Bladestorm: The Hundred Years' War

Im Angesicht der Schlacht

Japan ist ein Land, das Traditionen schätzt und das Althergebrachte ehrt. In dieser Philosophie steht wohl auch das dort ansässige Softwarehaus Koei, das seit einer gefühlten Ewigkeit die Dynasty Warriors – Serie brav jedes Jahr um eine Versionsnummer oder zumindest den Zusatz Empires erweitert.

Die Veränderung an dem Konzept finden seitdem im Detail statt, denn ob es bei den Massenschlachten im feudalen Asien mal diesen oder jenen etwas obskuren und stets mit übermenschlichen Fertigkeiten ausgestatten Feldherren zu übernehmen gilt, spielt eigentlich kaum eine Rolle. Stattdessen hieß es stets, den Angriffsbutton zu bearbeiten, bis das feindliche Heer im Staub lag.

Da inzwischen alle Reviews zu Warriors praktisch mit den Worten „Nichts neues aus dem Osten“ beginnen, wollte Koei nun aber doch endlich ein wenig Innovation wagen und verlegte seinen neuen Titel Bladestorm: The Hundred Years War zunächst einmal ganze 8000 Kilometer nach Westen - und zwar in das Herz Europas zur Zeit des Hundertjährigen Krieges.

Als Europäer verschafft uns das einen kleinen historischen Vorteil, denn ehrlich gesagt fiel es immer ein wenig schwer, die ganzen historischen Figuren aus den Warriors-Spielen in einen Kontext zu setzen, um dann Koei darauf hinzuweisen, dass ja alles so gar nicht stimmt. Bei Bladestorm ist dies wesentlich einfacher. Selbst wer nicht historisch versiert ist, erkennt, dass die Japaner es auch mit der Geschichte des Hundertjährigen Krieges nicht so genau nehmen. Detailverliebte werden anmerken, dass Edward the Black Prince in der Wirklichkeit nie direkt gegen die Jungfrau von Orleans gekämpft hat, schon allein deshalb, weil er seit über 50 Jahren tot war, als sie göttliche Zusprache erfuhr.

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The Green Fields Of France: Flankenangriff zur Mittagsstunde

Aber auch das Auftauchen von Ninjas, Barbaren und ähnlichen Gestalten im Frankreich des 14. Jahrhunderts deutet schon eine gewisse erzählerische Freiheit an. Zumindest der Ort des Geschehens wurde korrekt gewählt. Der von ca. 1350 bis 1450 dauernde Krieg ist in der Grundsache ein Krieg in Frankreich um Frankreich, welches England damals für sich beanspruchen wollte. Dieser Krieg wurde allerdings nicht nur von den regulären Armeen beider Seiten geführt, sondern häufig genug wurden teilweise riesige Söldnerheere verpflichtet. Hier kommt jetzt der Spieler in das Geschehen…

Ein Kritikpunkt der Warriors-Spiele lag immer darin, dass der Spieler gezwungen war, in die Rolle irgendeines ominösen Heerführers zu schlüpfen, von dessen Existenz er wenige Minuten zuvor nichts geahnt hatte. Einen persönlichen Bezug zu einem solchen Charakter aufzubauen fällt schwer und deshalb widersteht KOEI geschickt der Versuchung, den Spieler in die vorgefertigte Gestalt von Edward oder Johanna zu stecken. Hier übernimmt man einen selbst gestalteten Söldneranführer mit einigen Truppen und keiner Liierung zu einer der Kriegsparteien.

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'Bis hierher und nicht weiter! Diese Kirche werden wir halten!'

Statt einer Seite absolute Hörigkeit zu beweisen, ist es viel wichtiger, den Ruf der eigenen Truppe im ganzen Land bekannt zu machen und die Aufträge, von welcher Seite sie auch kommen, zu meistern. Ach ja, und auch der Preis muss stimmen, denn schließlich ist ein armer Söldner bald ein toter Söldner. Die Aufträge lassen sich standesgemäß in verrufenen Soldatenschänken erheischen und offenbaren schon einen wesentlich ausgeprägteren Hang zum RPG-Genre, als dies bisher bei Warriors der Fall war. Aber auch der eigene Eitel des RPG-Freundes wird endlich befriedigt werden, lässt die Erschaffung des optischen Erscheinungsbild des Charakter dem Spieler doch fast alle Freiheiten, einen europäisch anmutenden Helden oder Heldin zu kreieren.

Ist dann ein Auftrag an Land gezogen, geht es in die Schlacht und hier wird der wohl größte Unterschied zu den Koei-Spielen der letzten Dekade deutlich: Man muss nicht mehr die Schlagtaste wie ein Irrer bearbeiten, um mit dem Asia-Superkämpfer die Feinde zu Tausenden über den Jordan zu bugsieren. Unser Söldnerkommandant findet sich in einer etwas passiveren Rolle wieder und das Hauptaugenmerk liegt eher auf dem richtigen Einsatz der verschiedenen Einheiten.

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Über den Autor:

Martin Woger

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