Bungies Brian Jarrard

"Das Kapitel Halo ist für uns abgeschlossen."

Activision bekommt Action-Nachschub. Nachdem sich das Kernteam von Infinity Ward immer schneller auflöst und in Richtung Respawn davonmacht, haben die Halo-Entwickler einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben. Ihr nächstes Spiel, nein sogar ein ganzes Universum wird unter Activision veröffentlicht, ohne aber die eigene Freiheit aufzugeben. Bungie bleibt eigenständig und behält alle Rechte an der eigenen IP. Ein Infinity-Ward-artiger Super-GAU scheint damit schon im ersten Schritt abgewendet. Doch was hatte Activision Bungie noch zu bieten außer unserem Lieblings-CEO Bobby Kotick?

Zum Auftakt der Zusammenarbeit hatten wir die Möglichkeit, ausführlich mit Community-Manager Brian Jarrard zu sprechen. Die Themen: Wieso Activision? Was passiert mit dem Halo-Franchise? Was versteckt sich hinter dem neuen Universum? Und für welche Plattform wird ihr nächstes Meisterwerk erscheinen? Fragen, die nicht immer einfach zu beantworten sind. Zum Einen geht das Gerücht um, dass der nächste Titel nicht für diese, sondern für die nächste Konsolengeneration entstehen soll. Der Release eines solchen Titels dürfte also jenseits 2012 liegen.

Zum anderen will sich Bungie natürlich nicht allzu sehr in die Karten schauen. Man muss schon zwischen den Zeilen lesen, um einen Eindruck von ihrem angeblich phänomenalen Masterplan zu bekommen. Ob am Ende, wie von GameSpot vermutet, wirklich ein Action-RPG dahintersteckt oder aber ein Shooter mit Rollenspiel-Elementen, wird sich zeigen. Fest steht nur, dass sich Activision einen dicken Fisch geangelt hat, der vielleicht sogar Infinity Ward ersetzen könnte. Und dass Bungie mit der eigenen Freiheit die Grundlage für eine reibungslose Zusammenarbeit geschaffen hat. Man darf und sollte gespannt sein.

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Eurogamer: Warum Activision? Es gibt da draußen eine ganze Menge Publisher, die nicht wie Activision momentan in puncto Entwicklerunterstützung so im Kreuzfeuer stehen.

Brian Jarrard: Die Verhandlungen mit Activision begannen schon vor der ganzen Infinity-Ward-Problematik. Wir haben uns einfach ihr aktuelles Portfolio angeschaut und intensive Gespräche geführt. Das Endergebnis war eine für beide Seiten interessante Kooperation, die uns die Freiheiten gibt, unsere neuen Ideen anzugehen und einen starken Partner an unserer Seite zu wissen. Man darf nicht vergessen, dass Activision trotz der aktuellen Probleme der erfolgreichste Publisher am Markt ist. Außerdem behalten wir alle Rechte an unseren Produkten und damit alle Freiheiten, die wir benötigen. Wir haben die Zusammenarbeit deshalb jetzt angekündigt, weil wir vor kurzem die Verträge unterschrieben haben. Da steckt kein Kalkül oder positive Presse drin.

Eurogamer: Was wird sich denn nun für euch ändern?

Brian Jarrard: Die größte Änderung für uns ist die Verwirklichung unseres großen Plans, an dem wir schon eine ganze Weile sitzen. Man darf nicht vergessen, wir machen seit zehn Jahren Halo. Da konnten wir keine anderen Ideen angehen oder uns an einem Plan für die Zukunft orientieren. Alles begann mit Halo: Combat Evolved und die Serie entpuppte sich als extrem erfolgreich. Daraufhin sollten wir Halo 2 machen und dann noch Halo 3 und so weiter. Wir konnten unsere Erfahrungen niemals an etwas anderem ausprobieren. Trotzdem hatten wir die Zeit, solch ein großes Universum zu erschaffen und so viele Geschichten darin zu erzählen.

Nun haben wir aber vor, diese Erfahrungen in unserem Plan Wirklichkeit werden zu lassen und freuen uns, dass Activision uns darin unterstützt. Was aber für uns noch wichtiger ist: Wir besitzen diesmal als Studio die Marke unseres nächsten Projektes. Dadurch sind wir nicht nur ganz persönlich involviert, sondern haben erstmals die Möglichkeit, unser neues Universum voll zu kontrollieren, was bei Halo nicht ganz möglich war, da ja Microsoft die Rechte besitzt. Nun können wir selbst die Entscheidungen treffen und damit unsere Vision Realität werden lassen.

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Eurogamer: Was passiert denn in Zukunft mit dem Halo-Franchise? Werdet ihr euch nun voll auf eure eigenen Sachen konzentrieren oder könnt ihr euch vorstellen, irgendwann wieder etwas dafür zu machen?

Brian Jarrard: Wir haben die Halo-Reihe auch nach dem dritten Teil weiter unterstützt und werden dies auch nach dem Release von Halo: Reach zumindest für einen bestimmten Zeitraum fortführen. Wir wollen die Community weiter unterstützen und das Angebot für Halo: Reach ausbauen. Danach ist allein Microsoft für die Marke verantwortlich und muss dementsprechend eigene Titel entwickeln. Für diesen Zweck haben sie nun eigenes Team, das sich um ein mögliches Halo 4 und weitere Titel kümmern wird. Wir als Studio planen momentan nicht, zu Halo zurückzukehren. Für uns ist Halo: Reach der letzte Halo-Titel, an dem wir arbeiten. Wir versuchen alles, um ihn zum besten Halo-Teil von allen zu machen. Sobald aber Halo: Reach in die Produktion geht, wird ein Großteil des Teams zu unserem neuen Projekt wechseln. Das Kapitel Halo ist damit für uns abgeschlossen.

Eurogamer: Wie sieht es mit eurem neuen Projekt aus? Bleibt ihr dem Shooter-Genre treu oder könnt ihr euch auch vorstellen, ein RPG oder ein MMO zu machen?

Brian Jarrard: Das ist eine schwierige Frage, denn wir wollen noch nicht zu viel über unsere Pläne verraten. Was ich aber verraten kann, ist, das wir auf Bungies Tradition, großartige Actionspiele zu produzieren, aufbauen werden. Außerdem werden wir auch diesmal ein ganzes Universum erschaffen. Seit über 19 Jahren ist das unsere Spezialität. Etwas zu erschaffen, das Bestand hat. Eine Welt, in der wir packende Geschichten erzählen können.

Bei Halo ist uns genau das geglückt. Aufbauend auf dem ersten Teil ist es uns zehn Jahre lang gelungen, einmalige Abenteuer zu erschaffen. Genau das planen wir auch in Zukunft. Außerdem kann ich verraten, dass wir natürlich auch diesmal umfangreiche Online-Funktionalitäten einbauen werden. Insbesondere wenn es um Community und soziale Komponenten geht, haben wir so viel Erfahrung, dass wir dies auch in Zukunft ausbauen werden. Am spannendsten ist aber für uns, dieses Universum endlich für mehrere Plattformen entwickeln zu können.

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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