Lynx, Valheim und Rage-Quit - Das haben wir am Wochenende gespielt

Einer hat sogar nicht nur gezockt. Ob das erlaubt ist?

Das Wochenende ist eigentlich die Zeit, in der man von der Arbeit Abstand nimmt, aber was, wenn das Hobby der Beruf ist? Ist das, was wir am Wochenende spielen, nicht auch Arbeit? Egal, Spaß - oder auch nicht - haben wir trotzdem wie jeder andere, der am Wochenende PC oder Konsole für interaktive Pixel anmacht. Hier also ein paar Gedanken, zu dem, was wir so die letzten beiden Tage gespielt haben:

Martin: Über Bravely Default 2 kann ich noch nicht sprechen, das sagt zumindest das Embargo. Was also hatte ich noch an...? Richtig! Für zwei Stündchen warf ich das wunderbare kleine Evercade (siehe Evercade-Test hier) an und spielte die beiden Atari-Lynx-Module. Als jemand, der damals für relativ lange Zeit ein Lynx hatte, war es ein echter Flashback, einige dieser Spiele wiederzusehen und ein paar harte Wahrheiten erkennen zu müssen. Zum Beispiel, dass der After-Burner-Klon Blue Lightning vielleicht nicht das schönste Spiel überhaupt ist. Trotzdem beeindruckendes 3D für seine Zeit. Außerdem ist der Spruch "Ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht" scheinbar frei erfunden, denn in California Games habe ich definitiv das Fahrradfahren verlernt.

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Das Evercade, perfekt für die schnelle Runde Nostalgie am Wochenende!

Chip's Challenge ist immer noch ein richtig intelligenter Puzzler, egal, wo man ihn spielt. Wie ich damals allerdings Stunden mit Super Skweek verbringen konnte, einem eigenwilligen Action-Spielchen, bei dem man mit einem Furby Platten umfärbt, ist ein weit größeres Rätsel als alle in Chip's Challenge zusammen. Ishido, eine Art Shanghai rückwärts gespielt, dagegen bleibt sicher für immer ein gutes Spiel, aber jede andere Plattform außer dem Game Boy ist dafür sicher besser geeignet, wenn eure Augen euch was wert sind. Am Ende blieben nach zwei Dutzend alten Lynx-Games auf zwei Evercade-Modulen drei Erkenntnisse übrig:

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Ich weiß, dass ich damals Stunden mit Super-Skweek verbracht habe. Vielleicht hatten wir ja wirklich nichts und mussten das noch teilen...
  • 1. Das Lynx war technisch seiner Zeit weit voraus.
  • 2. Auch wenn es ein paar nette Games gab, es ist sowas von offensichtlich, warum der Game Boy sich so deutlich durchgesetzt hat. Grafik ist doch nicht alles.
  • 3. Das Evercade ist ein richtig cooles Spielzeug, um sich solider Gelegenheits-Nostalgie hinzugeben.

Alex: Wie offenbar der Rest der Welt auch in den letzten Tagen habe ich am Wochenende mit Valheim angefangen. Dazu werde ich euch dieser Tage noch ein wenig mehr erzählen, aber für den Anfang muss ich sagen: Mir gefällt, wie das Spiel direkt die Richtung vorgibt und zumindest so tut, als ginge es mehr als nur das übliche Survival-Einerlei. Ich bekam jedenfalls sofort Shadow-of-the-Colossus-Vibes, als mir gleich zu Beginn das Erlegen eines halben Dutzends Gottheiten aufgetragen wurde - und da hatte ich noch nicht einmal eine vernünftige Hose an.

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Klar, erstmal wird Holz gehackt und Beeren gesammelt, eine Werkbank errichtet, das erste Wildschwein geschlachtet, bevor an anständige Bewaffnung oder gar eine Rüstung zu denken ist, aber mit einem Ziel vor Augen überlebt es sich gleich viel motivierender. Ich muss sagen, die Screenshots auf Steam tun dem Spiel keinen Gefallen, denn wenn man es live laufen sieht, ist es optisch eigentlich ziemlich nett. Dass Quake-2-Pixelpolygone und moderne Beleuchtung gut miteinander harmonieren, weiß man spätestens seit der RTX-Demo von ids Shooter-Klassiker. Ich verstehe jedenfalls so langsam, warum das Spiel so erfolgreich ist und freue mich darauf, tiefer in dieses immergrüne Jenseits vorzustoßen.

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Ach, und dann war da noch Suikoden Tierkreis für den DS, das ich beim Trödler um die Ecke für sensationelle 15 Euro bekam und mich anschließend dreckig fühlte. Das Teil ist ein Vielfaches wert - und immer noch ein schöner Hosentaschenableger der in meinen Augen besten JRPG-Reihe der Welt. Im Kontext der Serie ist Tierkreis deutlich hinter Teil 2, 1 und 5 anzusiedeln (die in dieser Reihenfolge die Speerspitze bilden), aber dennoch ein solide Wahl, wenn man denn mal eins findet. Und es erinnerte mich daran, dass der spirituelle Suikoden-Nachfolger Eiyuden Chronicles - Hundred Heroes nicht früh genug kommen kann.

Melanie: Wie jedes Wochenende gab es bei mir die unvermeidbare League of Legends-Session mit den Freunden. Als Support-Main habe ich mir mit Nautilus und Lulu die Beine etwas in der Kluft der Beschwörer vertreten und habe die Gegner gut genervt. In meiner einzigen Runde als ADC habe ich ungefähr so sehr geglänzt wie ein Ziegelstein. Also gar nicht. Man muss eben auch zu seinen Schwächen stehen können. Das fällt vielen Spielern immer noch ziemlich schwer, denn die häufigsten Gründe für ein verlorenes Spiel sind immer noch: Der Midlane Yasuo mit zwei Kills und acht Toden beschwert sich der "Jungler hat mich nicht geganked", der Toplane Teemo wurde von Gnar in wenigen Minuten bis zum eigenen Inhibitor gepushed und behauptet, die "Bot Difference" sei das Problem und der beliebte Klassiker unter den Noob-Ausreden: „Riot, fix dein Spiel" wird auch nie alt.

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Lulu ist mit Abstand mein liebster Champion in LoL. Besonders in Low-Elo super, denn dort erwartet niemand den Schaden der kleinen Elfe.

Auch wenn das Spiel wirklich gut darin ist, das Schlechteste im Menschen zum Vorschein zu bringen (Team-Kameraden wüst beschimpfen oder lieber gleich komplett im Stich lassen), so zieht es meine Freunde und mich doch immer wieder in die dreispurige Kampfarena, um einen kleinen Bissen Nostalgie aus der Zeit zu kosten, in der wir uns dem täglichen Tryhard-Wahnsinn im Team-Ranked hingegeben haben. Ein Glück sind wir heute nur noch in der Kluft, um Spaß zu haben und nicht um die Mütter unserer Gegner zu beleidigen. Dafür ist unsere Zeit hier auf der Erde einfach zu schade. Und die Moral von der Geschicht: Flamen und Ragequitten tut man nicht!

Markus: Viel Zeit war dieses Wochenende nicht zum Zocken übrig, da ich mir neben den üblichen Hausarbeiten (die unter der Woche aufgeschoben werden) auch noch spontan eingebildet habe, Vanillekrapfen zu backen ("Berliner mit Vanillecreme" für alle jenseits des Weißwurstäquators) (Anmerkung Alex: verklicker' das mal den Hauptstädtern!). Da der Teig immer wieder durchgeknetet werden muss und anschließend Zeit zum Ruhen braucht, fallen längere Zockersessions aus dem Raster... ich hasse es, wenn ich der "Sry Leute, muss weg"-Typ mitten im Spiel bin. Für solche Fälle ist mein üblicher Lückenfüller Might & Magic Heroes 7. Ich bin schon seit dem dritten Teil Fan der Reihe und auch wenn MOMM schon wieder sechs Jahre auf dem Buckel hat (für Nachfolger stehen die Sterne schlecht), ist es doch ganz gut gealtert und macht auch heute noch Spaß. Wer das rundenbasierte Strategiespiel kennt, der weiß, dass eine große Map gerne mal ein paar Tage in Anspruch nehmen kann, doch dafür geht die Welt nicht automatisch unter, wenn man mal eine halbe Stunde von der Daddelkiste weg ist. Und wenn man fertig ist oder keine Lust mehr hat, speichert man die Map einfach ab und macht weiter, wenn die nächste Backsession ansteht.

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Benjamin: Sich im Freundeskreis von Angesicht zu Angesicht zu treffen, ist schon seit einer Weile nicht die beste Idee. Zum Glück gibt es das Internet und Video-Calls. Da natürlich nicht allein den ganzen Abend über Neuigkeiten und andere interessante Themen geredet wird, braucht es ein wenig Entertainment. Und da sind wir an diesem Wochenende bei einem kleinen, simplen und zugleich sehr unterhaltsamen Spiel gelandet.

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skribbl heißt es, ist im Browser kostenlos spielbar und im Grunde eine Online-Version der Montagsmaler. Wer es nicht kennt: reihum malt einer - ihr wählt zwischen drei Begriffen oder lasst den Zufall entscheiden - und die anderen müssen raten, was das jeweilige "Kunstwerk" darstellen soll. Meine Versuche, einen Tank, eine Rolltreppe oder einen Esel zu zeichnen, kann ich euch an dieser Stelle zum Glück ersparen, da ich nicht dran gedacht habe, Bilder davon zu machen. Sagen wir es einfach so: das Zeichnen wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Auf jeden Fall waren es zwei äußerst unterhaltsame Stunden und mit bis zu zwölf Spielern gibt's ausreichend Spielraum für größere Gruppen, um hier ein wenig Spaß zu haben. Deutsche Begriffe sind dabei ebenso wählbar und wer möchte, trägt eigene Wörter in die Liste ein oder spielt exklusiv mit eigenen Wörtern.

Judith: Mein Programm vom Wochenende ist ein leicht peinliches Guilty-Pleasure Geständnis à la Assi-TV, denn es war ja Valentinstag und wie könnte man da die Einsamkeit besser zelebrieren als mit einem Datingsimulator live im Stream, genauer gesagt dem schönen Spiel Dream Daddy: A Dad Dating Simulator - Natürlich rein ironisch!11! Darin erlebt man einen Vater mit Teenie-Tochter, der in eine neue Siedlung zieht und sich dort als Single auf die Suche nach dem perfekten Traum-Daddy als Partner begibt. Klingt schräg und kitschig - ist es auch! Die Zeichnungen und die Dialogtexte waren dann allerdings hochwertiger gemacht, als ich erwartet hatte.

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Live auf Sendung war die Suche nach einem neuen Mann für meinen bauchigen Paps jedenfalls überraschend unterhaltsam. Mit vier Kumpels zu diskutieren, welcher der Daddys jetzt der vielversprechendste sei, ob die Hauptfigur noch mehr Bauchhaare brauche, weil Papas so aussehen oder ob ein Unterhemd eine angemessene Oberbekleidung ist, war Trash vom Feinsten - allerdings wohl eher dank der guten Gesellschaft. Dass man so ein Spiel nämlich komplett ernsthaft ohne Ironie anwirft, kann ich mir gerade noch nicht ganz vorstellen - no offense gegen alle Fans des virtuellen Datings. Zumindest nimmt sich der Dream Daddy Simulator nicht ganz ernst - zum Glück, denn sonst hätte das Ganze wirklich gewaltig an die Wand fahren können. Zweites peinliches Geständnis: Ich glaube, ich spiele das tatsächlich weiter... Jetzt will ich irgendwie doch wissen, wie es für meinen bauchigen Single-Papa ausgeht und als Trash ist es allemal lustig.

Ana: Valentinstagswochenende! Während der oder die eine oder andere mürrisch diesen Tag mit allen Kräften ignoriert, fand ich schon immer Gefallen an diesem kitschigen Fest, das zugegebenermaßen recht fragwürdig “Liebe” als Anlass auserwählt hat. Während es bei Teenie-Ana als Aufarbeitung dafür galt, dass ich sonst jegliche Romanze in Filmen und Serien verpönte, ist es mittlerweile mein Beziehungsjahrestag. Worauf ich eigentlich hinaus will: Super Mario 3D World erschien mit der Bowser's Fury Erweiterung und Stardew Valley hat ebenfalls rechtzeitig sein 1.5 Update mit lokalem Koop spendiert bekommen. Dementsprechend war das ein sehr gemeinschaftliches Wochenende!

Die Switch lief durchgängig und hätten wir nicht ein Star-Wars-Lego-Bauset zum Ablenken, hätten wir das Wochenende wahrscheinlich nur vor dem Bildschirm verbracht. Erstens, sind wir mit Super Mario 3D World nicht ganz durchgekommen und da sind wir uns auch noch nicht einig: Mein Freund findet es toll - der kennt aber auch wirklich jeden Mario Teil in und auswendig - ich fand, dass manchmal die Plastikfiguren durchscheinen, einige Schattierungen nicht gut getroffen waren und generell optisch Kleinigkeiten negativ ins Auge stechen. Trotzdem ist es ein ganz ordentlicher Plattformer und gerade weil die nicht meine Stärken sind, kam es oft zu liebevollen Kabbeleien, wenn ich zum dritten Mal von der Stage geworfen wurde und auf dem Punkte-Treppchen relativ weit unten landete.

1_Mario
It's us: Mario! Nur dass keiner von uns Mario genommen hat: Fühlte sich etwas leer an.

Stardew Valley war dagegen eine pure Freude: Managen, kleine Quests machen, sein eigenes Umfeld aus- und Beziehungen zu den Bewohnern aufbauen und das alles im schönen Pixel-Look und parallel im Splitscreen? Richtig schön! Mir kam es vor, wie ein Kommunikationsspiel, bei dem man sich gut absprechen musste, um an einem Tag besonders effektiv zu sein, das meiste zu verkaufen, anzubauen und so weiter. Stardew Valley hat uns so sehr gefangen, dass meine Augen heute noch weh tun. Das mag aber auch an dem Kontrast der Switch liegen, oder am Splitscreen. Zudem gibt es nur einen Punkt, der mich sehr stört: Das Fischen. Warum ist es nicht so einfach wie bei Animal Crossing? Insgesamt war es aber einfach nur schön, ein Wochenende im lokalen Koop verbringen zu können.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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