Dark Pictures Anthology: Little Hope Test - Beim nächsten mal dann wieder gut wie Until Dawn?

Hexen, Hexen.

Startet langsam, "hui-buht" zu bequem und die Story geht nicht ganz auf, atmosphärisch aber toll & nicht so vorhersehbar wie der letzte Teil

Dark Pictures Anthology: Little Hope Test - Nach Until Dawn erwartete ich Großes von Supermassive. Stilistisch und technisch war der interaktive Teenie-Schocker exzellent. Für die spirituelle Weiterführung dieses Kurses schien mir vor allem das Format einer Horror-Anthology, die man beliebig fortsetzen konnte, extrem reizvoll. Die erste Episode, Man of Medan, enttäuschte mich trotz netter Multiplayer-Einfälle jedoch mit uninteressanten Charakteren und vor allem einer Geschichte, die ihre Wendungen schon früh andeutete und deshalb letztlich nicht wirklich zu erschrecken vermochte.

Little Hope gab ich dennoch gerne eine Chance, denn auch Twilight Zone stand und fiel mit der Qualität seiner einzelnen Geschichten. Dass mich Man of Medan (Test) nicht zu packen bekam, musste keine Aussagekraft für die Fortsetzung haben. Und in gewisser Weise ist Little Hope ein Erfolg, auch wenn ich die Qualität von Until Dawn nach wie vor längst nicht erreicht sehe.

Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte, zwar schön unvorhersehbar bleibt und gute Spannugnsmomente bietet, am Ende aber mit einer Wendung um die Ecke kommt, die extrem polarisieren dürfte. So sehr, dass der eine oder andere vielleicht wünschte, das Spiel hätte kurz vor seiner Klimax ein Ende gefunden.

In Little Hope ist jedes Wort schon eines zu viel

Das ist im Grunde schon zu viel gesagt. Belassen wir es dabei, dass auch ich finde, dass die letzten Szenen nicht funktionieren und noch ein paar andere Dinge mit dem Spiel anrichten, die eher negativer Natur sind, auf die einzugehen, aber einen derben Spoiler darstellen würde. Kümmern wir also um die Dinge, die ich sagen kann, ohne Spielspaßmord zu begehen: Little Hope folgt der Formel seiner Vorgänger bis ins Detail: Eine Reihe Charaktere - hier sind es fünf - finden sich in einer mysteriösen Situation wieder und müssen mit den üblichen modernen Adventure-Mitteln überleben.

Little Hope Andrew
Einer von fünf: Andrew ist so etwas wie der Spieler-Avatar, aber auch die blasseste Figur im Spiel.

In Dialogen mit zweieinhalb Antwortmöglichkeiten formt man die Bindungen der Charaktere untereinander und erlebt Action-Szenen in Form von Quick-Time-Events, die hier und da über den weiteren Verlauf und / oder das Schicksal einer bestimmten Figur entscheiden. Theoretisch steuert man so auf drei unterschiedliche Enden in unterschiedlichen Schattierungen zu, je nachdem, was man tat und wer überlebte und wer nicht.

Das Spiel bemüht sich ausgehend vom Busunfall einer Reisegruppe mitten im Nirgendwo der USA diverser Zeitsprünge und wirbelt dabei munter die Rollen durcheinander, bis ich tatsächlich sehr interessiert daran war, was in der verlassenen kleinen Stadt, in die man hineinstolpert, eigentlich los ist. Gleichzeitig kommt man nicht umhin, der Geschichte Tempoprobleme anzukreiden, denn die ersten zwei Stunden sind abseits einiger Andeutungen und dezenter Charakterarbeit ein Stück weit langweilig. Vor allem die ersten Abschnitte, in denen sich die Gruppe um vier Studenten und einen College-Professor eine Landstraße durch den Nebel hindurch vorarbeitet, kamen mir quälend lang und ereignisarm vor. Und zwischendrin strapazierten immer wieder arg bemühte Jump Scares meine Geduld.

Little Hope Mary
Kleine Mädchen sind gruslig. Wissen wir seit Ringu.

Ich liebe meinen Fernseher

Ab der Mitte gewinnen die Charaktere - auch durch eure Entscheidungen - aber etwas konkretere Form und dann wartet Little Hope mit einigen wahnsinnig intensiven Momenten auf. Wahnsinnig gegruselt habe ich mich zwar nicht, angenehm schauderhaft war es aber schon, nach und nach die finsteren Hintergründe der Hexenverbrennung in dem kleinen Örtchen aufzudecken. Gerade zu zweit mit einem Spielpartner auf der Couch, dem man den Controller nach einer stressigen Szene überreichen kann, macht der erste Durchgang durch den zweiten Teil der Dark Pictures Anthology durchaus einigen schummrigen Spaß.

Ich spielte am PC, wo mir vor allem die Technik exzellent gefiel. Mit einer 2080 Ti an einem 4K OLED-Fernseher zu spielen ist mit dieser Engine eine Freude. Die Optik wirkte am Rechner unfassbar sauber, die Gesichter und ihr Minenspiel extrem überzeugend, wenngleich man in einem etwas unbequemen Gallopp durch das eine oder andere Uncanny Valley peitscht. Dennoch: Optisch eine reife Leistung.

Little Hope Curator
Eingefasst ist das ganze wieder durch Monologe des Curator, so etwas wie der Crypt Keeper der Dark Pictures Anthology. Der Schauspieler macht seine Sache ausgezeichnet.

Dark Pictures Anthology: Little Hope Test - Fazit

War in den ersten eineinhalb Stunden noch etwas ratloses Herumstochern im Dunkeln angesagt, zieht Little Hope in der Mitte drastisch an und präsentiert ein spannenderes Szenario als Man of Medan zuletzt. Gleichzeitig landet die ultimative Auflösung der Handlung, der man die gut fünf Stunden hindurch entgegenfiebert, auf der entschieden unbefriedigenden Seite. Durch die Interaktivität gewinnt aber auch diese letztlich nicht erfüllende Gruselgeschichte trotzdem noch einmal deutlich, weshalb Little Hope immer noch eine nette Alternative für einen verlängerten Filmabend darstellt. Zudem sind nicht ganz 30 Euro hierfür kein unfairer Preis und wenn das bedeutet, dass Supermassive mit House of Sand im nächsten Jahr die Chance bekommt, sich wieder zu Until-Dawn-Form aufzuschwingen, hat sich die Investition erst recht gelohnt.

  • Entwickler / Publisher: Supermassive / Bandai Namco
  • Plattformen: PC, PS4, Xbox One (getestet auf PC)
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 30 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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