BioShock

Rapture - Der Wahnsinn hat einen Namen

Es gibt diese einzigartigen Momente im Leben eines Videospielers, die man nie wieder vergisst. Sie sind spannend, überraschend, aufregend und manchmal auch traurig. Sie frieren die Zeit ein, lassen Münder offen stehen und bannen den Blick auf den Bildschirm. Ganz wenigen Spielen gelingt es, diesen Zeitpunkt auszudehnen und weiter zu tragen. Minuten, Stunden oder vielleicht Tage? Man wünscht sich, die Zeit anzuhalten und den Augenblick fest zu halten. Doch das Ende kommt manchmal schneller als man denkt. Bei BioShock wurde ich nach genau drei Stunden Ekstase unfreiwillig heraus gerissen. Die zwei Level der Vorschau-Version waren durchgespielt und ich musste wieder in die Realität zurück.

Aber zurück zum Anfang: Publisher Take 2 hatte eingeladen, das kommende Action-Spektakel BioShock anzutesten. Der Quasi-Nachfolger des genialen Rollenspiel-Shooter-Mixes System Shock 2 wird vom gleichen Team entwickelt und verspricht schon in den Trailern Großes. Diesmal gibt es allerdings kein Video und keine Mini-Demo, sondern echtes spielbares Material.

Erstmals wurde die PC-Fassung gezeigt und ich durfte an einem gigantischen 24-Zoll Display Platz nehmen, wo ein Monster von einem Rechner das Spiel in einer Auflösung von 1600 x 1050 laufen ließ. Das Interface war noch nicht komplett angepasst, doch die Maussteuerung funktioniert schon tadellos. Einfach nur Kopfhörer aufsetzen und eintauchen.

Der Absturz

Das Spiel startet mit einem großen Knall. Gerade noch gemütlich in einem Flugzeug unterwegs, ruckt plötzlich ein heftiger Schlag durch den Metallleib und die Maschine stürzt in Richtung Meer. Nach einem kurzen Blackout wacht mein Charakter unter Wasser auf. Über ihm tobt die Flammenhölle des auslaufenden Kerosins. Mit hastigen Bewegung geht es in Richtung Oberfläche. Ein Meter, zwei Meter, es gibt wieder Luft. Atemlos betrachte ich das realistisch wirkende Feuer und bestaune das detaillierte Wasser.

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Rapture: Wunderschön und doch tief verdorben.

Wie mir später der Entwickler mitteilt, wurde die Unreal Engine 3 nicht einfach blind von Epic übernommen. Irrational hat viel Zeit investiert, um dem Grafik-Wunder „die realistischste Flüssigkeits-Simulation der Spielgeschichte“ beizubringen.

Momentan habe ich jedoch noch ganz andere Sorgen: Erst einmal muss sich der Held aus seiner misslichen Lage befreien. Überall toben die Flammen – auf dem Wasser, den herum schwimmenden Trümmerteilen und man selbst steckt mittendrin. Hinter dem Inferno ragt ein gewaltiger Leuchtturm aus der See. Mit ein paar kräftigen Zügen weicht mein Charakter den Flammen aus und sieht noch, wie das Heck des Flugzeugs langsam in der Fluten versinkt. Ein wirklich bombastischer Anblick. Noch ein paar kräftige Züge, das Land und der Leuchtturm rücken in greifbare Nähe. Endlich fester Boden unter den Füßen.

Im Bauwerk selbst herrscht diffuses Licht. Gegenüber vom Eingang hängt ein gewaltiges Banner mit den Worten: „No Gods or King. Only Man.“. Architektur und Schrift kommen bekannt vor. Die Entwickler haben sich kräftig beim Art Deco bedient, um ihre Vision umzusetzen. Die Stilrichtung wurde in den zwanziger Jahren ins Leben gerufen und zeichnet sich durch elegante Formen, kostbare Materialien, kräftige Farben und sinnliche Thematik aus. Im zweiten Weltkrieg verlor sie zwar stark an Bedeutung, in den USA konnte sie sich aber noch bis in die Fünfziger Jahre halten.

Rapture

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Wasser und Blut findet man überall.

Als der Charakter in den Aufzug steigt, der sich im unteren Stockwerk des Leuchtturms befindet, wird man von einer Transportkapsel in die Tiefe getragen – zu einer gewaltigen Stadt auf dem Meeresgrund. Erleuchtet von bunter Neon-Reklame ragen riesige Bauwerke in das trübe Nass, Wale und Delphine schwimmen an der Druckkammer vorbei. Mit einem starkem Ruck kommt die Kabine zum Stehen und die Lichter gehen aus. Eine krächzende Stimme ertönt und ein Schatten bewegt sich auf die Transportkapsel zu. Ein zweiter Schatten kommt hinzu und eine der ominösen Gestalten wird vor meinen Augen getötet. Flüche und Stöhnen werden laut, dann rammt das Wesen mit seinen Klauen die Tür. Das Metall ächzt, doch die Schleuse hält. Fluchend zieht sich das Ding zurück, wobei mich das Gefühl nicht verlässt, dass ich es nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Unerwartet erwacht das Funkgerät in der Transportkapsel zum Leben und ein Mann namens Atlas meldet sich. Er will helfen und bittet gleichzeitig um Hilfe bei der Suche nach seiner Frau. Er öffnet die Tür, bittet ihn in einem anderen Teil des Komplexes zu treffen und der Charakter tritt in die Ankunftshalle ein. Durch das trübe Glas ist die faszinierende Unterwasserwelt zu sehen.

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