High End für alle: DLSS ist ein Geschenk an Framerate-Snobs (wie mich)

Endlich sind auch Laptops valide Zock-Alternativen: Wie Nvidias KI-Upscaling Alex' Zock-Alltag auf den Kopf stellt.

Man gewöhnt sich an alles, aber an nichts gewöhnt man sich schneller als an gute, flüssige Grafik. Das ist ein Effekt, den man seit Anbeginn des Gamings beobachten kann. Eine neue Generation an Konsolen ist kaum ein halbes Jahr auf dem Markt, da kommen einem die absoluten Perlen der letzten Spielgeräte mit nur wenigen Ausnahmen schon wie Zumutungen für die Augen vor, während gleichzeitig die Honeymoon-Phase mit der Next-Gen so langsam abklingt. "Das neue Normal" schlägt zu - im Guten wie im Schlechten.

Zeit ist selten gnädig, aber zu keinem visuellen Medium ist sie so grausam wie zu Videospielen, die einen auch nur annähernd realistischen, lebensnahen Look anstreben. Gleichzeitig merkt man das (zum Glück) nur selten. Gute Grafik schätzt man schließlich nur dann, wenn man sie nicht mehr hat. So ist das eben, mit Gewöhnungseffekten.

guardians-1
Hochskaliert, aber knackscharf. Keine Ahnung, wie das geht.

Ich sage das nicht gern, aber seit ich mehr und mehr am PC spiele, bin ich noch versnobter geworden, vor allem, was stabile, saubere Bilddarstellung angeht. Das geht so weit, dass Zocken auf einem Laptop für mich immer nur eine Notlösung war, denn die hatten einfach nicht die Power, meinen Ansprüchen zu genügen. Sie waren für mich immer ein Schritt zurück. Und wenn sie das nicht, dann waren sie laut. Oft genug waren sie beides.

Auftritt DLSS, Nvidias Deep Learning getriebenes Super-Sampling. Für mich macht es mittlerweile, nach anfänglicher Skepsis, weil Remedys Control in meinen Augen zu Beginn ein wenig ... nunja... seltsam aussah, in meiner täglichen Spielpraxis einen deutlich größeren Unterschied macht als alle anderen visuellen (oder sonstigen) Gaming-Technologien, die in den letzten Jahren eingeführt wurden. Und ja, das schließt Raytracing mit ein - aus dem einfachen Grund, dass letzteres für Leute wie mich, die hohe Bildraten als absolute Grundvoraussetzung betrachten, überhaupt erst durch DLSS zur Diskussion steht.

High-End für alle!

Kurzum: DLSS macht aus meinem nicht einmal irrsinnig teuren Laptop eine valide Alternativplattform, die meinen Gaming-Alltag perfekt ergänzt. Als Familienvater, der von Berufswegen viel zocken muss, aber schon aus rein logistischen Gründen selbst in seiner Freizeit nicht immer nur in seinem "Spielzimmer" sitzen kann, ist DLSS für mich ein Lebensretter, denn plötzlich ist mein Klapp-Computer keine gröhlende 30-FPS-auf-Mittel-Maschine mehr, sondern ein fast vollwertiger Ersatz, wenngleich auf kleinerer Diagonale. Ich spiele mit ihm beinahe genauso gern, wie an meinem großen PC.

Besonders kam mir das nun bei Guardians of the Galaxy zugute, das zwar auf deutlich größere Displays als meinen 15 Zoller ausgerichtet ist, aber das ich mit einigen gezielten Anpassungen, die auch die niedrigere Auflösung berücksichtigen, in wundervoller Grafik mit 60 Bildern pro Sekunde genießen kann, wo ohne DLSS seinerzeit mit Mühe 30 machbar gewesen wären. In Call of Duty Vanguard, das mich vor allem im Champion Hill gerade exzellent unterhält, sind dreistellige Bildraten kein Problem, ich spiele das auf dem Laptop genauso (mäßig) erfolgreich, wie an meinem großen Arbeitsrechner. Und seit Nvidia ein Plug-in für die Unreal Engine bereitstellt, dürften es noch sehr viel mehr Titel werden, die es unterstützen.

Im Grunde klingt es wie Zauberei, wie die "Nanobots" der Rendertechnologien: Die GPU rendert das Spiel in niedrigerer Auflösung, die natürlich gut performt, und KI-Upscaling macht ein Bild draus, das man anschauen kann, ohne dass einem das Gallert aus dem Augapfel rinnt. Und das bisweilen kaum von der nativ gerechneten Ziel-Auflösung zu unterscheiden ist. In den Anfangstagen der Technik - mit Remedys Control - gab es immer wieder Situationen, in denen das Bild seltsam weich wirkte, Ghosting störte oder Kanten und Oberflächen nicht "korrekt" aussahen. Aber das hat sich mittlerweile so gut wie komplett gelegt. Auf ihrem Weg zur Weltherrschaft haben die Deep Learning Algorithmen binnen zwei Jahren nebenbei fast gruslig viel über Upscaling dazugelernt - und ich werde nicht so tun, als verstünde ich das Wie und Warum dahinter.

Mehr als nur Mittel zum Zweck

Für mich zählt nur, dass mehr und mehr Spiele auch auf meinem 15-Zoller so gut laufen, dass ich sie auch darauf spielen möchte. Es ist lange her - beziehungsweise bin ich mir nicht einmal sicher, dass es überhaupt schon vorgekommen ist -, dass mich der Support einer bestimmten Rendering-Technologie in einem kommenden Spiel so sehr in echte und ehrliche Vorfreude versetzt hat, denn Technik war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Wenn der Zweck aber jener ist, dass mehr und mehr Menschen nun Spiele auch auf Mittelklasse-Geräten in High-End Qualität erleben können, dann ist das keine kleine Leistung.

Jetzt muss nur noch der komplette Krypto-Markt crashen, damit wir Gamer wieder die für DLSS notwendigen Nvidia-Karten kaufen können...

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (16)

Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (16)

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading