Dass Warhammer an sich schon eher eine Sache für die Nerds unter uns ist, hat sich inzwischen herumgesprochen und wird von Leuten wie meinem Kollegen Metzger, selbst ein harter Warhammer-Fan, auch gern bestätigt. Insoweit ist eine Umsetzung des Spiels, das selbst diese Leute als Nerd-Kram bezeichnen, sicher ein gewisses Risiko. Deshalb bedanke ich mich jetzt als ein solcher „Über-Nerd“ schon mal bei Cyanide, die dieses Wagnis eingingen und Blood Bowl, den kleinen Freak unter den tausend Wahammer-Ablegern, umsetzten.

Wer nicht weiß, worum es hier geht, der liest diese Zeilen wahrscheinlich erst gar nicht und daher hält man sich am besten gar nicht zu lange damit auf, was Blood Bowl ist und wie es im letzten Detail funktioniert. Habt ihr gar keine Ahnung, dürfte euch fürs Erste damit geholfen sein zu wissen, dass das hier ganz grob mit American Football vergleichbar abläuft. Mit Fantasy-Teams. Und stumpfen Hiebwaffen. Und einem Zwerg auf einer mit Spike-Rädern bestücken Walze. Und bestechlichen Schiedsrichtern. Und natürlich der genialen Möglichkeit, einen Mitspieler zusammen mit dem Ball in die Endzone zu werfen. Trolle und Goblins geben mitunter eigenwillige Teams ab.

Zu viel von der Football-Terminologie lässt sich am Ende aber nicht übertragen. Ein Turnover heißt einfach, dass eure Runde vorbei ist, ein Touchdown zählt nur einen Punkt, es gibt keine Fieldgoals und auch keine Conversions im eigentlichen Sinne. Ihr müsst als Football-Kenner immer noch vieles umdenken. Manches ist einfacher, manches komplexer und hier wird euch nur wenig davon im Tutorial oder Handbuch ernsthaft erklärt. So perfekt es Cyanide verstand, das Ereignis Blood Bowl umzusetzen, so mittelmäßig gelang Blood Bowl – Das Computerspiel. Viele der Menüpunkte erschließen sich selbst Kennern erst nach intensiverem Trial & Error. Die langen Ladezeiten erstaunen angesichts der niedlichen, gut getroffenen, aber alles andere als bahnbrechenden Technik. Und gerade der Onlinebetrieb lässt deutlich und einiges an Lobby-Komfort missen.

Zu diesen Schwächen in der Design-Kür gesellt sich die Komplexität der Umsetzung aller Regeln und Möglichkeiten des Brettspiels auf den Computer. Selbst für ein einzelnes Match legt ihr einen weiten Weg durch zahlreiche Buttons, Schieberegler und Sub-Optionen zurück. Eine ganze Kampagne mit kompletter Spielerverwaltung und individueller „Blitz“-Konfiguration erfordert einiges an Geduld und Sorgfalt. Blood Bowl lebt in diesen kleinen Details und Optionen. Hier entscheiden sich teilweise Sieg und Niederlage und es ist wiederum schade, dass sich Cyanide nicht unnötig damit aufhält, euch viel davon näher zubringen.

Eure besten Chancen bestehen darin, einfach loszulegen, ein paar Runden zu versuchen und zu probieren, wie alles so läuft. Dafür wiederum eignet sich der Rundenmodus hervorragend, der euch, im Gegensatz zu seinem Echtzeitpendant, alle Zeit beim Ziehen der Figuren und Wählen der Aktionen lässt und scheinbar auch die KI ein wenig besser im Griff hat. Gezogen wird exakt nach den Regeln der fünften Edition, dem Ergebnis des Living Rulebooks, und alle Möglichkeiten fanden des Weg ins Spiel. Damit läuft es nach allen Maßgaben wie auf dem klassichen Spielbrett ab und eigentlich ist das doch der einzige Satz, den ihr Blood-Bowl-Fans hören wolltet. Und das heißt im Spielablauf: Nichts ist einfach und nicht gibt es geschenkt.

Selbst das Vorbeisprinten an einem Gegner kann zu einer selbstmörderischen Aktion werden, es wird viel und gern getackelt, wobei ihr immer ein Auge darauf haben solltet, wie viel Gold ihr vorher in den Schiri investiertet und wie angeschlagen beispielsweise der eigene Verteidiger ist. Das Spiel würfelt bei allen Aktionen und sogar die Würfel lassen sich dabei stets anzeigen, um zu belegen, dass euer Verteidiger seine letzten Trefferpunkte wirklich durch einen vergurkten Wurf verlor und nicht durch simple Ungerechtigkeit des Programms zugunsten der leider nicht immer ganz konsistenten CPU-Gegner.

Im Rundenmodus wird euch ein echte Challenge geboten. Taktisch klug und mit relativ geschickter Vorausplanung gelingt es der KI, euch immer wieder zu blocken, wichtige Spieler beschäftigt zu halten und den Ball abzuluchsen. Was schnell auffällt, ist jedoch die Ignoranz der CPU gegenüber den einzelnen taktischen Feinheiten der acht Rassen. Ob Menschen, Orks, Skaven, Goblins, Chaos oder– nur für Sissys - Wald-Elfen, das an sich sehr komplexe Taktikset der KI scheint einfach nichts von Spezialfertigkeiten wie dem Goblinwurf zu halten. Das wiederum eröffnet euch eine ganze Reihe an Möglichkeiten, trotz der gnadenlosen Wachsamkeit der Computergegner zu punkten. Die KI gehört damit zwar nicht zum Allerfeinsten auf dem Markt, aber im Rundenmodus lässt es sich gut mit ihr aushalten.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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