Blacklight: Tango Down • Seite 2

Legales Cheaten

Auch bei den Multiplayer-Spielmodi setzen die Amerikaner auf Standardware. Egal ob Deathmatch, Team Deathmatch, Domination, Detonate, Last Man Standing oder Retrieveal, alles schon einmal gespielt und in dutzendfacher Variation bei der Konkurrenz erlebt. Für einen Download-Titel, auch dank der zwölf Karten, trotzdem eine recht überzeugende Vorstellung. Leider kann das Leveldesign durch seine vielen Flaschenhälse und Camping-Positionen nicht immer überzeugen, doch über weite Strecken entbrennen adrenalingeladene Feuergefechte, die dank eines neuen Spielelements zumindest etwas Abwechslung bieten.

Die Rede ist vom Hyper Reality Visor, der euch praktisch legales Cheaten ermöglicht. Auf Knopfdruck könnt ihr damit Gegner, Munitions- und Lebensenergiespender durch Wände hindurch erspähen. Eine Funktion, die langsam Energie verbraucht und die euch während der Aktivierung hilflos zurücklässt. Auf diese Weise gewinnen die Gefechte an Dynamik und eine komplett neue taktische Komponente. Dauercamper haben so selten eine Chance. Und insbesondere wenn man mit dem Team zusammenarbeitet, kann man dank dieser Funktion blitzschnell eine gegnerische Stellung überrennen, ohne allzu viele Verluste hinzunehmen.

Damit euer Spawnpunkt nicht überrannt wird, sichern dicke Geschütze eure Basis. Durch das nicht immer gelungene Leveldesign kommt es so allerdings bei Team Deathmatch immer wieder zu nervigen Belagerungen. Ein Team steht vor der Basis und deckt mit einem halben Dutzend Waffen die Eingänge, kann aber nicht die Todeszone der Verteidigung betreten, während die Belagerten nach nur einem Schritt ins Freie in Stücke gerissen werden.

Die unterschiedlichen Granaten sollten hier eigentlich den Unterschied machen. Doch sowohl die Wurfmechanik, als auch ihre Wirkung fällt zu inkonsistent aus. Präzise Treffer über Deckung hinweg sind Glückssache, schaut euch mal das Team-Deathmatch-Video an. Obwohl ich in Shootern schon tausende Explosivstoffe durch die Gegend geworfen habe, landen die Eier immer wieder vor meinen eigenen Füßen. Auch der Ersatz für die nutzlosen Blend- und Rauchgranaten, Digi-Explosivkörper für Bildstörungen und EMP-Waffen, die für kurze Zeit den Visor ausschalten, reichen hier nicht aus, um die Patt-Situation im Team Deathmatch zu durchbrechen.

Ein weiterer Kritikpunkt bleibt das Matchmaking. Erstens dauert es schlicht zu lange, bis man ein Match gefunden hat, und zweitens gelingt der Host-Wechsel, wenn der Spielleiter ausfällt, praktisch nie. Ihr seid also unterm Strich viel zu lange mit Suchen, Wechseln und Restarts beschäftigt. Wenn es dann mal läuft, gibt es dafür relativ wenige Lags. Leider könnt ihr bei den öffentlichen Spielen nahezu keine Optionen einstellen. Zu wenig, um dem Anspruch AAA gerecht zu werden.

Für AAA hat es am Ende nicht gereicht. Blacklight: Tango Down sieht zwar für einen Download-Titel extrem gut aus und bietet auch überraschend viel Umfang, doch dem eigenen Anspruch wird es nicht ganz gerecht. Speziell der Singleplayer-Part ist ein Witz. Ohne auch nur die geringste Form von Geschichte verkommen die Koop-Missionen zu Multiplayer-Trainingseinheiten. Ohne Tutorial und eine vernünftige Ingame-Anleitung muss man zu viele Elemente durch nerviges Trial and Error herausfinden. Das ist angesichts des günstigen Preises und des umfangreichen Multiplayers zwar kein Beinbruch, aber meilenweit vom Selbstverständnis der Entwickler entfernt.

Und auch der Multiplayer ist nicht fehlerfrei. Ok, das Spiel sieht sehr gut aus, bietet jede Menge Karten und Spielmodi, doch gerade das Gunplay erreicht nicht die Qualität der Konkurrenz. Außerdem nerven das zickige Matchmaking, der ungenaue Granatenwurf und die etwas langweiligen Waffen. Immerhin funktionieren die Upgrades und der Visor sorgt für ein frisches Spielelement. Trotzdem nicht genug, um ganz oben mitzuspielen. Dazu ist der Rest einfach zu ausgelutscht. Deshalb gibt es von mir eine wohlverdiente 6. Wer unbedingt Shooter-Nachschub braucht, greift zu. Der Rest muss wohl oder übel warten, bis DICE endlich neue Karten liefert.

6 /10

Blacklight: Tango Down ist für Xbox 360, PS3 und PC erhältlich. Die Konsolenversionen werden für ca. 15 Euro über den jeweiligen Download-Dienst (Arcade/PSN) vertrieben, auf dem PC erscheint das Spiel über Steam.

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Kristian Metzger

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