Abstruse Kost aus Fernost

Lost in Translation

Kulturschock gefällig? Bevor Ihr über wirklich seltsames Zeugs aus dem Land der aufgehenden Sonne lest, schmunzelt oder sonst was, muss ich Euch erst einmal das richtige Mindset verpassen. Schaut Euch dieses kurze Video an, reibt Euch die Augen und kehrt dann hierher zurück:

Klick mich feste

Wieder zurück? Lust auf mehr? Sollt Ihr haben. Nicht nur im Musikbereich begeistern sich Japaner für Sachen, die kaum weiter außerhalb unseres mitteleuropäischen Erfahrungshorizontes liegen könnten. Auch bei dem, was von der Insel an Spielen zu uns eben nicht herüber schwappt, fällt so mancher schnell vom Glauben ab.

Ist es der fast grundsätzlich überdrehte Look, der an chinesische Fertignudelpackungen erinnert? Das permanente hysterische Geschrei? Die ewig präsente Reizüberflutung aus Farben, Sound und Bewegung? Schwer zu sagen, aber ich habe mal ohne Rücksicht auf meine eigene geistige Stabilität einige der wilderen Auswüchse der letzten Jahre heraus gepickt.

Und es ist vollkommen egal, ob Ihr Euch in Nippon in eine Arcadehalle traut oder in der vermeintlichen Sicherheit der eigenen Wände zum DS greift: Der Wahnsinn lauert überall. Wahnsinn natürlich nur für uns. In Japan ist das hier alles völlig normal…

Super Galdelic Hour

1

PlayStation 2 / 2001 / Enix
Video: Guck mich!

Super Galdelic Hour = Weibliche Teletubbies. Mit verschieden großen Brüsten. Mit so vielen Farben wie möglich auf dem Screen. Von Enix.

Richtig gelesen, der renommierte Schöpfer von Fantasywundern wie Dragon Quest zeigt mit Super Galdelic Hour auf der PS2, dass er auch anders kann. Die freakige Gameshow mit gleichem Namen lässt vier leicht bekleidete Damen gegeneinander antreten. Da der Kameramann nicht selten deren delikate, offensichtlich von den Dead or Alive–Typen animierte Bereiche in den Zoom holt, gehe ich mal davon aus, dass das Ganze ein Partyspiel für Erwachsene darstellen soll.

Bei jedem Einzelnen des Dutzend gebotener Minispiele wird Euch schnell auffallen, dass keines davon komplex genug ist, um Euren Blick von der skurrilen Kulisse im wildestem Beatnick-Look oder den wohlgerundeten Animier-Teletubbies abzulenken. Alle Spiele werden netterweise in japanisch und englisch erklärt und so solltet Ihr keine Probleme haben, den Wahnsinn wirklich zu spielen - sollte er Euch in die Finger fallen.

Das geistig relativ stabile Konzept der Games stellt Euren Rettungsanker in einem Dschungel von bunten Karaokeeinlagen, superbunter wilder Einblendungen fragwürdigen Inhalts und überbunter Ansagen des schrägen Gastgebers dar. Alles unterlegt mit Musik, die Ihr sonst nur aus Nippons Werbelandschaft kennt: Wenn es bunt im akustischen Bereich geben würde, dann wäre das hier bunte Musik. Einfach nur skurril, aber wenigstens spielbar.

Doki Doki Majo Shinpan

2

Nintendo DS / 2007 / SNK Playmore
Video: Guck mich!

Kauft Euch dieses Spiel nicht. Ernsthaft. Ihr wollt hierzulande nicht erklären, warum Ihr ein Spiel besitzt, in dem Eure Hauptbeschäftigung darin besteht, Minderjährige in nicht gerade züchtiger Weise anzustarren oder zu begrabschen. Was in Japan als seltsamer Humor durchgeht, dürfte hier empfindsamere Gemüter nach dem Jugendschutz rufen lassen. Und nicht ganz zu unrecht…

Aber worum geht es eigentlich? Akuji, Schüler in der Seirei Junior High School, soll auf Geheiß des Engels LuLu – Zitat: „Now, my servant! For me, Mistress Lulu, just quickly find out the witches.”- in der Schule eine Hexe ausfindig machen. Zwei Dinge kommen Akuji dabei zugute, oder was man so zugute nennen kann: Er ist ein wenig pervers und der Bad Boy der Schule. Zumindest sagt das Handbuch das so.

Dass an dieser Behauptung was dran sein muss, merkt Ihr schnell auf dem Weg durch die Schule. Habt Ihr eine, der durch die Bank minderjährigen Verdächtigen ausfindig gemacht, heißt es, sie mit den Mitteln der Japan-Inquisition zum Reden zu bringen. Ihr könnt zuvor eingesammelte Beweise präsentieren – eher harmlos –, sie durch Anstarren der Ober- oder Unterweite verunsichern – keine Frontal-Nuditity hier, aber 13-Jährigen in den virtuellen Schritt starren, kann nicht gesund sein – oder durch das zum Reden bringen, was die Anleitung als „normale Kommunikation“ bezeichnet: Sie direkt zu befummeln.

Ganz richtig, mit dem Stylus werdet Ihr die gezeichneten Animekörper von 12 bis 15 Jahre alten Schülerinnen virtuell abgrabschen. Dann geben sie Euch Informationen. Doki Doki wird von SNK Playmore übrigens nicht als Porno vertrieben. In 2008 wird es laut Entwickler sogar neue Kinder zu betatschen geben. Hat jemand eine Statistik über die Zahl japanischer Kinderschänder?

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Über den Autor:

Martin Woger

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