Spiele-Heldin erst mal schaffen. Hier einige der relevanteren.

Und nebenbei etablierte Tomb Raider auch noch die erste Pop-Culture-Heldin, die aus dem Medium Games kam. Ob das mit den validesten Argumenten - beidseitiges Render-Doppel-D - geschah, das darf man in 2021 gern mehr diskutieren als je zuvor, aber dass es geschah, ist ein Fakt. Nicht jeder Spiele-Charakter landet auf über 1200 Magazin-Covern oder tritt in einem Ärzte-Video auf.

Nächstes Jahr geht die Saga weiter. Aber so komplett bisher betrachtet: Die ersten 25 Jahre hatten ihre Tiefpunkte, aber insgesamt hat sich Lara die Jahre gut gehalten. Das geht auch schlechter. Nicht wahr, 3D-Duke?

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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