Oddmar+ füllt ein Rayman-förmiges Loch in meinem Herzen

Nach drei Jahren auf Android und einem auf Switch beehrt Oddmar nun auch Apples Abodienst Apple Arcade. Es ist fast, als hätte uns Rayman nie verlassen.

Oddmar+ erschien dieser Tage auf Apple Arcade und ich muss sagen, dass ich diesem Dienst mal wieder dankbar bin, dass er mich auf diese Perle aufmerksam gemacht hat. Das Spiel ist nicht neu, schon 2018 konnte man es auf Android kaufen. Das Feedback dort stimmte die Entwickler selbstbewusst genug für den Sprung auf eine echte Konsole - die Switch - und auch dort lief es zu den schmalen zehn Euro, die es kostete, gut genug, um es auf die nächste Plattform zu tragen.

Und "premium" wie es nun mal wirkt, ist es auf Apple Arcade ausgezeichnet aufgehoben. Der Vergleich mit Rayman Legends ist gar nicht mal wahnsinnig hoch gegriffen. Oddmar ist vielleicht nicht ganz so frenetisch unterwegs, verfügt aber über einen in seiner Textur nicht unähnlichen Irrsinn wie Ubisofts arm- und beinloses Maskottchen, das nach seiner grenzgenialen zweiteiligen Renaissance 2011 und 2013 wieder spurlos verschwand.

Vor allem sieht es ihm optisch ziemlich ähnlich, dieser Mix aus handgezeichneten, aber butterweich animierten Sprites, ausgeschmückt mit vielen Details im Vorder- wie im Hintergrund sowie einigen zeitgemäßen Effekten. Diesen Stil kennt man auch vom Ubisoft-Hüpfer. Oddmar sieht wirklich aus, als wäre es in derselben Engine entstanden, kommt aber von einem kleinen türkischen Studio, das Lust hatte, mal einen Ausflug in die nordische Mythologie zu machen.

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Es stecken eine Menge Energie und Charakter in Oddmar - auch wenn man beides von Rayman schon zu kennen glaubt, ist das keine schlechte Sache.

Auch die Art und Weise, wie Oddmar in seinen Levels zur Erkundung einlädt: drei große goldene Münzen, die schwebend in der Luft rotieren, sind in jedem Abschnitt versteckt. Meist hinter einer scheinbar undurchlässigen Wand, die sich in Läuft auflöst, wenn man dagegen läuft. Es könnte wirklich auch aus Montpellier kommen. Oddmar ist vielleicht eine Idee behäbiger als Rayman und nicht ganz so abwechslungsreich - eher aufs Wesentliche konzentriert. Er springt, klettert Seile hoch, schwingt die Axt oder zerstört Feinde und Gegenstände mit einem Poplatscher.

Das fühlt sich dennoch alles ziemlich gut an, sogar - und da war ich überrascht - wenn man es nur mit dem Touchpad spielt. Klar, wahnsinnig anspruchsvoll ist die Hüpferei nicht, aber darin, für die Bewegung nur links und rechts wischen zu müssen, anstatt einen ganzen Software-Joystick zu emulieren, liegt schon eine Menge Weisheit. Springen durch Wischen nach oben (umgekehrt für den Bodenstampfer) funktionierte für mich ebenfalls erstaunlich gut - und antippen für einen Schlag ist auch eine gute Idee. Alles bestens und sehr durchdacht. Viel besser als Spiele, die meinen, virtuelle Joypad-Buttons auf den Bildschirm legen zu müssen.

Insgesamt einfach ein Spiel, das gute Laune macht, mit schön in der Tasche klimpernden güldenen Sammelsachen oldschool Jump-and-Run-Sensibilitäten kitzelt und mit seiner niedlichen Gestaltung und kompetenten Technik schnell um den Finger wickelt. Sogar die handgemalten Motion Comics, die die Geschichte des vermeintlichen Taugenichts erzählen, sind gut gemacht und erzählt.

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Man muss ihn einfach mögen - trotzdem dürfte Ubisoft mal wieder ein Rayman machen. Ob es ohne Michel Ancel was werden könnte?

Ich will nicht so tun, als sei Oddmar jetzt große Videospielkunst, aber der Sinn für Humor, den es demonstriert, ist ein ansteckender. Seine Levels schlagen einen schönen Spagat zwischen gutem Spielfluss und einer Prise Anspruch und allgemein macht der Titel einfach gute Laune. Der Haken: Es ist ziemlich schnell vorbei. Für die 24 Abschnitte braucht man nicht allzu lang und so gut versteckt, dass man allzu oft zurückkehren und nach dem Rest suchen würde, sind die versteckten Münzen nun auch wieder nicht verborgen.

Der klassische Fall eines Spieles, das man mit großer Freude an zwei, drei Abenden zu Ende spielt und sich dann an nicht allzu viel Spezifisches, in jedem Fall aber an eine gute Zeit erinnert. So einen schönen Zufallsfund macht man nicht alle Tage.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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