MoH: Frontline HD - Tech-Analyse

Das PS3-Remake enttäuscht

Digital Foundrys Face-Off-Berichterstattung zum neuen Medal of Honor sollte in Kürze fertig sein, aber in der Zwischenzeit erwies sich die Chance, das HD-Remake des Klassikers Medal of Honor: Frontline aus dem Jahr 2002 - kostenlos im Bundle mit der PS3-Limited Edition erhältlich - unter die Lupe zu nehmen, als unwiderstehlich.

Durch das Fehlen von Hardware-Abwärtskompatibilität in allen Geräten außer der Launch-PS3 hat Sony einige der besten Titel seines Portfolios ausgewählt und in High Definition "neu gemastert". Die Resultate waren bisher beeindruckend. Die God of War Collection zeigt, das originale PS2-Artworks ganz ordentlich auf eine 720p-Auflösung vergrößert werden können, während das kommende Sly-Cooper-Pack sogar Stereoscopic 3D unterstützt. Unsere Emulation von Ico und Shadow of the Colossus in HD deutet ebenfalls auf etwas Großes hin.

Die Portierung von Medal of Honor: Frontline ist unterdessen aus mehreren Gründen erwähnenswert - nicht zuletzt aufgrund des Alters des Spiels. Die bisher für Remakes ins Visier genommenen Spiele stammen aus der späteren Ära des PS2-Lebenszyklus. Es ist nur fair, wenn man sagt, dass Frontline aus einer Zeit stammt, in der sich die Entwickler noch immer unsicher waren, wie ihre Möglichkeiten mit dieser leistungsfähigen, aber dennoch einzigartigen Sony-Hardware aussehen. Außerdem lässt die Tatsache, dass es lediglich im Bundle als Bonus und nicht als eigenständiges Produkt angeboten wird, darauf schließen, dass das Budget nicht groß genug war, um mit der Qualität der Sony-Remakes zu konkurrieren.

Es gibt keine Möglichkeit, das schonend auszudrücken: Frontline wurde einfach nicht gut auf die PlayStation 3 übertragen. Ehrlich gesagt ist es eher enttäuschend. Das Ganze als "Remaster" zu bezeichnen, ist in gewisser Weise arglistig, weil die PS3 zwar eine 720p-Auflösung ausgibt, ansonsten aber mit Ausnahme der Vorzüge des Progressive-Scan-Renderings (Was bei den Xbox- und GameCube-Versionen des Originals so schon der Fall war) keinerlei visuelle Upgrades vorhanden zu sein scheinen.

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Die Vorzüge eines relativ frühen PS2-Titels auf der PlayStation 3 fallen abgesehen von höheren Framerates und einem Progressive-Scan-Bild eher mager aus.

Grafik und Sound scheinen im Vergleich zum Original-PS2-Spiel unangetastet zu sein. Der Sound schlägt sich noch ganz gut und der Soundtrack von Michael Giacchino hat noch immer eine unverkennbare Klasse, aber die Grafik - wenig Polygone und niedrig aufgelöste Texturen - kann man anhand heutiger Standards nur als potthässlich bezeichnen.

Es ist unklar, wo genau an dieser Stelle - wenn überhaupt - ein HD-Remastering stattfand. Um das mal zu verdeutlichen: Standardmäßig nutzt das Spiel nicht mal ein korrektes Widescreen-Seitenverhältnis. Normalerweise sieht alles eher gestreckt aus und der Spieler muss das Seitenverhältnis manuell anpassen, um die Dinge wieder korrekt darzustellen - obwohl das bedeutet, dass man dann links und rechts schwarze Balken hat.

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Verändert man in den Optionen nicht das Seitenverhältnis, bekommt man solche Bilder.

Etwas Aufwand hat man aber bei der Steuerung betrieben. Sobald das Spiel startet, hat man die Möglichkeit, ein modernes Shooter-Kontrollschema zu nutzen. Das ursprüngliche Kontrollschema bleibt aber auch weiterhin verfügbar und es ist interessant, wie "falsch" sich das heutzutage anfühlt.

Wo wir allerdings eine Verbesserung erwartet hätten, ist die Performance. Wenn Sony das originale God of War portieren und stabilen 720p60 nahe kommen kann, sollte das mit dem älteren, technisch weniger anspruchsvollen Medal of Honor: Frontline doch ein Kinderspiel sein, richtig? Falsch.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Performance im Allgemeinen besser ist, aber obwohl wir niemals konstante 60 FPS erreichten, kamen wir bei günstigen Bedingungen doch in die mittlere 50er-Region. Nichtsdestotrotz gibt es große Probleme mit Screen-Tearing, was den Look des Spiels und die dramatischen Framerate-Schwankungen nur noch mehr zur Schau stellt.

Zusammengefasst haben wir schon bessere Exklusivinhalte gesehen und obwohl es sich wie ein wirklich cooles Extra für eine Limited Edition anhört, ist die Realität doch eher ernüchternd - das Spiel ist ziemlich gealtert und die Entwickler haben keine großen Anstrengungen unternommen, um die Portierung auf eine HD-Konsole in irgendeiner Art und Weise elegant zu gestalten. In vielerlei Hinsicht befleckt es die nostalgischen Erinnerungen, die langjährige Spieler an das Original haben, weil es, gemessen an heutigen Standards, nicht wirklich viel Spaß macht.

Als Erinnerung daran, wie weit sich das Genre in den letzten Jahren entwickelt hat, ist es aber ein interessanter Bonus und die Limited Edition von Medal of Honor für die PS3 kostet nicht mehr als die 360-Version. Es ist also nicht so, als ob Spieler mehr dafür zahlen müssten. Wenn Xbox-360-Besitzer an der Nostalgie teilhaben möchten, sollten sie sich die ursprüngliche Xbox-Version für ein paar Euro beschaffen, da es auch einer der Titel ist, der über die Abwärtskompatibilität unterstützt wird. In Wahrheit investiert ihr euer Geld aber lieber in Criterions Black, wenn ihr einen qualitativ guten Retro-FPS haben wollt, der hier und da immer noch mithalten kann.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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