Diablo-Klone gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, fast jedes neue Hack 'n Slay-Rollenspiel will in die Fußstapfen des legendären Blizzard-Titels treten. Die hochgeschraubten Erwartungen der Fanbasis konnte bisher aber keines dieser Spiele erfüllen. Dabei sollte es doch theoretisch einfach sein, das Spielprinzip von Diablo (1997) erfolgreich zu kopieren. Man nehme actiongeladene Monster-Schnetzelei am laufenden Band, unendliche Massen an magischen Gegenständen, eine übersichtliche Auswahl an Charakterklassen und ein paar Statistiken über die eigene Spielfigur - fertig ist der Diablo-Klon.

Nun ist NCsoft mit Dungeon Runners ohne vollmundige Versprechen angetreten und gilt eigentlich eher als Geheimtipp, denn als potenzieller Hit. Und trotzdem kommt das Spiel seinem großen Vorbild vielleicht näher, als so manch pompös angekündigter Konkurrent.

Kohle Parole?

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Kleines Messer - große Wirkung!

NCSoft ist nicht nur für einige höchst erfolgreiche Online Rollenspiele wie beispielsweise Guild Wars bekannt, auch bei den Vertriebswegen geht das südkoreanische Unternehmen neue Wege. Wurde Guild Wars als das erste MMOG ohne Abogebühren auf den Markt gebracht, kommt das ebenfalls als Onlinespiel angelegte Dungeon Runners sogar völlig kostenlos daher. Zwar gibt es eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, doch die damit angebotenen Extra-Features sind fürs Zocken nicht unbedingt notwendig. Doch dazu später mehr.

Wenn man sich das erste Mal einlogged, wird man von einer wunderschönen, total durchgestylten Next-Gen-Welt empfangen... - wer jetzt eine solche Beschreibung erwartet und nur Games mit Super-Duper-Optik spielt, wird enttäuscht. Dungeon Runners erinnert in seinem eher comichaften Stil ein wenig an World of WarCraft, nur in hässlicher und mit deutlich weniger Details versehen. Doch dafür, dass es quasi als Nebenbei-Projekt entstanden ist und kostenlos zur Verfügung steht, kann man wirklich nicht meckern.

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Ich hab den Längsten!

Vor allem merkt man an allen Ecken und Enden des bunten Schlachtengemäldes, dass sich das Spiel selbst nicht so ernst nimmt. Das beginnt bei abgefahrenen, manchmal ellenlangen Gegenstandsbezeichnungen, geht über meckernd-mosernde NPCs ("Was willst du denn schon wieder hier?", "Du willst ein Held sein?" Wasch dich mal, du stinkst!") und endet mit Questbeschreibungen, bei denen Humor ganz groß geschrieben wird.

Wer an dieser Stelle noch nicht von diesem Fakt überzeugt ist, muss sich die übergroßen Waffen, Rüstungen und anderen übertrieben designten Gegenstände ansehen, mit denen die Spielfiguren bei Dungeon Runners ausgestattet sind: Zweihänder, die größer sind als die Charaktere selbst oder Armbrüste mit einer aberwitzig enormen Spannweite.

Apropos Items: Fast jedes Monster lässt nach einer kleinen Bearbeitung durch magische Zauber oder Nahkampfwaffen mindestens einen Gegenstand, Gold oder Tränke fallen. Um es deutlich zu sagen - Ihr werdet praktisch zugesch***** mit Gegenständen aller Art und das spärliche Inventar füllt sich rascher mit allerlei Krimskrams, als Ihr auch nur im Entferntesten benötigt. Geil! Was gibt es schöneres, als ständig zu vergleichen, ob das neue Schwert besser ist als die alte Keule? Für Sammlernaturen optimal.

Die Sache hat aber einen, wenn auch kleinen, Haken. Und der heißt „bezahlte Mitgliedschaft“. Wer bereit ist, fünf US-Dollar im Monat zu investieren, hat deutlich mehr von der ganzen Item-Hatz. Non-Abonnenten haben nämlich auf viele der besseren magischen und raren Gegenstände keinen Zugriff. Sie können zwar verkauft, aber nicht verwendet werden. Ähnliches gilt für Tränke - die besonders effektiven Heil- und Manatränke stehen nur Mitgliedern zur Verfügung und auch nur diese können sie stapeln. Bei "Normalos" müllen sie sehr schnell das kleine Inventar zu, aber damit haben auch die zahlenden Spieler zu kämpfen.

Völlig ausgereift ist das Spielsystem insgesamt noch nicht und nervt manchmal mit ständig vollem Rucksack, kleinen Steuerungsproblemen, Lags und zu wenig Shorcut-Leisten. Wo wir schon dabei sind, weitere Vorteile der monatlichen Überweisung: InGame-Bankfach und keine Warteschlange beim Einloggen. Diese Liste will NCsoft in den nächsten Monaten jedoch erweitern.

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Über den Autor:

Nedzad Hurabasic

Nedzad Hurabasic

Freier Redakteur