Death's Door - Test: Per Abkürzung durch die Zelda-Tür direkt in mein Herz

Der Tod hat einen Vogel.

Ausgereiftes, stromlinienförmiges, klassisches Action-Adventure mit schönem Szenario und überlegten Dungeons - Kurz, aber sehr, sehr gut.

Death's Door ist eines dieser Spiele, die Game-Design einfach aussehen lassen. Schlicht, weil so gut wie alles daran stimmt. Ihm wohnt eine gewisse Mühelosigkeit inne, die Spiele nicht von selbst erreichen, auch wenn es bisweilen so aussehen mag.

Nichts hiervon ist Zufall. Nicht das Timing und die Länge der Ausweich-Rolle, die Kraft und Geschwindigkeit der Hiebe, mit denen man Gegnerprojektile zurückschlägt und schon gar nicht die wunderbaren Abkürzungen, die man hier alle paar Meter freischaltet. In jedem dieser Aspekte steckt eine Bestimmung, die ein beinahe meisterhaftes Handwerk durchblicken lässt.

Außerdem ist Death's Door eines, das meinen Beruf vielleicht eine Idee einfacher aussehen lässt als er (vielleicht) ist. Allzu viele Worte habe ich nämlich hierzu tatsächlich nicht zu verlieren. Nichts hier ist - abgesehen vom traumhaften Szenario, das märchenhaft-melancholisch den Tod und die Angst davor zum Thema eines klassischen Action-Adventures macht - wirklich neu oder bedient sich neuer Muster. Vielleicht ist das sogar der einzige Kritikpunkt. Die beiden Herren von Acid Nerve können die Perspektive noch so lange um 45 Grad kippen, im Grunde wisst ihr, wie das hier abläuft, wenn ich "Zelda" sage. Aber Herrgott, spielt sich das gut!

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Wie Death's Door jeden seiner Dungeons durch Abkürzungen komprimiert, je weiter ihr voranschreitet, ist wahnsinnig elegant gemacht.

Die Parallelen zum Nintendo-Klassiker, und auch Hyper Light Drifter hat hier seine Spuren hinterlassen, sind auch der Grund, warum ich gar nicht so sehr ins Detail gehen möchte. Eurem Spielgenuss dürfte es eher abträglich sein, wenn ich verrate, aus welchen Zelda-Schatztruhen die Krähe, die in diesem fantastischen Universum den Sensenmann geben muss, ihre Gadgets zog. Daher hier vielleicht nur weiter ein paar generelle Takte, damit ihr ein wenig genauer abschätzen könnt, wie schnell (nicht "ob", die Frage ist längst geklärt, hoffe ich) ihr euch Death's Door zulegen müsst.

Man ahnte nach Titan Souls schon, dass Acid Nerve sowas zuzutrauen ist - ein Spiel, das ich nicht mal wahnsinnig gern mochte, aber das ich respektierte -, aber das hier ist ein Stück weit formvollendet. Für keine 20 Euro bekommt ihr 15 Stunden Erkundung (danach mehr, wenn ihr wollt) mit viel einfach gestricktem, aber wunderbar rhythmischen und elegant vor sich hinfließenden Kampf sowie Erkundung in dreieinhalb verschiedenen Reichen. Dazu Bosskämpfe, die nicht nur toll aussehen, sondern auch vier bis zehn faire Versuche von euch einfordern, bis ihr die überalterten Seelen in dieser Welt, in der nichts mehr stirbt, zur letzten Ruhe bettet.

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In der Welt zwischen dem Leben und den Tod sprecht ihr mit anderen Krähen und dem Lord der Türen. Auch Upgrades ersteht ihr hier.

Die letztlichen Abschiede von diesen nicht komplett aus eigener Schuld zu Monstrositäten geratenen Wesen, für die das Spiel extra Zeit freiräumt, sind mit einigem Wortwitz sogar geradezu rührend aufgezogen. Death's Door macht selten eine Pause. Aber wenn, dann nicht ohne Grund. Überhaupt ist für ein so auf seine Systeme und schön fließendes Dungeon-Design konzentriertes Spiel vor allem die Charakterarbeit in Text, Gestaltung und Animationen sehr gelungen.

Der beste Charakter des Jahres betreibt ein Diner in Death's Door

Kaum ein Dialog geht länger als sechs, sieben Text-Boxen, im Mittel dürften wir noch darunter liegen. Aber es steckt viel Charme in diesen Konversationen und den Ticks derjenigen, die sie betreiben. Mein Lieblingscharakter ist Jefferson, der definitiv menschliche Wirt eines Diners in den Bergen, der mit seinen humanoiden Händen müden Wanderern nahrhafte Suppe nach altem Rezept seiner selbstverständlich mit Wirbelsäulen gesegneten Familie kredenzt. Hier ein Bild dieser nicht weiter auffälligen Person wie du und ich:

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Hallo, alter Freund. Du siehst aus wie das blühende Leben.

Und wenn es Jefferson nicht gäbe, hätte Death's Door mit "Pothead" immer noch einen der besten Charaktere des Jahres. Dann wiederum spielt man das hier nicht in erster Linie der Figuren wegen, sondern, um ein ganz bestimmtes Bedürfnis mal wieder zu stillen: das nach einem Abenteuer alter Machart. Nachdem selbst Zelda der etablierten Formel ade gesagt hat, könnte man meinen, es handele sich um eine bedrohte Art. Und obwohl man zugeben muss, dass Acid Nerves Werk da trotz der nicht gerade klein angelegten Geschichte etwas intimer wirkt und selten das Gefühl dieser einen großen Quest weckt, für die man Bäume ausreißen und am Controller Heldentaten vollführen müsste, schätze ich sein Entgegenkommen auf voller Länge. Dieses Spiel hält mir gern die Tür auf, ist erpicht darauf, dass ihr immer weiterkommt.

Das Spiel fühlt sich so auf die gute Art schlank an, bringt seine Substanz treffgenau auf den Punkt. Ich mache ständig Fortschritte (nicht im RPG-Sinne, da steigert man nur fünf Werte drei, viermal bevor die Story rum ist) und doch leistet sich Death's Door immer wieder Fights, die meine Finger ins Schwitzen bringen und versteckt seine Geheimnisse so gut, dass ich erst ebenfalls versteckte Hinweistafeln lesen muss, die mich darauf bringen, wo ich vielleicht mal eine Bombe dagegen werfen oder einen Pfeil durchschießen sollte. Schön. Fast so schön wie das Detail, dass man Wegweiser mit einem Schwerthieb horizontal halbieren kann und beide Hälften des Schildes einzeln lesen darf. Natürlich sieht man dann nur die authentisch halbierte Schrift.

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Farbgebung, Geometrie, Effekte - ästhetisch einer der ausgereiftesten Indies dieses Jahr

Ich bin ganz schön durch gerauscht durch dieses Spiel. Schneller als ich wollte, was ich mittlerweile ein wenig bereue. Dann wiederum macht es Death's Door nicht gerade einfach, es zur Seite zu legen. Keine meiner Sessions war unter drei Stunden und so oft ich auch dachte, "ok, ich weiß seit neun Zeldas genau, wie dieser spezielle Hase läuft", so oft überraschte mich auch ein versteckter Lore-Gegenstand oder ein klug verschleierter Durchgang. Auch die Geschichte schlägt immer wieder überraschende - und überraschend nachdenkliche - Töne an, auch wenn es das Lied selten zu Ende singt.

Death's Door Test - Fazit:

Death's Door ist eines der besten Action-Adventures der alten Art - mit vielen Annehmlichkeiten, die die Klassiker nicht boten -, leistet sich ein frisches Szenario, das es bis zum Schluss mit Fingerspitzengefühl durchzieht und verleiht ihm ein Gesicht, an dem man sich nicht sattsehen kann. Es ist kurz, das stimmt. Viele Elemente kennt man bereits, aber das mündet zu keiner Sekunde in der Sorte Vertrautheit, die Gähner provoziert. Stattdessen fühlte ich mich warm und gemütlich eingewickelt in einer Decke aus verspielten Jugenderinnerungen. Wie schon gesagt, allzu viel gibt es über Death's Door nicht zu sagen. Die einzigen Worte, die ihr an dieser Stelle hören müsst, sind: "Bitte kaufen!"

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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