Digital Foundry: Nvidia GeForce GTX 1050 Ti - Test

Das Pascal-Schnäppchen ab 150 Euro.

Nvidias Pascal Architektur setzt den Preis-Weg nach unten weiter fort und erreicht mit zwei neuen Karten nun die Budget-Bereiche: GTX 1050 und GTX 1050 Ti. Letztere ist auch die Karte, die wir uns heute genauer angucken wollen, das Debüt eines vollwertigen Nvidia GP107 Prozessors, der eine Performance leicht oberhalb der PS4 bietet und mit sinnvollen 4GB DDR5 bestückt ist. Die GTX 1050 Ti - aktueller Preis um die 150 bis 160 Euro - kann euch 1080p60 in den meisten Spielen geben, wenn ihr ein wenig herumschraubt, aber das eigentliche Ziel ist eine Konsolen-Performance mit leicht verbesserten Effekten und stabilerer Framerate.

In dieser vollwertigen Ausführung des GP107 hat die 1050 Ti 768 CUDA Prozessoren - auf dem Niveau der Last-Gen 950 -, die mit 7 GBPS an den DDR5-Speicher angebunden sind, gefüttert von einem 128 Bit Interface. Das echte Highlight ist aber - und das hängt ein wenig vom jeweiligen Hersteller der Karte ab - dass sie winzig klein ist und in ihrer Grundausführung keinen zusätzlichen PCI-Stromanschluss braucht. Das ist wichtig. Das eröffnet wie die 750 Ti und eine sehr übersichtliche Auswahl an GTX 950-Varianten zuvor die Möglichkeit, ein leistungsfähiges GPU-Upgrade in den allermeisten PCs durchzuführen, ohne dass ihr ein anderes Netzteil bräuchtet. Alles wird durch die mageren 75 Watt versorgt, die das Mainboard durch den Slot liefert und um es vorsichtig zu sagen: Wir sind wirklich erstaunt, wie viel Leistung sich aus diesem winzigen Strom-Budget herausholen lässt.

Die vollständigen Specs findet ihr an anderer Stelle, aber es fällt sofort auf, dass die Taktung gute 300 Mhz niedriger ausfällt, als man es sonst von der Pascal Architektur erwarten würde. Das dürfte der 75-Watt-Limitierung geschuldet sein. Man muss aber auch zum Glück dazusagen, dass diese Specs in Wahrheit sehr konservativ sind. Das Zotac-Board kommt locker auf 1650 Mhz, so wie es aus der Kiste kommt und selbst eine Übertaktung auf 1850 Mhz übersteigt nicht das 75-Watt-Limit.

Das Ergebnis ist, dass die GTX 1050 schon so, wie sie geliefert wird, der Last-Gen 960 Konkurrenz macht und das obere Limit der Übertaktung könnte sogar jenseits der 1850 Mhz liegen, zumindest, wenn ihr euch für eines der 1050-Modelle mit einem 6-Pin-PCI-Anschluss entscheidet. Nicht sehr weit allerdings, die MSI Gaming X mit einem Stromanschluss ließ sich auf 1911 Mhz bringen, was gerade mal 1-2 FPS bringt.

Was die Zotac-Karte angeht, die wir hier haben, kann man sagen, dass sie weit vom üblichen Design der Dritthersteller entfernt ist. Es ist eine schlanke, kleine Karte, die auf ihren Preis zugeschnitten wurde. Aber das macht nicht viel, da der GP107 Prozessor so effizient arbeitet, dass er nicht viel High-End-Kühlung braucht. Die einfachen Kühlrippen und der Lüfter reichen absolut aus und halten die Karte geradezu kalt. Selbst mit maximaler Übertaktung kam die Karte nur auf 50 Grad Celsius.

Wie man es erwarten würde, bieten die Anschlüsse nur das Nötigste. Es gibt einen einfachen HDMI 2.0 Port, einen einzelnen DisplayPort und einen Dual-Link-DVI-Anschluss. Simpel und für eigentlich alles gerüstet, wofür man diese Karte einsetzen könnte.

Nvidia stellte auch sicher, dass die GTX 1050 Ti mit genügend VRAM ausgestattet ist. Wir waren damals durchaus überrascht, wie gut die GTX 950 und 960 mit vielen Spielen klarkamen, obwohl sie nur 2GB Speicher hatten. Immer wieder kommt aber ein Spiel des Weges, das eine Herausforderung darstellt, sei es nun das speicherfressende Assassin's Creed Unity oder Forza Horizon 3, die bei den 2GB Karten ständig VRAM-Warnungen auswarfen. Die GTX 1050 Ti dagegen hat nicht nur die Leistung, um PS4 und Xbox One auszustechen, sie hat auch den Speicher und danach noch jede Menge extra dazu. Die Frage ist nur: Wie schnell ist sie am Ende wirklich?

Die GTX 1050 Ti bietet eine sehr ansehnliche 1080p-Performane, wie man hier in dem Video sehen kann, wo sie mit GTX 460, GTX 950 und GTX 960 verglichen wird.

1920x1080 (1080p) GTX 1050 Ti 4GB RX 460 4GB GTX 950 LP 2GB GTX 960 2GB RX 470 4GB GTX 1060 3GB
Assassin's Creed Unity, Ultra High, FXAA 35.0 27.0 24.5 29.8 48.8 55.2
Ashes of the Singularity, Extreme, 0x MSAA, DX12 29.3 23.2 21.6 27.2 45.2 46.8
Crysis 3, Very High, SMAA T2x 46.0 34.9 36.7 46.4 68.0 74.8
The Division, Ultra, SMAA 32.8 27.4 25.6 33.8 37.3 54.3
Far Cry Primal, Ultra, SMAA 39.9 29.2 30.5 37.8 54.7 63.1
Hitman, Ultra, SMAA, DX12 38.2 36.5 25.3 31.7 68.6 57.7
Rise of the Tomb Raider, Very High, High Textures, SMAA, DX12 43.7 33.6 35.3 45.0 64.1 74.2
The Witcher 3, Ultra, Post AA, No HairWorks 40.6 32.0 31.2 38.9 57.9 64.7

Die 1080p Ergebnisse lassen die AMDs nicht gut aussehen, wenn man sich die Zahlen der RX 460 4GB Produkte - in diesem Falle eine Asus Strix - anguckt. Ganz grob gesagt ist die preislich sehr ähnliche 1050 Ti 25 bis 30 Prozent schneller. Diesen Abstand holt die Radeon Hardware nur bei Hitman auf, ein Spiel, das die AMD-Hardware bevorzugt, egal ob es auf DX11 oder DX12 läuft. Aber selbst hier ist die Nvidia-Karte am Ende schneller. AMD senkt den Preis der RX 460, aber wenn die GTX 1050 Ti in ihrer Grundausstattung ohne eine Übertaktung von Haus aus einen solchen Vorsprung schaft, dann ist es klar, dass wir hier eine Verschiebung stattfindet, wie wir sie im Grafikkartenmarkt bei zwei direkt konkurrierenden Produkten selten sehen.

Der Leistungssprung zahlt sich auch in anderen Bereichen aus. Die 768-Kern Pascal-basierte GTX 1050 Ti überholt die 768-Kern Maxwell-basierte GTX 950 - hier ein seltenes ASUS-Modell ohne zusätzlichen Stromanschluss - und schaft es sogar, sich leicht vor die GTX 960 zu setzen. In Spielen mit hohen Speicheranforderungen wie Assassin's Creed Unity bringen die zusätzlichen 2GB Speicher der 1050 diese sogar deutlich vor die 960.

Die einzige Fliege in der Suppe ist hier die GTX 1060 3GB und zu einem geringeren Grad auch die AMD RX 470. Einen Schritt auf der Nvidia-Leiter hochzugehen bringt euch hier in aller Regel 60 Prozent mehr Leistung für 35 Prozent mehr Geld. In reiner Leistung gemessen schafft es die 1050 Ti also nicht ganz, diesen perfekten 1080p-Preis-Leistungs-Idealpunkt zu treffen - etwas, das man der RX 460 übrigens genauso ankreiden muss.

1920x1080 (1080p) GTX 1050 Ti 4GB GTX 1050 Ti 4GB OC GTX 1060 3GB GTX 1060 6GB GTX 1070 GTX 1080 Titan X-P
Assassin's Creed Unity, Ultra High, FXAA 35.0 37.5 55.2 58.2 79.1 99.0 119.2
Ashes of the Singularity, Extreme, 0x MSAA, DX12 29.3 32.0 46.8 45.9 64.8 77.8 87.6
Crysis 3, Very High, SMAA T2x 46.0 49.7 74.8 78.7 107.0 131.7 153.9
The Division, Ultra, SMAA 32.8 35.2 54.3 56.6 78.3 94.0 117.9
Far Cry Primal, Ultra, SMAA 39.9 43.3 63.1 65.6 88.8 109.3 132.2
Hitman, Ultra, SMAA, DX12 38.2 41.3 57.7 65.8 92.6 112.7 136.8
Rise of the Tomb Raider, Very High, High Textures, SMAA, DX12 43.7 47.7 74.2 75.1 105.0 132.8 167.2
The Witcher 3, Ultra, Post AA, No HairWorks 40.6 43.2 64.7 68.4 94.2 111.8 137.6

1080p ist nach der Steam-Hardware-Umfrage die beliebteste PC-Auflösung beim Spielen, also schauen wir uns die Leistung der 1050 Ti gegen andere Pascal-basierte Karten an, um das Preis-Leistung-Verhältnis der Nvidia-Karten besser einschätzen zu können.

Im Grunde ist der Sweet Spot für Spiele in 1080p die GTX 1060. Im Bereich um 200 bis 250 Euro bietet die GTX 960 mit 3GB RAM die beste Leitung für ihr Geld, was nur durch den relativ kleinen Framebuffer geschmälert wird. Die erstaunliche Realität ist, dass die GTX 1050 Ti mehr VRAM hat, als das teurere Gegenstück und während 3GB für 1080p-Spiele in aller Regel ausreichen, gibt es doch Szenarios, in denen die GTX 1060 an ihr Limit stößt. Dafür gibt es dann die GTX 1060 mit 6GB, die dieses Problem sicher nicht hat, aber da der Preis im Vergleich zur 1050 Ti etwa 100 bis 120 Euro höher liegt, ist das natürlich ein ordentlicher Preissprung. Die deutlich teureren GTX 1070 und 1080 zeigen ihren Wert nicht unbedingt bei 1080p, sie wurden in erster Linie für höhere Auflösungen entworfen.

Und auch wenn die GTX 1060 das beste Preis-Leistungsverhältnis insgesamt bietet, gibt es doch viele Szenarios, in denen die ganz eigenen Stärken der GTX 1050 Ti zum Tragen kommen. Es ist eine winzige, fast lautlose Karte, und der Fakt, dass sie dermaßen kühl bleibt - selbst mit den einfachsten Kühlrippen und Lüftern - bedeutet, dass man sie in kleine PC verbauen kann, ohne dass man Gefahr läuft, an ihre Temperatur-Limits zu stoßen. Die Tabelle oben enthält auch die Übertaktungsdaten: Wir konnten zusätzliche 220 Mhz mit dem Kern und 400 Mhz mit dem GDDR5-RAM herausholen, was die Bandbreite auf 7,8 GBPS brachte. All das mit nur 75 Watt ist geradezu ein Augenöffner.

crysis
Diese Szene aus Crysis 3 lässt sich leicht wiederholen und es gibt eine konstante Belastung der GPU, was sie für einen Übertaktungs- Und Leistungsaufnahme-Test prädestiniert.
GTX 1050 Ti GTX 1050 Ti OC GTX 950 LP GTX 950 GTX 1060 6GB RX 460 RX 470
Spitzenstromverbrauch 164W 167W 169W 200W 230W 190W 283W

Kommen wir zum Stromverbrauch der GTX 1050 Ti. Nicht nur übertrifft sie die GTX 950 der letzten Generation in Leistung, sie verbraucht sogar etwas weniger Strom als Stromsparvariante der 950, die auch ohne zusätzlichen PCI-Express-Stromanschluss auskam. Hier findet ihr auch die Werte der Stromspar-950 von ASUS, wie auch die der von Werk aus übertakteten Variante. Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass die GTX 1050 Ti die Leitung der GX 960 bietet, aber dazu noch der Klassenprimus in Sachen Sparsamkeit ist.

Die Tabelle zeigt auch, dass AMD noch viel Arbeit vor sich hat, wenn es um den Stromverbrauch und Energieeffizienz geht. Die ab Werk übertaktete Stromsparvariante der RX 460, die wir für den Test hatten, bietet nicht nur geringere Leistung, die Effizienz der 14nm-Bauweise lag gegenüber der 28nm-Bausweise der letzten Generation von Geforce-Karten geringfügig höher. Bei diesem Spiel - Crysis 3 - bot die nicht übertaktete GTX 1050 Ti nicht nur 25 Prozent mehr Leistung, sie hatte auch einen 14-Prozent Energieeffizienzvorteil gegenüber der ASUS Strix RX 460.

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Die Effizienz der GTX 1050 Ti ist wirklich beeindruckend, aber die der GTX 1060 ist wirklich außergewöhnlich. Die teurere Karte bietet 71 Prozent mehr Leistung und braucht nur 39 Prozent mehr Strom. Man muss dabei im Hinterkopf behalten, dass der neue GP107 in der GTX 1050 Ti eine andere Fertigungsweise nutzt, einen Samsung 14nm FinFET Prozess, im Gegensatz zu der 16nmFF-Technologie aller anderen Pascal-Prozessoren. Die Übertaktungs-Ergebnisse zeigen aber, dass Pascal problemlos zwischen verschiedenen Prozess-Knoten skalieren kann.

Nvidia GeForce GTX 1050 Ti - Das Digital Foundry Urteil

Geradezu brutal effizient und höchst genügsam, das macht die GTX 1050 Ti zum klaren Gewinner in der Kategorie um die 150 Euro und sie deklassiert damit die von Werk übertakteten RX 460 4GB Modelle, die für Vergleiche zur Verfügung standen. Was Nvidia aus den mageren 75 Watt, die das Mainboard bieten kann, herausholt, ist beeindruckend. Wenn es um das einfache Upgraden eines Low-End-Desktops geht, dann gibt es nicht Vergleichbares auf dem Markt. Noch erstaunlicher ist, dass es immer noch Luft für ein wenig Übertaktung gibt. Wir freuen uns jetzt schon auf die High-End-Modelle, die dann einen zusätzlichen Strom-Anschluss haben, um zu sehen, was man aus diesen herausholen kann.

Was aber das Preis-Leitung-Verhältnis insgesamt angeht, kann man leicht dem Charme der teureren Modelle erliegen. Eine 35 Prozent teurere Karte bringt euch in etwa 60 Prozent mehr Leistung, die dann in Form der GTX 1060 3GB kommt - auch wenn es natürlich ein Downgrade beim VRAM darstellt. Auch AMD beginnt, die Preise für die RX 470 4GB zu senken, die zwar nicht ganz so schnell wie die GTX 1060 ist, aber zusammen mit einem guten i5-Prozessor auch einen ordentlichen Sprung schafft.

Insgesamt ist die GTX 1050 Ti eine Karte mit solider Leistung, die viele Vorzüge hat. Solange ihr einen Dual-Slot PCI-Express Slot frei habt, sollte sie in jeden PC passen, unabhängig von seinem Netzteil und in diesem Szenario und als diese Art von Grafikkarte bietet sie die beste Leitung. Zahlt ihr mehr, bekommt ihr auch mehr, aber in ihrer Marktkategorie ist die GTX 1050 Ti eine Klasse für sich.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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