Alt+F40: Alex und der Fluch der Totengötter - und das beste Lovecraft-Spiel, von dem keiner weiß

KW 11/2021: Meine Corona-Test-Premiere!

Nach vielen übereinstimmenden Berichten, die Abnahme eines Rachenabstrichs zwecks Corona-Test fühle sich an, als müssten die Ärzte einen Schürhaken bis zur Hirnhaut durchdrücken, hatte ich vor meinem ein wenig Bammel. Aber da musste ich Samstag durch, denn unser Jüngster hatte seiner liebenden Familie diesen fiesen Infekt aus der Kita mitgebracht. Kurzum: Nicht nur war die Organisation und der Ablauf im Testcenter am Bremer Flughafen flink und vorbildlich (außer, dass ich laut Ergebnisbogen jetzt offenbar "Alexander Bohn-Ehling" heiße), auch der Abstrich selbst war weit weniger unangenehm als erwartet.

Achso - das Ergebnis war auch negativ, was nicht heißt, dass mich dieser Schnupfen, oder was auch immer aus der Leck geschlagenen Biokampfstofffabrik unter dem Spielplatz unserer Kita an die frische Luft gedrungen war, nicht noch weit in diese Woche hinein begleitet hätte. So oder so: Keine Angst vor den Tests - und die Namensänderung ist beim Bürgeramt auch schnell beantragt. Komisch, dass ich immer noch keine Rückmeldung von denen habe...

Inhalt

Hades' Schatten ist lang - und das ist ein bisschen unfair

Curse of the Dead Gods ist zu Unrecht ein wenig untergegangen. Auch bei mir. Ich will nicht sagen, es wäre ein neues Hades. Das wirkt inhaltlich breiter aufgestellt und ist auch emotional involvierend, während Curse deutlich systemverliebter und auch schlanker daherkommt. Aber zweifellos hat Passtech Games' Vision von einem finsteren, aber farbenfrohen Roguelite im Comic-Look unter der Anwesenheit der alles in dieser Richtung überstrahlenden Unterweltsflucht ein wenig gelitten. Dass es Early Access war, hat wohl auch nicht geholfen - bei dieser Art der Veröffentlichung fehlt immer auch ein wenig das dicke "Ooomph". Hades umging das Problem dadurch, dass es a) eher in den Early Access ging und b) ihn auf Epic begann und so mit dem 1.0-Release auf Steam immer noch nach etwas Neuem aussah. Vielleicht wirkte es dadurch sogar attraktiver, weil die Exklusivität im "bösen Store" zuvor Begehrlichkeiten geweckt hatte.

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Der Look erinnert an Darkest Dungeon.

Ganz egal eigentlich, Curse ist nämlich super, wenn auch in Sachen Struktur weniger ambitioniert und vielleicht ein bisschen von gestern. Eins der Roguelikes, die sich neuerdings viel Mühe machen, ihrer Welt Story und Kontext zu verleihen, ist es jedenfalls nicht. Hier geht es nur um eines: Die Dungeons bis zum Boss zu durchforsten, das eingängige, aber vielschichtige Kampfsystem zu meistern, sich auf neue Ausrüstung anzupassen und - wie so oft - hier und da zwischen Pest und Cholera zu wählen, wenn es um das Hantieren mit Flüchen geht, die euren Run immer zu fast gleichen Teilen begünstigen und erschweren.

Vor allem aber könnte Curse of the Dead Gods Leuten gefallen, denen Hades hier und da zu wild und schnell vorkam, Leute, die sich im Effektgewitter regelmäßig verhaspelten und verloren. Ich will nicht sagen, Curse sei einfach, aber man findet wegen des etwas gemütlicheren Tempos schneller rein. Insgesamt fühlt es sich ein wenig mehr nach Action-RPG an - und die Art, wie man immer auch ein bisschen Fortschritt mit in den nächsten Lauf nimmt, ist hier auch sehr motivierend gelöst. Insofern: Seid ihr mit Hades durch und hat es euch nicht allein wegen der Geschichte gefallen, ist Curse of the Dead Gods für einen Zwanni im Grunde ein Pflichtkauf.

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Blut zu opfern ist immer verlockend - und ein echter Abtörner, wenn man bedenkt, dass man ... nunja ... nicht unendlich davon hat.

Stirring Abyss ist das beste Lovecraft-Spiel, das ich kenne...

...und direkt eine Relativierung hinterher: Offiziell Lovecraft ist es eben nicht, aber es wird schon im Intro klar, worauf das hier hinausläuft und auch sonst lässt das Spiel stilistisch keinen Zweifel daran, welcher Sorte Horror man sich hier bedient. Das hier IST Lovecraft, egal, ob es nun auf der Packung steht oder nicht. In dieser durchaus aparten, aber in angemessen kränklicher Farbgebung gehaltenen Verpackung steckt eine Art "XCOM unter Wasser", das ausnahmsweise mal kein Terror from the Deep sein will. Der Plot? Ein U-Boot geht irgendwo verloren und der orientierungslose Erste Offizier sammelt nach und nach ein paar ausnahmsweise nicht vom Schiffsrum benebelte Matrosen wieder ein - vom Meeresboden.

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Die Farbpalette hat was... von Fischschuppen und Eiter. Cool!

So richtig weiß keiner, was mit dem Boot passierte, und warum man sich nach der kollektiven Ohnmacht nicht an Bord wiederfand, sondern in den archaischen Taucheranzügen, viele, viele Hundert Meter unter der Meeresoberfläche. Auch ist unklar, warum die USS Salem komplett geflutet ist, als die versprengte Crew den Weg zu ihr zurückfindet. Aber nach und nach findet man es raus. Ihr merkt schon: Hier steckt noch viel mehr Story und Lore drin als in XCOM, beziehungsweise ist es näher unter der Oberfläche. Aber es ist gut geschrieben und schmückt auch während der Missionen die Welt und das Geschehen extrem stimmungsvoll aus, ohne das Spiel an sich allzu sehr zu bremsen. Das liegt vor allem daran, dass die blumige Schreibe, die eure Entdeckungen in Textfenstern untermalt, zwar effektvoll, aber auch angenehm knapp gehalten ist. Vieles andere erledigen die Matrosen mit Sprechblasen untereinander.

Natürlich tauchen recht bald die ersten Unterwassermonster auf, Quallen und veränderte Fischmenschen und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass hier nur ansatzweise die Dynamik modernerer XCOMs aufkäme. Es ist näher an den Klassikern, nur noch weniger in seine Schießeisen verknallt, denn vieles lässt sich auch im Nahkampf regeln, während manche Matrosenklassen irgendwann sozusagen eingebaute oder... dazugewachsene Waffen bekommen. Mutation und aufziehender Wahnsinn spielen ebenso eine Rolle wie Sauerstoffknappheit und Ressourcenmanagement, um nach und nach die Salem wieder trockenzulegen und mit neuen Upgrades auszustatten.

Und ich merke schon, ein Stück weit habe ich Stirring Abyss richtig lieb. Durchaus möglich, dass es im späteren Verlauf ein wenig eintönig wird und taktisch werden euch, trotz kompetent umgesetzten Zwei-Aktionen-pro-Runde-Systems keine Geniestreiche abverlangt. Auch wirkt es nicht überall besonders gut ausbalanciert, einige Situationen sind ein wenig unfair, aber im Grunde passt das gut zum Thema. Ansonsten habe ich nichts einzuwenden - was man bei Lovecraft-Spielen selten sagen kann -, alles geht gut von der Hand, der Art Direction gelingt es zugleich anziehend und abstoßend zu sein und die Autoren haben Erzählung und Stimmung bestens im Griff. Brütend, drohend, dröhnend. Wie ein gutes Fieber, kurz bevor die Ibuprofen einsetzen. Am Wochenende noch gemerkt.

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Und zwischendrin arbeitet man am Boot.

Wie ich den Release letzten Herbst verpassen konnte - ich habe keine Ahnung, aber ich ärgere mich darüber. Aber das ging wohl nicht nur mir so: Der Rekord an gleichzeitigen Spielern auf Steam für Stirring Abyss ist zweistellig. Das macht mich wirklich ein bisschen traurig. Ich empfehle euch, der kostenlosen Demo zu Stirring Abyss auf Steam eine Chance zu geben. In einem besseren Jahr wäre es vermutlich einer der Indie-Darlings gewesen, denen man auf YouTube und in Social Media nur schwer entgeht.

Weitere Notizen - KW 11/21

Text(e) in Arbeit: The Eternal Cylinder und Phantom Brigade - Zwei Titel, die mir sehr am Herzen liegen - nachdem ich sie schon viele, viele Stunden gespielt habe. Ersteres kommt von den Zeno-Clash-Leuten bei Ace Team und erinnert daran, dass Spiele in Sachen Kreativität zwar gerade eine gute Zeit erleben, aber für hochtrabende Sci-Fi-Konzepte immer noch eine Menge Raum ist. Wie klingt eine Alien-Welt für euch, an deren Horizont eine gewaltige, glühende Walze droht, periodisch alles Leben, das vor ihr liegt, zu zermalmen. Der Ewige Zylinder eben. Kein Ende links wie rechts in Sicht und ihr als fluktuierende Herde zweibeiniger und - machen wir uns nichts vor - ziemlich armseliger Rüsselträger, die sich vorarbeiten müssen, um nicht ausgelöscht zu werden. Es ist toll, toll, toll. Keine Ahnung, wie man auf sowas kommt. Die Frage ist, ob es auch streng genommen gut ist. Die Beta wird mir darüber in den nächsten Tagen Aufschluss geben.

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Von einem Arsch mit Zähnen gefressen zu werden, ist noch die angenehme Art, in Eternal Cylinder zu sterben.

Phantom Brigade wiederum kommt von den Leuten, die Zelda - Cadence of Hyrule für Nintendo gemacht haben und ist in etwa das, was passiert, wenn man Into the Breach als 3D-Taktikspiel mit übergeordneter Strategieebene aufziehen würde. Der Supercomputer eures Mechs sagt die nächsten paar Sekunden einer Runde voraus und ihr zieht eure Einheiten entsprechend über die zerstörbare Karte. Innovative Taktik, stilistisch sehr ansprechend. Bald mehr dazu von mir

Höhepunkt der Woche: Wann immer am PC ein Entwickler sagt, "Das geht in unserer Engine nicht", "habt Geduld, bis wir das Problem lokalisieren" oder "das sprengt unsere Mittel", ist garantiert nach ein paar Tagen ein Modder mit der Lösung bei der Hand. Mount & Blade 2: Bannerlord, dessen Early Access trotz guter und unterhaltsamer Basics eher schleppend verläuft, hat auf diese "Halte mein Met"-Art gerade einen Multiplayer-Modus namens Bannerlord Online bekommen, der sich aktuell an gut 1.000 Spielern auf einem Server erfreut. Es hat schon heftige DayZ-Vibe, was hier passiert. Eine Mod als derartige Bereicherung, dass sie im Alleingang Exemplare des Basisspiels verkauft. Sieht extrem vielversprechend aus. Am besten, ihr werft auf Moddb selbst einen Blick drauf.

Tiefpunkt der Woche: Und dann gibt es noch einen Abgang von der Bühne des Lebens zu verzeichnen, der auch dann noch wehtut, wenn man diesen Schauspieler seit Jahren nicht mehr in einem Film oder einer Serie sah: Alien-Darsteller Yaphet Kotto ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Wahnsinnige Bildschirmpräsenz, natürliches Charisma, sehr selbstverständlicher Schauspieler. Jetzt kann "Parker" auf dem magischen Raumschiff im Himmel zusammen mit Harry Dean Stantons "Brett" für seinen Bonus kämpfen. Echt schade, er war ein Guter.

Tiefpunkt Nummer 2: WAS!? NOCH einmal schlafen, bevor ich Falcon and the Winter Soldier sehen darf? Nun gut, vielleicht wird's auch arg mittelmäßig, dann tut das Warten nicht so weh...

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Bevor ich das Foto machte, dachte ich, es hätte sich seit letzter Woche nicht viel getan. Trotzdem gefällt mir nicht, wie einige der Blätter aussehen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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