Alt+F40: Shock für mein System - und Triangle Strategy zeigt, warum es eine neue Switch braucht

KW 09/2021: Der Umzug - ein Abenteuer für die ganze Familie.

Mit zwei kleinen Kindern einen Umzug zu planen, wird automatisch zum Riesenprojekt - selbst, wenn man nur zwei Räume "mal eben tauschen" möchte. Gut zwei Tage, so haben wir überschlagen, dürfte das Streichen, Aus- und Umräumen von insgesamt 25 Quadratmetern Wohnraum in Anspruch nehmen. Ob man dann fertig ist - im Wortsinne -, ist extrem fraglich. Man muss den Nachwuchus loswerden, schließlich ist für diesen Zeitraum die eigene Wohnung ein einziger Gefahrenherd voller wackliger Riesenmöbel, offener Farbeimer und flattriger Abdeckfolie. Und - ganz wichtig - am besten sollte man logistisch so aufgestellt sein, dass zumindest eines der beiden Zimmer am Ende des ersten Tages halbwegs bezugsfertig ist, will man sich nicht zu viert in der Wohnküche vom Kühlschrank in den Schlaf gluckern und surren lassen.

Denn dann geht nämlich irgendwann das große Wettwecken los: 22:05 Uhr - die erste Flasche für den Kleinen wird laut schreiend beantragt. 23:45 - der Große träumt schlecht und will mit auf Papas Matratze. Die Chancen, dass die Windel ausgelaufen ist und ein Kleiderwechsel ansteht, stehen gut. 01:26 Uhr Papa hängt zur Hälfte von der Matratze, rutscht dabei in die patentierte Schnarchposition, was Mama aus einem süßen Traum vom Single-Dasein reißt. 03:41 Uhr - der Kleine beginnt, sich quäukend hin- und herzuwerfen, überlegt quälend lange, ob er nach Flasche Nummer zwei schreien soll. Wer "dran" ist, nimmt ihm schleunigst die Entscheidung ab und füttert, will er nicht den Zorn des oder der anderen auf sich ziehen. Windel sehr voll. Wer jetzt nicht wechselt, darf morgen neue Bettwäsche aufziehen. Mit ein bisschen Pech will der Erste zwei Stunden später dann auch schon auf die Beine ... Ihr seht schon, wir haben uns was vorgenommen. Drückt die Daumen, dass es gutgeht.

Inhalt

"Was ist denn System Shock?" - oder: Hilfe, ich werde alt, die Siebenundachzigste!

Das Leben hat die grausame Angewohnheit, einen mit kaltherziger Regelmäßigkeit daran zu erinnern, dass man älter wird. Sei es die coole WG nebenan, deren berufstätige Bewohner einen auf dem Bürgersteig plötzlich siezen, neue Bekannte, die nicht mit He-Man und Mask aufgewachsen sind oder eben erwachsene Steam-Freunde, die fragen: "Was ist denn System Shock?", als bei ihnen die Benachrichtigung aufploppt, dass ich gerade die Demo des Klassiker-Remakes hochfahre. Bin ich zu alt oder der zu jung? Und vor allem: entschuldet junges Alter, dass man dieses Spiel nicht kennt? Ich meine nein, JONAS!!

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Die Lichter kann man sogar effektvoll zerdeppern. Sieht wirklich gut aus.

Also: Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Die Demo zum System-Shock-Remake liegt auf Steam zum Download bereit. Ich kann diejenigen, die dieses Spiel noch kennen und lieben (und wenn wir mal ehrlich sind, geht das eine nicht ohne das andere), gut verstehen, wenn sie nicht gleich die Flaschenboden-Brille aufsetzen und mit dem Rollator zum Spiele-PC rüberwackeln. Man hat einfach nicht viel Gutes über die Neuauflage gehört. Der Kickstarter ist fünf, nein sechs Jahre her, 2018 wurde das Spiel öffentlichkeitswirksam auf Eis gelegt, weil das Studio vom Hundertsten ins Tausendste kam und dabei das ursprüngliche Erlebnis im Feature-Creep-Modus verschlimmbesserte. Einen Monat später versicherte man, diese hausgemachten Probleme bis zum Release im "ersten Quartal 2020" zu revidieren. Und dann - dann kam lange nichts. Zumindest nicht auf meinem Radar.

Jetzt ist aber die Demo da, das Spiel voraussichtlich im Sommer 21 fertig, und was ich bisher davon gespielt habe, gefällt mir überraschend gut. Vor allem der Look hat es mir angetan, fischt doch auch er im Valheim-Gewässer eines Pixel-Stils mit Cutting-Edge Beleuchtung und Spiegelungen. Fängt das Aussehen des Originals besser ein als hochauflösende Modelle und Texturtapeten es könnten und ist an sich wahnsinnig stimmungsvoll. Auch das Spiel funktioniert als Vorläufer von Deus Ex, BioShock und Dingen wie Prey immer noch ziemlich gut. Auch wenn ich nicht sicher bin, wie dankbar ich sein sollte für die Erfindung von Spiele-Klischees wie in Blut an Wände geschmierte Botschaften, Audio-Log-Overkills und Inventaren voller unnützer Items, die ich von Hand aussortieren darf.

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Na? Wisst ihr noch, um welche Ecke der Mutant sich gleich schält? Ich hatte es vergessen. Ein schöner Scare war das.

Ich sehe auch, warum Nightdive Studios überhaupt dem Drang erlag, dieses Spiel zu verbessern, denn nicht nur ich werde älter, sondern auch das Gunplay und die Nahkampfsysteme eines als Shooter getarnten Rollenspiels von 1994. Nicht über Kimme und Korn zielen zu können und fehlende Blockoptionen mit dem ikonischen Bleirohr in der Hand, sorgen stellenweise für Frust und das Gefühl, aus dem Konzept nicht das Optimum an Spaß zu ziehen. Ändert man was daran, zieht das einen Rattenschwanz an Level-Design und Balance Problemen nach sich. Wir werden System Shock also trotz des neuen Interface und der zeitgemäßen Bedienung letzten Endes mehrheitlich mit all vielen der Warzen, grauen Haaren und knirschenden Gelenken nehmen müssen, die man in einem Vierteljahrhundert so sammelt. Ein Spiel, das zu mir passt. Ist auch was.

Squares Triangle Strategy macht beste Werbung für eine Switch 4K

Nach Octopath Traveller macht Square Enix gleich dort weiter, wo es aufgehört hat und will in derselben ästhetischen Kombination aus handgepixelten Sprites und Polygonobjekten diesmal die Fans von Final Fantasy Tactics und Tactics Ogre erreichen. Für diese Sorte rundenbasierter Strategie habe ich bekanntlich eine besondere Schwäche und so fiel es mir leicht, mich auf die neue Demo im eShop einzulassen. Und das, obwohl ich mit Octopath nie so ganz warm wurde. Das hatte ein bisschen zu sehr Retorten-Vibes für meinen Geschmack, dafür aber ein gewinnendes Aussehen und ein kluges JRPG-Regelwerk, das halbwegs über die kaum vorhandene Gruppendynamik hinwegtäuschen konnte.

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Auf dem Handheld ist alles in bester Ordnung, am TV jedoch tut das Dithering und die allgemeine Fusseligkeit ein bisschen in meinen Augen weh

Triangle Strategy, dessen Arbeitstitel hoffentlich zügig geändert wird, damit er sich nicht einbürgert, und ich ihn nicht mehr so oft schreiben muss, macht auch einen blendenden ersten Eindruck, wenn es auf seinen Schlachtfeldern viel zum Spiel mit der Initiative in der Zugreihenfolge veranlasst, Höhenunterschieden bei Fernkämpfern Rechnung trägt und zum Ausnutzen von Folgeangriffen und Hinterrücks-Attacken ermutigt. Das ist alles von einem guten, wenngleich vertrauten Standard, der Leute wie mich vom Fleck weg um den Finger wickelt. Das Wertesystem, auf dem ihr eure Taten zwischen Nützlichkeit, Moral und Freiheit verortet, und wohl das Verhältnis der Figuren zu euch bestimmt, wirkt richtiggehend weise und ich freue mich schon auf die Auseinandersetzung damit. Aber...

.... aber herrje, auf einem modernen UHD-Fernseher sieht man doch sehr, warum die Leute bei jeder News über einer neuen und mit 4K ausgestatteten Nintendo Switch förmlich aus dem Häuschen sind. Die gefühlt daumennagelgroßen Pixel, die für viele von uns so anziehend wirken, sind wahnsinnig verschwommen, die hübschen Hintergründe wirken matschig. So ist es für mich nur auf dem Handheld wirklich zu genießen.

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Das Spiel mag klassisch aussehen, ist in der Handhabung und im Interface aber mit allen modernen Wassern gewaschen.

Der Verzicht auf entsprechenden Output oder zumindest einen anständigen Scaler drückt gerade bei solchen Spielen schwer auf meinem Switch-Genuss, wenn ich am Fernseher spielen will. Retro schön und gut, aber es sollte bitte nicht aussehen, als hätte ich eine originale PlayStation über Cinch-Kabel an die Glotze geklemmt. Ich hoffe jedenfalls, dass die Berichte stimmen und wir uns schon bald über eine 4K-Switch freuen dürften - das oder Square Enix zieht die Auflösung von Triangle Strategy noch ein wenig nach oben. Und nicht vergessen: Namen ändern!

Weitere Notizen - KW 09/21

Text in Arbeit: Mortal Shell PS5 und Battle Brothers Switch - kompletter Irrsinn eigentlich, dass es Mortal Shell letztes Jahr nicht in eure Top 50 des Jahres geschafft hat. Allerdings war es auch wahnsinnig knapp. Gut, dass es mit der PS5-Version noch einmal die Chance bekommt, das Spiel ist nämlich wirklich fantastisch. Für Battle Brothers, den Steam-Strategie-Hit von den Hamburger Overhype-Studios habe ich auf der Switch große Hoffnungen - aber auch ein paar Befürchtungen. Ihr seht dann nächste Woche, was daraus wurde.

Höhepunkt der Woche: Scrubs ist endlich auf Disney+ und fragt mich nicht, warum ich schon fast mit Staffel zwei durch bin. Meine Binge-Serie schlechthin. 20-Minuten-Folgen haben was für sich! Vielleicht ist nicht der ganze Humor so wahnsinnig gut gealtert, vor allem, wenn es auf Kosten der Frauen etwas schlüpfriger wird (was die Serie zum Glück oft genug als das demaskiert, was es ist und gern den Spieß umdreht), oder hier und da Homosexualität oder ein nicht traditionell attraktives Erscheinungsbild als Punchline herhalten muss. Aber alles in allem ist das immer noch wahnsinnig lustiges und oft genug auch berührendes Fernsehen. Ach, und Wandavision gefällt mir ebenfalls exzellent. Aber dazu schreibe ich vermutlich etwas, wenn die erste Staffel durch ist.

Tiefpunkt der Woche: Elden Ring kommt Berichten zufolge nicht mehr dieses Jahr. Es soll Leute gegeben haben, die hatten das als Überraschungs-Release eher früher als später auf dem Zettel und jetzt das! Ich gebe zu, Sekiro sitzt mir noch mehr in den Knochen als vermutlich gut hierfür wäre und mit Demon's Souls Remake bin ich längst noch nicht da, wo ich sein wollte. Aber trotzdem hatte ich mich für dieses Jahr auf ein Spiel gefreut, von dem ich mir nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in Sachen Soulslike erhofft habe. Nun denn. 2022 kann auch ein paar Highlights brauchen...

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Nicht nur die Kinder ziehen um, auch die Zwergbanane kriegt 'nen größeren Topf - mal schauen, ob die Ableger es überstehen…

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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