Der PS5-Preis passt - Aber wo sieht man den Generationswechsel?

Und was Corona damit zu tun haben könnte… 

Mit der PlayStation 5 ist nun also auch die zweite Katze aus dem Sack und die Fronten geklärt. Martin hat an anderer Stelle schon kundgetan, was er von Sonys Verzicht auf eine Spieleflatrate hält. Nun haben wir ein konkretes Bild davon, wie sich die beiden großen Konkurrenten Sony und Microsoft die Zukunft vom großformatigen Gaming vorstellen: Erstmals seit einer ganzen Weile sind die Ansätze erfrischend unterschiedlich, was man angesichts der nach wie vor zweifellos annähernd in austauschbarer Qualität erscheinenden Multiplattform-Entwicklungen gar nicht meinen sollte.

Microsoft setzt auf den Gedanken eines ganzheitlichen Ökosystems, das nicht nur aus seinen Konsolen der letzten und kommenden Generation besteht, sondern auch und vor allem aus dem Game Pass, der Spiele günstiger und damit zugänglicher macht. Sony hingegen sprach sich schon vor einer Weile für den klassischen Generationengedanken aus, bei dem man die alte Hardware zurücklässt und die Segel in Richtung neuer Ufer setzt. Auch das kann funktionieren, hat es die letzten dreißig Jahre hindurch auch. Immerhin ist mit dieser Aufbruchstimmung jedes Mal auch der Reiz und die Aufregung des Neuen verbunden.

Das Problem bei diesem Ansatz ist nur, dass es nicht die Hardware ist, die den Generationenwechsel, wie Sony ihn versteht, sicht- und fühlbar macht, sondern die Spiele. Zumindest nicht, bis wir endlich mal selbst Hand an den DualSense-Controller legen und die schnelleren Ladezeiten erleben durften. Ratchet and Clank sieht toll aus, Demon's Souls Remake ebenso, Spider-Man: Miles Morales findet offenbar durchweg auf Glatteis statt, weil die Konsole Raytracing kann, und sticht dadurch ebenfalls ein wenig mehr hervor als das Äquivalent der letzten Generation.

Aber wenn man mal ehrlich ist, zieht einem nichts davon so unmittelbar die Schuhe aus, wie es die Unreal Engine 5 Demo vor einer Weile tat. Vor allem gab es für jedes optisch ansprechende Spiel eines, von dem man nicht hätte sagen können, ob es in ähnlicher Form nicht auch auf aktuellen Geräten laufen könnte. Und dann gab es Final Fantasy 16...

Das Gute daran: Auf Sonys In-House Studios ist für gewöhnlich Verlass. God of War, das nächste Uncharted, das neue Gran Turismo und Horizon Forbidden West werden fantastisch aussehen, ließen sich aber gestern Abend nicht wirklich blicken. Zweifellos auch ein Nebeneffekt der Corona-Pandemie, die vielen geregelten Studioabläufen einen dicken Knüppel zwischen die Beine geworfen haben dürfte. Stattdessen dominierten Cross-Generation-Produktionen mit einer Optik, die endlich mal wieder mit der eines ordentlich ausgestatteten PCs vergleichbar war, die Show.

Wir sind mittlerweile auf einem grafischen Level angekommen, an dem die Sprünge von Generation zu Generation kleiner werden. Und obschon der PC-Fan in mir darin die kleine Chance gekommen sieht, endlich auch an der Konsole 60fps mehr als Regel anstatt nur als Ausnahme zu bekommen, ist schon klar: Ohne den einen audiovisuellen "Wow!"-Effekt ist "Es ist die neue Generation" kein stechendes Argument. Ganz egal, wie sehr jeder von uns das Gefühl liebt, die Folie von einem Karton neuer Hardware aufzureißen und den Controller das erste Mal in die Hand zu nehmen. Deshalb stellt sich die Frage, ob Microsoft mit seinem kuscheligen "Spiel, was Du willst, wo Du willst"-Paket für den Moment nicht besser und zeitgemäßer aufgestellt ist.

Worte, die ich mir zweifellos ausdrucken und mit Messer und Gabel verspeisen darf, wann immer Naughty Dog mit seinem neuen Spiel für PS5 um die Ecke kommt. Machen wir uns nichts vor.

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Mehr Unterschied im Controller als in der Garfik bei diesem Generationswechsel?

Deshalb bleibt das Rennen fürs erste offen und Sony immer noch in der besseren Ausgangssituation. Das liegt in erster Linie an besagten, so oft Feuilleton-würdigen Eigenproduktionen und einem Image, das Synonym mit dem modernen Bild des Gamers ist. Ein klug gewählter Preispunkt für das digitale Einstiegsmodell ohne weitere technische Zugeständnisse zementiert fürs erste, dass Microsoft kein allzu leichtes Spiel mit dem Marktführer haben dürfe. Ganz egal, wie irrwitzig gut der Deal auch ist, den Konsole plus PC plus GamePass und Streaming auf Android und später auch Laptops auch darstellen (und ja, es gibt Leute, denen musste ich Game Pass zweimal erklären, weil sie sich nicht vorstellen konnten, das er all das wirklich bieten sollte). Dass ich aber überhaupt von einem offenen Rennen spreche, ist bezeichnend dafür, wie viel Microsoft in den letzten ein, zwei Jahren richtig gemacht hat.

An beiden Konsolenvorstellungen gab es eine Menge zu kritisieren und das haben wir an dieser Stelle auch ausdrücklich getan. Gleichzeitig ist es spannend, diesen beiden Streithähnen die Jahre hindurch beim Ringen um die Gunst der Spieler zuzusehen: Beim Experimentieren, Triumphieren und Taumeln. Ihr wollt wissen, wie Konkurrenz das Geschäft belebt und warum sie gut für den Kunden ist? Der Videospielmarkt im Allgemeinen und dieser Wettstreit im Speziellen - mit seinem ewigen Hin und her die Generationen hindurch - sind das beste Anschauungsmaterial.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel. test

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