Burnout Paradise: The Ultimate Box

Eine Klasse für sich

Autounfälle sind eigentlich keine schöne Sache, zumindest im echten Leben. In Burnout Paradise verhält sich das anders. Wenn ein Kontrahent nach einem kleinen Schubser frontal die nächste Mauer knutscht, zu mehreren Überschlägen abhebt oder seinen Wagen in diverse Einzelteile zerlegt, zaubert es mir ein kleines und schadenfrohes Lächeln aufs Gesicht. Exakt diese Momente sind es, die vor rund einem Jahr schon auf den Konsolen (siehe Test zu Burnout Paradise) zu den Highlights des Spiels zählten. Auf dem PC hat sich das nicht geändert. Ich lächle noch immer und bestaune gleichzeitig eines der besten Rennspiele der letzten Zeit.

Criterion mag sich für die Umsetzung des Titels viel Zeit gelassen haben, doch das lohnt sich in diesem Fall auch richtig. Mit der Ultimate Box stellt Electronic Arts nicht nur das eigentliche Hauptprogramm in die Läden, sondern auch sämtliche bisher veröffentlichten Updates und Download-Inhalte – quasi die volle Ladung für PC-Spieler inklusive sinnvoller Neuerungen, nötiger Verbesserungen und zusätzlicher Beschäftigung.

Speziell die Optimierungen, die man erst am 5. Februar via Patch für Konsolen veröffentlicht, sorgen für deutlich mehr Einsteigerfreundlichkeit. Leichter beherrschbare Fahrzeuge zu Beginn des Spiels, langsamer ablaufender Timer für Stunt-Challenges. Herzstück dieses Updates ist allerdings die seit langer Zeit herbeigesehnte Funktion, mit der man ein Event während des Rennens oder anschließend via Easydrive-Menü erneut startet, ohne dafür erst wieder zu dessen Startpunkt rasen zu müssen. Das spart unnötige Wege und sorgt zugleich für mehr Komfort.

Abseits davon sucht man eine Schnellreisefunktion zu den einzelnen Austragungsorten aber nach wie vor vergeblich. Weiterhin fährt man kreuz und quer durch Paradise City und stößt auf seinem Weg quasi an jeder Ecke auf eine Herausforderung.

Will man jedoch ein bestimmtes Event auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt absolvieren, muss der Wagen wie gewohnt manuell dort hinkutschiert werden. In diesem Punkt und im normalen Spielablauf bleibt also alles mehr oder weniger beim Alten. Ziel des Spiels ist es, der beste Fahrer der Stadt zu werden, sich die bestmögliche Lizenz zu verdienen und alle Fahrzeuge freizuschalten. Und das geschieht eben über diverse Rennen.

Zu den bereits bekannten Neuerungen von den Konsolen zählen unterdessen beispielsweise die Motorräder, mit denen man auf zwei Rädern durch die Metropole heizt. Die Vehikel liegen gut auf der Straße, sind leicht, aber natürlich doch anders zu steuern – hauptsächlich in den Kurven. Eine willkommene Abwechslung im Auto-Alltag ist es allemal. Die Wetterumschwünge sowie der dynamische Tag-Nacht-Wechsel dienen hingegen mehr als optisches Gimmick. Letzteren darf man sogar individuell einstellen. Dadurch lässt man einen virtuellen Tag entweder nach 24 Minuten verstreichen oder aktiviert eine festgelegte Tageszeit, etwa den Sonnenuntergang. Es liegt ganz in der Hand des Spielers. Wenn man Nachts bei Scheinwerferlicht durch die Gassen heizen will, ist das natürlich ebenso möglich wie Rennen in den frühen Morgenstunden.

Brandneu ist der Party-Modus (erst ab 5. Februar auch für Konsolen), der dem Spiel einen Offline-Multiplayer-Part für mindestens zwei und bis zu acht Teilnehmer beschert. In dieser Variante – man entscheidet sich vor Spielbeginn für das normale Paradise City oder die Party – absolvieren alle Teilnehmer nach und nach kleinere Herausforderungen und verdienen sich Punkte, die letztendlich zusammengerechnet werden und so den Sieger ermitteln.

Unter den Aufgaben befindet sich zum Beispiel das Fähigkeiten-Spiel, in dem man innerhalb eines Zeitlimits so lange und so weit wie möglich durch den Gegenverkehr rasen muss. Auf Geschwindigkeit kommt es auch an, wenn man durch drei Werbetafeln springen und zurück zum Startpunkt fahren soll.

Hier entscheiden meist Beschleunigung und Bremstechnik darüber, wer schließlich die nötigen Sekunden schneller war. Der Party-Modus ist insgesamt zwar eine nette Neuerung, bietet aber keine wirklich außergewöhnlichen Spielmodi an und hält sich an vertraute Gameplay-Elemente. Genügend Beispiele dafür, wie man es auch ein wenig verrückter anstellen könnte, liefert die Konkurrenz in Form eines FlatOut ja zu Genüge.

Technisch kann man Criterion für die Umsetzung nur loben. Burnout Paradise läuft selbst auf Mittelklasse-Rechnern butterweich und offeriert für stärkere PCs zusätzlich schärfere Texturen und den ein oder anderen schicken Effekt. In diesem Punkt zeigt sich das Spiel auch recht flexibel. Optionen wie Schatten, Texturen oder Anti-Aliasing sind in mehreren Stufen regulierbar. Eine wirkliche „Niedrig“-Einstellung ist neben „Standard“ nicht vorhanden, was also im Prinzip die schlechteste Stufe darstellt, Paradise City aber dennoch in schmuckem Glanz erstrahlen lässt.

Im Hinblick auf die Steuerung fühlt man sich in Burnout Paradise schon nach wenigen Sekunden heimisch. Wer einen Controller der Xbox 360 am PC stecken hat, kann diesen sofort einwandfrei verwenden. Und auch die Kontrolle per individuell anpassbarer Tastenbelegung funktioniert erstaunlich gut und ohne Probleme. So macht fahren Spaß.

Bravo, Criterion. Exakt so hat eine gelungene Umsetzung auszusehen. Und Burnout Paradise ist auch weiterhin das, was es schon Anfang des letzten Jahres war: Ein verdammt spaßiges, technisch einwandfreies und unkompliziertes Rennvergnügen. Also quasi all das, was beim letzten Need for Speed nicht so richtig auszumachen war. Wer selbigem enttäuscht den Rücken zugekehrt hat und auf der verzweifelten Suche nach einem neuen, sehr guten Rennspiel ist, sollte sich Burnout Paradise auf alle Fälle anschauen, zumal die Ultimate Box nochmals viele zusätzliche Inhalte bietet. Die einzige Frage, die Ihr Euch stellen solltet: Seid Ihr bereit, auf dem PC den Vollpreis zu zahlen, wenn man Burnout Paradise auf den Konsolen mittlerweile für die Hälfte dieses Preises bekommt? Und für die Konsolen wird die Ultimate Box interessanterweise auch ein wenig günstiger angeboten.

9 /10

Burnout Paradise: The Ultimate Box steht ab dem 5. Februar für den PC in den Läden. Eine 360- beziehungsweise PS3-Version dieser Box folgt am 19. Februar.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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