Dragon Age: Origins

Märtyrer, Tyrann oder Wiederholungstäter?

Entwickler auf dem ganzen Globus werden nicht müde, den Kampf Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß, Monat für Monat, Jahr für Jahr in einer ewigen Litanei der Fantasy-Plattitüden herunter zu beten. Elfen, Orks, Drachen, Oger, Zauberer, Trolle, die Welt der Rollenspiele wird auch 2008 in das enge Korsett der Tolkienschen Herr der Ringe-Saga gepresst. Nur selten wagt es ein Studio, mit ein wenig Sex, mehr Brutalität, neuen Entscheidungen oder gar einer anderen Zeitlinie aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Gefesselt an den Massengeschmack ertrinken Spieler und Studios gleichermaßen in ihrem selbst produzierten Dilemma und haben auch noch Spaß dabei.

Wenig überraschend also, dass da selbst Biowares Mass Effect mit seiner Groschenroman-Science-Fiction-Story belebend wirkte und zumindest für kurze Zeit den dunklen Schleier der Fantasy-Vorlage heben konnte. Doch schon das nächste Werk der Rollenspiel-Schmiede taucht wieder tief ein in den Sumpf der Fantasy-Abziehbildchen und Standard-Charaktere. Keine Experimente, die der anspruchsvollen Fangemeinde endlich ihr Planescape Torment 2 geben werden.

Stattdessen liefern die Kanadier mit Dragon Age: Origins den geistigen Nachfolger zum legendären Hardcore-Rollenspiel Baldurs Gate ab, der zumindest optisch auf der ersten Blick auch als Fortsetzung von Herr der Ringe/Oblivion/Drakensang durchgehen würde. Von der postulierten "Dark-Fantasy" ist bisher nur wenig zu sehen. Selbst mit dem festen Glauben an die Fähigkeiten der Entwickler ist dies eine kleine Enttäuschung.

Geplant als Saga soll es nach der Veröffentlichung Konsolen-Ableger und Fortsetzungen geben. Außerdem ist der Titel strikt für Einzelspieler konzipiert. Ein CoOp-Modus a la Baldurs Gate ist nicht geplant. Auch Online werden sich nur zusätzliche Inhalte einfinden. Bioware bleibt auch diesmal seine Linie treu und möchte den Einzelgänger in uns ansprechen. Eine Entwicklung, die man angesichts der vielen hervorragenden Gegenbeispiele kritisch betrachten kann.

Die ersten Spielszenen und der Trailer wirken wie der kleinste gemeinsame Nenner aus den Dutzenden, immer wieder durchgekauten Versatzstücken. Es entsteht der Eindruck, dass es sich bei Dragon Age: Origins um den Wunschtraum der ewig Gestrigen handelt, die mit ihrer „Früher war alles besser“-Mentalität die Wohnzimmer, Kneipen und Foren der Spielergemeinde bevölkern. So ist die Welt von Dragon Age ein hochauflösende, technisch einwandfreie Kopie bekannter Midgard/Forgotten Realms/Aventurien-Szenarien, die in ein lineares Konzept gepresst, klassische Rollenspiel-Mechaniken und bewährte Spiel-Elemente abliefert.

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Hübsch, aber irgendwie schon Dutzendmal gesehen.

Wie gehabt übernimmt der Spieler zu Beginn die Kontrolle über einen menschlichen Krieger, der für den jungen König Cailan die Kohlen aus dem Feuer holen muss. Das Reich der Menschen wird von dem Bösen/Orks/Monstern belagert und es gilt, die Heimatstadt zu verteidigen. Bevor Ihr Euch in das Abenteuer um die Rettung des Reiches stürzt, zeigt Bioware erst einmal, welche weitreichenden Entscheidungen den Spielverlauf beeinflussen können.

Gleich zu Beginn in einem Heereslager könnt Ihr selbst entscheiden, wie Ihr mit den anwesenden NPCs umspringt. Seid Ihr barmherzig, sprecht ihnen Mut zu und versorgt einen Gefangenen mit Wasser? Oder aber staucht Ihr sie zusammen, treibt sie an die Front und erlöst den Verbrecher mit einem Stich direkt ins Herz?

Wie bei anderen Bioware-Titeln soll Eure Spielweise den Verlauf der Handlung entscheidend verändern. Als brutaler Mörder weigern sich einige Charaktere sich Eurer Sache anzuschließen, während die Befragung von Informanten durch Euren Ruf deutlich einfacher abläuft. Da Ihr diesmal durch das klassische Party-System viel stärker von Euren Kollegen abhängig seid als zum Beispiel bei Mass Effect, dürfte sich die durchgeknallte, böse Variante etwas schwerer spielen.

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Kristian Metzger

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