Der Pate - Die Don Edition

Frisches Blut für die Mafia

“Was habe ich dir nur getan? Wir beide kennen uns schon viele Jahre, aber heute kommst Du zum ersten Mal zu mir, um Rat oder um Hilfe zu erbitten. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann du mich zum letzten Mal in Dein Haus zu einer Tasse Kaffee eingeladen hast. Dabei ist meine Frau die Patentante Deines einzigen Kindes. Aber lass uns ganz offen sein: Du hast nie Wert auf meine Freundschaft gelegt und hast dich gefürchtet, in meiner Schuld zu stehen. Dein Geschäft geht gut, die Polizeit ist da, um Dich zu beschützen. Außerdem gibt es Gerichte. Wozu noch einen Freund wie mich? Aber jetzt kommst du zu mir und sagst: „Don Corleone verschaff mir Gerechtigkeit!“ Aber Du zeigst mir keinen Respekt, bietest nicht etwa Freundschaft. Du sagst noch nicht einmal Pate zu mir. Nein, stattdessen kommst du am Hochzeitstag meiner Tochter in mein Haus und bittest mich, einen Mord zu begehen – für Geld.“

Mit diesem eindringlichen Monolog zementiert „Der Pate“ eine Lebensphilosophie, die auf Ehre und Respekt basiert. Als Gegenentwurf zur Industrialisierung ersetzt dieses persönliche Rechtsempfinden die Grundlagen einer demokratischen Gemeinschaft. Es ist die Basis für das Geschäftsmodell der Mafia und ein Anker-Punkt für italo-amerikanische Bürger in den Dreißiger und Vierziger Jahren. Dem Autor Mario Puzo ist es mit seinem Roman und später Francis Ford Coppola mit seinem Film gelungen, ein Gesellschaftsporträt abzuliefern, das niemanden kalt lässt. Nicht umsonst rangiert die Verfilmung ganz oben in der Hitliste der besten Filme.

Was bleibt aber von diesem einmaligen Meisterwerk übrig, nachdem es als Videospiel umgesetzt wurde? Regisseur Francis Ford Coppola war wenig erfreut darüber , dass Electronic Arts sein Meisterwerk auf den kleinen Bildschirm bannte. Seine Skepsis war zumindest teilweise gerechtfertigt. Der Spieleschmiede gelang es zwar, einen guten GTA-Klon auf den Markt zu werfen, wirklich erstklassig war aber allein die Story.

Sattes Update mit bewährter Story

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Bei den Erpressungen kommen erstmals die Bewegungssensoren zum Einsatz.

Nach dem Debüt für die alten Konsolen, packte Electronic Arts schon bei der Xbox 360 Fassung (hier gibt’s den Test dazu) der Ehrgeiz und es wurden ein paar ordentliche Verbesserungen vorgenommen. Schicke Effekte und neue Texturen verhalfen dieser Version zu einem hübscheren Gesamtbild. Inhaltliche Verbesserungen sorgten für mehr Spieltiefe und neue Elemente erhöhten die Spieldauer. Erstmals war es auch möglich, Hilfe bei harten Schießereien herbei zu rufen und neue Bereiche zu entdecken. Bei der Playstation 3 wurde noch mal eine Schippe drauf gelegt und daraus die „Don Edition“ gemacht. Maßgeblich verantwortlich für diesen Untertitel ist die komplett überarbeitete Charakterentwicklung, neue Abschnitte und die Integration des SIXAXIS-Controller in das Steuerungssystem. Zusätzlich gibt es noch Online-Ranglisten, eine neue Familie, mit der man Krieg führen kann und zwei neue Fahrzeuge. Damit sich Xbox 360 Käufer nicht schwarz ärgern, können alle Ergänzungen - bis auf die Steuerung - über den Marktplatz nachträglich eingebaut werden. Ein feiner Zug, der Electronic Arts bestimmt ein paar Pluspunkte bringt.

Was den Entwicklern übrigens bei allen Versionen hervorragend gelungen ist, betrifft die Einbindung der Ursprungshandlung. Immer wieder begegnet Ihr Original-Szenen und Gesprächen, die dank hervorragender Gesichts-Texturen und Original-Sprechern jede Menge Atmosphäre verbreiten. Da der Hauptcharakter auch ein Mitglied der Familie ist und sich langsam die Ränge hochkämpft, wird die Essenz des Films recht gut wiedergegeben. Als pures Sandbox-Game wie Grand Theft Auto funktioniert der Titel zwar nur mittelmäßig, aber etwas anderes würde der Vorlage auch nicht gerecht werden. Dafür sorgen viele Details wie das Erpressen von Ladenbesitzern und der groß angelegte Diebstahl von Warenladungen für genau die richtige Stimmung. Der Titel ist kein spielerisches Meisterwerk, sorgt jedoch trotzdem ständig für Motivation und lässt dank der starken Geschichte kaum Längen entstehen.

Neue Steuerung, alte Grafik

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Die netten Effekte täuschen nicht über die mageren Umgebungs-Texturen hinweg.

Das neue Steuerungssystem gibt uns einen Vorgeschmack auf die Wii-Blackhand-Edition, wo die Bewegungserkennung noch ausgeprägter zum Einsatz kommen soll. Auf der Playstation 3 macht sich der SIXAXIS-Controller vor allem bei Erpressungsversuchen bemerkbar. Habt Ihr nämlich Euer Opfer erst mal auf die Knie gezwungen, könnt Ihr ihn per Controller-Bewegung wieder auf die Beine holen, ihm mit einem Kippen nach hinten einen Kopfstoß versetzen oder per Seitwärtsbewegung gegen Mauern schlagen. Da die Neigungssensoren sonst aber nicht einmal bei Autofahrten einsetzt werden können, bleibt diese Funktion ein nettes Gimmick, das außer ein wenig Atmosphäre kaum Vorteile verschafft.

Aber nicht nur das Gameplay präsentiert sich durchwachsen, auch bei der Grafik wäre deutlich mehr drin gewesen. Während die Hauptcharaktere ihren Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten sind und mit ihren Texturen auch Next-Generation Ansprüchen gerecht werden, sieht die Umgebung samt Passanten und Fahrzeugen recht dürftig aus. Bei den Xbox360 und PS3-Portierungen wurden zwar einige sehenswerte Effekte nachgereicht, doch gerade hier fällt die magere Umgebungsgrafik besonders stark ins Auge. Kombiniert mit einigen harten Clipping-Fehlern kann man die Optik beim besten Willen nicht als Next-Gen bezeichnen. Echte Pate-Fans werden sich von diesem Umstand natürlich nicht schocken lassen. Wer allerdings einen schicken GTA-Klon in den dreißiger Jahren erwartet, dürfte enttäuscht sein. Mehr ist aber wohl ohne einen kompletten Umbau der Grafikengine nicht drin gewesen.

Electronic Arts musste schon oft Prügel einstecken, wenn es um Lizenzumsetzungen ging. Der Pate ist da eine löbliche Ausnahme, auch wenn die Unterschiede zur Xbox 360 Fassung nicht bahnbrechend sind. Trotzdem sorgen die feinen Verbesserungen für das Gefühl, dass sich die Entwickler mit der Marke Mühe geben. Wenn man aber ehrlich ist, rührt selbst bei der Don-Edition die größte Faszination von der eigentlichen Geschichte und der einmaligen Atmosphäre her. Das Spiel, das darum gestrickt wurde, ist hingegen nur mittelmäßig. Deshalb gibt es trotz ein paar Verbesserungen keinen allzu dicken Wertungsbonus und die Don-Edition muss sich mit einer 7 zufrieden geben. Allerdings mit einer, die stark an der 8 kratzt.

7 /10

Der Pate – Die Don Edition erscheint am 23. März für die Playstation 3.

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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