Wii have arrived: Der große Ansturm!

Japanische Verhältnisse in Deutschland

Hamburg, 9.15 Uhr: Ich schlendere durch die Hamburger Innenstadt. Als ich die Treppenstufen hinauf spaziere, die den Hauptbahnhof mit der Einkaufsmeile der Metropole verbindet, bietet sich mir ein Bild, das mich unweigerlich an Japan oder einen Bananenverkauf in der DDR erinnert. Eine Schlange von rund 300 jungen Erwachsenen bildet einen Bogen vom Eingang des Saturn-Marktes bis weit auf die Mönckebergstraße. Eine ältere Frau bleibt verdutzt stehen und fragt zwei Mädchen am Ende der Schlange nach dem Grund des Auflaufs. „Na, der Wii kommt heute raus, die neue Nintendo-Konsole“, antworten die beiden und lächeln.

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Bente Gestwa (links) und Miriam Bober am Ende der Schlange vor dem Saturn in der Hamburger Innenstadt.

Der Elektromarkt nahm wegen unsicherer Mengen keine Vorbestellungen entgegen und so versuchen viele ihr Glück in der Warteschlange. Für Nintendo-Fans ist schon heute Bescherung. Zumindest für die, die mit dem Objekt ihrer Begierde unter dem Arm nach Hause spazierten. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um die Launch-Stimmung vor dem Saturn und in anderen Hamburger Märkten direkt zu Euch nach Hause an die Bildschirme zu bringen..

Zurück zu den beiden potentiellen Wii-Käuferinnen vor dem Saturn. Trotz der langen Schlange sind sie zuversichtlich, dass sie mit zwei weißen Kartons aus dem Markt gehen werden. „Ich spiele seit dem Nintendo 64 und habe einen Gamecube zu Hause“ erzählt Miriam Bober, „ Hoffentlich haben die Spiele etwas bessere Grafik als auf dem Cube. Außerdem interessiert mich die neue Steuerung.“ Bente Gestwa dagegen will ein Gerät für ihren Freund ergattern. „Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch darauf spiele“, fügt sie hinzu und lacht.

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Patrick Alpen (zweiter von rechts) stand um 23 Uhr als erster vor der Tür. Im Laufe der Nacht leisteten ihm immer mehr Wii-Begeisterte Gesellschaft.

Ich marschiere weiter in Richtung Eingang, um ein paar Fotos von der Menschenmenge zu schießen. Direkt vor der Tür treffe ich Patrick Alpen, den „Ersten“ in der Warteschlange. „Ich stehe seit 23 Uhr hier“ sagt er und blinzelt erschöpft, aber glücklich in die Kamera. Frieren musste er dank der lauen Nacht nicht. „Aber ich wäre auch bei 20 Grad Minus, Hagel oder Sturm so früh hier her gekommen“, erzählt Patrick, der sich selbst als „Hardcore-Nintendo-Fan“ beschreibt. „Ich bin gespannt auf das Feeling mit dem neuen Controller. Im Laden ausprobiert habe ich den Wii noch nicht. Aber wenn ich zu Hause bin, zocke ich erstmal ausgiebig Zelda und Red Steel.“ Hinter ihm hat sich ein kleines Grüppchen von Leuten gebildet, die zwischen 3 und 6 Uhr dazu gestoßen sind und wahrscheinlich mittlerweile die Lebensgeschichte ihrer neu gewonnenen Freunde rückwärts im Schlaf erzählen können. „Man hat sich im Laufe der Zeit kennen gelernt“, sagt Wajdi Sliti, „nicht nur die WM bringt gute Stimmung, auch der Wii!“

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Die Ruhe vor dem Sturm: Zwei Saturn-Mitarbeiter erklären den Wartenden den Ablauf des Verkaufs.

Kurz vor 9.30 Uhr macht sich eine unruhige Stimmung breit. Ich höre, wie die Wartenden Strategien ausarbeiten, um im Chaos der Öffnung nicht ihren guten Platz zu verlieren. Ein Verkäufer kommt aus der Tür, stellt sich vor die nervöse Menge und erklärt den Ablauf: „Einer nach dem anderen wird zum Verkaufstresen hinter die Absperrung gelassen und bekommt eine Konsole.“ Und tatsächlich – zügig aber gesittet strömen die Kunden in den Markt, von wo aus einzelne Kunden zum Tresen gewunken werden und ihren Wii in Empfang nehmen. „Die Schlange ist diesmal deutlich länger als beim Xbox 360-Launch“, berichtet Benjamin Lange, „Probleme habe es aber bisher nicht gegeben, die Leute verhalten sich diszipliniert.“ Bereits 35 Minuten nach Ladenöffnung geht der letzte Wii über den Ladentisch und beendet den Trubel.

Im Karstadt Sport auf der anderen Straßenseite ist die Nintendo-Konsole mindestens genauso knapp wie im Saturn. Im Geschäft herrscht zwar noch gähnende Leere, doch die Ruhe täuscht. Im Minutentakt erklärt Verkäufer Oliver Hoppach den vereinzelt in das Geschäft kommenden Personen, dass er heute nur reservierte Wiis heraus gibt. Und selbst für diese sei die gelieferte Stückzahl zu knapp. „Es ist eine Katastrophe!“, ärgert sich Hoppach, „von den bestellten 200 Geräten sind nur knapp 80 angekommen. Jetzt werden wir wohl sogar ein paar Vorbesteller auf die nächste Lieferung vertrösten müssen. Und das, obwohl wir schon deutlich weniger Reservierungen angenommen haben, als Konsolen versprochen wurden.“

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Bekam kaum Konsolen: „2nd Reality“-Inhaber Frank Schleede kann bis zur nächsten Lieferung nur noch Spiele und Zubehör verkaufen.

Im kleinen Fachhandel herrscht noch größerer Konsolen-Notstand. Als ich um 11 Uhr im Videospielgeschäft „Fairplay“ an der Wandsbeker Marktstraße eintreffe, sind bereits alle Geräte verkauft. „Leider haben wir nur einen Teil der bestellten Stückzahl erhalten“, berichtet Christophe Devos. Ich fahre weiter zum Fachgeschäft „Second Reality“ an der Dithmarscher Straße. Inhaber Frank Schleede berichtet, er habe sogar nur drei der 30 bestellten Geräte geliefert bekommen. Seine Kunden warteten jetzt sehnsüchtig auf die erste Nachlieferung am kommenden Dienstag. Ebenfalls rar sind Komponenten- und RGB-Kabel, die ich in keinem der besuchten Läden entdecken konnte. Auch Nunchuk-Controller waren meist schnell vergriffen. In größeren Mengen vorrätig sind diverse Spiele. Die meisten Wii-Käufer nahmen sich “The Legend of Zelda – Twilight Princess“ mit nach Hause. Beliebt sind außerdem “Red Steel“, “Rayman Raving Rabbids“ und “Super Monkey Ball – Banana Blitz“. Auch ich werde mich jetzt mit den genannten Titeln auseinander setzen. Ob und warum sie Spaß machen, erfahrt Ihr dann in unseren Tests.

Hier gibt es noch ein paar Bilder vom Tag zu sehen.

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Jan Wöbbeking

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