Xbox All Access - Der Service ist alles, die Konsole läuft halt mit.

Microsofts Angebot die Xbox zu einem monatlichen Preis zu finanzieren hat vor allem mit Marktanteilen des Game Pass Service zu tun.

Wird die Vermarktung der Konsolen also doch endlich erwachsen. Seit dem Anbeginn der Zeit, sprich dem ersten Atari, ist es so, dass eine Spielkonsole vom Hersteller gebaut, manchmal auch direkt verkauft, aber weit häufiger in Sachen Vertrieb an Dritte weitergereicht wird. Das sind Spieleläden, Kaufhäuser, Elektromärkte und dann später der Onlinehandel. Seit den 70ern ist es so, dass wenn Ratenzahlungen gemacht wurden, der Konsolenhersteller nichts damit zu tun hatte - es mag ein paar historisch wertvolle Ausnahmen gegeben haben, aber Mainstream war das sicher nicht.

Es war aber auch so, dass es nur die Konsole gab und eben nicht die digitale Service-Leistung dazu. Das kam erst in den letzten etwas mehr als zehn Jahren. PlayStation Plus und Xbox Live in den zarten Anfangsjahren waren noch nicht der ganz relevante Faktor, das hat sich mittlerweile gedreht. Die Bindung an das eigene Ökosystem hat mehr mit der Software als der Hardware zu tun. Ihr könnt jetzt schon Xbox auf einem Handy spielen, wenn euch danach ist, oder PlayStation in einem Browser. Wiederum, alles aktuell zarte Anfänge, aber am Ende zählt nur eines: Wer hat mehr Abonnenten.

Die Mobilfunkanbieter haben das Anfang der 90er sofort erkannt. Völlig egal, wer das Handy baut, Hauptsache die eigene Karte steckt drin. So wurden dann Verträge geschlossen, in denen einem das teure Handy praktisch geschenkt wurde, alles zu einem bezahlbaren Monatspreis. Wer Marktanteile hat, kann besser agieren. Da muss auch mal investiert werden. In der kompletten Wild-West-Phase der späten 90er und frühen Nuller ging das so weit, dass man auf diese Weise ein Handy zum halben Preis bekommen konnte, auf 24 Monate "finanziert" mit einer SIM-Karte, die oft genug nie ein Gespräch absetzte. Nicht nur das, Spielkonsolen, Fernseher und im Extremfall Küchen waren Teil des Lockangebotes. Wer den coolsten Deal anbot, konnte Marktanteile ausbauen, Aktienmärkte begeistern und sich am Ende durchsetzen.

Diese Übernahmeschlacht um Marktanteile fand über die simple Überlegung statt, dass der Kunde die noch nötige teure Hardware nicht direkt bezahlen kann oder möchte und dass es besser ist, ihm dies in kleinen monatlichen Raten zu ermöglichen, in der Hoffnung, dass er daraufhin für alle Tage ein Kunde des eigentlichen Service bleibt. Nachteile für den Kunden? Erst einmal keine, sofern er denn die Konditionen eines Vertrages halbwegs genau las und die Selbstkontrolle hatte, keine 17 davon abzuschließen, um immer das neueste Gerät zu haben und so einen Batzen Geld jeden Monat für ungenutzte Handyverträge zu blechen.

Diese Gefahr kann bei Xbox All Access wohl ausgeschlossen werden, solange ihr keinen Xbox-Mainframe bauen wollt. Schließlich wird die Series X, die ihr in zwei Jahren bekommt, die gleiche sein, die ihr heute habt. Der Unterschied ist allerdings, dass Microsoft euch die Xbox nicht "schenkt". Wer die 25 - Series S -, beziehungsweise 33 Euro für die Series X aufdröselt, kommt zum Schluss, dass entweder die Xbox oder der Game Pass etwas billiger über die zwei Jahre gerechnet ist, aber auch nur, wenn ihr für beides den UVP zahlt und gelegentliche Schnäppchen wie einen Jahres-Game-Pass am Black Friday ignoriert.

Insoweit hat der Kampf um Marktanteile mit neuen, alten Mitteln noch nicht mal richtig begonnen. Dass die Subventionierung von Hardware im Mobilfunkbereich nicht mehr so en vogue ist, liegt daran, dass es schwieriger wurde, Kunden zu bewegen und dass man sich mehr um die Optimierung der Verträge kümmert, um Kunden zu halten. Bei Gaming-Services beginnt dieser Kampf jetzt aber erst mit der Erweiterung des Angebots. Game Pass ist derzeit sicher der populärste Vertreter, aber man kann sicher sein, dass Amazons Prime Gaming, Netflix und andere Anbieter mit tiefen Taschen etwas vom Gaming-Abo-Kuchen abhaben wollen. Sony ist wie Microsoft dabei in der Situation, dass ihre Abos zu einem guten Teil noch auf die richtige Hardware angewiesen sind, die weit teurer ist als eine Streaming-Box. Diese also auf solchem Wege erschwinglich zu halten, sehe ich als Ansatz, sich in diese Richtung abzusichern. Denn wenn ich erst mal die schicke neue Xbox stehen hab, dann stehen die Chancen gut, dass ich länger als zwei Jahre dieser Plattform treu bleibe. Selbst, wenn die Konkurrenz andere Spiele bietet. Schließlich wechselt auch nicht jeder ständig die Streaming-Abos, sondern schaut erst einmal, was die Eigenen zu bieten haben.

Nintendo fährt hier wie immer im Online-Bereich ungefähr 20 Jahre hinterher, das müsste das Alter der jüngsten Titel in ihrer Retro-Bibliothek sein, die ihren traurigen Abo-Dienst füllt. Sony betreibt das eigene Game-Pass-Modell noch halbherzig - PlayStation Now - und hat derzeit gefühlt eh keine Konsolen, die sie verkaufen können, egal ob als Ratenzahlung der anderweitig. Aber sollte Microsofts All Access Angebot so erfolgreich sein, dass es sich in spürbare Marktanteile umrechnen lässt, dann könnte damit noch mehr Bewegung in die Art kommen, wie wir Konsolen seit zig Jahren betrachten und kaufen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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