Darum ist Knockout City schon nach einem Monat k. o. - Manno, Meta!

Die Zuschauerzahlen auf Twitch sprechen Bände ...

Einen Monat ist es nun her, dass Velan Studios und EA die Straßen für wilde Ballschlachten eröffnet haben. Zwar macht der Titel Spaß und hat ein innovatives Konzept, schafft es auf Twitch jedoch selbst im internationalen Bereich nicht auch nur ansatzweise mit den etablierten Multiplayern mitzuhalten. Von den anfänglich fast 40.000 begeisterten Zuschauern und über tausend Channels sind nun nur noch schlappe 2000 Zuschauer pro Tag und weniger als 200 Channel übrig - klar, es ist ja auch noch neu und hat noch keine große und etablierte Community, aber auch die Spielerzahlen auf Steam sinken Tag für Tag. Bei Rocket League, das ebenfalls recht spät einen Versuch unternahm, mit einem verrückten Konzept die Multiplayer-Szene aufzumischen, sah das schon anders aus.

Ich habe das Spiel in der Testwoche angespielt und hatte kurzfristig Spaß daran, Gegnern einen Ball ins Gesicht zu pfeffern und meine Reaktionszeit auf den Straßen von Knockout City zu testen. Ich verstehe allerdings sehr gut, warum der Titel einen Abwärtstrend erlebt. Wäre Knockout City eine Arbeit in der Schule würde ich sie wohl mit einer guten drei bewerten. Das Positive erstmal vorweg - so haben es meine Lehrer ja auch alle gemacht:

Bekanntes Spielprinzip in abgespacet

Besonders für kleine Geizhälse wie mich war die Gratisaktion eine wunderbare Möglichkeit, mal in das Outdoor-Völkerballerlebnis reinzuschnuppern. Eine nette Präsentation also, aber eine tolle Powerpoint macht ja noch keinen guten Vortrag. Das neuartige Konzept von Knockout City kann da schon eher punkten. Statt blutiges Geballer, Leichen und Respawns könnt ihr eure Gegner ganz familienfreundlich mit einem Ball abwerfen und sie mit einem zweiten Treffer bewusstlos schlagen … Ja gut, ganz Friede, Freude, Eierkuchen ist es dann doch nicht. Zielen müsst ihr übrigens nicht, denn das Spiel legt seinen Fokus, entgegen der Schulsport-Vorlage, nur auf euer Timing und übernimmt das Zielen für euch. Zum Einsteigen super, für Shooter-Fans vielleicht etwas zu langweilig?

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Trotz der kleinen Map wurde mir meine schlechte Orientierung nicht nur ein mal zum Verhängnis.

Da es nicht genug Bälle für jeden Spieler gibt - in einer Runde treten je nach Modus Teams aus drei oder vier Spielern gegeneinander an - hat sich Velan Studios noch einen lustigen Kniff überlegt. Ihr könnt euch jederzeit in die Embryonalstellung begeben und euch euren Kollegen als Ball anbieten. Klingt in der Theorie cool, haut mit zufälligen Spielern in der Praxis nur selten hin, da diese oft nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen - kein wirklich neues Problem in kompetitiven Multiplayern.

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Da hab ich meinen Team-Kameraden aber ordentlich auf den Arm genommen ... badumm, tssss

Was gibt es noch zu loben? Die Karten sind trotz fehlender Minimap recht übersichtlich und besitzen einzigartige Features, auch wenn diese mir teilweise etwas zu abgedreht aussehen. Zudem gibt es Bälle mit speziellen Effekten für die Extra-Portion Action. So werden die angenehm kurzen Runden nochmal spannender. Generell schafft es Velan Studios, recht dynamische Schlachten auf die Straßen von Knockout City zu bringen, bei denen ihr zu jeder Zeit das Ruder wieder an euch reißen könnt, denn Gegner erhalten keine Vorteile durch gewonnene Runden. Auch das Tutorial ist vorbildlich umgesetzt - man hat bereits beim Lernen Spaß und das schafft nicht jeder "Shooter". Schön ist auch die steile Lernkurve und das Gefühl sich immer etwas zu verbessern. Zumindest mir ging es nach meinen ersten Runden so.

Ihr seht schon, selbst bei den eher gelungenen Aspekten musste ich her und dort ein paar Kritikpunkte einstreuen, um dem Gesamtbild gerecht zu werden. Okay, einmal tief durchatmen und weiter mit allen weniger überzeugenden Punkten.

Kurzfristiger Spaß, langfristige Enttäuschung

Auch wenn das Spiel erstmal nach einem coolen Konzept klingt und in den ersten Runden auch wirklich motivierend war, so verlor es für mich doch schnell seinen Reiz. Die Bewegung ist deutlich weniger flüssig als bei vielen Konkurrenten und Knockout City bietet (noch) keine große Abwechslung. Insgesamt sechs Maps und fünf Modi bietet das Spiel aktuell. Etwas wirklich Innovatives hat sich Velan Studios dabei nicht einfallen lassen, die Standard-Modi findet ihr so auch bei anderen Shootern. Jeder fängt klein an, aber wenn Knockout City nicht immer weiter von der Multiplayer-Bühne gezerrt werden will, muss da schon neuer Content her. Warum sollte sich sonst jemand dazu entscheiden, von CS:GO oder Valorant abzurücken, wenn der Neuling einfach nichts zu bieten hat? Besonders wenn unser hypothetischer Spieler auch noch viel Zeit und Mühe in seinen Shooter hineingesteckt hat, um sich auf einen vorzeigbaren Rang zu befördern.

Etwas fragwürdig ist auch das Design der Charaktere. Ja, das ist Geschmackssache, aber die frechen Fratzen der Figuren sind einfach überzogen und anatomisch komisch. Gleichzeitig schafft es Velan Studios, jede dieser hässlichen Gestalten gleich und langweilig aussehen zu lassen. Vielleicht haben die Rowdys einfach ein paar Bälle zu viel ins Gesicht bekommen? Ich glaube, ich bin da nicht die einzige, die nicht viel mit dem Stil der optisch gewöhnungsbedürftigen Punks anfangen kann. So macht es auch deutlich weniger Spaß, ein paar kostenlose Gegenstände einzusammeln, denn auch diese schaffen es nicht, die fiesen Grinsebacken in einen einzigartigen und coolen Charakter zu verwandeln.

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Das ist das Beste, was ich aus meiner Figur machen konnte. Es geht noch viel, viel schlimmer.

Das verrückt-bunte Design zieht sich auch bis ins Menü durch - immerhin konsequent - und sorgt dafür, dass die sowieso schon etwas unübersichtlichen Einstellungen durch das wilde Farbkonzept noch weniger intuitiv werden.

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Ein bisschen zu wild für meinen Geschmack.

Seit meiner kleinen Test-Session habe ich das Spiel nicht mehr angefasst und das, obwohl es nicht grundsätzlich schlecht ist. Ich habe einfach einen Haufen besserer Optionen, die mir in so vielen Aspekten mehr zusagen. Für einen kurzen Tagestrip abseits der üblichen Shooter war Knockout City doch ganz lustig, langfristige Motivation konnte es mir rückblickend jedoch nicht bieten.

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Über den Autor:

Melanie Weißmann

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News-Redakteurin

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