Corsair Virtuoso RGB Wireless XT - Gaming Headset Test: Der duale Atmos-Funker

Universelles Multitalent mit Charme

Tadellose Verarbeitung, alle Features an Bord und klanglich vor allem mit Atmos ein echter Könner: Corsair liefert das Rundum-Glücklich-Set

Ich muss ja zugeben, dass ich zuletzt von dem teuren Bang & Olufsen Headset weniger beeindruckt war, als ich es erwartet hatte. Der Sound war nicht ganz da, wo er bei dem Preis hätte sein sollen, aber auch das Drumherum und die Haptik waren gut, aber eben nicht herausragend. Für das Geld. Als dann Corsair jetzt kam und sagte, dass ich mal wieder ein Hi-Fi-Gaming-Headset für 200+ Euro ins Haus bekomme, habe ich wiederum nicht so viel erwartet, jedenfalls nicht auf dem High-End-Hörer-Level. Aber von der Box über das Anfassen bis zum Hören kann man auch so überrascht werden. Das Ding kostet "nur" 280 Euro? Gekauft! (Okay, ich habe es so bekommen, aber ihr wisst, was ich meine...)

Corsair Virtuoso XT - Inhalt, Verabeitung und Haptik

Das "Ding" nennt sich Corsair Virtuoso RGB Wirelesss XT. Virtuoso, weil es nicht nach dem üblichen Schrott klingen soll. RGB, weil man das heute braucht, egal wie wenig es eine Rolle bei dem betreffenden Gerät spielt. Wireless, weil es in der Richtung eine Menge zu bieten hat und XT, weil man es sonst mit der "Billig-Version" SE verwechseln könnte. Diese liegt bei 200 Euro und hat ein paar Features weniger, dazu aber später mehr. Das XT kommt in einer massiven Box, in der ihr neben dem Set eine Tasche findet, ein USB-Kabel und ein Klinken-Kabel mit Fernbedienung für Lautstärke und Mikro-Aktivierung. Dazu findet sich noch ein USB-Wireless-Adapter. Das alles macht schon einen etwas netteren Eindruck als sonst, aber das Highlight des ersten Anfassens ist das Set selbst. Es gibt Geräte, die nimmt man in die Hand und denkt "Ja, das ist es." Eines der ersten Technik-Geräte, bei denen ich dieses Gefühl hatte, war damals der legendäre und seinerzeit unerschwingliche Sony DD Quartz Walkman und dieses Feeling verströmt nun auch das Corsair Virtuoso RGB Wireless XT.

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Dezenter Schick hat sich im oberen Gaming-Preissegment bei Headsets durchgesetzt.

Ihr habt hier einen massiven Metallbügel mit entsprechender Aufhängung und Gelenk. Das macht nicht den Eindruck, als würde da so schnell was brechen. Oben gibt es die in der Preisklasse übliche atmungsaktive - sprich auch bei Kopfschweiß nicht mehr als nötig versiffende - Kunstlederpolsterung, die aber leider nicht abnehmbar ist. Das gilt auch für die dazu passenden Muschel-Polster, was vielleicht mein größter Kritikpunkt ist. Zum einen mag ich lieber Stoff und zum anderen sind die Dinger irgendwann nicht mehr schön. Bis das passiert, hatte ich zwar in der Regel immer neue Hörer, selbst zu Zeiten als ich die nicht frei Haus bekam, aber trotzdem: In einer um Nachhaltigkeit bemühten Welt sollte der Austausch von Verschleißteilen möglich sein. Muss ja nicht gleich so elegant perfekt wie bei den B&O-Hörern sein. In dem Zusammenhang: der Akku, der je nach Betriebsart zehn bis 15 Stunden hält, ist natürlich fest verbaut.

Weiter geht es mit schlichter Eleganz, denn wer angesichts des "RGB" im Namen das übliche blinkende Gaming-Wunder erwartete, findet hier beim XT schlichte Plastik-Muscheln in Anthrazit, die sich matt-rau anfühlen und sich vor allem an den Seiten schick gemacht haben. Hier findet ihr eine schön texturierte Metall-Oberfläche, die eingeschaltet sehr dezent und irgendwie richtig schick das Corsair-Logo zeigt. Ich bin sonst für solchen Bling wenig empfänglich, aber dieser irgendwie CRT-artige Look ist großartig. Abschließend macht auch das Ansteck-Mikro einen schon mal haptisch hochwertigen Eindruck und sein Lichtring am Ende zeigt eindeutig, ob ihr stumm geschaltet seid oder nicht, ganz so wie es sein muss.

Corsair Virtuoso XT - Bedienung, Software und Komfort

Das XT hat eine ganze Reihe von Bedienfunktionen, die alle tadellos erfühlbar sind und bis auf die Mikro-Stummschaltung geschlossen rechts liegen. Ihr habt ein analoges Rädchen, das, oh Wunder dieser Welt voller digitaler Lautstärkesteuerungen, wirklich auch für die Lautstärke zuständig ist. Daneben habt ihr einen Umschalter zwischen kabellosem und Kabel-Betrieb. Dann folgen noch drei Tasten für den Bluetooth-Einsatz. Die Mittlere ist für den Wechsel zwischen Funk mit Adapter und Bluetooth zuständig - unter anderem - und die anderen beiden für die Lautstärke. Warum? Nun, ich nehme an, dass... keine Ahnung. Beim BT-Betrieb am Handy ist es egal, da die Mobile-OS eh der Meinung sind, dass 12 bis 14 Schritte von 0 bis 100 ausreichen. Da kann man auch digital schalten. Aber mein Denon Musik-Streamer wäre schon in der Lage, analoge Feinabstimmung zu nutzen. Schade, aber kein Weltuntergang. Auf der anderen Seite habt ihr den zum Glück nicht proprietär tief versenkten Klinkeneingang, den etwas versenkten, aber großzügig ausgeschnittenen USB-C-Eingang und den Eingang für das abnehmbare Mikrofon.

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Das fast 'CRT'-mäßige Leuchten des Logos hat was.

Was wie auch bei B&Os Portal schmerzlich fehlt und was komplett unverständlich ist, ist eine Skip-Funktion. Wenn man schon ein Set baut, das damit wirbt, dass es Hi-Fi-tauglich ist, dann sollte es das geben. Schließlich will ich nicht immer das Handy ziehen und entsperren, nur weil ich einen Track skippen möchte. Irgendwo wäre sicher noch Platz gewesen, andere Sets haben das. Sehr ärgerlich.

Kommen wir kurz zum RGB-Teil im Namen und damit auch der iCUE-Software-Suite, die Corsair für alle seine Geräte nutzt. Ja, es ist technisch richtig, dass ich alle RGB-Farben für das kleine Logo an der Seite einstellen kann. Da dieses aber hinter dem Metall ein wenig matt versteckt ist, kommt es nicht annähernd so zur Geltung und vor allem kleinere Variationen fallen kaum auf. Das ist alles nett, aber ob es den "RGB"-Zusatz im Namen rechtfertigt, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, es könnte mir kaum egaler sein. Wichtiger ist die Möglichkeit für Firmware-Updates und die Steuerung eines sehr praktischen Features des XT: die automatische Abschaltung. Nach einer definierten Zeit schaltet sich das XT selbst ab. Diese Zeit könnt ihr sehr kurz einstellen, denn dank eines Beschleunigungssensors merkt das XT, wenn ihr es anhebt oder es in einer Trageposition ist und schaltet sich selbst wieder an. Die Verbindung zu dem Wireless-Adapter ist augenblicklich wiederhergestellt, ohne dass man was tun müsste und auch mit Bluetooth dauert es nur eine Sekunde länger.

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Viele Funktion, aber alle gut erreich- und ertastbar, da sehr unterschiedlich gestaltet.

Eines muss man aber auf jeden Fall sagen: Das Corsair Virtuoso RGB Wireless XT sitzt ausgezeichnet auf dem Kopf. Das Bügelpolster ist angenehm, das Gewicht von knapp unter 400 Gramm ist nicht leicht, aber gut verteilt, und der Andruck genau richtig, selbst mit Brille. Wie gesagt, ich persönlich bevorzuge Stoff zu immerhin halbwegs atmungsaktivem Kunstleder, aber bequem sind die Polster schon. Trotzdem, nach drei, vier Stunden begann es warm zu werden. Was es nicht gibt, ist eine aktive Geräuschunterdrückung. Das ist schade, denn reisetauglich ist das an den Muscheln drehbare XT schon. Die Unterdrückung von normalen Nebengeräuschen funktioniert ganz okay, aber es ist nicht das Set für Flugreisen oder laute Umgebungen generell.

Corsair Virtuoso XT - Verbindung und Technische Werte

Verbindungstechnisch ist das XT sehr flexibel und beherrscht sogar den gleichen Trick wie besagtes Connect-Wunder von Bang & Olufsen. Auch das XT kann gleichzeitig Funk und Bluetooth nutzen. Das ist ungemein praktisch, denn nebenbei auch mit dem Handy verbunden zu sein, um einen Anruf anzunehmen oder Benachrichtigungen mitzubekommen, ist schon ein schickes und alles andere als alltägliches Feature. Hat nur einen Nachteil: Das ganze Gefunke reduziert die Akku-Laufzeit um etwa ein Drittel. Die Funkverbindung - bei Corsair heißt sie Slipstream - steht dem Xbox-Funk in Sachen Latenz und Verbindungstempo in nichts nach. Empfänger und Set verbinden sich in weniger als einer Sekunde und auch wenn es eine Latenz geben muss, ist es keine, die mehr eine Rolle spielt. Auch der BT-Aufbau geht sehr zügig und ohne jegliche Zicken. aptX HD kann das Corsair, aber leider nicht adaptive, das heißt, dass es zu minimaler Latenz kommen kann. Stört bei Musik natürlich nicht, dafür ist HD ja gedacht, aber für Film und Spiel ist die Funkverbindung also besser, wenn ihr in diesem Punkt empfindlich seid - manche Menschen nehmen das eher wahr, mir persönlich fällt es praktisch nicht auf.

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Komplettpaket: Das Zubehör fiel sehr komplett aus.

Ihr könnt den Adapter für Slipstream an der PlayStation nutzen, dafür gibt es eine Option in der iCUE-Software und es ist auch die Default-Einstellung. Solltet ihr mehr Slipstream-Gerätschaften von Corsair besitzen, können diese sich auch mit dem Dongle verbinden, ihr müsst also nicht jeden USB-Anschluss aufbrauchen, nur um drei Geräte zu nutzen. Auch der Betrieb über das USB-Kabel ist möglich, dann verhält sich die Steuerung so, als würde es über Funk laufen. Und schließlich ist da noch der Kabelbetrieb, der das XT praktisch in ein passives Headset verwandelt und die gesamte Steuerung am Set abschaltet. Hier habt ihr dann die Steuerung am Kabel selbst.

Um noch ein wenig Technik loszuwerden: die 50mm-Treiber decken den üblichen Frequenzbereich von 20 Hz bis 40 kHz ab, die Impedanz liegt bei 32 Ohm für Kabel und die Empfindlichkeit bei recht hohen 109 dB. Und ach ja: Wie aktuell jedes Headset, das ein wenig was auf sich hält, wird natürlich Dolby Atmos unterstützt. Wenn ihr denn die Atmos-für-Kopfhörer-Lizenz für 18 Euro gekauft habt. Nun, einen Testmonat habt ihr ja, um mal zu gucken, wie das kommt.

Corsair Virtuoso XT - Atmos-Sound und Film-Klang

Mein Satz dazu hier wäre: Das kommt gut! Erstaunlich gut. Der virtuelle Klangraum um euch herum wächst dramatisch bei speziell abgemischten Inhalten, das lässt sich nicht leugnen. Demos wie die Atmos-Musik-Seite (https://www.dolby.com/atmos-visualizer-music/) machen das eindrücklich klar, kann man hier doch direkt zwischen Stereo und Atmos umschalten. Das ist absolut faszinierend. Ich möchte das überall haben. Werde ich aber nicht bekommen, denn selbst generelles Lossless ist ja schon ein Akt für manche Streaming-Dienste und selbst Tidal zeigt sich noch zurückhaltend mit der Masse an Atmos-Titeln. Wichtiger ist es in der Regel eh für Film und Fernsehen und hier zeigen sich die Limitierungen: Wie auch bei anderen Atmos-Sets habt ihr einen definitiv größeren Klangraum und eine solide Positionierung, aber selbst mit einer guten - ab 1.000 Euro - Multispeaker-Atmos-Soundbar ist das Erlebnis noch mal ein ganz anderes. Aber da müssen sich die Corsair XT in keiner Weise schämen, überflügeln sie doch das das doppelt so teure Bang & Olufsen Set noch mal ein klein wenig.

Dabei muss es nicht mal die letzte Marvel-Schlacht sein, um zu beeindrucken: Es gibt eine - mit fast 50 Euro schweineteure - Dolby-Atmos-4K-Fassung von Apocalypse Now und es ist schlicht umwerfend, was hier aus dem Material herausgeholt wurde. Von den Doors bis zum Gewitter ist es ein akustischer Höllenritt, den das XT ganz gut einfängt und irgendwie auf zwei 50mm-Teriber komprimiert bekommt. Dank eines recht elegant ausgesteuerten Bass, der zwar ganz unten ein wenig fester sein könnte, aber sonst einen guten, natürlichen Verlauf mit Kraft nimmt, wird es nie überlastet. Gespräche kommen klar, deutlich und nuanciert zur Geltung, die Mittenabmischung passt also und scharfe S-Laute werden eingefangen und sauber gesteuert. Mit anderen Worten: Das ist ein gelungenes Klangbild, das das XT da im ersten Anlauf zeigt.

Vor allem das kräftige Rumpeln und den perfekten Übergang zum Musikteil schafft dann ein anderer Klassiker: Top Gun. Es ist einfach das beste Script, das je in Hollywood verfilmt wurde. Vom tiefen Rumplen der Jet-Motoren, zum hörbaren Anspannen der Muskeln beim Volleyball-Kontakt hin zu etwas, das sich anhört wie eine perfekte Abmischung des besten Soundtracks, den es je geben kann, lässt euch das XT den Klassiker des Military-Gay-Porn neu entdecken. Der kleine Nachteil: Um das zu tun und erneut festzustellen, dass das XT Reaktionsfreude, weite Stage, tighte Aussteuerung und nur wenige Fehler - seltenes Tiefbass-Flattern und etwas zu wenig Klarheit in den Hochfrequenzen - hat, müsst ihr auch hier etwa 50 Euro auf den Tisch legen. Ich dachte, solche Preise wären ein Relikt des Laserdisc-Zeitalters...

Corsair Virtuoso XT - Atmos bei Games und Musik

Aber ist ja auch zu schön der Klang und so werde ich wohl drauf hoffen, dass Netflix sich da noch mehr ins Programm holt. Bei Musik bin ich bei Tidal HiFi unterwegs und es gibt zumindest ein paar Atmos-Tracks, genug um einen Eindruck zu bekommen, der erstaunlich weit gefächert ist. Erst einmal Kudos aber an den Mann, der nicht nur Poisons Every Rose has a Thorn in die 80s-Atmos-Liste packte, sondern direkt im Anschluss Cinderellas You don't Know What You Got folgen ließ. Legende und ein deutlicher Eindruck, dass es schlechter Atmos-Mix auf einem guten Headset immer noch nicht funktioniert. Erst dachte ich, dass es mit der Bass-Kraft und Reaktionsschnelligkeit doch nicht so weit her ist, aber dann wechselte ich zu Pat Benatars Love is a Battlefield und siehe da, hier gibt es das weite Raumgefühl einer großen Stage, die druckvoll bespielt wird. Das klappt dann auch bei modernen Hits wie Weekends Langweiler-Nummer mit dem Killer-Hook, Blinding Lights, wunderbar, so wie Marinas Ancient Dreams in a Modern Land in Atmos gemixt dem nur in Stereo vor sich hinvegitierenden Purge the Poison zeigt, wo der Hammer hängt.

Wie gesagt, das Atmos-Gefühl des XT ist gut genug, um damit viel Spaß beim Hören zu haben, aber auch im normalen Stereo-Betrieb verdient es sich seinen HiFi-Anspruch zumindest so halbwegs. Sicher, geht man in die hochpreisigeren Regionen anspruchsvollerer Beyerdynamic-Hörer, dann hat das XT das Nachsehen. Aber für praktisch den halben Preis - oder weniger - schlägt es sich nicht schlecht. Was ihm ein wenig Abgeht, ist die Persönlichkeit. Es ist nicht so, dass das XT zu neutral spielen würde, ies fehlt einfach der letzte Biss, wenn das Mastering der unteren Frequenzbereiche nicht ganz den Gegebenheiten der Treiber entspricht. Während Daft Punks Around The World keine Probleme hat, sich durchzusetzen und ein praktisch perfektes Frequenzbild auf den Hören abzuliefern, beginnt das Tief-betonte Right Here, Right Now von Fat Boy Slim etwas zu verwaschen. Hier fehlt es dem XT scheinbar an den letzten Kraftreserven in den untersten Kellerräumen. Aber das ist alles Jammern auf hohem Niveau, das ist ohne Frage eines der bestklingendsten Gaming-Headsets, das es gibt, und ich ziehe das XT sowohl dem teuren B&O Portal wie auch dem Kabel-Klassiker MMX 300 vor.

So, das war jetzt über Slipstream und Funk, wenn man dann auf aptX HD geht, merkt man, dass das XT für Funk gebaut wurde. Die Bandbreite ist etwas niedriger und der allgemeine Klang etwas dumpfer. Das liegt weniger an aptX, mehr daran, dass die XT scheinbar nicht ganz so feinfühlig auf diese Unterschiede der Übertragungsweise abgestimmt sind. Da sind sie aber leider in keiner Weise allein unterwegs, das gilt auch für die teureren dualen B&O Portals und Sennheiser GSP 670. Dass es nicht sein muss, zeigen richtig gute BT-Kopfhörer wie zum Beispiel von Beyerdynamic, die aber natürlich nicht so Feature-freudig daherkommen. Im passiven Betrieb mit dem Kabel merkt man, dass diese Art von Headset nicht dafür gemacht ist. Oder vielmehr: man braucht trotz der mit 32 Ohm eigentlich sehr niedrigen Impedanz eine kräftige Quelle mit Möglichkeiten zur Sound-Justage, um auf ein vergleichbares Ergebnis zu kommen. Einfach ans Handy oder die Switch anstecken und hoffen, dass es genauso gut klingt, klappt leider nicht.

Womit wir auch beim Gaming wären, schließlich ist es ja ein Gaming-Headset. Hier gilt wieder bei Atmos, dass, wenn es da ist, es klasse kommt. Egal ob Forza Horizon 4 oder Metro Exodus, das hier ist nicht mehr mit den alten 5.1-Emulationen zu vergleichen und bietet ein so viel besseres Raumgefühl. Positionierung und Ortung sind nicht bei 100 Prozent, aber allein die viel weitere Stage der Shoot-Outs in CoD: Cold War zu erleben zeigt schon, wohin es irgendwann mit den Surround-Effekten in Kopfhörern gehen kann. Wieder profitiert das XT von seinem durchgehend sauberen Frequenzverlauf, wieder muss es sich in den Feinheiten geschlagen geben, wenn Tiefbassfrequenzen in einigen Passagen von Resi 2 Remake etwas zu sehr flattern - es ist schwer zu beschreiben, aber die Reaktionszeit der Bässe scheint etwas zu langsam zu sein und es vermischt sich etwas, so dass subjektiv mehr Hektik im unteren Bereich entsteht, obwohl technisch das Gegenteil der Fall sein dürfte. Aber das ist etwas für Kritiker, die suchen. Das Gesamtbild für Atmos ist ausgezeichnet.

Aber auch in Stereo schwächelt man konsequent nur bei den kleinsten Kleinigkeiten. Ich habe mal zum Spaß wieder das erste der Tomb-Raider-Remakes angeworfen und war überrascht, dass die Grafik gar nicht so gut alterte, wie ich dachte, aber auch, dass der Sound in dem Spiel einfach cool ist. Egal ob Berghänge oder alte Klöster, Wind oder Feuergefecht, das Einzige, was ich hier im Klangbild etwas vermisste, war der weite Atmos-Raum, denn in Stereo zeigt sich schon, dass das XT eine geschlossene Bauweise hat und auch Panoramen dann sehr dicht an die Ohren rutschen. Trotzdem, Positionierung und Ortung funktionierten gut genug und Dynamik und Bumms waren auf jeden Fall da.

Corsair Virtuoso XT - Mikrofon und Konkurrenten

Bleibt noch das Mikro: Dieses konnte ich ausgiebig unter anderem bei der Aufnahme für einen Podcast nutzen und die Gegenseite, die für die Produktion zuständig war, zeigte sich zufrieden. Gute Verständlichkeit, klare Stimme, tadellose Aussteuerung und Nebengeräusche wurden gefiltert, wie es sein soll. Niemand würde das hier nehmen, um professionelle Gesangsaufnahmen zu machen, aber für alle Arten von Gesprächen und normale Aufnahmen gibt es nichts an dem Ansteckmikro auszusetzen. Der Leuchtring vorne ist auch so platziert, dass man aus dem Augenwinkel gut sieht, ob man auf Stumm steht oder nicht - und die Taste an der Buchse lässt sich sofort ertasten, um sich stummzuschalten. Alles sehr vorbildlich.

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Die Beleuchtung vor am Mikro ist die perfekte Balance aus gut aus dem Augenwinkel erkennbar und dezent genug, dass es nie stört.

An Konkurrenten gibt es gar nicht mal so viele, vor allem, wenn man den Trick mit der Multi-Kopplung von BT und Funk haben möchte. Da wäre dann besagtes Bang & Olufsens Portal, das aber fast das Doppelte kostet, bestenfalls minimal schicker aussieht und klanglich mehr Probleme hat als das XT. Zumindest hat es die besseren Ohrpolster - immerhin - und es hat aktives Noise Cancelling, was das XT auslässt. Die "Billig"-Version des XT heißt nur Virtuoso RGB und hat kein Bluetooth und Atmos, kostet aber auch nur 200 Euro. Für dann 400 Euro gibt es das Audeze Mobius, das technisch zwar kein Atmos kann, dafür aber jede Menge 3D-Sound-Tricks auf Lager hat, die fast noch besser sind. Klanglich außerweltlich, hat aber keinen Funk (nur BT) und der Preis ist halt doch etwas anders. Sennheiser hat das EPOS GSP 670 im Angebot, das mit 320 Euro etwas teurer ist, auch dualen Funk-BT bietet, aber etwas wuchtiger daherkommt und klanglich ein klein wenig gegen das XT abfällt. Nicht viel, aber ein wenig halt. Schließlich gibt es als "billige" Alternative noch das SteelSeries Arctic 9 Wireless: Ebenfalls etwas wuchtiger im Design, das Auszieh-Mikro ist schick, aber qualitativ nicht ganz da, wo das XT ist und das kann man auch generell klanglich so sagen. Um es abzuschließen, auch SteelSeries Pro Wireless kann Dual, klingt sogar ein klein wenig runder als das XT, solange man Atmos aus lässt. Mit Atmos ist dann das XT klar vorn.

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Das Corsair Virtuoso RGB Wireless XT könnt ihr unter anderem bei Amazon, Proshop oder direkt bei Corsair bekommen.

Corsair Virtuoso XT - Test Fazit

Sicher, billig ist das Corsair Virtuoso RGB Wirelesss XT mit 280 Euro nicht. Es ist sogar eines der teuersten Gaming-Headsets, lässt man mal absurde Exoten außen vor. Und doch empfinde ich es als durchaus angemessen, denn das XT vereint vieles, bei dem man sich sonst entscheiden muss. Ihr habt Funk und Bluetooth und das gleichzeitig. Wie gesagt, nicht für jeden spannend, aber für mich etwas, das ich nicht mehr missen möchte. Atmos wird hier so gut umgesetzt, dass jeder Wechsel zurück zu Nicht-Atmos-Material erst einmal kurz schmerzt. Dann ist das XT klasse verarbeitet, sieht gut aus, trägt sich angenehm und klingt bei jeder Art von Material gut bis herausragend.

Die Mängelliste ist kurz: Der Akku könnte länger halten, vor allem im Dual-Betrieb. Skip-Tasten am Set sollten gesetzlich vorgeschrieben werden. Die Reaktionsfreude im unteren Bass-Keller könnte höher sein. ANC fehlt, das ist ärgerlich, aber die Isolierung ist auch so ganz okay. Das wäre es eigentlich auch schon. Die Listen an Dingen, die das XT ausgezeichnet macht? Ist mir zu lang, das hier ist das beste kabellose Gaming-Movie-Music-Allrounder-Set, das ich bisher hatte. Würde ich zum Musikhören mein drei Mal so teures Stereo-Set dafür aufgeben? Nein. Ziehe ich das XT dem doppelt so teuren B&O Portal vor? Aber so was von! Corsair liefert mit dem XT das Set, mit dem ich ab jetzt Gaming und Film noch mal etwas mehr genießen werde, vor allem, wenn Atmos mit im Spiel ist.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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