City Life, Bangai-O-Spirits • Seite 2

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Es ist immer so eine Sache mit Kultspielen. Ich bin mir absolut bewusst, dass Bangai-O ein absoluter Insider-Mega-Smasher auf der Dreamcast und – für ein paar glückliche Importeure – dem N64 war. Für mich aber nicht. Ist es kurios? Sicher. Gut spielbar? Auf jeden Fall. Spaßig? Klar. Ewige, seligkeitsinduzierende Erfüllung bringend? Nicht wirklich…

Und damit deckt sich der Klassiker zu hundert Prozent mit Bangai-O-Spirits für das DS. Das beginnt schon beim „Kurios“, denn mit einem linearen Shoot´em´Up gängiger Bauart hat das hier nur noch wenig zu tun. So wenig, dass Ihr Euch zunächst auf jeden Fall das immerhin 18 Kapitel umfassende Tutorial zu Gemüte führen solltet.

Das winzige Robotersprite Bangai-O kämpft in 160, von Sekunde 1 an frei anwählbaren Leveln gegen böse Roboter und Wachanlagen. Dutzende und mehr davon. Und zwar gegen alle gleichzeitig. Und sie halten alle auf Euch drauf. Ohne Rücksicht und Unterlass. Ihr habt Euch vielleicht auch gelegentlich bei den Shootern gefragt, warum das Alien-Empire immer nur eine handvoll Feinde auf Euch hetzte. Nun, dieses Empire hier hat gelernt und alles ballert häufig genug aus allen Richtungen gleichzeitig auf Euch.

Um sich dem erwehren zu können, habt Ihr im Tutorial besser gut aufgepasst und den Umgang mit dem umfangreichsten Arsenal eines 2D-Shooters überhaupt gut gelernt. Schüsse prallen von Wänden ab, suchen ihre Ziele, versprühen Napalm oder absorbieren einfach auf ihrem Weg feindliches Feuer. Für Nahkämpfe habt Ihr dann noch Schwert und Schild im Gepäck und EX-Angriffe für Massenvernichtungen in alle Richtungen. Ein komplett belegter DS und eine nicht ganz kurze Einarbeitungsphase in die Schule der Spriteoverkills.

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Game Over. Aber mit viel Obst. Obst ist wichtig. Im Tutorial lernt Ihr warum. Tutorials sind auch wichtig.

Und er ist es, der das Spiel zum Kult erhob und ihn jetzt dort hält. Nirgendwo sonst in der Galaxis werdet Ihr mehr Sprites auf einem DS-Screen sehen als hier. So viele, dass sie nicht alle draufpassen. So viele, dass Ihr häufig genug den Hintergrund vor lauter Schüssen nicht sehen werdet. Nie so viele, dass es ruckeln würde. Und an keiner Stelle Euch irgendwie das notwendige Maß an Übersicht raubt oder Euer Fortkommen behindert. Wenn Ihr im Feuerhagel untergeht, habt Ihr sowieso einen fundamentalen Fehler gemacht, den auch ein größerer Screen nicht hätte verhindern können.

Aller Wahrscheinlichkeit nach hattet Ihr einfach das falsche Arsenal mitgenommen. Reaktionen und Schnelligkeit sind sicher auch ein Faktor in Bangai-O, aber weit weniger als bei traditionellen Shoot´em´Ups. Jeder Level hat ein kleines Geheimnis. Und wenn Ihr es erkannt habt, wählt Ihr die richtige Waffe, wendet plötzlich den Instant-Death aus Tausend Lasermündungen ab und zerstört das markierte Ziel. Aber es kann schon ein wenig Zeit, Geschick und Hirnaktivität erfordern, bevor es soweit ist.

Richtig, endlich mal ein Shooter, der Eure grauen Zellen malträtiert und nicht nur den Feuerdaumen. Wildes, hektisches Rumrudern hilft hier gar nichts. Erst denken, dann bewaffnen, dann vernichten. Und das 160 Mal. Und dann noch häufiger, denn es gibt ja noch den Editor. Und diese neuen Ballerwiesen – oder die fix umgebauten alten, alles ist möglich – werden dann auf die wohl denkbar krudeste und coolste Art weitergereicht, die ich je sah.

Bangai-O verschlüsselt die Leveldaten zu einem Soundfile, das Ihr abspielen könnt. Die Geräusche nimmt ein anderes Bangai-O DS dann mittels Mikrofon auf und entschlüsselt den Level für Euch zum Spielen. Auf diese Weise könnt Ihr auch jede Menge Levels aus dem Internet laden, ohne irgendwelche Kabel zu verlegen. Das ist ungefähr so Retro wie das 2D-Ballern an sich, denn schließlich machten erste Akustikkoppler-Geräte auch nichts anderes. Way cool! Weniger cool ist es, dass jeder der bis zu vier Spieler im Multiplayer-Modus ein eigenes Modul kaufen muss. Aber man kann halt nie alles haben.

Für meine Bekehrung zum Bangai-O-Glauben hat es nicht ganz gereicht, aber ich bin ihm auf dem DS näher gekommen. Bangai-O-Spirits ist das etwas ganz, ganz andere Ballergame. So viel frische Ideen, die einem so vertraut vorkommen, im neuen Gewand mit altem Härtegrad. Ein Spiel, gefangen zwischen Gestern und Morgen - und deshalb absolut für das Heute geeignet. Aber nicht für die Masse. Zu schwierig, zu abgehoben, zu japanisch. Und gerade deshalb wird es sein Kultgefolge überzeugen können und hoffentlich jeden anderen von Euch, der auch gerne mehr Schüsse sieht, als der Screen Pixel hat.

8 /10

Bangai-O-Spirits ist ab sofort für den DS erhältlich.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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