Corsair HS75 XB Test - Das Gaming-Headset für die Xbox-Fans

Und (fast) niemand anderen.

Corsair hat passend zur neuen Xbox was für euch im Angebot: Ein schickes Headset! Das preislich näher an der Series S liegt, als es manchem gefallen dürfte, aber wenn man es schaffte, eine schicke Series X zu kaufen, dann kann man das doch mal mit weiteren 180 Euro feiern. Ist ja nicht so, dass es übertrieben viele Launch-Titel gäbe, die ihr haben müsst. Also gönnt euch das HS75 XB Wireless, ein Headset speziell für die Xbox - und irgendwie den PC, aber das ist ja praktisch das gleiche (ziehe Kopf ein, benutze Decke über Kopf, verstecke vor wütenden PC-Fans).

Corsair HS75 XB: Das Xbox-Headset

Das HS75 hat bei der Xbox einen sehr speziellen Vorteil: Es verbindet sich direkt wie ein Controller mit der Xbox. Der Power-Knopf am Headset schaltet dabei sogar die Xbox an, ganz wie es ein Controller tun würde. Es war auch nicht festzustellen, dass sich bei drei Controllern und einem Headset was in die Quere kommen würde, aber das war angesichts der Microsoft-Zertifizierung des HS75 für ihre Konsole auch nicht anders zu erwarten. Funktioniert tadellos, auch die Koppelung, läuft ohne Probleme an dem Gerät, für das das HS75 gemacht wurde.

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Die beiden lieben sich und diese Liebe wird nur ungern geteilt.

Am PC muss dann das Kabel herhalten, das in einem normalen USB-Stecker endet. Am Set selbst habt ihr einen USB-C-Eingang für das Aufladen und solche Verbindungen. Wiederum, am PC wurde das HS75 XB problemlos mit dem Kabel entdeckt und in Betrieb genommen. Es reduziert sich dabei auf seine Basis-Stereo-Funktionen, scheint kein Dolby Atmos zu unterstützen, aber tut sonst tadellos, was es soll. Wollt ihr das HS75 XB kabellos an einem PC betreiben, dann braucht es den Xbox Wireless Adapter, den ihr für knapp 25 Euro extra kaufen müsst. Das hat dann aber auch den Vorteil, dass ihr Controller darüber mit dem PC verbinden könnt. Ist ja auch was. Aber ja, in erster Linie ist das HS75 für den Zusatz XB gedacht, alles andere, was noch funktioniert, muss man hier als Bonus betrachten.

Komfortabel und hochwertig, aber wo ist die Klinke?

Kommen wir zur Verarbeitung und hier vereint Corsair recht gekonnt Solidität und geringes Gewicht, denn zum einen liegt es schön leicht auf dem Kopf, aber gleichzeitig weckt es einen robusten Eindruck. Da sich inzwischen auch schon drei billige Sets aus China hier versammelten, kann man gut vergleichen, dass diese zwar optisch nicht unähnlich sind, sich aber im Detail Welten bei der Verarbeitung auftun. Beim Corsair - ohne Frage aus dem gleichen Land stammend wie seine drei preislich niedrigeren Kollegen - quietscht und knarzt nichts. Der Bügel lässt sich schrittweise auf beiden Seiten klassisch millimeterweise verstellen und rastet sauber ein. Der Metallbügel gibt nur lockeren Druck auf den Kopf und stört auch nach Stunden nicht, wobei das leichte Gewicht und das haptisch angenehme und weich gepolsterte Kunstleder unter dem Bügel helfen. Ja, das ist ein sehr bequemes Headset.

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Aufgeräumt und deshalb ausgezeichnet 'blind' benutzbar.

Den USB-C-Anschluss habe ich bereits erwähnt, so wie auch den Power-Xbox-Connect-Knopf. Ihr habt ein schön klassisches Analog-Rädchen für die Laustärke, das nur weich einrastet. Warum es überhaupt einrastet, werde ich nie verstehen, aber gut. Besser so als digitale Tasten. Darunter liegt der Knopf zur Stummschaltung, den ich nicht mag. Es ist ein digitaler Knopf, ich bevorzuge hier eine haptisch klar mit den Fingern ertastbare Lösung, die ganz klar und unmissverständlich sagt, ob man mich hören kann oder nicht. Funktioniert tadellos, aber da gibt es bessere Methoden. Sehr schön ist dagegen der Regler, der die Balance zwischen Spielsound und Voice-Chat regelt. Der eliminiert effektiv das Problem, das leisere Mittspieler in Feuergefechten unverstanden bleiben oder dass ihr Schreihälse als zu klanglich dominant empfindet.

Die Akkuleistung wird mit 20 Stunden angegeben und liegt real mindestens auf diesem Niveau, wenn nicht sogar noch darüber, wenn ihr nicht dauernd Vollgas gebt. Dank USB-C nutzt es auch die gleiche Verbindung wie die aktuellen Xbox-Controller, das passt also auch gut zusammen. Was es nicht gibt, ist ein Klinkeneingang, das HS75 XB ist konsequent auf kabellosen Betrieb getrimmt, sieht man von der USB-Notlösung mal ab. Aber auch da ist es sehr eingeschränkt, denn nicht einmal Bluetooth wird unterstützt. Schade, denn so entsagt es der Rolle des Universalgeräts für alle Lebenslagen, denn an ein Handy geht es nicht mal per Kabel und auch andere Konsolen fallen damit zumindest kabellos weg. Und die Zeiten, wo ich ein USB-Kabel in die PlayStation steckte und Kabel durchs Zimmer ziehe, sind vorbei und würden hier auch nichts bringen, denn erkannt wurde es auch mit Kabel nicht. Wiederum, da ganz dick Xbox auf der Packung steht, will ich das nicht zu sehr ankreiden. Euch sollte nur klar sein, dass ihr hier ein sehr spezifisches Gerät kauft.

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Das Steckmikrofon kann mit Unauffälligkeit überzeugen.

Die Isolierung nach außen ist natürlich nur das, was die Muscheln abschirmen, es ist kein aktives NC-Set. Diese Abschirmung ist okay. Nicht mehr und nicht weniger, sobald Sachen in eurer Umgebung passieren und euer Sound ist leise gedreht, werdet ihr sie hören. Das Mikrofon schließlich überzeugt mit etwas mehr Frequenzstabilität als es sonst der Fall ist, was meiner eigenen eher tiefen Stimme entgegenkommt. Ansonsten unspektakulär, qualitativ absolut solide, so langweilig und zuverlässig wünsche ich mir meine Mikrofone.

Dolby Atmos wird geliefert. So gut es eben geht.

Bleibt noch die Frage, ob das Ding denn was kann, wenn das Corsair HS75 XB mit der Xbox verbunden ist. Nun, das kann die Series X gleich mal beantworten, und zwar mit dem Dolby Atmos Support von Cyberpunk, Immortals: Fenyx Rising und Dirt 5. Als jemand der mit dem üblichen Pseudo-Surround von Kopfhörern eher mittelmäßig viel anfangen kann und deshalb schnell und gern zu Stereo zurückgeht, war ich gespannt, ob Dolby Atmos auf einem HS75 XB mich überzeugen könnte. Nun, ja. Fast.

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USB-C ist schon mal gut, aber eine Klinke als Plan B zum Anschluss hätte sich gut gemacht.

Erst einmal muss man feststellen, dass je schlichter ein Kopfhörer im Bereich Gaming wirkt, desto besser werden scheinbar seine Klangeigenschaften. So zurückhaltend der Corsair nach außen wirkt, so solide treibt er seine Klangwelten voran, ohne dabei auf den üblichen billigen Power-Bass-Boost zurückzugreifen - ihr wisst schon, die Boom-Taste, die damals Discmans und Boom-Boxen aller Art aufwertete und seitdem ihren Weg als daueraktivierter Störfaktor in viele Gaming-Sets fand. Der HS75 XB liefert ein ausgewogenes Klangbild von dem unteren Keller über die Mitten bis in die Höhen, setzt einen sauberen Center für gute Sprachverständlichkeit und der Effekt des Surround aus allen Richtungen ist durchaus vorhanden.

Wer schon mal "richtiges" Dolby Atmos gehört hat, weiß, wie sehr das die Atmosphäre aufwerten kann und wie präzise der Klang plötzlich dreidimensional über einen hinwegschwappt. Ganz diesen Effekt kann euch ein Kopfhörer nicht bieten, zumindest nicht dieser, aber der HS75 XB verdient trotzdem Anerkennung für den ordentlich umgesetzten Versuch. Insbesondere die 3D-Ortbarkeit von Geräuschen in Cyberpunk konnte überzeugen, ich hatte den Eindruck, dass ich oft Geräusche von oben auch sauber ortbar aus diesen Richtungen wahrnahm und wenn ich dann hochschaute veränderte sich das Klangbild räumlich korrekt. Sicher, ich konzentrierte mich beim Test darauf, aber auch beim "unbewussten" Spielen sorgte es für einen kleinen Immersionsbonus.

Bei Immortals und Dirt fiel dieser Effekt weniger drastisch auf als im vertikal ausgerichteten Night City. Im Auto kommt Sound zwar von allen Seiten, was das HS75 XB auch mit wildem Rumpeln und bedrohlichem Knirschen bei unerwünschten Kontakten quittiert, aber eben nicht so oft von oben. Gleiches gilt für Immortals, mit Ausnahme der fliegenden Gegner ist da nicht so viel auf den Ebenen über und unter euch, das Krach macht. Aber zumindest diese waren mit ein klein wenig guten Willen akustisch zu verorten. Also ja, insgesamt funktioniert die Räumlichkeit gut bei diesem Set und ich blieb freiwillig dabei, statt wieder zurück zu Stereo zu wechseln.

Filme und Musik? Mag das HS75 XB!

Natürlich gilt dies auch für das Kino-Erlebnis. Zugeben, hier habe ich nur ein paar Trailer geschaut, aber das genügte, um zu sehen, dass Atmos auch hier vorhanden ist. Wiederum, das ist nicht das Atmos, das ich auf einer großen Teufel-Anlage mal erlebt hatte und nicht mal das, das euch die besseren Yamaha-Soundbars geben. Aber für ein Set dieser Preisklasse hatte ich solides cineastisches Feeling. Hier hätte es nach unten aber gern ein klein wenig mehr Druck geben können. Dafür habt ihr aber eine anständige Neutralität, die gerade die meisten Gaming-Headsets verweigern. Das hat große Vorteile in Sachen eines angenehmen Frequenzverlaufs, authentischer Wiedergabe und hier zum Beispiel guter Sprachverständlichkeit, aber eben auch Nachteile, wenn man dann mal Loudness haben möchte.

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Noch viel weniger 'Gaming' kann ein Headset kaum aussehen.

Bei Marvel-Effekten, wie auch bei normalem Surround in zum Beispiel Jeff Bezos Fiebertraum 6 Underground schwächelt damit es dem HS75 XB ein wenig auf der Brust und wenn man die Bässe künstlich nachregelt, dann kommen die Treiber an ihre Grenzen und verzerren etwas zu schnell. Lässt man das aber sein und lebt mit dem, was da ist, dann überzeugt die Reaktionsfreudigkeit. Schnell und direkt springen die Tiefen an, Explosionen wirken "natürlich" und kraftvoll. Nimmt man sich dann einen älteren, weniger übersteuerten Film wie zum Beispiel Blown Away oder den ewigen Klassiker des männlichen Männerkinos The Rock, dann sieht man, dass es genau passt. Es ist ein Set, dass filmisch die 90er liebt. Ich kann es ihm nicht verdenken.

Musikalisch schaltete ich dann doch auf Stereo zurück, denn niemand braucht DSP-Surround, wo es kein echtes gibt. Ich dachte, ich gucke mir zuerst mal Brillanz und Stereo-Bühne an und so ging ich zu dem absurd guten Remaster von Springsteens 75 Hammersmith Odeon. Gut, wer von ein paar der besseren Beyerdynamics in solchen Lagen verwöhnt wird, dem können die Corsairs jetzt nicht die Welt bieten, aber für ein Gaming-Set klingen die HS75 XB deutlich besser als sie müssten. "Show a little faith, there's magic in the night, You ain't a beauty, but, hey, you're alright" schallen voller Kraft und Druck zentral von der imaginären Bühne, während später die Positionierung der E-Street-Band im 10th Avenue Freeze-Out recht klar ortbar ihr Ding macht. Sicher, die Auflösung und Brillanz kann nicht mit echten HiFi-Stereos selbst in der gleichen Preisliga mithalten, aber dann wiederum ist es nicht so weit weg, dass die Musik keinen Spaß machen würde.

Im Gegenteil, wie dann Daft Punks Alive 2007 eindrucksvoll zeigt. Wie beim Film geht es nicht ganz nach unten. Wo ein gutes HiFi-Set dieses Erdbeben-Grummeln hervorholt, ohne die anderen Bereiche zu vernachlässigen, bleibt das HS75 XB bei einem wohlsortierten Bass, der eben nicht gefühlten Boden zittern lässt. Die mittigen Synths stehen klar im Vordergrund, wo sie hingehören, aber ohne zu übersteuern oder zu klirren. Etwas richtig Poppiges und etwas Metallisches fehlt noch und was wäre da besser als Nanowar of Steels Norwegian Reggaeton. Hier kann das HS75 XB sein können bei tighten Beats und exzellent gespielten Gitarren unter Beweis stellen und zeigt, dass es Spaß versteht. Es liebt die hier nicht auf das Maximum gedrehten Club-Bässe, lässt den Kopf wohlig dazu wackeln und spielt sie in der Präzision und Reaktionsgeschwindigkeit, in der sie gedacht sind. Dann aber schafft es problemlos den Wechsel in das Metal-Riff, ohne dass etwas zerfasert. Wiederum, nicht ganz HiFi-Standard, aber für ein Gaming-Headset und Allrounder ist das mehr als anständig. Summer party at Ragnarok beach indeed.

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Gutes Duo für die Box.

Corsair HS75 XB Gaming Headset Test Fazit

Am Ende ist es beim HS75 XB die eigene Limitierung auf eine einzige Plattform, die es Punkte kostet. Für seine Preisklasse ist das Corsair HS75 XB durchaus im oberen Viertel der Auswahl und leistet sich kaum Schwächen. Die Surround-Emulation der Dolby-Atmos-Effekte funktioniert gut genug, um sagen zu können, dass sie da sind, wo sie hingehören und der generelle Surround-Sound liegt sonst auch auf dem besseren Niveau in dieser Kategorie. Für 180 Euro wäre das ein exzellentes Headset, das man guten Gewissens jedem ans Herz legen könnte...

...wenn man denn eine Xbox und sonst nicht viel hat. Okay, am PC geht einiges auch noch, aber selbst mit dem extra zu kaufenden Adapter verweigerte sich Dolby Atmos. Es gibt kein Bluetooth, nicht mal in seiner Grundform, keine Klinke, nicht mal über USB-C am Handy war das HS75 XB zur Mitarbeit zu überreden. Da ihr am PC eine Reihe Sets findet, die ähnliches kosten und Ähnliches leisten und versatiler sind, was weitere Geräte angeht, bleibt ein reines Xbox-Set. Wenn ihr also nur diese Plattform habt oder euch gezielt ein Set nur dafür kaufen wollt, dann könnt ihr hier mit dem Corsair HS75 XB nicht viel falsch machen. Ein ausgezeichnetes Headset mit einem klar definierten Zuhause.

Das Corsair HS75 XB findet ihr zum Beispiel bei Alternate.de, Cyberport.de oder Caseking.de

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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