Alt+F40: Crusader Kings 3 als Vorbild für ein besseres Miteinander - und welches Spiel würde eigentlich John Wick spielen?

KW 10/2021: Endlich wieder 70 Euro für Spiele zahlen, das wäre mal was!

Schon wieder eine Woche so gut wie rum? Kann eigentlich gar nicht sein, oder? Eigentlich kein Wunder, wenn jetzt schon wieder so viel passiert, als wäre wieder Herbst. Also, minus die Blockbuster. Aber aktuell haut fast täglich jemand einen klugen oder dummen Spruch raus oder rückt ein Thema in den Vordergrund, über das man automatisch ein wenig länger nachdenkt, als man vielleicht sollte. Etwas, das man mehrfach und mit der großen Lupe las, weil man sich zwischen den Zeilen was Konkretes erhoffte, waren zum Beispiel Microsofts Aussagen zum Bethesda-Kauf, die man tätigte, weil die EU keine Bedenken über eine mögliche Wettbewerbsverzerrung hatte und der Deal endgültig in trockenen Tüchern war.

Und ich erlaube mir hier kein moralisches Urteil - das ist halt das Business - aber was, wenn nicht zumindest eine Beeinflussung des Wettbewerbs sind zugekaufte Studios, die sich vermutlich auf Güte und/oder Verfügbarkeit der Produkte auf anderen Plattformen niederschlagen? Für den Moment ist es ohnehin egal, denn sofern meine Lupe nicht kaputt war, sagte Microsoft nichts, was über ein "Hallo" hinausging. Den Rest konnte man so ähnlich oder haargenau so Ende 2020 schon hören. Vielleicht ändert sich das nächste Woche?

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Interessanter fand ich aber Strauss Zelnicks Aussage, die Spieler wären mittlerweile bereit, 70 Dollar (75 bis 80 Euro in Deutschland) für ein Spiel zu bezahlen. Mein erster Gedanke als alter NBA-2K-Fan war: "Hey, Danke! Wenn ich diesmal 30 Euro weniger für meine Basketballsimulation bezahlen soll, nehme ich das dankend an!" War natürlich nicht so gemeint, dass man künftig keine gierigen Mikrotransaktionen mehr in die legendäre Sportspielreihe integriert, sondern einfach nur, dass auch das Basisspiel jetzt teurer wird. Für die Next-Gen im Allgemeinen unterschreibe ich die 70-Dollar-Aussage gern - für derart mit Kleinkäufen durchsetzte Games sehe ich die Leidensfähigkeit der Community aber so langsam an ihrem Ende angekommen. Wird Zeit, dass EA NBA Live zurückbringt. Das war zuletzt gar nicht übel. Nicht, weil ich will, dass NBA 2K leidet, sondern weil ich möchte, dass sie sich wieder anstrengen.

Mittelalterliche Monarchiesimulation als Vorbild fürs reale Leben? Bitte, danke!

Spielt man Crusader Kings 3, entdeckt man bisweilen erschreckende Züge an sich. Mal nimmt man einen Matrizid achselzuckend in Kauf, weil man sich davon einen "Gefallen" erhofft, andernorts sperrt man ein Kind bis an sein Lebensende weg, weil es in der Thronfolge vor dem eigenen Spross steht. Und ihr wollt nicht wissen, was ich gemacht habe, um Wales zu bekommen. Ich glaube, die Engländer haben weniger Schlimmes gemacht, um Wales zu bekommen. Wäre es nicht schön, wenn einem einige der Möglichkeiten von Crusader Kings auch im realen Leben zur Verfügung stünden? Womit ich natürlich Twitter meine, was dachtet ihr denn?

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Um es mit Dr. Banner zu halten: In Wales hab' ich einiges Porzellan zerschlagen. Cardiff zum Beispiel.

Dorthin hatte mich eigentlich nur die Neugierde getrieben und jetzt zoffe ich mich online fast täglich mit Impfgegnern, "besorgten Biodeutschen" oder fehlinformierten Leuten (die oft ein und dieselbe Person sind - hm...?), was meine Lebenserwartung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits um eine messbare Größe reduziert hat. Ich höre bald wieder damit auf, versprochen! Ist ohnehin nichts echt davon - was mich auf den Gedanken brachte, dass man ruhig so etwas wie die neue Duellfunktion aus dem Crusader-Kings-3-Update 1.3 in den Kurznachrichtendienst integrieren könnte. Denn alles, wozu Twitter gerade gut ist, sind die folgenlosen Beleidigungsduelle aus Monkey Island, nur dass niemand dort Tim Schafer oder Ron Gilbert ist. Lösen wir also doch zukünftig unsere Konflikte mit zünftiger, virtueller Waffengewalt und einem Einsatz, den man vorher selbst festlegt.

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Wie wir Twitter-Streitigkeiten über Impfspätfolgen künftig beilegen könnten.

Twitter müsste natürlich mitmachen, aber es könnte harmlos losgehen - eine Woche keine Posting-, Retweeting- oder Like-Privilegien für den Verlierer - und je nach Beef stufenlos eskalieren. Wie klingen drei Tage Mediendiät aus einer Quelle der Wahl des Siegers für euch? Meine favorisierte Strafe geht auf einen anderen grenzgenialen Einfall des neuen CK3-Updates zurück: Die Gedichtefolter. Der Gewinner legt ein paar Stichworte und Themen fest, zu denen dann ein Algorithmus schreckliche Poesie zufallsgeneriert, die sich per Filter über jeden einzelnen Tweet legt, den der Verlierer sieht. Kommt schon, Twitter, wie schwer kann das sein?

"Fights in Tight Spaces" ist nicht der Untertitel unseres Umzugsversuches...

...sondern der Name eines bestechenden kleinen Taktikspiels, dass mich schmerzhaft daran erinnert, dass es immer noch kein richtiges John-Wick-Spiel gibt - und das, obwohl das nichtmal stimmt, aber John Wick Hex war trotz der interessanten Idee, die Schießereien als Taktikspiel aufzuziehen, einfach unfassbar steif, etwas dröge und letzten Endes unansehnlich. Fights in Tight Spaces dürfte da schon eher nach dem Geschmack des von Keanu Reeves verkörperten Auftragskillers a. D. sein.

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Autsch! Der Stil kann sich sehen lassen.

In einer Optik, die vage an ein Superhot aus der Draufsicht erinnert - rein zufällig der eine andere Titel, der John Wick vermutlich gefallen dürfte - kämpft ihr euch vornehmlich im Nahkampf durch kurze Taktikgefechte, die vor allem aus einem Grund spannend sind: Sie fordern unfassbar viel Improvisationsvermögen. Denn welche Moves ihr in eurer Runde einsetzen könnt, das bestimmt eine Handvoll Karten - nicht weglaufen, ich schwöre, das ist ein cooles System -, die euch immer wieder aus eurem Deck zugespielt werden. Im Grunde ist es eine Art "Speed-XCOM", bei der euch das Spiel eine zufällige Auswahl an Skills hinwirft, und ihr müsst dann das Beste daraus machen. Ja, ich denke, der Vergleich passt.

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Den Kollegen mit der Brechstange trete ich mit dem Kombo-Finisher nach links. Er endet auf dem Kopierer. Sein Freund fliegt gleich rücklings zur Tür heraus.

Viel dreht sich um die eigene Positionierung und das Verschieben der Gegner in den Räumlichkeiten. Sie aus dem Level zu werfen oder in die Schussbahn eines anderen Angreifers zu bugsieren, ist durchweg eine Option, die auf dem Tisch liegt und der Einsatz der Umgebung spielt auch immer eine Rolle. Extrem cool ist auch, wie viel spektakulärer die Moves mit der Zeit werden. Es macht wahnsinnig viel Spaß, hier nach kurzem Nachdenken aufzuräumen und sich Raum um Raum vorzuarbeiten. Fights in Tight Spaces ist aktuell im Early Access auf Steam, im Epic Game Store und auch auf Xbox als Game Preview zu haben und kostet faire 20 Euro. Hier geht nicht mehr viel schief, denke ich.

Weitere Notizen - KW 10/21

Text(e) in Arbeit: Nachtest Rainbow Six Siege und eine kleine Liebeserklärung an Stirring Abyss - Zu Ersterem wäre mal langsam eine Wertungskorrektur angebracht, nachdem die Hälfte des zehnjährigen Lebenszyklus nun rum ist, und Letzteres ist letzten Oktober geradezu sträflich an mir vorübergezogen. Auf dem Herbst-Steam-Festival hatte ich das Lovecraft-Taktikspiel noch ausprobiert und für sehr reizvoll befunden, dann den zeitnahen Release aber nicht mitbekommen, keine Ahnung wieso. Beides was für nächste Woche - denn morgen und übermorgen wird bekanntlich umgezogen.

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Optik, Sound, Stimmung, Regelwerk - Stirring Abyss ist durchweg eins für mich.

Höhepunkt der Woche: Hunt Showdowns Version 1.5 ist nach nur kurzem Aufenthalt auf den Testservern auch schon live und aktuell noch nicht ganz frei von Bugs: Vor allem das Menü verhaspelt sich offenbar wegen der vielen neuen freischaltbaren Munitionstypen ab und an. Meiner Freude tut das keinen Abbruch: Die neuen Loadout- und folglich auch Handlungsoptionen im Kampf begrüße ich sehr. Außerdem habe ich endlich angefangen, Stålenhags Tales from the Loop zu lesen, das schon viel zu lange wunderschön und einsam hier herumlag. Danach vielleicht mal der Serie auf Prime eine Chance geben?

Mittelpunkt (?!) der Woche: Ich musste das Ende von WandaVision lange sacken lassen und - und wer keine auch nur minimalen Spoiler will, sollte diesen Abschnitt überspringen - muss sagen, dass das ursprüngliche Mysterium am Ende doch besser war als die Auflösung. Das Beiseitestellen eingangs wichtiger Charaktere, ein, zwei überflüssig gemeine Finten in der Mitte und vor allem ein paar der emotionalen Beats des Finales fühlten sich im Nachgang nicht komplett verdient an. Trotzdem insgesamt eine sehr sehenswerte, weil durchaus mutige Serie, die das MCU erfolgreich ins Kleinepisodenformat übersetzte. Ich freue mich jetzt wahnsinnig auf Falcon and the Winter Soldier, bin aber trotzdem nicht überzeugt, ob mir das Spielfilmformat nicht doch lieber gewesen wäre.

Tiefpunkt der Woche: Six Days in Fallujah will einfach nicht sterben. Ich tue mich sehr schwer mit Vorverurteilungen. Aber es ist mehr als nur ein bisschen paradox, ein Kriegsspiel als dokumentarisch, realistisch und frei von politischem Kommentar zu bezeichnen - und dann das amerikanische Kriegsverbrechen (den Einsatz weißen Phosphors) auszublenden, das jedermann im Sinn hat, wenn der Name der irakischen Stadt fällt. So wird nichts daraus. Dabei hat schon Spec Ops: The Line gezeigt, dass man so etwas emotional effektvoll und aufwühlend thematisieren kann.

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Meine Mini Musa ist umgetopft, die Kindel abzutrennen, habe ich mich aber noch nicht getraut. Ab jetzt wird wöchentlich gedüngt (ihr würdet mir ja sicher sagen, wenn das falsch wäre, oder?

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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