Call of Duty: Black Ops Cold War Test - Das Ende ist nah

Jetzt mit Multiplayer und Zombies.

Die Multiplayer-Seite von Cold War steht unterdessen vor gleich zwei Herausforderungen. Zum einen ist es in vielerlei Hinsicht ein Schritt zur Seite, hält man es neben Modern Warfare: Manche Modi (Gunfight) und Funktionen (Tactical Sprint) fehlen und dürften von dem einen oder anderen vermisst werden. Und zum anderen gibt es den wahnsinnig populären Warzone Modus, der ständig aktuell gehalten wird und ebenfalls insgesamt zeitgemäßer wirkt. Auch, weil er nichts kostet. Das erste Vollpreis-Call-of-Duty nach altem Muster musste nach Warzone einfach etwas befremdlich wirken.

Davon abgesehen, startet Cold Wars Mehrspieler aber gut und macht vor allem im Combined-Arms-Modus eine Menge Laune. Diese Gefechte um Haltepunkte unter Beteiligung von Fahrzeugen wirken konzentrierter als Ground War in Modern Warfare und die Maps, auf denen er stattfindet - vor allem Armada - gefallen thematisch ebenso wie in Sachen Layout. Das alte Problem von Call of Duty, dass der von der Spielprogression bereitwillig befeuerte Level-Up-Wahn gutem Teamplay manches Mal aktiv entgegenwirkt, lässt sich auch in Cold Wars teambasierten Modi gut beobachten. Aber mir machten diese Gefechte, die einen guten Spagat zwischen übersichtlichen, aber dennoch groß wirkenden Schlachtfeldern schlagen, durchgehend viel Spaß.

Multiplayer: Chaos im Fireteam, Zombies mit Pulp

Weniger gut gefiel mir ein anderer neuer Modus: Fire Team: Dirty Bomb war mir einfach zu chaotisch, was sicher auch daran liegt, dass ich nie mit einem geschlossenen Team in die Partie ging und meine Mitspieler machten, was sie wollten. Aber ich denke, auch mit Freunden an seiner Seite geht auf den Maps, die an etwas kleinere Battle-Royale-Karten erinnern und in denen Teams nach einem Airdrop-Respawn von überall kommen können, zu schnell die Übersicht verloren. Das Sammeln von Uran, das Deponieren an regelmäßig stark exponierten Bomben, fünf konkurrierende Squads - ich weiß nicht, ob ich noch den Spaß hierin finde, der theoretisch eigentlich drinsteckt.

Die VIP-Eskorte habe ich hingegen als Abwechslung von Combined Arms sehr genossen: Ein Team muss einen nur leicht bewaffneten Spieler zur Extraktion bringen, den die Gegenseite ausschalten muss, bevor ihm das gelingt. Durch die asymmetrische Kräfteverteilung und nur ein Leben pro Runde riefen die Matches regelmäßig eine Spannung ab, wie man sie sonst aus Rainbow Six Siege kennt. Ich vermisse Gunfight zwar trotzdem, aber das hier ist schon schwer in Ordnung.

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Mit dem Kanonenboot auf Armada ein Massaker am Respawnpunkt zu veranstalten, ist immer noch deutlich zu einfach.

Ansonsten gibt es den Markenstandard, den man von Call of Duty kennt. Team Deathmatch ist mit diesem Gunplay immer spaßig, Kill Confirmed ein Dauerbrenner, der Rest ist gut bis sehr gut für zwischendurch - und wenn einem der Gedanke nach Koop steht, warten ja noch die Zombies, die jedes Mal aufs Neue spannender sind, als sie eigentlich sein sollten und von der Kulisse einer Spionage-Pulp-Geschichte bestens funktionieren. Aber ja: Ich frage mich wirklich, wann das Zucker-High der Unlocks, Level-ups und des Waffenteile-für-den-Gunsmith-freischaltens abflaut und es die Leute wieder Richtung Warzone zieht. Es ist fast schon symbolisch, dass ein Klick auf den Warzone-Button, der im Hauptmenü in der Mitte den prominentesten Platz besetzt, einen anderen Client startet - je nach Installation eben Warzone solo oder sogar Modern Warfare. Ihr wisst schon, das Spiel vom letzten Jahr.

Action und Ambition, Cold War will mehr als nur Ballern.

Na, das war mal klassisch: Nach etwa sechs wahnsinnig unterhaltsamen Stunden, vielleicht eine mehr, wenn man die beiden optionalen Nebenmissionen dazuzählt, laufen die Credits für die Kampagne von Call of Duty: Black Ops Cold War durch. Früher wäre das ein großer Aufreger gewesen - "Ah, so kurz! Viel zu teuer!" Und ja, für sechs bis sieben Stunden allein wäre der Vollpreis natürlich auch ein wenig hart. Aber es kommen ja noch die Zombies, der Multiplayer und die Beiträge, die Black Ops zu Warzone leisten wird und das ergibt dann also schon ein monströses Paket. Wie jedes Jahr. Alex wird euch Anfang der Woche über die weiteren Modi berichten, ich bin dieses Mal nur für die Kampagne zuständig, die bekanntlich dem letzten Black Ops verwehrt blieb.

Diese hier hat es in sich. Vor allem, weil ich ein Fan der Kalte-Krieg-Thematik bin und auch wenn längt nicht alles drin ist, was ich mir erhofft hatte, war das hier einer der besten Action-Thriller zu dem Thema. Atombomben, Doppelagenten, CIA, KGB, von Ost-Berlin bis Kuba hatten wir unseren Spaß. Jedes des knappen Duzend Gebiete mit ihren Einsätzen hat etwas zu bieten, was nur ihm gehört und das ist oft genug sogar ein klein wenig mehr als nur das übliche Ballern.

Dieses erfreut natürlich mit 60 Frames in 4K mit jeder Menge bunten Effekten. Sicher, am Ende erinnert es vom Technik-Aufwand mehr an Ghosts, ein anderes Call of Duty, das zwischen Generationen feststeckte, aber insgesamt ist Cold War ein schönes Spiel mit gelegentlichen Anflügen visueller Brillanz. Selten, aber es passiert. Ein Showcase für die neue Hardware ist es aber trotzdem nicht und ich bin mir sicher, dass da nächstes Jahr noch mal ein gutes Stück mehr passieren wird. Zumindest wird viel Abwechslung geboten, von Vietnam über eine der interessantesten Trainingsanlagen aller Zeiten bis hin zu den Schaltstellen der Macht kommt ihr gut rum und jeder Ort ist definitiv eine Reise wert.

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Hell, yeah!

Aber trotzdem, ihr habt das gute Call-of-Duty-Gunplay und mehr als genug Orte, um es für ein paar Minuten auszuleben. Die Gegner haben nicht großartig dazugelernt, die Mechanik ist oft genug immer noch, dass ihr einen bestimmten Punkt erreichen müsst, damit die Story weitergeht und nicht, dass ihr irgendwann alle Gegner erledigt habt. Das geht an diesen Punkten nicht, habt ihr sicher in dem einen Jahr ohne Kampagne nicht vergessen. Was den Schwierigkeitsgrad angeht, blieb alles beim Alten. Auf einfach gestellt, solltet ihr nur gelegentlich mal in Deckung gehen und nicht direkt auf einer Granate sitzen bleiben, ganz oben dagegen töten euch ein, zwei Treffer. Mittel fand ich angenehm fordernd, ohne zu oft neu starten zu müssen. Angesichts wie immer zahlreicher Rücksetzpunkte war auch das kein Problem.

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Yeah, das ist genauso abgefahren wie in Saigon, stärker als Saigon.

Cold War ist aber mehr als das. Fast jede Mission gibt euch ein wenig mehr zu tun, indem es zum Beispiel sein Stealth ein wenig ausbaut und euch nur damit bewaffnet in das Haus eines ostdeutschen Spions schickt, nachdem ihr euch zuvor mit Informanten in einer Eckkneipe an der Bernauer Straße getroffen habt. Es wird eine ganze Menge geredet, nicht nur da. Es gibt ein paar Momente, in denen ihr ein paar Sachen entscheiden dürft. Kleinigkeiten, aber immerhin. Zum Ende splittet sich das Ganze sogar ein klein wenig. Ihr habt einfach mehr das Gefühl, Kontrolle zu haben. Es ist immer noch der Schlauch, natürlich ist er das. Aber er hat sich so hübsch gemacht, dass ihr in einer Mission sogar eine Reihe von Wegen zum Ziel habt und bei keinem davon darf ein Schuss fallen. Immerhin wollt ihr in den Kreml einbrechen.

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Zurück nach Yamantau.

Das ist auch der Grund, warum ich "Action-Thriller" sagte. Mehr als zuvor versteht sich Call of Duty hier nicht als eine Schießbude mit ein wenig Story, sondern es hat einen validen Plot, der besser ist als das meiste, was James Bond sich zuletzt leistete. Diesen stellt es in den Vordergrund und überlegt, was an Gameplay in welchem Moment nötig ist, um diesen spannend zu erzählen und nicht, wie man auf Teufel komm' raus alles in einer Ballersequenz verpackt. Ich würde es fast als die beste Version des interaktiven Films sehen. Ein richtig guter Action-Film, der sich nur die Hälfte der Zeit am Fadenkreuz entlanghangelt.

Echte Rätsel? In Call of Duty? Das Ende ist nah...

Die größte Überraschung boten die beiden Nebenmissionen. Für sich genommen waren sie schwach, die eigentlichen Missionen waren ein kurze, belanglose Runde Ballern für zehn Minuten und nur bedingt in die Story eingebunden. Aber was erforderlich war, um sie freizuschalten, war sehr Old School. So sehr, dass ich an einem Punkt einen Notizblock und Stift zückte. Ihr sammelt in der Kampagne ein paar Beweise und wenn ihr alle zusammenhabt, wird nicht die Nebenmission gestartet. Nein, in einem Fall müsst ihr logisch ausknobeln, wer aus einem Pool von Leuten die Spione sind, und bei der anderen ein Passwort ausknobeln. Es sind nicht die komplexesten Rätsel, nach einer Viertelstunde sollte sie jeder gelöst haben, aber es waren ehrliche, legitime Denkaufgaben. Spiel ich immer noch Call of Duty hier? Fantastisch. Nächstes Mal mehr davon und dann bitte auch gute Missionen als Belohnung.

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Liebe zum Detail bei der Berliner U-Bahn. Die Szene dauert 30 Sekunden, aber ich kann bestätigen, dass in den 80ern die Züge innen genau so aussahen. Griffe, das Braun, die Heizungen unter den Sitzen. Ich bin schon ein bisschen beeindruckt.

Und keine Sorge, in der Kampagne müsst ihr nicht zu viel nachdenken, was das Gameplay angeht. Aber die Story und das Setting an sich verdienen sich ihr Plätzchen im großen Reigen der Call of Dutys. Ihr habt eine bunte Mischung aus neuen Figuren und alten Bekannten. Das wären natürlich die obligatorischen Mason und Woods, die ehrlich gesagt hier gerne etwas mehr Relevanz für den Plot als "keine" hätten haben können. Wichtiger ist der Neuzugang Adler, der ungefähr das ist, was man bekommt, wenn man Brad Pitt und Robert Redford aus Spy Game in einer Figur verbindet. Was wahnsinnig cool ist, er hat die besten Zeilen und bringt den Black-Ops-Vibe eines hartgekochten CIA-Psychopathen, der eigentlich nur die Welt retten möchte. Bevorzugt die Freie, manchmal auch den Rest gleich mit. Hauptsächlich spielt ihr jedoch ein blankes Blatt von einem Agenten, was auch so gewollt ist, wie der mittlerweile fest eingeplante und hier eher milde Mindfuck von einem Twist am Ende verrät. Rechnet nicht mit einer Wiederholung der Überraschungen, die der erste Teil hatte. Hier passiert nur, was passieren muss.

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Das seltsame an diesem Ort ist nicht, dass es in dieser Arcade keine SEGA-Automaten gibt. Das Seltsame ist, dass sie mitten in der Sowjetunion steht.

Aber da ihr immer wieder mal die Rollen wechselt und so auch mal zusammen mit einem noch recht jungen jüngeren Gorbatschow am Tisch sitzen dürft, kommt keine Langeweile auf. Auch findet sich genug Referenzen zu den Vorgängern, von Vietnam bis Yamantau ist einiges für den Kenner dabei. Es wirkt nie erzwungen und fügt sich gut in das Szenario ein. Was man sich hätte sparen können, sind die sehr optionalen Dialoge zwischen den Missionen. Ich habe erst im zweiten Durchgang gemerkt, dass es sie gibt und fühlte nicht, dass die Geschichte danach gewonnen hätte. Es ist am Ende immer noch eine Mischung aus James Bond und Mission Impossible. Zu viel Charakterentwicklung braucht da keiner. Zuletzt vielleicht noch ein paar Worte zu den frühen 80ern: Die sind gerade popkulturell schwer angesagt und ich hatte Sorge, dass das hier ein wenig zu sehr mit Kitsch gefeiert wird. Diese Sorge stellte sich als komplett unbegründet heraus. Cold War konzentriert sich wirklich auf diesen Kalten Krieg, die Ära, aber abgesehen von ein paar fragwürdigen Frisuren ist das alles hochseriös gehalten. Passt, wir haben genug Wave-Synth-Retro-Anleihen in anderen Spielen, da darf sich Call of Duty ruhig um den Dreck der Epoche kümmern.

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Aber Black Ops wird ja gern mal etwas seltsam, da ist Cold War keine Ausnahme.

Call of Duty: Black Ops Cold War Test (Kampagne) Fazit

Es ist natürlich wie immer die eine Frage: Wenn ich nur die Kampagne spielen will, lohnt sich das dann für mich? Angesichts Cold Wars Ambitionen, etwas mehr als nur Ballern zu bieten und dies auch in eine legitim spannende Geschichte mit viel historischen Appeal - und erstaunlich wenig 80er-Kitsach - einbindet, kann ich das für mich bejahen. Zwei Durchgänge sind hier auf jeden Fall drin, zumal euch dank der mysteriöseren Black-Ops-Anteile in der zweiten Runde ein paar Aha-Erlebnisse gegönnt werden. Ja, ich war für meinen Sonntag wahnsinnig gut unterhalten, wurde nicht mit unnötigen Füllmaterial genervt, durfte das bekannte Call-of-Duty-Ballerfeeling genießen und bekam sogar etwas mehr als das geboten. Ich hätte mich zumindest nicht über das Geld geärgert, auch wenn der Preis nur für die Kampagne gerecht hoch ist. Aber dann wiederum: Nach so viele Spiele zuletzt, die einen zig Stunden leveln und grinden lassen, fühlte es sich richtig gut an, ein Spiel nach ein paar Stunden mit einem guten Gefühl abhaken zu können. Außerdem: Grinden kann ich in Call of Duty: Black Ops Cold War auch, denn die Zombies sind immer ein Highlight und zu denen werde ich jetzt mal wechseln.

Was den Multiplayer angeht: Für den Moment macht mir Cold Wars Mehrspielerseite durchaus Spaß, auch genug, um zusammen mit der Kampagne den Kaufpreis zu rechtfertigen. Aber man hat das Gefühl, dieses Modell des Call-of-Duty-Vollpreis-Komplettpakets könnte bald zum Auslaufmodell werden.

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  • Entwickler / Publisher: Gefühlt 17 große Studios oder so, ausgehend von der Länge der Credits / Activision
  • Plattformen: PC, Xbox One, PS4, PS5 und Xbox Series X/S (getestet auf Xbox Series X)
  • Release-Datum: Erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ab ca. 60 Euro

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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