3 on 3 NHL Arcade

Wer braucht Regeln?

Fussball ist für mich die klare Nummer 1, wenn es um Sportarten geht. Basketball? Langweilig. Football? Da kriege ich schon Kopfschmerzen, wenn ich die ganzen Regeln und Unterbrechungen sehe. Golf? Dafür bin ich zu ungeduldig. Aber Eishockey ist etwas, das ich außer Fussball noch am liebsten mag. Ich finde es amüsant, wenn Spieler per Bodycheck in die Bande gedrückt, von den Beinen geholt oder munter weggeschoben werden. Hin und wieder ist auch mal eine Rauferei drin. Dass ich mit EAs 3 on 3 NHL Arcade meinen Spaß habe, ist daher keine große Überraschung.

Gäbe es ein Motto für das Spiel, würde es vermutlich „Wer braucht schon Regeln?“ lauten. Das Arcade-Eishockeyspiel der Macher von NHL 09 verzichtet gänzlich auf ein Reglement. Soll heißen: Kein Abseits, keine Fouls, keine Penaltys. Wirklich alles bleibt straffrei, man darf sich auf dem kalten Eis regelrecht austoben. Und nach einem Tor geht es gleich pausenlos weiter. Der Puck fällt hinter dem getroffenen Kasten aufs Eis und darf umgehend von Freund oder Feind in Empfang genommen werden.

Mit Realismus hat 3 on 3 NHL Arcade also insgesamt nur wenig am Hut. Es ist simpel gehalten, leicht zugänglich und überzeugt durch sein rasantes Over-the-top-Gameplay ohne große Pausen.

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Ihr dürft jeden Gegner umhauen.

Steuerungstechnisch orientiert man sich dabei am bewährten Muster. Per Stick wird der Spieler präzise über das Eis geschickt, die Buttons führen sämtliche Aktionen aus. Wer es etwas genauer mag, verwendet den rechten Stick zusätzlich zur Positionierung des Pucks auf der linken oder rechten Seite des Spielers sowie zum Schuss.

Eine willkommene Abwechslung im tristen Eishockey-Alltag garantieren die insgesamt acht an- und abschaltbaren Power-ups. Vollführt man selbst oder der Gegner einen ordentlichen Bodycheck, fällt eines davon auf die Eisfläche und lässt sich von jedwedem Spieler aufsammeln. Mitunter sind die Boni auch spielentscheidend. Je nachdem, welches der am Symbol erkennbaren Power-ups man einsammelt, zählt der nächste Treffer des jeweiligen Spielers zum Beispiel kurzzeitig doppelt. Alternativ schrumpfen Torhüter für mehrere Sekunden auf Koboldgröße oder ein Akteur erstarrt in einer Eissäule. So garantiert man stets neue und unvorhergesehene Situationen, an die sich die Teilnehmer anpassen müssen.

Dass es hier primär um den kleinen Spaß für Zwischendurch geht, verdeutlichen neben den Eisläufern mit ihren übergroßen Köpfen auch die Soundeffekte. Bei Pfostentreffern ertönt manchmal beispielsweise eine Türklingel. Rutscht ein Spieler auf einer Bananenschale aus, brüllt ein Affe im Hintergrund. Die Geräusche im Menü erinnern im entferntesten Sinne an Laute, die man von Michael Winslow aus Filmen wie Spaceballs oder Police Academy kennt. Eine witzige Idee.

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Immer schön dicht machen.

3 on 3 NHL Arcade ist allerdings nicht für Jedermann gedacht. Die Entwickler haben das Spiel vorrangig auf Multiplayer-Partien ausgerichtet – sowohl online als auch offline. Das soll nicht heißen, dass Solospieler im Alleingang gegen die KI keinen kurzweiligen Spaß haben könnten. Sein volles Potential entfaltet NHL Arcade aber ausschließlich mit menschlichen Teamkollegen und Konkurrenten.

Was die Spieler angeht, fährt EA 40 lizenzierte Profis auf, die in verschiedene Kategorien wie „Allrounder“, „Schnell“ oder „Stark“ eingeteilt sind. Der eine kleiner und schneller, der andere kräftiger und größer. Nett, aber auch nicht entscheidend. Echte Teams glänzen hierbei mit Abwesenheit, man wählt lediglich die Eisläufer für Team Blau und Team Rot. Ein wenig mehr Abwechslung hätten außerdem die Siegbedingungen vertragen können. Neben der Spielgeschwindigkeit lässt sich lediglich die Zahl der für den Erfolg nötigen Tore bestimmen. Ein Spiel mit Zeitlimit ist nicht möglich. Und genau das sorgt dafür, dass 3 on 3 NHL Arcade mit der Zeit ein wenig ermüdend ist und man stets in kleinen Schüben zocken sollte. Mehr Optionen hätten nicht geschadet.

Eines vorweg: Einzelspieler sollten 3 on 3 NHL Arcade am besten gar nicht erst anfassen. Es lohnt sich einfach nicht. Wollt Ihr hingegen ein simples, aber dennoch spaßiges Multiplayer-Spielchen für Zwischendurch, bekommt Ihr einiges an Unterhaltung geboten. Mehr Singleplayer-Inhalte (ich erwarte ja keinen Umfang á la NHL 09), eine auf Dauer größere Variation, weitere Siegbedingungen oder auch zusätzliche Spielmodi wären wünschenswert gewesen, um die Langzeitmotivation anzukurbeln. Und der Verzichtet darauf kostet 3 on 3 NHL Arcade letztendlich auch den Aufstieg in höhere Wertungsregionen. Wenn EA mehr Titel dieser Art machen will, hat man hiermit auf jeden Fall einen soliden Grundstein gelegt. Nun muss man nur noch konsequent darauf aufbauen.

6 /10

3 on 3 NHL Arcade ist bereits für die PlayStation 3 erhältlich, die 360-Version erscheint morgen - zum Preis von 800 MS-Punkten (ca. 10 Euro).

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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