Alt+F40: Hood macht Lust auf Last of Us 2-Multiplayer - und mussten es gleich 5 Wehrmacht-Kampagnen sein, Panzer Corps 2?

KW 19/2021: Ihr müsst jetzt ganz, ganz stark sein...

Ich weiß ja nicht, was ihr diese Woche gemacht habt, aber bei uns war viel los. Die Geburtstagsvorbereitungen zum Vierten unseres Großen liegen mittlerweile hinter uns, die große Sause mit der Freundin aus seiner rigoros Corona-getesteten Kindergartengruppe kann steigen. Seine einzige Sorge war, dass man ja nicht im Kreis sitzen kann, wenn man nur so wenig Leute einlädt. Seine Lösung zeigte er mit den Armen: "Wir sitzen einfach in der Reihe". Ich liebe diesen Kerl. Fast spannender ist aber fast noch, was gerade mit dem Kleinen passiert. Es ist ein ziemlich magischer Moment in der Eltern-Kind-Beziehung, wenn sich die Interaktionen allmählich wandeln: Vom eingleisigen "Ich versuch' Dich am Leben zu halten, so gut ich kann, kleiner Kack-, Knabber- und Kabelzieh-Automat" zu einem Austausch.

Man merkt, da oben unter den feinen goldenen Locken gehen so langsam die Lichter an! Ein erstes grundlegendes Verständnis für die Welt und wie sie funktioniert gesellt sich zu korrekt zugeordneten Wörtern und Begrifflichkeiten. Mehr als man denkt sogar. Fast zeitgleich nehmen bei ihm immer mehr Ticks und Charakterzüge Form an. Er versteht, wenn ich ihm sage, "hol mal ein Buch/die Ente/den Ball" und macht das auch direkt, wo vor wenigen Wochen noch ein blankes Starren zurückkam. Er wiederum gibt mir nicht mehr nur mit Geschrei, sondern mit erhobenem Finger und einem "Nam!" zu verstehen, dass er die Scheibe Brot gerne hätte. Und wenn ich seine bis zur Unkenntlichkeit zerkaute Zahnbürste aus dem Becher ziehe, watschelt er grinsend, gluckernd und in die Hände klatschend an seinen Lieblingsplatz vor der Terrassentür (ist bei uns im Bad, fragt nicht wieso), ditscht seinen Windelpo rummsend auf die Fußmatte, und wartet, dass ich sie ihm bringe. Denn das ist nun mal sein Zahnputzritual. Plötzlich ein richtiger Charakter. Ab jetzt geht es schnell.

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Hood hat auch keine Ahnung, wie Multiplayer-Stealth funktionieren soll

Wenn man den Trailer so schaut, bekommt man mächtig Lust auf Fokus' Neues: Zugegeben, das Ganze stilistisch als eine Art New-Metal-Version der Robin-Hood-Saga aufzuarbeiten, wirkt seltsam unpassend. So sehr, dass man sich fast wünschen würde, das Sumo Newcastle auf den sagenhaften Unterbau verzichtet hätte. Aber blendet man den Kontext aus, wecken die mittelalterlichen Raubzüge in überraschend prächtiger Kulisse doch ziemlich Interesse. Gestalterisch wie technisch ist es stimmig, mit verteilten Rollen eine Burg auszurauben, ist immer eine gute Idee und PvEvP gerade der letzte Schrei. Geducktes Schleichen durch Büsche, Ablenkung von Wachen durch Steinwürfe, Stealth-Kills von Hinten oder durch Schwaden einer Rauchbombe hindurch - das macht schon den Eindruck einer innovativen Koop-Erfahrung und erinnert daran, dass wir schon viel zu lange kein echtes, klassisches Stealth-Spiel mehr hatten. Und dann spielt man und merkt vor allem, dass diese Sorte spielerische Heimlichtuerei im Multiplayer-Kontext selten funktioniert.

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Hunt Showdown wäre noch am ehesten ein Kandidat, der Stealth Mehrspieler-wirksam gut beherrscht. Aber das bleibt am Ende nun Mal ein Shooter. Für Leute, die eher etwas in Richtung von MGS, Thief oder Splinter Cell erwarten, ist Cryteks Bayou-Exorzismus nichts. Und die lockt Hood mit entsprechenden Signalreizen nun mal. Auf den ersten Blick wähnt man beinahe eine Mixtur aus Thief und Assassin's Creed, aber wenn zwei in Sachen Skills identische Teams zugleich auf Raubzug gehen sollen, bleibt kultiviertes Stealth eben doch ein frommer Wunsch, weil Heimlichtuerei im Grunde nur gegen die KI effektiv ist.

Es geht eigentlich ganz vielversprechend los, wenn beide Mannschaften mit je einem Robin, einer Marianne, einem Little John und einem "Tooke" - wie gesagt, jeweils in der Disturbed-Variante von dem, was ihr euch gerade vorstellt - zunächst den unbesiegbaren Sheriff von Nottingham (hier im Game of Thrones Mountain-Modus) suchen, um ihm den Schlüssel mit langen Fingern abspenstig zu machen, und sich dann an Wachen zur Schatzkammer vorbeischleichen oder meucheln. Hier und da achtet man auf die Signale, die man so aufschnappt. Geht irgendwo ein Alarm, werden von der KI gesichtete Gegenspieler auf der Karte eingeblendet und man kann eventuell seine Route anpassen, zum Angriff übergehen oder eben Fersengeld Richtung Extraktion geben.

Spätestens, wenn man die geklaute Kiste Gold nach der Schlepperei zum Extraktionspunkt mit einer Winde in Sicherheit kurbeln soll - die finale Phase eines Matches - fällt das Spiel aber auseinander. Es macht einfach keinen Spaß, sich in Unterzahl zu verteidigen, wenn einige Figuren One-Hit-Kills fabrizieren und ein oder zwei Spieler statisch an der Winde zugange sind. Das Chaos bricht sich Bahn und jeder rennt nach einem Bildschirmtod vom Respawn-Punkt nur noch wild in Richtung Extraktion, um das Schlimmste zu verhindern. Am Ende zählt nämlich immer noch am meisten, wer die letzten Zentimeter kurbelt.

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Und mehr steckt eigentlich nicht drin. Ich würde niemals behaupten, Hood sei ein schlechtes Spiel, die ersten Runden haben Spaß gemacht und optisch ist es wie gesagt ein Stück weit wundervoll. Aber es wirkt ziemlich dünn. Fast wie der nachgereichte Mehrspielermodus eines neuen Thief, den die Leute um den Launch herum ein paar Wochen spielen und dann vergessen. Für mehr Langlebigkeit ist das Spiel zu chaotisch, die letzten Meter einer Runde zu steif und unbefriedigend. Am Ende bleibt von Hood vor allem hängen, dass Last of Us' Factions-Modus 2013 schon ein verdammt gutes Multiplayer-Stealth-Spiel war und dass Naughty Dog so langsam mal mit der Version für den zweiten Teil um die Ecke kommen könnte.

Weitere Notizen - KW 19/21

Text(e) in Arbeit: Jetzt aber endlich Phantom Brigade! Ich hatte den Text schon vor längerer Zeit angeteasert, musste die innovative Rundentaktik irgendwo zwischen XCOM und Into the Breach dann aber notgedrungen liegenlassen. Jetzt sind mittlerweile zwei neue Updates erschienen und es juckt mich in den Fingern. Hand of Merlin könnte ebenfalls einen Artikel wert sein, ich schaue dieser Tage mal rein. Gleichzeitig kündigen sich langsam auch ein paar größere Titel für Anspieltermine an. Verraten wird dazu aber nichts.

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Ihr könnt in Phantom Brigade immer die nächsten fünf Sekunden des Gegnerzuges sehen - und müsst dann entsprechend handeln.

Höhepunkt der Woche: Oh wei, Apex Legends' neues Drei-gegen-drei ist eine Wucht - und vermutlich der Grund, warum das Spiel auf Steam mittlerweile regelmäßig unter den drei meistgespielten Titeln zu finden ist. Es lief schon vorher super für das in Sachen Handling und Spielwitz vielleicht beste Battle Royale, aber Season 9 setzt dem Triumpfzug der letzten Monate noch einmal die Krone auf. In recht kleinen Karten treffen zwei Dreier-Teams nach Counter-Strike-Muster mit einer jeder neuen Runde vorgelagerten Shopping-Tour aufeinander und fechten dann intime, spannende Schlachten aus. Ich liebe den Modus aus dreierlei Gründen. Erstens: Er respektiert meine knapper gewordene Zeit, indem er direkt zum Punkt kommt und die Loot-Phase komplett eliminiert. Zweitens: Er macht Team-Zusammenstellungen viabel, über die man im Battle Royale nicht ansatzweise nachdenken würde und macht mich - drittens übrigens - zu einem besseren, kompletteren Spieler, weil ich mich ununterbrochen in Kämpfen befinde, oft mit Charakteren, die ich sonst nicht nehme. Netter Gag auch, allen Spielern zum Start eine Mozambique als Standardwaffe in die Hand zu drücken. Ihr mich auch!

Mittelpunkt (?!) der Woche: Die Zwergbanane hat den Umzug in den 28-Zentimeter-Kübel überlebt (siehe unten), bei den Ablegern ist die Ausbeute aber nur 50 Prozent, wie es aussieht. Ausgerechnet der Schönere von beiden lässt seither die Blätter tragisch hängen. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Aber es sieht nicht gut aus. Ihr müsst jetzt ganz stark sein! Und dann war da noch Dragon Quest Builders 2, das ich schon länger auf dem Kieker hatte und im Game Pass nun endlich ausprobieren wollte. Das Tutorial zieht sich ziemlich hin und man kann eine ganze Weile nicht speichern. Mit dem Resultat, dass ich die Einleitung, die laut Leuten, die das Spiel lieben, verhältnismäßig lang und qualvoll sein soll, mittlerweile zum dritten Mal anfangen darf, weil ich immer irgendwann abbrach. Vermutlich, um ins Bett zu gehen, im Glauben, das Spiel wird sich schon gemerkt haben, was ich alles schon weiß. Ich bin nicht sicher, ob es das nicht gewesen ist mit uns beiden. Schade.

Tiefpunkt der Woche: Vor gut zwei Wochen stolperte ich im Netz über Panzer Corps 2 von Slitherine. Als alter History-Line- und Katakis-Verehrer, der mal wieder Lust auf Militärstrategie verspürte, wanderte die durchweg mit sehr guten Kritiken bedachte und auch optisch ziemlich ansprechende historische Hexfeld-Strategie direkt auf meine Wunschliste. Gestern dann hätte ich fast zugeschlagen, da fiel mir auf, dass die Kampagne nur die Seite der Wehrmacht zeigt. Korrektur: Alle fünf Kampagnen. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr. Ich weiß, "nur ein Spiel", vermutlich nüchtern und ohne Wertung aufgearbeitet. Und ja, das war schon in Panzer General so - was der Serie hierzulande eine Indizierung einbrachte -, dem Panzer Corps 2 erklärtermaßen spirituell nachfolgt. Aber hätte man nicht zumindest gleichberechtigt auch die Alliierten mit Feldzügen bedenken können, statt sie auf ein paar Szenarios, Skirmish und Multiplayer zu beschränken?

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Aber es sieht so gut aus...

Gut möglich, dass so etwas zumindest als DLC kommt und falls ihr das historische Drumherum besser ausblenden könnt als ich, worum ich euch beneide, ist das Spiel offenbar wirklich brillant. Aber mir fehlt auf meine alten Tage irgendwie die Lust, den Nazis im Spiel eine zweite Chance zu geben und die Glorifikation der ausschließlich deutschen Kriegsmaschinerie liegt mir schwer im Magen. Spielerisch ist es im Grunde genau mein Ding, aber FÜNF Kampagnen... meine Fresse...

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Sie lebt. Und ich hätte zum Vergleich den alten Topf daneben stellen sollen. Es ist enorm, wie sie gewachsen ist.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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